© Mirjam Overhoff, alle Rechte vorbehalten

Globaler Müll, regionale Folgen: Die Plastikkrise in Südostasien

Das bereits immense globale Plastikvorkommen steigt – durch Konsum – immer weiter. Nur ein geringer Teil davon wird recycelt. Schon lange ist bekannt: Plastik verrottet nicht, sondern zerfällt in Kleinstpartikel. Mikroplastik ist heute überall zu finden: auf Gletschern, in Meeren, in Böden, Tieren und Pflanzen und damit auch in uns Menschen.

Bis zu 150 Millionen Tonnen Plastik schwimmen derzeit in den Weltmeeren. Jährlich kommen rund 19 Millionen Tonnen dazu – Tendenz steigend. Einwegplastik ist der Hauptbestandteil der Meeresverschmutzung. In Südostasien gelangt viel Plastikmüll über die Flüsse – wie Pasig in den Philippinen, Mekong in Vietnam, Kambodscha, Laos, Thailand und Myanmar oder Citarum in Indonesien – in die Meere. Aber auch Extremwetterereignisse wie Taifune, Stürme, Überschwemmungen oder Erdrutsche transportieren Plastik in die Natur.

Doch die Plastikflut wird nicht nur dort verursacht, wo ihre Folgen am offensichtlichsten sind. Große Mengen des in Europa produzierten Plastikmülls werden nach Südostasien exportiert. Indonesien, Vietnam, Thailand und Malaysia nehmen den meisten europäischen Müll auf – und leben mit den Folgen. Auch die Firmenzentralen der größten Verursacher für Einwegplastik, Nestlé, CocaCola, Unilever, Procter & Gamble, befinden sich in Europa und Nordamerika. Wie diese Unternehmen in Südostasien agieren und inwieweit sie für Mensch und Umwelt Verantwortung übernehmen, dafür setzt (auch) die Politik die Rahmenbedingungen.

Eine kritische Auseinandersetzung mit den strukturellen Ursachen der Plastikkrise sowie den beteiligten Akteur:innen ist unerlässlich, um Lösungen zu entwickeln, die sozial gerecht und langfristig wirksam zur Reduzierung und Vermeidung von Plastik beitragen. Immer mehr Verbraucher:innen ist bewusst, dass ihr individueller Umgang mit Abfall eine wichtige Rolle spielt. Doch die Verantwortung darf nicht allein auf Einzelne abgewälzt werden. Notwendig sind darüber hinaus gesellschaftliche und politische Ansätze sowie gemeinschaftliche Initiativen, die strukturelle Veränderungen ermöglichen und die Produktion sowie den Verbrauch von Plastik wirksam begrenzen. Um solche Veränderungen anzustoßen, braucht es auch öffentlichen und politischen Druck, der ambitionierte Maßnahmen unterstützt und vorantreibt.

Vor diesem Hintergrund richtet diese Ausgabe der südostasien den Blick auf die Auswirkungen der Plastikkrise sowie auf den gesellschaftlichen Umgang mit Müll. Im Zentrum stehen dabei die vielfältigen Akteur:innen entlang der gesamten Wertschöpfungs- und Entsorgungskette: von Produktion und Verkauf über Konsum bis hin zu Entsorgung, Recycling und Wiederverwertung von Plastik. Unser Ziel ist es, die komplexen Wechselwirkungen zwischen diesen Bereichen sichtbar zu machen und strukturelle Zusammenhänge besser nachvollziehen zu können.

Mögliche Fragestellungen für Artikel können sein:

