1 | 2025, Malaysia, Singapur,
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Guerilla-Frauen gegen Kolonialismus und Faschismus

Malaysia, Guerilla, Frauen

Nach ihrer Zeit als Guerilla-Kämpferinnen lebten Chen Xiu Zhu, Zhu Ning und Atom in einem der „Peace Villages“ © Agnes Khoo

Malaysia/Singapur: Einstige kommunistische Kämpferinnen erzählen von ihrem Widerstand und ihren späteren Perspektiven.

Infobox Geschichte:

Die Briten kolonisierten Malaya (malaiisches Festland) ab 1786. Die Kommunistische Partei von Malaya (CPM) wurde 1928 gegründet. Malaysia erlangte im Jahr 1957 die Unabhängigkeit, Singapur im Jahr 1965. Während des Zweiten Weltkriegs (1941–1945) war Malaya von Japan besetzt. Nach der Niederlage Japans übernahmen die Briten wieder die Kontrolle und erklärten der CPM den Krieg. Um die Genfer Konvention zu umgehen, bezeichneten die Briten den Krieg nicht als Krieg, sondern als „Notstand“. In der Folge wurden gefangene Kommunist:innen und deren Sympathisant:innen als Kriminelle behandelt und nicht als Kriegsgefangene. Unter dem Vorwand, den Kommunismus in Singapur auszurotten (Operation Cold Store 1963–65), verhaftete die Regierung Hunderte von Oppositionsführer:innen, Gewerkschafter:innen und Aktivist:innen auf der Grundlage des Internal Security Act (ISA), der die Zivilgesellschaft Singapurs lahmlegte. Die CPM unterzeichnete im Dezember 1989 das Friedensabkommen mit Thailand und Malaysia.

Das Buch unserer Autorin Agnes Khoo „Life as the River Flows: Oral History of Women Guerrillas’ Struggle for the Independence of Malaysia/Singapore (1930–1989)“ wurde zwischen 2004 und 2009 in verschiedenen Sprachen veröffentlicht. 2017 erschien die digitale englische Ausgabe. Das Buch handelt vom Widerstand des malaiischen Volkes gegen den britischen Kolonialismus und die japanische Besatzung. Agnes Khoo interviewte während ihres Aufenthalts in den „Peace Villages“ (1998–2002) in Südthailand 16 Frauen der Guerilla, damals im Alter von 50 bis 80 Jahren. Die Interviewpartnerinnen erzählten von ihrem Leben als Aktivistinnen an der offenen Front und im Untergrund, als Revolutionärinnen und Guerillakämpferinnen zwischen 1940 und 1989.

Peace Villages: Erinnerungen teilen und Gemeinschaft leben

Nach dem Friedensabkommen von 1989 zogen sich die CPM-Guerillas in die sogenannten „Peace and Friendship Villages“ zurück und bildeten dort enge Gemeinschaften. In jedem „Peace Village“ gibt es ein Denkmal mit dem Roten Stern zum Gedenken an die CPM-Kämper:innen, Museen mit Erinnerungsstücken, Gästehäuser für Tourist:innen und von Kamerad:innen geführte Restaurants, die lokale Gerichte aus eigens produziertem Gemüse und Fleisch anbieten. Und die typischen Karaoke-Hallen, die gleichzeitig als Versammlungsräume dienen, in denen Besucher:innen den ehemaligen Guerillas zuhören können, wenn sie ihre Geschichten über Löwen, Elefanten und feindlichen Beschuss erzählen.

Malaysia, Guerilla, Frauen

Atom erzählt: „Sie [die CPM] waren wirklich gut zu uns. Sie haben uns vieles erklärt. Sie haben uns die Geschichte Malayas erzählt und warum sie diesen Krieg führen wollten. Sie haben uns versichert, dass sie nicht daran interessiert waren, Thailand anzugreifen. Sie wollten nur Malaya befreien. Mein Vater wusste, dass mein Mann und ich uns den Guerillas anschließen würden. Er ließ mich gehen, weil er wusste, dass der Feind uns holen würde.“ © Agnes Khoo

Einige der Interviewpartnerinnen hatten beim Verlassen der Berge thailändische Kinder adoptiert und leben mit ihnen in den Dörfern, während andere Kinder in die Städte gegangen sind, um Arbeit zu finden. Heute müssen die Frauen sich mit dem Älterwerden, verstorbenen Partnern, wegziehenden Kindern und dem Tod auseinandersetzen. Was sie jedoch besonders macht, ist ihr unbeugsamer Geist. Sie sind willensstarke und zähe Frauen, die sich nicht von den Problemen des Lebens unterkriegen lassen. Unabhängig und einfallsreich helfen und unterstützen sie sich gegenseitig. Sie sind stolz darauf, dass sie ihre Kamerad:innen mit ihrem medizinischen Wissen und Können behandeln. Sie pflegen und leiten Dorfmuseen, Reiseveranstaltungen, Ackerbau und Viehzucht.

