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Plastikmüll an der Küste Johors, dahinter die Skyline von Singapur. Die Organisation Seven Clean Seas führt an solchen Stränden Clean Up Events mit Volunteers durch © Seven Clean Seas

Plastikmüll an der Küste Johors, dahinter die Skyline von Singapur. Die Organisation Seven Clean Seas führt an solchen Stränden Clean Up Events mit Volunteers durch © Seven Clean Seas

THEMA: Plastik & Plastikmüll in Südostasien

Plastik ist ein relativ junges Material. Es wird seit 150 Jahren entwickelt und seit den 1950er Jahren in Massenproduktion hergestellt. Doch der „Siegeszug“ des in vielen Bereichen so „praktischen“, aber kaum abbaubaren Materials, hat verheerende Folgen. Nur ein geringer Teil des global produzierten Plastiks wird recycelt. Das meiste landet entweder direkt in der Natur, oder auf Straßen, Stränden und Mülldeponien. Jährlich müssen die Weltmeere rund acht Millionen Tonnen Plastik von uns Menschen aufnehmen. Das ist laut der Zeitschrift National Geographic so viel, als wenn auf jedem Quadratmeter Küste rund um die Welt je 15 Einkaufstüten voller Plastikmüll lägen.

Laut einer Studie der Ocean Cleanup Foundation befinden sich von den 20 Flüssen, die weltweit das meiste Plastik ins Meer transportieren, sieben in Südostasien. Flüsse, wie der Mekong (Thailand, Kambodscha, Laos, Myanmar, Vietnam), Irrawaddy (Myanmar), Pasig (Philippinen) sowie Brantas, Bengawan Solo, Serayu und Progo (Indonesien), zählen zu den Haupttransporteuren des Plastikmülls. Daneben findet sich Müll in all seinen unterschiedlichen Arten, insbesondere jedoch Plastik, auch in Straßenecken, freien Flächen, Stränden und sogar vor den Eingangstoren von religiösen Tempeln.

Doch die Plastikflut wird nicht nur dort verursacht, wo die Folgen am offensichtlichsten sind. Große Mengen des in Europa produzierten Plastikmülls werden nach Asien exportiert. Seit China die Abnahme eingeschränkt hat, sind Indonesien und Malaysia zunehmend zu Importländern europäischen Mülls geworden. Auch die Firmenzentralen der laut Greenpeace weltgrößten Verursacher von Plastikmüll – CocaCola, Pepsi, Nestle oder Unilever – befinden sich nicht in Südostasien. Doch wie Unternehmen in Südostasien agieren und inwieweit sie für Mensch und Umwelt Verantwortung übernehmen, dafür setzt (auch) die Politik die Rahmenbedingungen. Verbraucher*innen nehmen dagegen auch mit ihrem Umgang mit Plastikmüll und ihrer eigenen Handhabung von diesem wiederum Einfluss auf Politik und Wirtschaft.

In der kommenden südostasien Ausgabe 2/2019 wollen wir beleuchten, welche Akteur*innen in das Zusammenspiel von Produktion, Verkauf, Konsum und Entsorgung von Plastik wie in Südostasien eingebunden ist und wie Plastik-Müll wiederverwertet, gehandhabt und für eigene Zwecke verdinglicht wird.

Folgende Fragen werden uns beschäftigen:

  • Wie und in welchen Zyklen hat sich Plastikproduktion in Südostasien historisch entwickelt? Welche Rolle spielen koloniale, postkoloniale und neokoloniale Strukturen dabei?
  • Wie ist Plastikproduktion in Südostasien heute organisiert? In welchem sozial-ökologischen Kontext und im Rahmen welcher Arbeitsstrukturen findet sie statt?
  • Wer produziert und vertreibt das meiste Plastik in Südostasien? Welche Rolle spielen “Big Player” wie CocaCola, Pepsi, Danone, Nestlé, Unilever und weitere Konzerne, große Supermarktketten und welche Verantwortung übernehmen sie?
  • Wie schafft die Politik in südostasiatischen Staaten Rahmenbedingungen um Industrie und Verbraucher*innen zu nachhaltigem Verhalten anzuhalten? Und welche Akteure nehmen Einfluss auf Plastik- und Müllpolitik (von der lokalen bis zur internationalen Ebene)?
  • Wie funktioniert sog. informelle und formelle Müllentsorgung in Südostasien? Wer hat daran teil und wer ist von staatlicher Müllentsorgung ausgeschlossen? Inwiefern werden Dichotomien wie formell und informell dabei infrage gestellt?
  • In welche Wertschöpfungsketten ist Müll eingebettet und wer verdient lokal, national und international daran? Was ist eigentlich “Plastic Offsetting”? Und welche Rolle spielt Entwicklungszusammenarbeit im Bereich Müllmanagement und Nachhaltigkeit und welche, bzw. wessen Interessen verfolgt sie dabei?
  • Welchen Umfang nimmt Plastikimport (aus Europa/ Deutschland) in Südostasien ein und welche Bedeutung hat er für die Ökonomien der Region?
  • Welche Alltagspraktiken und Initiativen von Müllentsorgung gibt es in Südostasien und wie sind sie in gesellschaftliche Kontexte eingebettet? Welche Wahrnehmungen von Perspektiven auf “Müll” und “Natur” gibt es? Wie spiegelt sich das sprachlich wieder? Welches Wissen über Müll besteht und wie wird es generiert und verbreitet?

Wir möchten uns diesen Fragen in möglichst vielen verschiedenen Darstellungsformen widmen: Reportagen, Hintergrundberichten, (Branchen-)Analysen, Portraits von Akteuren, Interviews oder auch Foto-Essays. Wir freuen uns auf eure Ideen!

Informationen zur Redaktion

Medien
Bitte schick uns zum Artikel passende, qualitativ gute Fotos (min. 1000 px Breite, etwa 300 dpi).

Copyright & Copyleft
Copyrightfragen sollten vorab geklärt und die Bilder beschriftet werden (Fotograf und Bildtitel).
Grundsätzlich werden alle Inhalte unter einer Creative Commons Lizenz-Namensnennung (CC-BY) veröffentlicht.

Download
Call for paper – 2/2019 (deutsch)
Call for paper – 2/2019 (english)
Call for paper – 2/2019 (indonesisch)

Deadline
Deadline für Artikel (max. 15.000 Zeichen) ist der 15. April 2019.
Bitte vorab bis spätestens 10. März ein kurzes Abstract (max. 1000 Zeichen) an die Redaktion einreichen!

Kontakt zur Redaktion:
Tamara Bülow:
Kathrin Eitel:
Anna Fünfgeld:
Anett Keller:
Mirjam Overhoff:
Janis Wicke: