
Traditionell in Bananenblätter gewickelter Tupig-Kuchen – zusätzlich verpackt in einer Plastiktüte. Alte und neue Verpackungskulturen existieren heute oft nebeneinander. © Lilli Breininger
Philippinen: Eine Fotostory über Wegwerfgesellschaft und Müllkrise
Die Philippinen gelten als eines der Epizentren der globalen Plastikkrise. Jedes Jahr fallen auf dem Archipel mehr als 2,7 Millionen Tonnen Plastikmüll an. Die Auswirkungen sind in den Städten ebenso sichtbar wie entlang der Küsten des Landes. Als Inselstaat mit mehr als 7.000 Inseln sind Flüsse, Küsten und Meere zentrale Lebensräume. Die Gewässer sind zugleich besonders anfällig für die Folgen der Plastikverschmutzung. Schätzungen zufolge gelangen davon etwa 20 Prozent in Flüsse und Meere.
Plastik ist aus dem philippinischen Alltag allerdings kaum wegzudenken. Besonders verbreitet sind sogenannte Sachets – kleine Einwegverpackungen für Shampoo, Kaffee, Gewürze oder Waschmittel. Händler bieten die Sachets in sogenannten Sari-Sari-Stores an. Das sind kleine Läden und Kioske. Die Sachets ermöglichen Menschen mit geringem Einkommen den Kauf kleiner Produktmengen, erzeugen jedoch enorme Müllmengen. Nach Angaben der Weltbank werden auf den Philippinen täglich rund 163 Millionen Sachets verbraucht.
Die Fotografien dieser Serie sind im Jahr 2026 entstanden, auf Reisen in Mindanao. Sie zeigen keine außergewöhnlichen Orte, sondern alltägliche Bilder: Straßenränder, Flussufer, Küsten und Wohngebiete. Die Bilder dokumentieren, wie tief Plastikmüll inzwischen in den Alltag eingeschrieben ist – und wie eng die Müllkrise mit Fragen von Infrastruktur, Konsum, Armut und globaler Verantwortung verbunden ist.
Müllberge überfordern die Städte
Während die Wirtschaft wächst und der Konsum zunimmt, geraten die Abfallsysteme vielerorts an ihre Grenzen. Größere Städte verfügen zwar über Müllabfuhrsysteme, diese sind allerdings oft überlastet. In vielen Städten gehören Plastikbeutel, Einwegbecher und Verpackungen daher längst zum Straßenbild. Das betrifft etwa die Metropolregion Metro Manila, aber auch Cagayan de Oro auf der Insel Mindanao, die Stadt Cebu City auf der gleichnamigen Insel oder Baguio auf der Insel Luzón.
Besonders sichtbar wird das Problem in Metro Manila. Der Pasig-Fluss (häufig Pasig River genannt), der durch die Metropolregion in die Manila-Bucht (häufig Manila Bay genannt) fließt, zählt seit Jahren zu den weltweit bedeutendsten Einfuhrwegen für Plastikmüll ins Meer. Eine Studie schätzt den jährlichen Plastikeintrag des Flusses auf knapp 39.000 Tonnen. Konkret bedeutet das zum Beispiel: An einer Pumpstation des Flusses in Metro Manila müssen täglich rund zwei Tonnen Abfall aus dem Wasser entfernt werden. Zeitweise war die Pumpstation trotzdem mit Müll verstopft. Während der Regenzeit verschlimmern Überschwemmungen die Situation zusätzlich. Die Wassermassen spülen große Mengen an Müll aus den Straßen, Kanälen und informellen sowie formellen Deponien in Flüsse und schließlich ins Meer.
In ländlichen Regionen fehlt die öffentliche Abfallbewirtschaftung
Außerhalb der städtischen Zentren spielt der informelle Recyclingsektor eine zentrale Rolle bei der Abfallbewirtschaftung. In ländlichen Regionen und informellen Siedlungen fehlt eine regelmäßige Abfallsammlung häufig ganz. Betroffene behelfen sich notdürftig indem sie den Müll verbrennen, vergraben oder in Flüssen, Kanälen und an Straßenrändern entsorgen. Tausende Müllsammler:innen, Schrotthändler und sogenannte Junk Shops sammeln und sortieren verwertbare Materialien. Doch insbesondere mehrschichtige Verpackungen und Sachets besitzen kaum Marktwert und werden deshalb selten recycelt. Nach Angaben der Weltbank wurden 2019 lediglich rund 28 Prozent der wichtigsten Kunststoffarten recycelt.
Welche Maßnahmen gibt es?
Die philippinische Regierung hat das Problem in den vergangenen Jahren erkannt. Sie hat landesweit verschiedene Maßnahmen zur Bekämpfung der Plastikverschmutzung beschlossen, darunter Regelungen zur erweiterten Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility). Auch zahlreiche Gemeinden, Umweltorganisationen und Bürgerinitiativen engagieren sich gegen die Vermüllung. So haben Betroffene beispielsweise schon einige Recyclinginitiativen erfolgreich gestartet. Dennoch bleibt die Herausforderung enorm. Das Wachstum von Konsum und Verpackungsmüll übersteigt vielerorts weiterhin die Kapazitäten der bestehenden Entsorgungs- und Recyclingsysteme.

