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Die Folgen unseres Lebensstils

Indonesien, Plastik, Rezension

Screenshot © SWR, Radio Bremen

Indonesien/weltweit: Eine ARD-Dokumentation begleitet vier Mädchen, die Klimakrise und Umweltverschmutzung den Kampf ansagen.

Ost-Java in Indonesien ist bekannt für seine fruchtbaren Böden, Vulkane und atemberaubende Natur. Doch die Landschaft ist heute vor allem durch ein anderes Phänomen geprägt: Plastikverschmutzung. Besonders gravierend ist es im Ort Bangun in Ost-Java, der Heimat von Aeshnina Azzahra, die wir auch für diese Ausgabe der südostasien interviewt haben. Sie ist eine der jungen Protagonistinnen des ARD-Dokumentarfilms „Kinder der Klimakrise“ aus dem Jahr 2021. Zum Zeitpunkt der Dreharbeiten ist sie zwölf Jahre alt. In ihrer Heimatstadt ist Müll ein ständiger, stiller Begleiter. Dort landet er nicht nur auf der Deponie. Er schwimmt im Wasser, befindet sich im Boden und in den Wäldern. Indonesien wird mit Abfall aus dem Ausland förmlich „bombardiert“, wie es im Film heißt. Darunter: Windeln, Schuhe oder Spielzeug, vor allem aus westlichen Ländern.

„Kinder der Klimakrise“ veranschaulicht, dass Umweltverschmutzung ein globales Problem ist. Das Anthropozän (vom Menschen geprägtes Zeitalter) hinterlässt seine Spuren auf der ganzen Welt: In Indien, wo die zwölfjährige Gagandeep Kaur unter der extremen Luftverschmutzung durch das illegale Abbrennen von Feldern leidet. In Senegal, wo die zum Zeitpunkt der Dreharbeiten 14-jährige Fatoumata Ka mit Wassermangel zu kämpfen hat. In Australien, wo sich die erst elfjährige Sabyah White dafür einsetzt, das Great Barrier Reef zu erhalten. So unterschiedlich die Probleme der Protagonistinnen erscheinen: Sie alle kämpfen gegen die Folgen der Klimakrise, einer Krise, die das kapitalistische Wirtschaftssystem immer weiter verschärft.

Illegale Plastikflut in Indonesien

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Aeshnina durchsucht Plastikmüll aus Industrieländern für eine Ausstellung an ihrer Schule. Screenshot © SWR, Radio Bremen

So auch im indonesischen Bangun. Hier landet Müll aus aller Welt, denn: Die Papierfabrik in Banguns Nachbardorf kauft – wie viele Papierfabriken Indonesien – weltweit Papiermüll ein, um ihn zu recyceln. Darunter befindet sich jedoch absichtlich beigemischter, illegaler Plastikmüll, welcher weiter nach Bangun geschickt wird. Viele Bauern dort nennen sich mittlerweile ,Plastikbauern´. Sie durchsuchen den Plastikmüll nach verwertbaren Materialien und verkaufen diese. Was nicht verkäuflich ist, landet im Fluss oder als Brennstoff in Fabriken in der Nähe. Die stoßen wiederumgesundheitsschädlichen Rauch aus. Die Menschen leiden unter der Umweltverschmutzung und sind zugleich Teil des Teufelskreises. Besonders deutlich wird das in einer Szene zu Beginn des Films. Aeshnina spricht mit einer ,Plastikbäuerin´: Diese sagt, sie verdiene ihr Geld damit, den Müll zu sortieren. Es sei die einzige Einnahmequelle. Das Geld sei nötig, beispielsweise um Trinkwasser in Plastikflaschen zu kaufen, denn das Grundwasser in der Gegend ist durch die Giftstoffe aus dem Plastik verseucht ist.

Aeshnina hat früh erkannt, dass die Kinder des Globalen Südens besonders betroffen sind von den Folgen der Klimakrise. Doch statt sich der Ohnmacht der Erwachsenen zu fügen, will Aeshnina etwas verändern. Sie schreibt in einem Brief an den US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump: „Nehmt euren Müll zurück.“ Zwar antwortet ihr der US-amerikanische Botschafter in Indonesien. Einen Lösungsvorschlag für das Müllproblem enthält das Antwortschreiben jedoch nicht. Doch so schnell lässt sich die junge Aktivistin nicht entmutigen.

Eine Zwölfjährige wehrt sich

Für eine Ausstellung an ihrer Schule sucht Aeshnina gemeinsam mit anderen Schüler:innen nach besonderen Fundstücken im Müll. Dabei findet sie sogar einen deutschen Personalausweis. Der kommt wie gerufen: Möglichst viele Schülerinnen und Schüler sollen eine Petition unterschreiben, die sie und ihre Mitstreiterinnen dem deutschen Botschafter übergeben möchte. Mit einem Megaphon motiviert sie die Menge. Schließlich fährt sie mit den Unterschriften und einem Brief an die deutsche Kanzlerin nach Jakarta, wo sie den deutschen Botschafter trifft. Sie gibt Interviews und tritt sogar im Fernsehen auf. In solchen Momenten lässt einen der Film vergessen, dass hier nicht eine erfahrene Politikerin oder Aktivistin vor der Kamera steht, sondern ein zwölfjähriges Mädchen.

Indonesien, Plastik, Rezension

Aeshnina zu Besuch beim deutschen Botschafter. Screenshot © SWR, Radio Bremen

Der Film hält uns in zweifacher Hinsicht den Spiegel vor: Er macht die Folgen unseres Lebensstils sichtbar, für die Umwelt und die Menschen in Ländern wie Indonesien, in denen unser Müll landet. Und er ruft dazu auf, Verantwortung zu übernehmen und zu handeln. Denn wenn ein zwölfjähriges Mädchen so viel erreichen kann, womit rechtfertigen wir dann unsere Untätigkeit?

Mitreißend und doch realistisch

Die Regisseurin Irja von Bernstorff legt den Fokus bewusst ausschließlich auf Kinder. Sie blendet Erwachsene bis auf wenige Ausnahmen fast vollständig aus. Aeshnina bestreitet ihre Arbeit scheinbar allein. Keine erwachsene Off-Stimme erklärt die Fakten, das tut Aeshnina selbst. Sogar die Synchronsprecherinnen sind Kinder. Aeshninas Geschichte ist mitreißend, weil sie authentisch wirkt. Das erreicht von Bernstorff, indem sie immer wieder Einblicke in Aeshninas Leben gibt: in ihren Schulalltag, beim Beten oder Erkunden der Natur. Der Film zeigt auch Rückschläge, Sorgen und die Ohnmacht, mit denen das Mädchen trotz ihrer Stärke zu kämpfen hat. Gerade weil es nicht einfach ist, gewinnt Aeshninas Engagement an Bedeutung. Um es mit ihren eigenen Worten auszudrücken: “Alle Kinder haben das Recht auf eine intakte Umwelt. Wir müssen tapfer sein und für unsere Rechte kämpfen.”

Rezension zu: Kinder der Klimakrise: 4 Mädchen, 3 Kontinente, 1 Mission. Regie: Irja von Bernstorff. 2021. 88 min. SWR, Radio Bremen

Autor:in

  • Frederik Edel studiert Sprachen und Kulturen der islamisch geprägten Welt und Geschichte an der Universität zu Köln. Als Autor befasst er sich mit Geopolitik, globaler Zeitgeschichte und der Analyse von filmischen Werken.

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