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Frieden(sinitiativen) in Südostasien
„Wir brauchen den Dialog mit Menschen, die Güte, Aufrichtigkeit und Uneigennützigkeit besitzen […] Es müssen Menschen sein, deren Werte sich nicht an Macht, Erfolg und Geld orientieren und die deshalb zu einer Geisteshaltung fähig sind, die einen inneren Frieden herbeiführt“, so der Psychologe und Schriftsteller Arno Gruen in seinem Buch Ich will eine Welt ohne Kriege.
Diese Ausgabe der südostasien legt den Fokus auf Menschen und Initiativen, die Frieden ermöglichen. Frieden begreifen wir nicht nur in seinem engeren Sinn als Abwesenheit von Krieg und direkter Gewalt. Im Sinne der Definition von Johann Galtung verstehen wir Frieden auch als den Abbau von struktureller Gewalt, Ungleichheiten und Ausgrenzung. Frieden ist somit nicht allein ein Zustand, sondern ein fortwährender gesellschaftlicher Prozess, der Teilhabe, Solidarität und die Fähigkeit zum konstruktiven Umgang mit Konflikten voraussetzt.
Die Geschichte und Gegenwart Südostasiens ist geprägt von zahlreichen kommunalen, innerstaatlichen und internationalen Konflikten. Ihre Ursachen sind vielfältig. Sie reichen von den bis heute nachwirkenden Folgen kolonialer Herrschaft bis zu wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheiten. Trotz dieser Konflikte oder gerade deswegen, ist die Region auch Heimat zahlreiche bemerkenswerter Friedensinitiativen. Sei es bei der Aufarbeitung historischer Missstände oder bei der Bearbeitung aktueller gesellschaftlicher Spannungen: Aktivist:innen, Gemeinschaftsorganisator:innen, Religionsführer:innen und Künstler:innen leisten auf lokaler Ebene wesentliche Beiträge zur Friedensarbeit. Sie stärken den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Gemeinden, die unter den Folgen unkontrollierter wirtschaftlicher ‚Entwicklung‘, des Klimawandels und einer von Polarisierung und Desinformation geprägten Medienlandschaft leiden.
Dieses Engagement ist wichtiger als je zuvor. Die Tatsache, dass der sogenannte ‚Frieden von unten‘ nachhaltiger und effektiver ist, ist Praktizierenden der Friedensarbeit schon längst bewusst. Derzeit erleben wir aber ein Zurückgehen internationaler Solidarität und eine Erosion globaler Normen, die Friedenprozesse bisher gestützt haben. Das Verständnis, dass unsere Schicksale eng miteinander verflochten sind, wird zunehmend in den Hintergrund gedrängt, während die Interessen einiger Weniger geschützt werden. Dies wirkt sich auf allen Ebenen der Gesellschaften aus. Deshalb möchten wir die Arbeit derjenigen hervorheben, die diesen Entwicklungen entgegenwirken.
Das können individuelle wie gemeinschaftliche Ideen und Initiativen sein. Sie können künstlerisch, publizistisch, spirituell, permakulturell oder in vielen weiteren Formen gelebt werden. Ihr Wirken entfalten sie in Städten ebenso wie auf dem Land. Gemeinsam ist ihnen das Streben nach Gewaltfreiheit, Mitgefühl und Solidarität sowie das Anliegen, Brücken zu bauen und im kollektiven Handeln Grenzen und Gräben zu überwinden.
Folgende Fragen wollen wir in der Ausgabe 3/2026 der südostasien aufgreifen:
- Wie wird Frieden in unterschiedlichen kulturellen, religiösen und soziopolitischen Bedingungen verstanden? Welche Begriffe und Konzepte gibt es in den Gesellschaften Südostasiens um Frieden zu definieren?
- Hat Friedensarbeit ein Ende? Welche Initiativen widmen sich der Aufarbeitung vergangener Konflikte, und wie tragen sie zu Versöhnung, Gerechtigkeit und nachhaltigem Frieden bei?
- Was bedeuten staatliche Versicherheitlichungs-Diskurse von politischen und gesellschaftlichen Fragen in Südostasien für den Handlungsspielraum von Akteur:innen, die sich für Frieden einsetzen?
- Wo liegen die praktischen und ethischen Grenzen von Friedensarbeit? Wie kann Gewaltfreiheit in Kontexten anhaltender und allgegenwärtiger Gewalttaten gedacht, praktiziert und gefördert werden?
- Wer ‚darf‘ Friedensstifter:in sein? Welche Akteur:innen beanspruchen die Rolle von Friedensförderern für sich? Wie können autoritäre Regime, wie das in China, sich für Frieden in anderen Ländern einsetzen? Kann internationales Engagement koloniale Machtverhältnisse reproduzieren?
- Wie kann Frieden sichtbar gemacht, gelebt und erfahren werden und welche Akteur:innen tragen dazu bei? Gibt es inspirierende lokale Versuche für gewaltfreie Formen des Zusammenlebens und der Konfliktbearbeitung?
- Wie beeinflussen (neue) globale Herausforderungen (zum Beispiel Klimawandel /Bestrebungen für Umweltgerechtigkeit/allgegenwärtige Wirkung von sozialen Medien) lokale Friedensansätze und Vorstellungen von Frieden?
- Wie inklusiv ist Frieden? Wie fördern marginalisierte Gruppen (zum Beispiel Frauen, ethnische/religiöse Minderheiten, LGBTIQ* Gemeinde) Friedensinitiativen und -prozesse?
- Wie greifen Friedensinitiativen auf lokale spirituelle, künstlerische und ökologische Praktiken zurück?
- Wie schaffen Friedensinitiativen die Voraussetzungen für ‚positiven Frieden‘? Welche Rolle spielen soziale Gerechtigkeit, politische Teilhabe, ökologische Nachhaltigkeit und der Abbau struktureller Ungleichheiten für langfristige Friedensprozesse?
Wir freuen uns über Textvorschläge in verschiedenen Formaten: Portraits von Akteur:innen, Kommentare, Reportagen, Hintergrundberichte, Analysen, Interviews, Foto-Essays sowie Rezensionen von Filmen, Musik oder Büchern. Gesucht sind sowohl Beiträge, die sich beispielhaft mit einzelnen oben genannten Aspekten auseinandersetzen als auch Überblicksartikel zu strukturellen Fragen und Zusammenhängen. Besonders willkommen sind innovative Ansätze und überraschende Perspektiven.
Bitte schickt uns ein kurzes Proposal (max. 1.000 Zeichen) bis spätestens 20. Juli 2026 an frieden@suedostasien.net. Wir freuen uns auf eure Ideen!
Dominik Hofzumahaus, Hong Trinh Geyer, Laura Faludi, Mustafa Kursun, Sophie Meester, Trishinia Daos (das Redaktionsteam der Ausgabe „Frieden(sinitiativen) in Südostasien“
Selbstverständnis der südostasien:
südostasien versammelt Stimmen aus und über Südostasien zu aktuellen Entwicklungen in Politik, Ökonomie, Ökologie, Gesellschaft und Kultur. Zu vier Schwerpunkthemen im Jahr erscheinen Beiträge über die Region und die Länder Südostasiens sowie deren globale/internationale Beziehungen.
südostasien versteht sich als pluralistisches Forum eines herrschaftskritischen und solidarischen Dialogs, als Raum für Diskussionen zwischen Akteur*innen in Südostasien und Deutschland mit Nähe und Kenntnissen zu sozialen Bewegungen. südostasien beschäftigt sich mit Möglichkeiten transnationaler Solidaritätsarbeit angesichts ungleicher Machtverhältnisse zwischen dem globalen Norden und Süden. südostasien möchte Denkanstöße für das Handeln in Europa bzw. in Deutschland liefern.
Deadline
Deadline für proposals (max. 1.000 Zeichen) ist der 20. Juli 2026,
Die Deadline für Artikel (max. 10.000 Zeichen inklusive Leerzeichen) wird nach Akzeptanz des Proposals individuell mit den Autor:innen besprochen.
Wir freuen uns auf eure Ideen!
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Call for Papers – 3|2026 (deutsch)
Call for Papers – 3|2026 (english)
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