  • Wie haben sich das gesellschaftliche Bewusstsein und öffentliche Debatte im Umgang mit Plastik/Plastikmüll in Südostasien in den letzten Jahren verändert?
  • Welche globalen Müll-/Plastik-Regelungen wirken sich in Südostasien aus?
  • Wer produziert und vertreibt das meiste Plastik in Südostasien?
  • Wo und wie übernehmen Staaten und Konzerne des globalen Nordens Verantwortung für Einwegplastik? Gibt es in der Entwicklungszusammenarbeit entsprechende Projekte?
  • Gibt es Initiativen kritischer Verbraucher:innen im Globalen Norden in Solidarität und Kooperation mit Akteur:innen in Südostasien?
  • Wie schaffen politische und juristische Institutionen in Südostasien Rahmenbedingungen um Industrie und Verbraucher:innen zu nachhaltigem Verhalten anzuhalten?
  • Welche Akteur:innen nehmen Einfluss auf Plastik- und Müllpolitik (von der lokalen bis zur internationalen Ebene)?
  • Welche Rolle spielen dabei koloniale, postkoloniale und neokoloniale Strukturen?
  • Wie funktioniert informelle und formelle Müllentsorgung in Südostasien? Wie sieht der Alltag von Müllsammler:innen, Pawnshop-Angestellten, Müllwerker:innen etc. aus?
  • Wie werden die verschiedenen Müllsorten weiterverwertet? Wo liegen die Probleme des Recyclings von Müll?
  • Welche Möglichkeiten und Projekte der Kreislaufwirtschaft gibt es?
  • Wie wird Müllvermeidung und/oder Wiederverwertung praktiziert? Wie sichtbar sind diese Alternativen? Welche gesellschaftlichen/kommerziellen/politischen Widerstände gibt es dagegen?
  • Welche Gemeindebasierten Alternativen und Projekte gibt es zur Müllvermeidung? Gibt es einen Bewusstseinswandel?
  • Wie wurde früher mit Lebensmitteln und Konsumgütern umgegangen? Welche Materialien wurden vor dem Einwegplastik verwendet?
  • Könnten nachhaltigen Systeme der Vergangenheit zur heutigen Müllvermeidung wieder implementiert werden?

Wir freuen uns über Artikel in verschiedenen Formaten: Portraits von Akteur:innen und Initiativen, Kommentare, Reportagen, Hintergrundberichte, Analysen, Interviews, Foto-Essays sowie Rezensionen von Filmen, Musik oder Büchern. Gesucht sind sowohl Beiträge, die sich beispielhaft mit einzelnen der oben genannten Aspekten (oder einzelnen Ländern Südostasiens) auseinandersetzen als auch Überblicksartikel zu strukturellen Fragen und Zusammenhängen.

Bitte schickt uns ein kurzes Proposal (max. 1.000 Zeichen) bis spätestens 15. April 2026 an plastic@suedostasien.net. Wir freuen uns auf eure Ideen!

Lilli Breininger, Patricia Janitzki, Mirjam Overhoff, Tiffany Schlaug und Miriam Stadler (das Redaktionsteam der südostasien Ausgabe 2│2026 „Plastikkrise in Südostasien“)

Selbstverständnis der südostasien:

südostasien versammelt Stimmen aus und über Südostasien zu aktuellen Entwicklungen in Politik, Ökonomie, Ökologie, Gesellschaft und Kultur. Zu vier Schwerpunkthemen im Jahr erscheinen Beiträge über die Region und die Länder Südostasiens sowie deren globale/internationale Beziehungen.

südostasien versteht sich als pluralistisches Forum eines herrschaftskritischen und solidarischen Dialogs, als Raum für Diskussionen zwischen Akteur*innen in Südostasien und Deutschland mit Nähe und Kenntnissen zu sozialen Bewegungen. südostasien beschäftigt sich mit Möglichkeiten transnationaler Solidaritätsarbeit angesichts ungleicher Machtverhältnisse zwischen dem globalen Norden und Süden. südostasien möchte Denkanstöße für das Handeln in Europa bzw. in Deutschland liefern.

Deadline

Deadline für proposals (max. 1.000 Zeichen) ist der 15. April 2026,
Die Deadline für Artikel (max. 10.000 Zeichen inklusive Leerzeichen) wird nach Akzeptanz des Proposals individuell mit den Autor:innen besprochen.
Wir freuen uns auf eure Ideen!

Informationen zur Redaktion:

Copyright & Copyleft

Copyrightfragen sollten vorab geklärt und die Bilder beschriftet werden (Fotograf und Bildtitel).
Sofern nicht anders vermerkt werden alle Inhalte unter einer Creative Commons Lizenz-Namensnennung (CC-BY-SA 4.0) veröffentlicht.

Download:

Call for paper – 2|2026 (deutsch)
Call for paper – 2|2026 (english)

Kontakt zur Redaktion: