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Editorial südostasien 2/2021:
Südostasien – Spielball von Hegemonialinteressen?

Ein Gong verziert mit den Flaggen der zehn ASEAN Mitgliedsstaaten vor dem Wat Tham Khuha Sawan in Amphoe Khong Chiam, Thailand © Anirut, Shutterstock

Die USA, China, Russland, Australien, Indien, Japan und Europa nahmen beziehungsweise nehmen eine hegemoniale Machtstellung in Südostasien ein. Auch innerhalb Südostasiens und aus der Region heraus, kam und kommt es zu solchen Vormachtstellungen. Durch die derzeitige Covid-19-Pandemie (vgl. dazu südostasien Ausgabe 1/2021) verschärfen sich Abhängigkeitsverhältnisse zudem und es entstehen neue hegemoniale Grundlagen, auf denen Machtausübung ermöglicht wird.

Häufig sind diese Machtstrukturen nicht auf den ersten Blick durchschaubar. Welche Länder, Organisationen, Wirtschaftsunternehmen oder Gruppen ziehen dabei die Fäden? Wer steht dahinter und welche Auswirkungen bedeuten diese Strukturen für die Menschen in den Ländern Südostasiens? In der zweiten Ausgabe der südostasien im Jahr 2021 geben wir Einblicke in moderne hegemoniale Machtstrukturen in und um Südostasien. Wir fassen den Hegemonialbegriff dabei weiter und verstehen ihn als Überlegenheit, Führung oder Vormachtstellung unterschiedlicher Formen – von der Machtausübung gesamter Staatenverbunde bis hin zum hegemonialen Einfluss einzelner Kulturgüter.

Die Nutzung und Kontrolle von Lebensräumen und Rohstoffen bilden ein zentrales Ziel hegemonialer Machtverhältnisse. Motiviert durch ein hohes Interesse an zunehmend nachgefragten Rohstoffen, üben ausländische Organisationen in Südostasien Druck aus und sichern sich vor Ort Abbau- und Nutzungsrechte, wodurch Lebensräume zerstört und die dort lebenden Menschen vertrieben werden. Im Interview schildert Miles Kenney-Lazar, wie Laos durch ausländische Investitionen in den hegemonialen Fokus gerät und Menschen durch Land-Grabbing ihrer Lebensgrundlage beraubt werden. Michael Reckordt von PowerShift erklärt in diesem Zusammenhang, was die steigende Nachfrage nach Rohstoffen aus der EU, nicht zuletzt hervorgerufen durch die viel geförderte E-Mobilität, übergreifend für die Länder bedeutet. Siti Maimunah zeigt am Beispiel der Durian-Frucht, die in Südostasien weit verbreitet ist und in Teilen Indonesiens als traditioneller Teil der Kultur auch Landbesitz repräsentiert, wie Kulturgüter durch westlichen Einfluss, moderne Plantagen, Minen und Regenwaldabholzung verdrängt wurden und werden.

Aufgrund der geostrategischen Bedeutung einiger Inseln des Südchinesischen Meeres stehen dessen südostasiatische Anrainerstaaten untereinander und mit China sowie Japan in ständigem Konflikt. Im Jahr 2016 entschied der Ständige Schiedsgerichtshof  in Den Haag, dass China rund um die Spratly-Inseln die souveränen Rechte der Philippinen verletzt habe und keine territorialen Besitzansprüche in der Gegend geltend machen könne. Allerdings besitzt das Gericht keinerlei Möglichkeit, diese Entscheidung auch durchzusetzen.

Damit in Zusammenhang stehend werden teilweise auch die militärischen Beziehungen der USA zu den Philippinen gesehen. Zwar sind US-Militärstützpunkte aus der Kolonialzeit in den Philippinen mittlerweile aufgelöst, dennoch bestehen bis heute enge militärische Beziehungen der beiden Staaten durch mehrere Abkommen und sind von Bedeutung für die gesamte Region, wie Roland Simbulan erläutert. Den aktuellen deutschen beziehungsweise europäischen Beitrag im Rahmen einer globalen Indo-Pazifik-Strategie beleuchtet Uwe Hoering.

Eines der greifbarsten Beispiele verschiedener machtpolitischer Interessen bildet zudem der Mekong. Er entspringt in Südchina und bildet für die Länder in Festlandsüdostasien eine wichtige Lebensgrundlage. Talsperren, die, unter anderem in Laos, zur Energiegewinnung errichtet werden, und Wasserverschmutzungen bedrohen das Leben der Menschen vor Ort, die kaum Einfluss auf entsprechende Entscheidungen nehmen können. Chanvoitey Horn erzählt im Interview näher von den hegemonialen Verhältnissen, die diese Lebensader Südostasiens betreffen.

Auch ökonomisch findet seit jeher hegemoniale Machtausübung statt. Abhängigkeitsverhältnisse sind insbesondere durch Staatsverschuldungen im globalen Westen entstanden. Aktuelle Details dazu stellt Jürgen Kaiser in einem Interview dar. Kaewkamol „Karen“ Pitakdumrongkit erläutert im Interview wirtschaftliche Zukunftsstrategien der ASEAN Staaten und wie dadurch eine ökonomische Unabhängigkeit erreicht werden kann. Insbesondere im Rahmen kolonialer Regime wurden Geschlechts- und Rollenvorstellungen in Südostasien hegemonial geformt und teilweise gesetzlich festgeschrieben. Tracy Valera berichtet vor diesem Hintergrund über Erfahrungen von Transgender-Menschen in Vietnam.

Mit dem Themenschwerpunkt hegemonialer Interessen, der durch zahlreiche hier noch nicht aufgeführte Beiträge vertieft und um weitere Aspekte ergänzt wird, versuchen wir die vielfältigen Machtstrukturen und Vormachtstellungen in sowie rund um Südostasien einzuordnen und auf deren Problematiken hinzuweisen.

Wir wünschen eine erkenntnisreiche Lektüre und weisen zudem auf die kommende Ausgabe 3/2021 der südostasien zum Thema „Kolonialismus und Erinnerungskultur“ hin, für die potenzielle Autor*innen noch Artikel einreichen können. Hier geht’s zum Call for Papers.

Das Redaktionsteam

zur Ausgabe

  • Artikel


Die Autorin


Anna Grimminger studiert an der Universität Duisburg-Essen Internationale Beziehungen und Entwicklungspolitik. Zuvor hat sie an Universität Bonn ihr Bachelorstudium in Politik- und Südostasienwissenschaft mit Fokus Indonesien abgeschlossen. Sie ist Vorstandsmitglied der Stiftung Asienhaus.

  • Kambodscha – Der Mekong ist eine Lebensader. Der ungleiche Zugang zu sauberem Wasser wurde während der COVID-19 Pandemie erneut deutlich. Ein Interview mit der Wissenschaftlerin Chanvoitey Horn zum Thema Wasser(un)sicherheit.

  • Menschenhandel

    Deutschland/Thailand/Philippinen – Die feministische Frauen-Beratungsstelle Ban Ying (= Haus der Frauen) setzt sich in Berlin gegen Ausbeutung und Menschenhandel ein.

  • Artikel


Der Autor


Simon Kaack studierte Human Rights Studies an der Universität Lund. Sein Fokus liegt auf der Institutionalisierung von ASEAN sowie den politischen Systemen Festland-Südostasiens. Zudem ist er für die YEP Academy tätig, die sich auf Youth Empowerment in Naturräumen spezialisiert. Er ist Mitglied im Vorstand der Stiftung Asienhaus.

  • Südostasien, Macht, Familien

    Südostasien – In fast allen Ländern der Region, in denen kürzlich gewählt wurde, standen Familienmitglieder von ehemaligen oder aktuellen Politiker*innen zur Wahl.

  • Myanmar, Putsch, NUG, PDF

    Myanmar – Das Militär behauptet sich an der Macht, wird aber zunehmend von ethnischen bewaffneten Gruppen unter Druck gesetzt. Fragen nach Staatsbürgerschaft und Verfassungswesen für eine Zeit ‚nach der Junta‘ werden gestellt.

  • Malaysia, 1MDB, Wahlen

    Malaysia – Korruptionsskandale und gesellschaftliche Umbrüche haben das politische System massiv transformiert. Große Gefahren bestehen jedoch in ethnischen Trennlinien und Online-Populismus

  • Kambodscha, Medien, Zensur

    Kambodscha brauche ‚mutige Investitionen‘, damit Medienschaffende unabhängig arbeiten könnten, sagt James Gomez, Regionaldirektor des Asia Centre. Internationale Organisationen sollten genau hinschauen, wen sie im Land unterstützen.

  • Thailand, digitale Rechte, Aktivismus

    Thailand – Online-Demokratie und digitale Rechte werden unter der Prayuth-Regierung massiv angegriffen. Verleumdungs- und Cybergesetze werden als Waffen eingesetzt, um gegen Aktivist*innen und Andersdenkende vorzugehen und sie zum Schweigen zu bringen.

  • Artikel


Der Autor


Jörg Schwieger ist evangelischer Theologe und Germanist. Er war von 1982 bis 1986 Geschäftsführer der Aktionsgruppe Philippinen und von 1987 bis 1991 Geschäftsführer des philippinenbüro e.V. sowie danach langjähriger Mitarbeiter im kirchlichen Entwicklungsdienst mit unterschiedlichen (Leitungs-) Funktionen. Er ist freiberuflicher Berater und ehrenamtlich zu Asien, in der personellen Entwicklungszusammenarbeit und lokal zu Integration und kultureller Teilhabe engagiert.

  • Philippinen, Buchmesse, Pressestimmen

    Philippinen/Deutschland – Die Teilnahme der Philippinen als Ehrengast der Buchmesse wird in der philippinischen Presse diskutiert. Mit einigen Auszügen aus der Debatte wollen wir die Breite der Meinungen zeigen.

  • südostasien, Jubiläum, Karikatur

    Südostasien/Deutschland – Gründungsmitglied Frithjof Schmidt blickt zurück auf die Anfänge der südostasien. Bis heute ist er Leser und engagiert sich für die Region.

  • Philippinen, Sportförderung, Olympia

    Philippinen – Spitzenathlet*innen werden mit Diplomat*innen verglichen. Doch ihre Förderung durch den Staat bleibt hinter ihrem Bedarf zurück.

  • Philippinen, Basketball, Frauen

    Philippinen/Deutschland – Von der philippinischen Nationalmannschaft in die deutsche Basketball-Bundesliga. Diana Ramos Dehn spricht über ihre außergewöhnliche Karriere in den 70er Jahren in einer bis dahin von Männern dominierten Sportart.

  • José Rizal

    Deutschland/Philippinen – José Rizal, scharfer Kritiker der spanischen Kolonialherrschaft, lebte zeitweise in Heidelberg und Berlin. 1896 wurde er wegen Hochverrats in Manila hingerichtet. Mary Montemayor berichtet im Interview über das Erinnern an den philippinischen Nationalhelden in Deutschland.

  • Artikel


Die Autorin


Stefanie Zinn studiert Südostasienwissenschaft und Archäologie in Bonn und setzt sich in diesem Zusammenhang mit kulturellen, politischen und ökonomischen Themen auseinander. Ihr Fokus liegt dabei auf Indonesien.

  • Kambodscha/Thailand – Anfang 2021 wurde die Repatriierung von über einhundert antiken Khmer-Objekten an Kambodscha aus der Sammlung des Briten Douglas Latchford angekündigt. Ein Interview zur Debatte um die Dekolonialisierung von geraubten Kulturgütern…

  • Vietnam

    Vietnam/Deutschland – Weil ihr die Repräsentation von vietnamesischen und vietdeutschen Menschen in der deutschen Öffentlichkeit und den Medien bisher gefehlt hat, nimmt Minh Thu Tran dies selbst in die Hand. Im Interview erzählt sie von Vorbildern, isoliertem Aufwachsen und alltäglichem Rassismus.

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Editorial südostasien 2/2021:
Südostasien – Spielball von Hegemonialinteressen?

Südostasien ist von seiner beinahe 500-jährigen Kolonialgeschichte geprägt, während der die heutigen Nationalstaaten der Region (in verschiedenem Maße) den politischen und wirtschaftlichen Interessen von Mächten des globalen Nordens unterworfen waren. Auch Jahrzehnte nach Ende des westlichen Kolonialismus in der Region – als letzter Staat erklärte 1984 Brunei seine Unabhängigkeit von Großbritannien – finden sich Spuren dieser Kolonialgeschichte überall in Südostasien, etwa in Sprache, Architektur, Gesetzestexten, Küchen oder Denkmälern.

Darüber hinaus manifestieren sich Hinterlassenschaften des Kolonialismus in der Kontinuität von kolonialen Machtstrukturen (vgl. dazu südostasien Ausgabe 2/2021 zum Thema Hegemonie), beispielsweise in wirtschaftlichen und politischen Verflechtungen sowie Migrationsströmen und Diaspora-Gemeinschaften zwischen ehemaligen kolonisierenden und kolonisierten Staaten (vgl. dazu südostasien Ausgabe 4/2020 zum Thema Diaspora).

Auch in vielen Ländern des globalen Nordens finden sich zahlreiche Spuren dieser wechselseitig verflochtenen Geschichte – unabhängig davon, ob sie selbst Kolonien beherrschten oder von kolonialen Strukturen profitierten. Nicht immer werden etwa Artefakte in europäischen Museen in diesem Kontext betrachtet. Doch inzwischen findet in vielen Ländern des globalen Nordens eine zunehmend kritische Auseinandersetzung mit der eigenen unterdrückerischen und ausbeuterischen Vergangenheit statt.

Die vorliegende Ausgabe der südostasien befasst sich aus unterschiedlichen Perspektiven und auf unterschiedlichen gesellschaftlichen Ebenen mit Spuren des Kolonialismus in Südostasien und Europa. Thematisiert werden Diskurse zur Erinnerung an die koloniale Vergangenheit ebenso wie zu den Beziehungen zwischen ehemaligen Kolonialmächten und Kolonien.

Die Erinnerung an den Kolonialismus spielt eine wichtige Rolle im postkolonialen Südostasien. Dieses Jahr ist für die Philippinen besonders bedeutend, wo ein 500-jähriges Jubiläum verschiedene Ereignisse in die kollektive Erinnerung bringt, von der Einführung des Christentums über die Rolle des Landes bei der Magellan-Elcano-Weltumsegelung bis hin zum Sieg von Lapulapu in der Schlacht von Mactan gegen die spanischen Invasoren. In ihren Artikeln geben Luis Zuriel Domingo und John Lee Candelaria kritische Einblicke in die Quincentennial Commemorations 2021. Das Gedenken an diese historischen Ereignisse wurde nicht nur dafür kritisiert, dass es alternative und lokalisierte Perspektiven auf die Geschichte der Philippinen ignoriert, sondern auch, weil es von Rodrigo Dutertes verzerrter Geschichtspolitik überschattet wurde.

Oliver Tappe befasst sich in seinem Artikel mit den fragmentierten Diskursen zum französischen Kolonialismus und dem Unabhängigkeitskampf im heutigen Laos, in welchem die Erinnerung fortbesteht, auch wenn die Zeitzeug*innen der Kolonialherrschaft inzwischen verstorben sind. In Gladhys Ellionas Artikel setzt sich die Autorin mit dem 2018 eröffneten Multatuli-Museum in West-Java, Indonesien, auseinander. Das Museum behandelt Leben und Werk des gleichnamigen Autors – ein Pseudonym des niederländischen Kolonialbeamten Douwes Dekker – und die koloniale Ausbeutung, die er in seinem 1860 erschienenen Roman Max Havelaar anprangerte.

Fritz Möller und Simon Barthel führen die Stadtentwicklung Jakartas entlang ethnischer und sozialer Linien auf die Politik der holländischen Kolonialverwaltung zurück. Sie zeigen wie diese historisch gewachsene urbane Segregation von sozialen Klassen und Ethnien derzeit in Gestalt neuer Superblocks für die wachsende Mittelschicht eine Renaissance erlebt.

Im Zuge zivilgesellschaftlicher Kritik und immer wieder auch Rückgabeforderungen aus ehemaligen Kolonien müssen sich ethnologische Museen und Sammlungen im globalen Norden heute zunehmend selbstkritisch mit ihrer eigenen kolonialen Geschichte auseinandersetzen. Sonja Mohr, Annabelle Springer, Caroline Bräuer und Carl Deußen geben aus ihrer kuratorischen Arbeit im Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln Einblicke in die Provenienzforschung zu Objekten, die während der Kolonialzeit erworben wurden, und in die Bemühungen, in diesem Zusammenhang eine (selbst-)kritische Ausstellungspraxis zu kreieren. Im Interview mit Stefanie Zinn diskutieren Ashley Thompson und Stephen Murphy über die Rückgabe von geraubten Kulturgütern und über die Frage, was Restitution leisten kann.

Dies sind einige Einblicke in die fortlaufend wachsende Zahl von Artikeln, die Sie/Ihr in den kommenden drei Monaten in dieser Ausgabe zu Kolonialismus und kollektiver Erinnerung hier bei der südostasien lesen können/könnt.

Wir wünschen Ihnen/Euch eine spannende Lektüre und interessante Erkenntnisse. Zudem möchten wir auf die kommende Ausgabe 4/2021 der südostasien zum Thema Rassismus und Polizeigewalt verweisen, für die potenzielle Autor*innen noch Artikel einreichen können. Hier geht’s zum Call for Papers.

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Südostasien – Spielball von Hegemonialinteressen?

Staatliche Gewalt und Rassismus sind auch in den Staaten Südostasiens allgegenwärtig. Während Staaten vorgeben, mit ihrem Gewaltmonopol die Grundrechte der Bürger*innen zu schützen, stellen sie dieses Gewaltmonopol oft systematisch in den Dienst von Kapital- und Machtinteressen der wirtschaftlichen und politischen Eliten. Die Gewaltenteilung innerhalb des Staats ordnet lediglich die Aufgaben zur Aufrechterhaltung des Status quo zu. Dass Gerichte oder Polizeieinheiten im Zweifel die herrschende Klasse verteidigen, wird in dieser Ausgabe der südostasien äußerst deutlich.

„Die moderne Staatsgewalt ist nur ein Ausschuss, der die gemeinschaftlichen Geschäfte der ganzen Bourgeoisklasse verwaltet“, brachte es bereits Karl Marx auf den Punkt und betonte zugleich: „Die politische Gewalt im eigentlichen Sinn ist die organisierte Gewalt einer Klasse zur Unterdrückung einer anderen.“ Somit erleben Arbeiter*innen, Aktivist*innen, Gewerkschafter*innen und weitere zivilgesellschaftliche Akteur*innen staatliche Repression, wenn sie sich gegen die vorherrschenden Ausbeutungs-Zustände wehren. Wer diese Zustände thematisiert und bekämpft, wird auch in Südostasien immer wieder zur Zielscheibe und ist von Kriminalisierung und Gewalt bedroht.

Durch die Sichtbarmachung einer digitalen Mediengesellschaft erscheint rassistische staatliche Gewalt heute oft unmittelbarer und präsenter als zuvor. Dabei handelt es nicht um ein neues Phänomen. Wirft man einen Blick in die Vergangenheit von Südostasien wird schnell klar: Staatliche Gewalt und Rassismus haben System; und dieses ­ist – wie im gesamten Globalen Süden – eng mit der kolonialen Vergangenheit verknüpft (vgl. dazu Ausgabe 3/2021: Kolonialismus in Südostasien). Mit der Verbreitung des kapitalistischen Systems in Südostasien durch den Imperialismus der westlichen Nationen fanden auch seine gewaltsamen Unterdrückungsmechanismen Einzug in die Gesellschaften – und prägen diese bis heute.

Rassismus diente und dient als Herrschaftslegitimation und als Instrument zur Spaltung der unterdrückten Klasse. In Südostasien sind insbesondere indigene Bevölkerungsgruppen und/oder ethnische Minderheiten immer wieder von struktureller Gewalt und Marginalisierung betroffen. Die Nutzung und Kontrolle von Lebensräumen und Rohstoffen durch Staaten und wirtschaftliche Eliten sind Ausdruck der kolonialen Strukturen und kapitalistischen Machtverhältnisse, die die Nationalstaaten bis heute prägen.

In dieser Ausgabe der südostasien beschäftigen wir uns mit den verschiedenen Formen und Ebenen von staatlicher Gewalt und Rassismus in Südostasien. Dabei schauen wir näher auf die Institutionen, Akteure und Strukturen, die das System gestaltet haben und bis heute ihren Einfluss darauf ausüben.

Ein prominentes Beispiel ist die direkte brutale Gewalt von Militär- und Polizeiapparaten, wie etwa im so genannten ‚Krieg gegen die Drogen’ auf den Philippinen. Dazu schildert uns Josh Makalintal in seinem Artikel, wie die Repressionsmethoden der Duterte-Regierung zur Unterdrückung politischen Widerstands genutzt werden und beleuchtet ihre Ursprünge im Polizeiapparat der US-Amerikanischen Besatzung. Im Interview mit Jeremy Kuzmarov erfahren wir mehr zu den durch die USA implementierten Sicherheitsstrukturen in der Region und ihren rassistischen und anti-kommunistischen Ursprüngen.

Jemma Purdey erläutert im Interview, wie sich der in den kolonialen Strukturen verwurzelte Rassismus und die Gewalt gegenüber ethnischen Chines*innen in Indonesien durch die Geschichte des Nationalstaates bis in die Moderne zieht.

Neben brutaler physischer Gewalt existieren auch andere Formen der Gewaltausübung. So sprechen Gerichte ‚Recht’ häufig im Interesse von Regierungen, lokalen Eliten und Unternehmen. Aninna Aeberli gibt uns kritische Einblicke dazu, wie rassistische Narrative gegen ethnische Minderheiten im Bundestaat Sarawak in Malaysia bis heute Landraub legitimieren und die Betroffenen politisch, ökonomisch und sozial massiv unterdrücken.

Trang Vu setzt sich mit den Erfahrungen von Frauen auseinander, die von sexualisierter Gewalt am Arbeitsplatz betroffen sind. Das Beispiel zeigt, wie fehlende staatliche Schutzmechanismen und nicht ausreichende Gesetzgebung systemische Gewalt und Unterdrückung begünstigen können.

Es gibt jedoch eine Antwort auf staatliche Unterdrückung und die heißt: Solidarität und Widerstand. Wie beispielsweise Gewerkschafter*innen sich gegen ausbeuterische Unternehmen mit Streiks zur Wehr setzen, erfahrt ihr von unserer Autorin Trisha Adelia.

Diese und weitere Artikel mit verschiedensten Blickwinkeln auf Rassismus und staatliche Gewalt stellen wir in der in den nächsten drei Monaten fortlaufenden Ausgabe für euch zusammen. Wir wünschen eine erkenntnisreiche Lektüre und weisen zudem auf die danach folgende Ausgabe 1/2022 der südostasien hin. Zum Thema Zeitgenössische Kunst in Südostasien können potenzielle Autor*innen noch Artikel einreichen. Hier geht’s zum Call for Papers.

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Editorial südostasien 2/2021:
Südostasien – Spielball von Hegemonialinteressen?

„Es kommt kein Individuum um die Gemeinschaft je herum!“ reimt, so kurz wie treffend, die Lyrikerin Gudrun Zydek. Dass wir Menschen nicht in erster Linie raffgierige Individuen im einsamen Überlebenskampf sind, sondern bis heute dank sozialen Verhaltens überlebt haben, rückt spät, aber hoffentlich nicht zu spät, immer mehr ins öffentliche Bewusstsein.

Die diesjährige documenta wird für den Globalen Norden und seine Kunstwelt, die bislang überwiegend das kreative Individuum und seine Ausdrucksweise betonten, ein Lernfeld darstellen. Erstmals kuratiert ein Kollektiv die weltweit angesehene Kunstschau – und dieses Kollektiv kommt aus Südostasien! ruangrupa, kurz ruru genannt, gründete sich in Indonesien kurz nach Ende der Suharto-Diktatur und wirkt seitdem gemeinschaftlich im Rahmen eines gewachsenen Netzwerkes von Künstler*innen – vor allem Gruppen aus dem Globalen Süden.

Die Vision von ruru ist zugleich Alltagspraxis. Lumbung – so heißt die Leitidee für das Entstehen der documenta fifteen, die im Juni dieses Jahres eröffnet werden wird. Vorbild ist die gleichnamige Reisscheune in Indonesien, in die ein Dorf seine Ernte einfährt, um sie hinterher nach Bedarf umzuverteilen.

Nach diesem Vorbild arbeitet auch ruru: auf eine nachhaltige, soziale Weise, bei der sich die Beteiligten gegenseitig helfen und fördern, ohne den eigenen Gewinn in den Vordergrund zu stellen. Die Journalistin Christina Schott stellt dieses Konzept in ihrem Artikel Kunst und Leben sind nicht voneinander zu trennen vor. Die Wurzeln des gemeinschaftlichen Arbeitens in der indonesischen Kunst und wie sie sich im letzten Jahrhundert weiterentwickelt hat, analysiert die Kunsthistorikerin Claudia König in ihrem Essay Das Verständnis indonesischer Kollektivität.

Auch in Myanmar spielen Künstler*innen eine starke, solidarische Rolle für die Gesellschaft. Zugleich standen und stehen die kreativen Kräfte des Landes nach dem Militärputsch von 2021 und während der Covid-19- Pandemie vor andauernden Herausforderungen, wie die Galeristin Nathalie Johnston berichtet. Eine der Künstler*innen, deren Werke von der Protestbewegung inspiriert wurden und zugleich als Poster bei Aktionen diese Bewegung prägen, ist Ku Kue. Sie zeigt und beschreibt ihre Werke in der Fotostory Ich möchte wie ein Mensch in meinem Land leben.

Amy Lee Stanford, Künstlerin der kambodschanischen Diaspora, reflektiert in ihrem Werk die Zusammenhänge zwischen Trauma, Verlust und Heilung. Leang Seckon gehört zur ersten Generation zeitgenössischer kambodschanischer Künstler*innen der 2000er-Jahre. Im Interview mit südostasien-Redakteur Simon Kaack gewährt er Einblicke in sein künstlerisches Schaffen, mit dem er politische Strukturen sichtbar macht. Kathrin Eitel hat ebenfalls in Kambodscha den Künstler Lina Sokchanlina besucht und stellt ihn und seine Werke vor. Lina ist Teil des Sa Sa Arts Projects, das ebenfalls auf der documenta fifteen zu Gast sein wird. Welche weiteren Künstler*innen aus Südostasien die Kunstschau in Kassel mitgestalten, verrät uns Tanja Gref in ihrem Artikel: Kunst als transformative Kraft. Warum die westliche Kunstwelt einen Weckruf braucht und welche Rolle ruangrupa und ihr Netzwerk für alternative Bildung dabei spielen, erfahren wir im Interview vom Künstlerpaar Mella Jaarsma und Nindityo Adipurnomo

Wir dürfen uns auf eine starke, gemeinschaftliche künstlerische Präsenz aus Südostasien freuen, die in diesem Sommer in Kassel und darüber hinaus wirken wird. Diese Vorfreude teilen wir mit Euch in dieser Augabe der südostasien.

Erstmals werdet ihr an dieser Stelle ein mit der Ausgabe wachsendes Editorial lesen. Denn die südostasien startet immer mit vier Artikeln, denen dann ein Vierteljahr lang im Wochentakt ein bis zwei weitere folgen. Diese stellen wir hier nach und nach vor:

Lasst euch überraschen von einem wachsenden südostasien-Werk, das – wie die diesjährige Kunstschau in Kassel – nur möglich ist, weil viele Menschen gemeinschaftlich daran mitwirken. Genau so entsteht jede unserer Ausgaben. Auch die kommende Ausgabe 2/2022 zum Thema Digitalisierung, zu der wir Autor*innen hiermit herzlich einladen: Call for Paper

Viel Freude mit Eurer neuen, wachsenden südostasien wünscht euch: das Redaktionsteam.

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Südostasien – Spielball von Hegemonialinteressen?

Südostasien zählt zu den am schnellsten wachsenden Märkten für digitale Unternehmen. Mit massiven Investitionen in die technische Infrastruktur zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit verbinden Regierungen große Hoffnungen: Sich auf dem Weltmarkt neu zu positionieren und somit mit wirtschaftlich stärkeren Staaten konkurrenzfähig zu sein. Aus diesem Grund treiben Regierungen die Digitalisierung voran. Leitbilder und Strategien rund um Smart Cities und Smart Economies werden entwickelt und gefördert – oft in Kooperation mit der Privatwirtschaft.

Die Ausgangsbedingungen für eine digitale Transformation sind dabei in den verschiedenen Ländern Südostasiens höchst unterschiedlich. Während in Brunei Darussalam über 95 Prozent der Bevölkerung Zugang zum Internet haben, trifft dies in Laos gerade einmal für ein Viertel der Menschen zu. Nicht nur zwischen sondern auch innerhalb der Länder droht die Digitalisierung jedoch, bestehende Ungleichheiten zu verschärfen, sowohl zwischen urbanen Zentren und ländlichem Raum, aber auch zwischen arm und reich.

Die Corona-Pandemie hat die digitale Transformation noch beschleunigt. Persönliche Begegnungen wurden durch Online-Meetings ersetzt. Digitale Technologien sind auch im Bereich der öffentlichen Gesundheit zu einem entscheidenden Mittel für die Lösung von Problemen geworden. Die Online-Konsumentenlandschaft ist rasant und erheblich gewachsen.

Soziale Medien bieten den Menschen eine Plattform der Kommunikation und der Meinungsäußerung. Südostasien besitzt eine der höchsten Zahl an Nutzern weltweit. Für die Zivilgesellschaft ist das Chance und Problem zugleich: Einerseits können die digitalen Kommunikationskanäle direkter und erfolgreicher Informationen verbreiten, politisch mobilisieren und vernetzen. Aktivist*innen können über Ländergrenzen hinweg auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam machen und damit Druck auf Machthabende ausüben. So gelang etwa der aktivistischen Folk-Band Faiyen, die in Thailand als Dissidenten politisch verfolgt wurden, mit einer Social Media-Kampagne erfolgreich auf ihre Situationen aufmerksam zu machen. Große Nachrichtenagenturen berichteten daraufhin und die französische Regierung gewährte ihnen schließlich Asyl.

Auf der anderen Seite bieten die sozialen Medien Regierungen und politischen Gruppierungen die Möglichkeit, Diskurse zu steuern, Meinungsäußerungen zu zensieren und Kritiker*innen zu identifizieren. Durch die oft unzureichende gesetzliche Regulierung ist es für die meisten Nutzer*innen von Online-Plattformen schwierig, die Kontrolle über ihre privaten Daten zu behalten. In Zeiten autoritär geprägter Regime (siehe dazu auch südostasien Ausgabe 03/2019) und lückenhafter gesetzlicher Regulierung wächst damit auch die Verantwortung großer digitaler Plattformen, eine freie und kritische Zivilgesellschaft zu gewährleisten. Über Social Media Plattformen werden jedoch bislang – weitgehend unmoderiert und ohne effektive Kontrollmechanismen – Desinformationen und Fake News verbreitet, was es den Nutzer*innen schwerer macht, die Zuverlässigkeit von Informationen zu überprüfen.

In dieser Ausgabe der südostasien beschäftigen wir uns mit den verschiedenen Auswirkungen und Herausforderungen der digitalen Transformation für die Menschen in Südostasien. Unsere Beiträge setzen sich damit auseinander, wie sich politische Diskurse und Bewegungen, die Arbeitswelt und das Zusammenleben durch den digitalen Wandel verändern.

In Indonesien trägt der rasante Anstieg der Nutzer sozialer Medien in hohem Maße zur Intensität der Kommunikationsäußerungen in den sozialen Medien bei. Fanny Syariful Alam zeigt in seinem Artikel, wie soziale Medien zunehmend für Hate Speech und Stimmungsmache gegen religiöse Minderheiten genutzt werden. Zugleich wird es immer schwieriger, sich vor dem Berg an (Des-)informationen in den sozialen Netzwerken vertrauenswürdig zu informieren. Lukas Luwarso beschreibt die Herausforderungen für die Demokratie im Zeitalter der sozialen Medien.

Auch in den Philippinen werden Desinformationen im Netz gezielt als Instrument zur Beeinflussung von Wahlentscheidungen genutzt. Marina Wetzlmaier geht in ihrem Artikel näher auf die Lage rund um die Präsidentschaftswahlen im Mai 2022 ein. Sie zeigt aber auch, wie Falschnachrichten der Kampf angesagt werden kann.

Rodion Ebbighausen berichtet, wie in Myanmar seit dem brutalen Putsch im Februar 2021 auch um die Hoheit von Informationen in der digitalen Welt gerungen wird, und wie das Militär aktiv versucht den Fluss der Informationen zu kontrollieren.

Die digitale Transformation wirkt sich fundamental auf (lohn-)arbeitende Menschen aus. Kriangsak Teerakowitkajorn und Chonthita (Neab) Kraisrikul stellen in ihrem Artikel heraus, welche Veränderung der Zuwachs an digitalen Plattformen für Pflegearbeit in Thailand mit sich bringt und welchen Risiken die Arbeiter*innen dabei ausgesetzt sind. Anhand des indonesischen Transportdienstleisters Gojek, der längst zum Universalanbieter für diverse Dienstleistungen aufgestiegen ist, beleuchtet Mechthild von Vacano die Auswirkungen für die im Plattform-Kapitalismus Beschäftigten und deren Kämpfe um Arbeitnehmer*innenrechte.

Diese und weitere Artikel mit verschiedenen Blickwinkeln auf die digitale Transformation in Südostasien stellen wir in der in den nächsten drei Monaten wachsenden Ausgabe für euch zusammen. Wir wünschen eine erkenntnisreiche Lektüre und weisen zudem auf die danach folgende Ausgabe 1/2023 der südostasien hin. Zum Thema Entwicklung(spolitik) können potenzielle Autor*innen noch Artikel einreichen.

Viel Freude mit Eurer neuen, wachsenden südostasien wünscht euch: das Redaktionsteam.

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Südostasien – Spielball von Hegemonialinteressen?

Die Krisen der Gegenwart betreffen auch Südostasien: die andauernde COVID-19 Pandemie, der russische Angriffskrieg in der Ukraine und die sich immer deutlicher abzeichnende Klimakrise. Betrachtet man die Zahlen, scheinen die meisten Volkswirtschaften Südostasiens relativ glimpflich davongekommen zu sein. Doch die Belastungen für die Bevölkerung, aufgrund schwacher staatlicher Gesundheitssysteme, unterbrochener Lieferketten und steigender Preise für Energie und Grundnahrungsmittel haben ihre Spuren hinterlassen.

Das wirtschaftliche Wachstum in der Region hat in der Vergangenheit dazu beigetragen, dass die Zahl der Menschen, die in absoluter Armut leben, deutlich zurückgegangen ist. Eine kaufkräftige Mittelschicht hat sich in vielen Ländern etabliert. Doch der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung stehen erhebliche Defizite in anderen Bereichen gegenüber. Zwar ist die absolute Armut deutlich zurückgegangen, doch gleichzeitig hat sich die Schere zwischen Arm und Reich in vielen Ländern weiter vergrößert. Die Möglichkeiten, am gestiegenen Wohlstand partizipieren zu können, sind höchst ungleich verteilt. Sowohl innerhalb der Gesellschaften als auch zwischen Stadt und Land sind die Unterschiede beim Lebensstandard teils enorm. Blickt man auf den Zustand der Umwelt, Geschlechtergerechtigkeit, Bildung, Gesundheitsversorgung, Rechtsstaatlichkeit oder die Verwirklichung der Menschenrechte, fallen die Fortschritte in vielen Ländern eher bescheiden aus – im Gegenteil: man gewinnt den Eindruck, dass diese dem Primat wirtschaftlichen Wachstums untergeordnet oder sogar geopfert wurden.

Eigentlich waren die 2015 von den Vereinten Nationen beschlossenen Sustainable Development Goals (SDGs), zu deren Umsetzung sich auch die Staaten Südostasiens bekannt haben, ihrem Anspruch nach ganzheitlich gedacht. Zu den 17 Zielen gehören neben wirtschaftlichen auch soziale und ökologische Aspekte, die als zentral für eine nachhaltige Entwicklung erachtet werden. Doch trotz der Formulierung ambitionierter Entwicklungsziele sowie erheblicher finanzieller Mittel, die für deren Erreichung bisher aufgebracht wurden, ist die Bilanz eher ernüchternd. Laut ESCAP, der Wirtschafts- und Sozialkommission für Asien und den Pazifik der Vereinten Nationen, wird Südostasien voraussichtlich keines der 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung erreichen. Die Treibhausgasemissionen steigen weiter an, die Verfügbarkeit sauberen Trinkwassers hat sich im Durchschnitt verschlechtert und auch die Arbeits- und Menschenrechte geben Anlass zur Sorge.

In dieser Ausgabe der südostasien beleuchten wir anhand verschiedener Themenaspekte und Schauplätze, wie es um die Entwicklung in der Region bestellt ist. Welche Faktoren tragen zu ihrem Gelingen bei und welche Kräfte und (globalen) Machtverhältnisse stehen einer nachhaltigen Entwicklung im Weg? Dass es nicht die eine Entwicklung gibt, sondern unterschiedliche Vorstellungen darüber existieren, woran sich Entwicklung überhaupt bemisst und wie sozial, gerecht und nachhaltig diese gestaltet sein muss, zieht sich durch zahlreiche Beiträge dieser Ausgabe. Deutlich wird dies unter anderem im Interview von Marina Wetzlmaier mit Joseph Purugganan über Ernährungssicherheit und Landwirtschaft.

Nicht selten gehen diese unterschiedlichen Vorstellungen und Interessen mit Konflikten einher. So zeigt Mark P. Stadler in seinem Beitrag über die urbane Entwicklung in Jakarta, wie arme Bevölkerungsgruppen Mitbestimmung bei der zukünftigen Gestaltung der Megametropole einfordern. Statt bloße Objekte oder Hilfsempfänger einer staatlich gelenkten und durch privatwirtschaftliche Interessen getriebenen Entwicklung zu sein, werden sie selber zu Akteuren einer urbanen Transformation.

Eric Gutierrez berichtet über die Rolle des Militärs in Myanmar, Thailand und Kambodscha und erklärt, wie die Wirtschafts- und Machtinteressen des Sicherheitsapparats Entwicklungsfortschritte systematisch untergraben, wenn nicht gar zunichte machen. Auf diesen Punkt geht auch Sophal Ear ein und zeigt auf, wie und warum Entwicklungshilfegelder der Demokratie in Kambodscha geschadet haben.

Die internationale Entwicklungszusammenarbeit ist kein ‚Wohltätigkeitsunternehmen‘, sie ist ebenfalls Instrument zur Durchsetzung staatlicher Interessen der Geberländer. Dass die Einhaltung von Umwelt-, Sozial- und Menschenrechtsstandards so oft zum Politikum wird, zeigt der Beitrag von Joanna Klabisch am Beispiel chinesischer Investitionen in Indonesien. Chinas Engagement in der Region, auch mittels der in Peking ansässigen Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB), verweist auch auf die zunehmende geopolitische Bedeutung, die Südostasien im internationalen Machtgefüge beigemessen wird. Ob EU, Australien, USA oder China – alle bemühen sich um eine verstärkte Einbindung der Region in ihre eigene Außen- und Sicherheitspolitik. Rivalitäten zwischen China und den USA sowie die Auswirkungen auf Entwicklungspolitik und für die Menschenrechte in der Region sind auch Thema des Beitrags von Salvador Santino Reglime.

Welche Folgen all diese Entwicklungen für die globalen Beziehungen haben und inwieweit es den Staaten Südostasiens gelingt, ihren eigenen Interessen auf internationaler Ebene Geltung zu verschaffen, erläutert Anna-Katharina Hornidge.

Diese und viele weitere spannende Artikel zum Thema Entwicklung und Entwicklungspolitik werden wir in den nächsten drei Monaten in dieser Ausgabe 1/2023 nach und nach veröffentlichen.

Unsere darauf folgende Ausgabe 2/2023 wird im Mai erscheinen und sich mit Klimabewegungen in Südostasien beschäftigen. Hier geht’s zum Call for Paper.

Viel Freude mit Eurer neuen südostasien wünscht das Redaktionsteam.

Wir danken der W.P.Schmitz-Stiftung in Düsseldorf für die finanzielle Unterstützung dieser Ausgabe der südostasien.

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Editorial südostasien 2/2021:
Südostasien – Spielball von Hegemonialinteressen?

Die Länder Südostasiens spüren die Folgen des Klimawandels besonders stark. Entlang der Küstenlinien und im Landesinneren häufen sich Unwetterereignisse wie Überschwemmungen, Stürme und Taifune. Hinzu kommen die langsamen und langfristigen Folgen (Slow Onset Events) des Klimawandels. Diese bergen neue Risiken für Mensch, Tier und Umwelt, die mit einem Anstieg des Meeresspiegels, der Versauerung der Meere, dem Temperaturanstieg, dem Schwinden der Artenvielfalt und der Versalzung von Böden einhergehen. Häufiger auftretende Dürren vernichten Ernten und bedrohen die Ernährungssicherheit von Millionen Menschen. Inseln versinken im Meer. Megacitys, wie Jakarta oder Ho Chi Minh City, liegen teilweise unter dem Meeresspiegel. Sie sind durch dessen Anstieg und durch Fluten, Starkregen und damit einhergehende Überschwemmungen bedroht.

Der anthropogene Klimawandel setzt Menschen und ihre Vorstellungen von Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und einer guten Zukunft ‚in Bewegung’. Jedoch reichen nach Berechnungen des Climate Action Trackers die Klimaziele von beispielsweise Indonesien, Vietnam, Thailand und Singapur nicht aus, um das 1,5-Grad-Ziel einzuhalten, sondern steuern eher auf eine 4-Grad-Erderwärmung zu. Da die nationalen, regionalen und internationalen staatlichen Mechanismen nicht ausreichen, um Mensch und Umwelt vor den Folgen des Klimawandels zu schützen, haben sich Bewegungen gebildet, die für Klimagerechtigkeit kämpfen. Diese Klimabewegungen fördern ein Partizipationsverständnis, das sowohl Individuen als auch lokale Bürgerinitiativen und Umweltverbände, NGOs, Kollektive, landwirtschaftliche Zusammenschlüsse, Gewerkschaften, Studierendenverbände, denen die Klimapolitik ihrer Regierung nicht weit genug geht, umfasst. Vor allem in autoritären Kontexten, verknüpft sich die Überlebens- und Klimafrage mit Fragen der politischen Partizipation, nicht zuletzt für sozio- ökonomisch marginalisierte Gruppen.

Unterschiedliche Kontexte haben facettenreiche Klimabewegungen hervorgebracht, die in verschiedenen Aktionsformen auftreten. Jugendorganisationen mit klaren Forderungen und lautstarken Protesten in den Philippinen treffen auf Think Tanks in Vietnam, die in der Politikberatung versuchen, Gesetzesvorhaben voranzubringen, die dem Klimaschutz dienen. Indigene in Indonesien, die sich die Füße einzementieren um gegen Landraub durch die die Zementindustrie zu kämpfen, treffen auf Zivilgesellschaftsvertreter*innen bei den Klimaverhandlungen der Vereinten Nationen. Trotz aller Unterschiede gibt es verbindende Elemente: Allen ist klar, dass mit dem derzeitigen politischen Kurs keine Zukunft möglich ist. Alle treten für eine klimagerechte Welt ein, in der die Eindämmung der Klimakrise eng mit sozialen Fragen verknüpft ist.

In dieser Ausgabe möchten wir unterschiedlichen zivilgesellschaftlichen Klimabewegungen nachspüren. So berichtet Nithi Nesadurai vom Climate Action Network Southeast Asia über seine Teilnahme an 16 Klimaverhandlungen und wie sich die Partizipationsmöglichkeiten und -hindernisse für die Zivilgesellschaft über die Jahrzehnte verändert haben. Veronika Lex beschreibt wie sich eine lokale Umweltbewegung auf der indonesischen Inselgruppe Karimunjawa der Ausbreitung illegaler Garnelenfarmen entgegenstellt, die dort das Ökosystem bedrohen. Marina Wetzlmaier und Thomas Rammerstorfer blicken auf die Anti-Atomkraftbewegung in den Philippinen und Österreich. Sarah Rhodes spricht in ihrem Interview über ein plastikfreies Kambodscha und wie Politik und zivilgesellschaftliche Gruppen gemeinsam das Ziel verfolgen, den Plastikkonsum zu minimieren.

Dies ist nur der Auftakt unserer neuen Ausgabe mit Geschichten, Berichten von und Interviews mit Akteur*innen, die für Umwelt- und Klimagerechtigkeit kämpfen. In den kommenden Wochen und Monaten folgen hier auf der Seite nach und nach weitere Artikel zum Thema. Es lohnt sich also, immer mal wieder vorbeizuschauen…

Viel Freude und Inspiration mit Eurer neuen südostasien wünscht das Redaktionsteam!

Für die darauf folgende Ausgabe 3/2023 der südostasien zum Thema „Sport, Spiel und Freizeit in Südostasien“ suchen wir noch Autor*innen. Der Call for Papers folgt in Kürze

 

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Editorial südostasien 2/2021:
Südostasien – Spielball von Hegemonialinteressen?

Was bedeuten Sport- und Freizeitaktivitäten für die Menschen in Südostasien? Manche schöpfen daraus Kraft und Energie, andere pflegen soziale Kontakte oder traditionelle Bräuche. Schönheitsideale oder die Lust auf Wettkampf sind weitere Motivationen für sportliche Betätigung.

Spiel, Sport und Freizeit spielen für Menschen in Südostasien eine zentrale Rolle im Leben.Es gibt eine große Vielfalt an Sport- und Freizeitangeboten, auch in Form ‚lokaler Sportarten’, wie die Kampfkünste Muay Thai, Kun Khmer, Pencak Silat oder der Federfußball Sepak Takraw. Daneben „eroberten“ auch ‚westliche Sportarten‘ wie Fußball, Badminton, Basketball und Volleyball die südostasiatische Sportwelt.

Sport- und Freizeitaktivitäten sind längst auch ein ernstzunehmender Wirtschaftsfaktor. Sportvereine funktionieren teilweise wie Wirtschaftsunternehmen oder werden von diesen gekauft und kommerzialisiert. Sport und Spiel werden nicht nur aktiv betrieben, sondern – im Zuschauen – auch konsumiert. Werbung, der Verkauf von Rechten, Ausrüstung an Sporttreibende sowie Fanartikeln und die sehr beliebten Sportwetten versprechen riesige Gewinnspannen und haben Einfluss auf Gesellschaft und Politik.

In dieser Ausgabe der südostasien beschäftigen wir uns mit der vielfältigen Welt von Spiel, Sport und Freizeit in Südostasien. Unsere Autor*innen setzen sich mit politischen und gesellschaftlichen Strukturen, Hintergründen und Herausforderungen der vielfältigen Aktivitäten auseinander.

Fußball ist in fast ganz Südostasien unangefochten die beliebteste Sportart. Fanrivalitäten, auch gewaltsam ausgetragen, sind ein bekanntes Phänomen. Staaten sehen im Sport auch die Möglichkeit, sich selbst zu definieren und durch sportliche Erfolge Stolz und Nationalgefühl zu generieren. Sportarten werden dann von der Politik gefördert und erfolgreiche Sportler*innen können zu Berühmtheit und gewissem Reichtum und öffentlichem Ansehen in ihren Heimatländern gelangen.

Im Interview erzählt Dr. Diana Ramos Dehn über ihre außergewöhnliche Basketballkarriere in den 1970er-Jahren in einer bis dahin in den Philippinen ausschließlich von Männern dominierten Sportart. Über Philippinische Sportpolitik zwischen Stolz und Misere schreibt Jörg Schwieger und beleuchtet die Herausforderungen junger Spitzenathlet*innen bei fehlender staatlicher Unterstützung.

Als großes Sportevent spielen die seit 1959 bestehenden Southeast Asian-Games (SEA-Games) eine herausragende Rolle in der Region: Sie sind die einzige internationale Sportveranstaltung, bei der regionale Sportarten vertreten sind. Neben dem Wettbewerb wird Raum geschaffen für einen grenz- und sportübergreifenden Austausch in Südostasien, der das Wir-Gefühl in der Region fördern kann.

Nicht nur im Wettkampf bei den SEA-Games sondern auch im Alltag ist Sepak Takraw aus Südostasien nicht wegzudenken. Sebastian Kelbling zeigt die lange Geschichte und die wichtige Bedeutung dieser im Deutschen „Federfußball“ genannten Sportart, die immer populärer wird.

Eine Motivation für Profisport liegt auch im Ziel, der Armut zu entkommen. Die Fotoreportage von Romi Perbawa und Christina Schott führt uns auf die indonesische Insel Sumbawa. Dort reiten Kinderjockeys Rennen, die aufgrund hoher Risiken und mangelnder Sicherheit sehr umstritten sind.

Wir wünschen euch/ihnen eine erkenntnisreiche Lektüre mit dieser südostasien, die in den kommenden drei Monaten um weitere Artikel wachsen wird. Und schon jetzt weisen wir auf die danach folgende Ausgabe 1/2024 hin. Zum Thema Wahlen, Demokratie und Menschenrechte können potenzielle Autor*innen noch Artikel einreichen.

Viel Freude mit der neuen südostasien wünscht das Redaktionsteam.

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Südostasien – Spielball von Hegemonialinteressen?

Liebe Lesende,

wir freuen uns, diese erste Ausgabe im neuen Jahr mit euch zu teilen! Neu ist die Form unseres Editorials, in dem euch fortan die Redaktion kurz und persönlich auf das Thema der Ausgabe einstimmt. Darunter findet ihr ein Inhaltsverzeichnis mit allen Artikeln der Ausgabe, durch das ihr euch klicken könnt. Dieses Verzeichnis wächst über einen Zeitraum von vier Monaten parallel zur Ausgabe mit – von anfangs vier bis sechs Artikeln bis am Ende rund 20 Artikeln.

Was bleibt, ist die inhaltliche Vielfalt mit dem Fokus darauf, Stimmen aus Südostasien Raum zu geben und ein Forum für einen herrschaftskritischen und solidarischen Dialog zu bieten. Damit ist die südostasien einzigartig in der deutschsprachigen Medienlandschaft.

Unsere Inhalte für alle im open access zur Verfügung zu stellen, ist auch ein solidarischer Akt. Langfristig trägt dieser Ansatz aber nur, wenn die Menschen, die etwas geben können, dies auch tun. Das kann die Mitarbeit bei der südostasien sein. Ehrenamtliche Redakteur*innen sowie Autor*innen, die Artikel anfragen/schreiben, bearbeiten und zum Teil übersetzen, bringen ihre Zeit, Energie, Wissen und Erfahrung ein, damit unseren Leser*innen die südostasien zugänglich ist. Dies geschieht in einem Rotationssystem, damit niemand sich überfordert. Lediglich zwei Honorarkräfte gewährleisten die kontinuierliche koordinierende, formale und grafische Erstellung einer jeden Ausgabe. Und natürlich braucht es Redaktionstechnik, um ein Online-Magazin am Leben zu halten. All dies bedeutet, dass es ausreichende Finanzmittel braucht, damit die südostasien in dieser Form für euch weiter lesbar ist. Solidarisch mit der südostasien zu sein, kann sich also auch in einem finanziellen Beitrag ausdrücken. Vielen Dank für eure Unterstützung – in welcher Form auch immer!

Wahlen, Demokratie und Menschenrechte – so lautet das Thema dieser ersten Ausgabe in diesem Jahr. Inhaltlich konzipiert wurde sie von Leah Hilario-Sikorski, Hendra Pasuhuk, Kathrin Sommerfeld und Simon Kaack.

Hendra Pasuhuk, der in Indonesien aufwuchs, erinnert sich: „Ich habe viele unfreie Wahlen in Indonesien in der Suharto-Zeit miterlebt. Damals wussten wir ja schon vorher, wer gewinnt. Heute herrscht da eine ganz andere Stimmung: Die meisten Menschen haben wirklich das Gefühl, sie können mit ihrer Stimme mitbestimmen, wer der nächste Präsident sein wird. Es gibt sicherlich auch Kritik, aber im Großen und Ganzen herrscht bezüglich der Wahlen eine recht fröhliche Stimmung.“

Auch Leah Hilario-Sikorski, geboren in den Philippinen, sagt von sich, dass ihre Erfahrungen aus der Zeit der Diktatur ihre Perspektive stark beeinflussten. „Dennoch“, so Leah, „gibt es auch die Politik auf lokaler Ebene, wo die Kandidaten in der Nachbarschaft leben und persönlich bekannt sind. Im Gegensatz dazu kennt man die Kandidaten auf nationaler Ebene höchstens aus den Medien. Daher bevorzuge ich es, über die greifbare Politik zu schreiben, die oft als Barangay-Politik oder Kommunalpolitik bezeichnet wird.“

Simon Kaack erlebte die nationalen Wahlen des Jahres 2023 in Thailand und Kambodscha. Für ihn war vor allem die inhaltliche Ausgestaltung des Wahlkampfes interessant. Migration, das wahlentscheidende Thema in EU-Staaten, habe trotz seiner sichtbaren Präsenz, kaum eine Rolle gespielt, so Simon. Außerdem war er fasziniert von der Euphorie der jungen Generation über einen potenziellen politischen Neuanfang in Thailand. Zugleich empfand er es als beklemmend, wie schnell diese Euphorie unter autoritären Machtreflexen begraben werden konnte.

Kathrin Sommerfelds Perspektive ist durch ihre Studien der internationalen Politik geprägt. Sie richtet ihr Augenmerk auf globale Herausforderungen. „Diese betreffen nicht nur die Nationen Südostasiens, sondern spiegeln sich auch in unserer politischen Landschaft in Deutschland wider.“ sagt Kathrin. In den letzten Jahren seien vor allem Krisen prägend für die weltweite Politik: die Covid-19-Pandemie, Inflation, die Zunahme populistischer Strömungen und die Betonung nationaler Interessen. „Die Relevanz dieser Ereignisse für die internationale politische Bühne sollte sorgfältig reflektiert werden, um die Wahrung der Demokratie weltweit zu unterstützen.“

Wir wünschen euch/ihnen eine erkenntnisreiche Lektüre mit dieser südostasien, die in den kommenden vier Monaten um viele Artikel wachsen wird. Schon jetzt weisen wir auf die danach folgende Ausgabe 2/2024 hin. Zum Thema Wasser in Südostasien werden noch Artikelvorschläge angenommen.

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Editorial südostasien 2/2021:
Südostasien – Spielball von Hegemonialinteressen?

Liebe Lesende,

hier ist sie, die zweite Ausgabe in diesem Jahr! Neu ist die Form unseres Editorials, in dem die Redaktion kurz und persönlich auf das Thema der Ausgabe einstimmt. Darunter findet ihr ein Inhaltsverzeichnis mit allen Artikeln der Ausgabe, durch das ihr euch klicken könnt. Dieses Verzeichnis wächst über einen Zeitraum von vier Monaten parallel zur Ausgabe mit – von anfangs vier bis sechs Artikel bis am Ende rund 20 Artikel.

Was bleibt, ist die inhaltliche Vielfalt mit dem Fokus darauf, Stimmen aus Südostasien Raum zu geben und ein Forum für einen herrschaftskritischen und solidarischen Dialog zu bieten. Damit ist die südostasien einzigartig in der deutschsprachigen Medienlandschaft!

Unsere Inhalte für alle im open access zur Verfügung zu stellen, ist auch ein solidarischer Akt. Langfristig trägt dieser Ansatz aber nur, wenn die Menschen, die etwas geben können, dies auch tun. Das kann die Mitarbeit bei der südostasien sein. Ehrenamtliche Redakteur*innen sowie Autor*innen, die Artikel anfragen/schreiben, bearbeiten und zum Teil übersetzen, bringen ihre Zeit, Energie, Wissen und Erfahrung ein, damit unseren Leser*innen die südostasien zugänglich ist. Dies geschieht in einem Rotationssystem, damit niemand sich überfordert. Lediglich zwei Honorarkräfte gewährleisten die kontinuierliche koordinierende, formale und grafische Erstellung einer jeden Ausgabe. Und natürlich braucht es Redaktionstechnik. All dies bedeutet, dass es ausreichende Finanzmittel braucht, damit die südostasien in dieser Form für euch weiter lesbar ist. Solidarisch mit der südostasien zu sein, kann sich also auch in einem finanziellen Beitrag ausdrücken. Vielen Dank für eure Unterstützung – in welcher Form auch immer!

Wasser in Südostasien – so lautet das Thema dieser Ausgabe. Inhaltlich konzipiert wurde sie von Robin Eberhardt, Anett Keller, Eileen Kristiansen und Mirjam Overhoff.

Robin Eberhardt lebt in Phnom Penh. Den Einfluss des Tonle Sap und des Mekong auf die Kultur und Geschichte Kambodschas hat er in den letzten dreißig Jahren intensiv kennen gelernt. Er sieht seitdem, welche Probleme die Menschengemachte Veränderung der Wassersysteme im Alltagsleben bereiten.

Für Anett Keller ist die Beschäftigung mit Wasser eine ganzheitliche Erfahrung. Unsere Körper bestehen zu zwei Dritteln aus Wasser. Zwei Drittel der Erdoberfläche sind mit Wasser bedeckt. „Ohne Wasser kein Leben“, wie oft wird das schnell dahingesagt. Doch für Menschen in westlichen Städten kommt „Wasser aus dem Hahn“, als ob es keinen natürlichen Ursprung hätte. Toiletten werden mit Trinkwasser gespült (30 bis 40 Liter am Tag!). „Mehrere Jahre in Indonesien und der Kontakt zu indigenen Gemeinschaften, die sich der elementaren Bedeutung des Wassers noch bewusst sind, haben meinen Blick verändert“, sagt Anett Keller. Inzwischen lebt sie in einem Ökodorf, wo mit Wasser bewusst umgegangen wird.

Mirjam Overhoff ist den Philippinen seit fast 20 Jahren verbunden. Fragen rund um das Thema Wassernutzung begleiten sie seitdem. Seit 2018 ist sie Geschäftsführerin des philippinenbüro e.V. und arbeitet immer wieder zu Plastikverschmutzung, Klima- und Umweltschutz in den Philippinen. Auf ihren Reisen in die Philippinen und beim Austausch mit der philippinischen Zivilgesellschaft spielen Konflikte rund um Wasser eine große Rolle. Zuletzt besuchte und interviewte sie bedrohte Reclamation-Communities an der Manila Bay.

Für Eileen Kristiansen spielen vor allem die Meere eine große Rolle. Schon früh lernte sie durch das Tauchen die Schönheit der Welt unter Wasser kennen und lieben, war sich jedoch auch schnell der Schattenseiten des Tauchtourismus bewusst. Im Rahmen ihres Studiums setzte sie sich mit dem Spagat zwischen wirtschaftlicher Nutzung und Umweltschutz, aber auch den Interessenkonflikten zwischen der (Tourismus-)Industrie und den Bedürfnissen lokaler Gemeinschaften auseinander.

Wir wünschen euch/ihnen eine erkenntnisreiche Lektüre mit dieser südostasien, die in den kommenden vier Monaten um viele weitere Artikel wachsen wird. Schon jetzt weisen wir auf die danach folgende Ausgabe 3|2024 zum Thema Koloniale Kontinuitäten hin. Hier geht es zum Call for Papers

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Editorial südostasien 2/2021:
Südostasien – Spielball von Hegemonialinteressen?

Liebe Lesende,

das moderne Leben in Europa und anderen westlichen Staaten wäre undenkbar ohne die kolonialen Macht- und Ausbeutungsverhältnisse vergangener Jahrhunderte. Sie waren – und sind – eine wichtige Voraussetzung von Kapitalismus, Globalisierung und unserem heutigen Wohlstand. Aus dieser Entwicklung resultieren jedoch geopolitische Konflikte und der Klimawandel als Folgen der Ausbeutung von natürlichen Ressourcen, ebenso wie Rassismus und soziale Ungleichheit.

Die Staaten des Globalen Südens fordern zunehmend Entscheidungen auf Augenhöhe, was sich in neuen Staatenbündnissen und Machtverschiebungen auf globaler Ebene zeigt. Zudem erwarten sie eine Wiedergutmachung für Menschenrechtsverbrechen und gesellschaftliche Traumata, die die früheren Besatzer*innen zum großen Teil bis heute nicht anerkannt haben. Um das bis heute anhaltende Ungleichgewicht zwischen ehemaligen Kolonialmächten und den von ihnen unterdrückten Regionen zu überwinden, muss jedoch in westlich geprägten Ländern das Verständnis dafür wachsen, wie sich der europäische Kolonialismus bis heute auf die betroffenen Länder und ihre Einwohner*innen auswirkt.

In dieser Ausgabe der südostasien wollen wir vor allem Prozesse aufzeigen, die dazu beitragen, koloniale Kontinuitäten aufzubrechen. Natürlich können wir keine endgültigen Lösungen für eine Vielzahl an komplexen Problemen präsentieren. Vielmehr ist dies ein Versuch, durch gedankliche und lebenspraktische Beispiele mehr Verständnis dafür zu schaffen, wie das Handeln europäischer Kolonialmächte die Lebensrealität von Menschen in Südostasien bis heute beeinflusst – und warum wir lernen sollten, die Perspektiven der Betroffenen als gleichberechtigt anzuerkennen.

Die Redaktion dieser Ausgabe stellt sich und ihre Motivation vor:

Lydia Bucher ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Neueste Geschichte/ Zeitgeschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Sie promoviert in Kolonial-, Wissenschafts- und Globalgeschichte. Bei ihrer Arbeit begegnet sie regelmäßig Überbleibseln aus Kolonialzeit und wissenschaftlichem Rassismus, sei es im kollektiven Wissen, auf Social Media oder in Museumsdepots. Diese Kontinuitäten aufzubrechen, ist ihr ein wichtiges Anliegen.

Charlotte Mei Yee Chin ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Islamische Theologie der Universität Osnabrück und Gründerin von Coaching Intercultural Southeast Asia. Sie interessiert sich besonders dafür, wie postkoloniale Strukturen die sozialen und politischen Verhältnisse in Südostasien beeinflussen. Dabei untersucht sie vor allem die kolonialen Kontinuitäten in Hinsicht auf Genderfragen und Extremismus in der Region.

Nelden Djakababa Gericke ist Psychologin, Schriftstellerin, Kunsthandwerkerin und berichtet für die indonesische Zeitschrift Tempo aus Deutschland. Langjährige Erfahrung mit individueller und kollektiver Traumabewältigung hat ihr gezeigt, dass Erzählen, Schreiben und ‚Basteln‘ von Geschichten helfen, eine schwierige Vergangenheit zu verarbeiten. Dazu gehören auch die Folgen postkolonialer Machtstrukturen, wie die Ereignisse von 1965 in Indonesien.

Laura Faludi arbeitet und forscht seit mehr als einem Jahrzehnt in Südostasien zu Menschenrechten und Konfliktlösung, aktuell zu Myanmar. Durch ihre Mitarbeit an zahlreichen Projekten der internationalen Zusammenarbeit in der Region sieht sie sich ständig mit der Frage konfrontiert, inwiefern sie selbst an kolonialen Kontinuitäten beteiligt ist. Sie strebt daher danach, alte Sichtweisen umzuwerten und ungleiche Machtstrukturen abzubauen.

Monika Schlicher hat sich schon im Studium der Geschichte und Politischen Wissenschaften Südostasiens mit den Auswirkungen des Kolonialimperialismus beschäftigt. Das prägte ihren beruflichen Weg: Seit den 1990er-Jahre ist sie entwicklungs- und menschenrechtspolitisch aktiv, insbesondere zu Timor-Leste und Indonesien. Die Auseinandersetzung mit globalen Machtstrukturen und kolonialen Kontinuitäten bestimmt ihre Arbeit in der Stiftung Asienhaus, die sie leitet.

Christina Schott ist freie Journalistin und Geschäftsführerin des Korrespondentennetzes Weltreporter. Davor hat sie 20 Jahre als Südostasienkorrespondentin und interkulturelle Projektmanagerin gearbeitet. Dabei musste sie lernen, wie tief koloniale Perspektiven in Journalismus und Kulturarbeit verankert sind. Mit ihrer Arbeit möchte sie Lücken in der Auslandsberichterstattung füllen und die Perspektiven des Globalen Südens im Blick behalten.

Für Marina Wetzlmaier ist die Beschäftigung mit den Philippinen ein persönliches wie berufliches Anliegen. Als Tochter einer philippinischen Mutter versteht die Journalistin ihre Auseinandersetzung mit Geschichte, Politik und Gesellschaft des Landes als Teil ihrer eigenen Identitätssuche. Die Auswirkungen ungleicher Machtstrukturen, die auch aus der Kolonialzeit resultieren, hat sie in ihrer Zusammenarbeit mit der lokalen Zivilgesellschaft kennengelernt.

Wir wünschen Euch/Ihnen eine erkenntnisreiche Lektüre mit dieser südostasien, die in den kommenden vier Monaten um viele weitere Artikel wachsen wird. Schon jetzt weisen wir auf die danach folgende Ausgabe 1|2025 hin, in der wir auf 40 Jahre südostasien schauen werden. Hier geht es zum Call for Papers.

Wir bedanken uns für die freundliche Unterstützung bei

Gefördert durch ENGAGEMENT GLOBAL mit Mitteln des

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Editorial südostasien 2/2021:
Südostasien – Spielball von Hegemonialinteressen?

Wie kann ein herrschaftskritischer und solidarischer Dialog zwischen Akteur: innen in Südostasien und Deutschland gestaltet werden? Wie kann eine Plattform gebaut und gestärkt werden, die sozialen Bewegungen eine Stimme gibt, die die Staatsgewalt lieber zum Schweigen bringen möchte? Wie kann transnationale Solidaritätsarbeit angesichts ungleicher Machtverhältnisse zwischen dem globalen Norden und Süden gelebt werden? Wie können dafür Impulse für das Handeln in Deutschland/Europa gesetzt werden?

Antworten auf diese Fragen zu finden, ist seit 40 Jahren gelebte Praxis der südostasien. Das zeigt sich in den Inhalten. Die Beiträge der südostasien gaben einerseits einem bereits existierenden politischen, sozialen und Umwelt-Aktivismus publizistischen Raum, oft gaben sie jedoch auch einen Anstoß, aktiv zu werden und sich zu engagieren.

2025 würdigt die südostasien ihr 40jähriges Bestehen mit einer Doppelausgabe. Wir blicken auf vier Dekaden des Wandels in der Region und auf die Veränderungen der Beziehungen zwischen Europa und Südostasien. Wir ziehen Bilanz bei gesellschaftlich relevanten Themen und politischen Handlungsfeldern. Zur näheren Betrachtung kommen dabei:

  • Menschenrechte (Freiheitsrechte/Sozialrechte/Kollektivrechte)
  • Emanzipationsbestrebungen (zum Beispiel feministische Bewegungen/LGBTIQ/Indigene)
  • Möglichkeiten zur demokratischen Teilhabe und ihre Einschränkungen
  • Handlungsräume für zivilgesellschaftliches Engagement
  • Beziehungen zwischen Deutschland/Europa und Südostasien (Wirtschaft/Politik/Kultur/Umwelt)
  • Globale Herausforderungen und Konflikte, die die Region erfassen/beeinflussen wie Klimawandel und/oder strategische Positionierungen der Großmächte
  • Erfahrungen der südostasiatischen Diaspora in Deutschland

Auch unsere Redaktion verändert(e) sich immer wieder. Bestand sie anfangs aus einem kleinen Kreis südostasiatischer Aktivist:innen im Exil und deutschen Menschenrechtsbewegten, war sie später stark geprägt von überwiegend deutschen/weißen Wissenschaftler:innen. Mittlerweile umfasst sie einen großen gewachsenen Kreis von Menschen mit verschiedensten biographischen Hintergründen und Bildungswegen. War anfangs der Blick fast ausschließlich auf das Geschehen in Südostasien gerichtet, finden nun Perspektiven der südostasiatischen Diaspora in Deutschland zunehmend Raum.

Nicht nur der Redaktionskreis ist mit den Jahren ständig gewachsen, sondern auch der Kreis der Autor:innen. Die südostasien stützt sich auf einen Kreis von mehreren Hundert ehrenamtlichen Autor:innen, viele von ihnen in den Ländern Südostasiens beheimatet und dort in sozialen Bewegungen engagiert.

Die südostasien ist damit in der deutschsprachigen Medienlandschaft einmalig. Sie bildet einen Publikations- und Erfahrungsraum, der auch auf einer immensen Übersetzungsleistung unserer ehrenamtlichen Redaktionsmitglieder beruht. Koloniale Kontinuitäten zu erkennen, zu benennen und emanzipatorische Ansätze sichtbar zu machen und zu fördern, das ist ein Lernweg, den wir alle gemeinsam gehen – und auf dem wir unsere Leser:innen mitnehmen.

Die Redaktion dieser Ausgabe stellt sich und ihre Motivation vor:

Nina Dederichs ist studierte Kultur- und Sozialanthropologin mit einem Schwerpunkt in Gender Studies. Seit einigen Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit postkolonialen und intersektionalen Perspektiven auf Machtasymmetrien. Zuletzt forschte sie auf den Philippinen zur (Un)Sicherheit und (Un)Sichtbarkeit von Sexarbeit. Seit 2024 engagiert sie sich bei der südostasien. Als junges Mitglied setzt sie sich aus einer kritischen queer-feministischen Position dafür ein, blinde Flecken in der „südostasien“ sichtbar zu machen und Veränderungen in Richtung eines safer spaces anzustoßen.

Anett Keller ist freie Journalistin mit Länderschwerpunkt Indonesien und Engagement in und für Graswurzelbewegungen. 2007 schrieb sie das erste Mal für die südostasien, viele weitere Artikel und Übersetzungen folgten. Seit 2011 ist sie im Redaktionskreis aktiv, den sie seit 2018 koordiniert. Sie mag an der südostasien, dass diese alles auf einmal ist: Spiegel der Vergangenheit, Aushandlungsort der Gegenwart und Zukunftslabor. Im Redaktionsalltag mit Menschen aus drei Generationen und zahlreichen Ländern/Regionen hat sie reichlich Gelegenheit, zwischen verschiedenen Positionen zu vermitteln, dabei auch die eigenen zu hinterfragen und dazuzulernen – und ist dankbar dafür.

Mirjam Overhoff ist Geschäftsführerin des „philippinenbüro e.V.“ in Köln und ist seit 2005 mit den Philippinen verbunden. Die studierte Sozialwissenschaftlerin arbeitet seit 2013 intensiv zum Thema Arbeitsmigration und Migrationssoziologie. Weitere Schwerpunktthemen ihrer Arbeit sind Politik, Menschenrechte, Stadtentwicklung, Indigene, Klimawandel und der Umgang mit Müll in den Philippinen. Seit 2018 ist sie Mitherausgeberin des Online-Magazins südostasien, sie ist Teil der Redaktion, schreibt Artikel und arbeitet regelmäßig in Kernredaktionen der südostasien mit – die gemeinsame Arbeit mit den vielen engagierten Redaktionsmitgliedern macht ihr viel Freude.

Hendra Pasuhuk ist Journalist und Trainer für interkulturelle Kommunikation mit Schwerpunktthemen Politik und Wirtschaft. Schon in den 1990er Jahren schrieb er für die „Südostasien-Informationen“, den Vorläufer der südostasien. Hendra sagt anlässlich des Jubiläums: „40 Jahre südostasien ist das Ergebnis harter Arbeit von vielen ehrenamtlichen Mitarbeitenden. 40 Jahre sind ein Meilenstein – aber auch ein Ansporn für die Zukunft.“ Neben dem Blick zurück will Hendra auch nach vorne schauen und die südostasien für die nächste Generation relevant und spannend gestalten.

Jörg Schwieger ist evangelischer Theologe und Germanist. Seit nahezu 50 Jahren steht er in Verbindung mit Südostasien – unter anderem auch durch seine berufliche Tätigkeit für den kirchlichen Entwicklungsdienst. Er ist ehrenamtlich zu Asien, in der personellen Entwicklungszusammenarbeit und lokal zu Integration und kultureller Teilhabe engagiert. Ein besonderes Anliegen ist ihm, vielfältige Stimmen aus der Region zu Wort kommen zu lassen.

Dass diese Jubiläumsausgabe am Fastnachtstag startet, bietet doppelt Anlass zum Feiern, bedeutet aber keinesfalls, dass am Aschermittwoch alles vorbei ist. Im Gegenteil: den vier ersten Artikeln werden noch etwa vierzig weitere folgen. Und ihr könnt sie mitschreiben! Bis Ende März nehmen wir dafür noch Vorschläge an, für mehr Infos schaut in den call for papers.

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