Frischer Fisch für das Abendessen – verkauft und transportiert in mehreren Plastiktüten. Selbst auf lokalen Märkten gehört Einwegplastik auf den Philippinen zum Alltag. © Lilli Breininger

Essig, Gewürze und Zutaten in kleinen Plastikbeuteln. Der Verkauf in günstigen Kleinportionen ermöglicht vielen Haushalten den Zugang zu Lebensmitteln, produziert jedoch große Mengen Verpackungsmüll. © Lilli Breininger

Traditionell in Bananenblätter gewickelter Tupig-Kuchen – zusätzlich verpackt in einer Plastiktüte. Alte und neue Verpackungskulturen existieren heute oft nebeneinander. © Lilli Breininger

Ein improvisierter Mülleimer vor einem Dorfladen. In vielen ländlichen Regionen fehlen organisierte Sammel- und Entsorgungssysteme für Abfälle. © Lilli Breininger

Regal mit Speiseöl in Einweg-Plastikflaschen in einem Supermarkt auf Mindanao. Mit wachsendem Konsum steigt auch die Menge an Kunststoffabfällen. © Lilli Breininger

Einkauf im Supermarkt: Zahlreiche Produkte werden zusätzlich in Plastiktüten verpackt. Einwegverpackungen sind weiterhin fester Bestandteil des Konsumalltags. © Lilli Breininger

Lokale Süßigkeiten und Snacks auf einem Markt. Neben traditionellen Verpackungen aus Blättern dominieren Plastikfolien und Einwegbeutel das Warenangebot. © Lilli Breininger

Ein kleiner Sari-Sari-Store auf Mindanao. Die beliebten Sachets für Kaffee, Shampoo oder Gewürze prägen das Straßenbild und tragen erheblich zum Plastikmüllaufkommen bei. © Lilli Breininger

Angeschwemmter Müll an einer Küste auf Mindanao. Flüsse, Überschwemmungen und Stürme transportieren Plastikabfälle bis in die Küsten- und Meeresökosysteme. © Lilli Breininger

Eine illegale Müllhalde aus Plastikflaschen und Haushaltsabfällen am Dorfrand. Fehlende Entsorgungsinfrastruktur führt vielerorts zu offenen Ablagerungen. © Lilli Breininger

Detailaufnahme einer wilden Müllkippe. Nur ein Teil der Kunststoffabfälle wird recycelt – der Rest verbleibt oft jahrzehntelang in der Umwelt. © Lilli Breininger

Ein Fischer präsentiert seinen Fang. Die Angel besteht aus einer wiederverwendeten Plastikflasche und einer selbst gefertigten Kunststoffschnur. Das Bild zeigt die widersprüchliche Rolle von Plastik auf den Philippinen: als allgegenwärtiger Rohstoff des Alltags und zugleich als Bedrohung für die Meeresökosysteme, von denen viele Küstengemeinden leben. © Lilli Breininger