Politisches Bewusstsein und Unabhängigkeit

Viele fragen, ob die Frauen es bereuen, der Armee beigetreten zu sein, die schließlich nicht an die Macht kam. Die Antwort lautet: nein. Denn ihr Leben wurde durch die Erfahrungen und das Lernen in der Guerillaarmee auf eine Art und Weise bereichert, die sonst nicht möglich gewesen wäre. Aufgrund der Armut, in der sie aufwuchsen, mangelte es an Bildung und Möglichkeiten. In der Armee lernten die Frauen Lesen und Schreiben, militärisches Verhalten, medizinische Kenntnisse und das Überleben in der Wildnis. Sie genossen es, in ihrer Freizeit zu singen und zu tanzen, und schätzten das Miteinander.

Die Frauen trauern um ihre gefallenen Kamerad:innen und vermissen ihre verstorbenen Angehörigen. Sie vermissen ihre Mütter und Familien, von denen sie sich nicht verabschieden konnten, als sie in den Dschungel gingen. Einige von ihnen bedauern, ihre neugeborenen Kinder weggegeben zu haben, um ihre Kamerad:innen zu schützen. Die meisten drückten ihre Zufriedenheit und ihren Stolz darüber aus, dass sie politisches Bewusstsein und Unabhängigkeit erlangten, was in dem traditionellen und konservativen Umfeld, in dem sie aufwuchsen, unmöglich gewesen wäre. Ihr revolutionärer Kampf befreite und emanzipierte sie von ihrer traditionellen Rolle als Ehefrauen, Mütter und Hausfrauen, eröffnete ihnen neue Lebenswege und erweiterte ihren Horizont. Sie lernten die Welt kennen und erlangten Bewusstsein über die revolutionären Kämpfe in anderen Ländern. Diejenigen, die im Rahmen des Vietnamkriegs medizinische Ausbildungen erhielten, waren ihren vietnamesischen Kamerad:innen für den Schutz vor amerikanischem Beschuss dankbar. Diejenigen, die nach China geschickt wurden, um dort eine Ausbildung zu absolvieren, Medizin zu studieren und den CPM-Radiosender zu unterstützen, waren dankbar, obwohl China sich nur mühsam vom Zweiten Weltkrieg erholte.

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Guerillakämpferin Atom, kurz bevor sie den Dschungel verließ © Agnes Khoo

Diese Frauen nahmen die Welt bewusster wahr als jene, die sich nicht an den Kämpfen beteiligten. Sie erlebten die „internationale Solidarität“ als wirklich und lebendig, nicht als abstrakte Theorie. Sie studierten die Lehren des Marxismus, Leninismus und Maoismus sowie die malaiische Geschichte aus der Sicht der CPM. Sie betrachteten die sozialen, politischen und wirtschaftlichen Realitäten Malayas aus linker Perspektive und vertraten progressive Vorstellungen von der Befreiung Malayas und ihrer persönlichen und kollektiven Emanzipation. Sie waren sich der Beziehungen zwischen und der Gleichberechtigung der Geschlechter bewusst, trotz des Patriarchats in der Partei, der Armee und der „Außenwelt“, die sie transformieren wollten.

Emanzipation vs. Patriarchat

Diese Frauen bewegten sich und verhandelten ständig zwischen den Einschränkungen des Patriarchats, ihrer neu gewonnenen Unabhängigkeit – im Bewusstsein, dass das Persönliche politisch ist. Ihre Emanzipation als Frauen ist dreifach: in ihrer Klasse, ihrer Nation und ihrem Geschlecht – auch, wenn jedem Schritt vorwärts zwei Schritte zurück folgen könnten, was die „Frauenfrage“ und die „Klassenfrage“ zu einem nie endenden Thema macht. Trotz dessen sind sie stolz auf das, was sie sind und wofür sie kämpften. Ein guter Kampf, auch wenn sie in den Augen Vieler scheiterten, weil sie die Staatsmacht nicht errungen haben. Aber sie haben Selbstachtung, Würde, Unabhängigkeit, Selbstemanzipation und Selbstversorgung gewonnen.

Während des Kampfes gegen den britischen Kolonialismus und die japanische Besatzung im Zweiten Weltkrieg spielten Frauen in Malaya verschiedene Rollen. Sie waren bewaffnet und kämpften als CPM-Guerillasoldatinnen. Sie unterstützten den antijapanischen Widerstand als Botinnen oder Organisatorinnen im Untergrund. Sie spionierten die Japaner aus und leiteten Informationen an den Widerstand weiter. Viele Frauen schlossen sich dem Widerstand an, weil sie fürchteten, von den Japanern gefangen genommen und vergewaltigt zu werden, oder weil sie nicht zu einer frühen Heirat gezwungen werden wollten.

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Chen Xiu Zhu war in Gefangenschaft und erzählt von Restriktionen gegen die Häftlinge. „Sie konnten uns physisch einsperren, aber nicht unsere Herzen. Solange ihr Herz für den Kampf schlägt, werden die Menschen immer Wege finden, die Revolution zu unterstützen. Wir hatten vor nichts Angst.“ © Agnes Khoo

Sie alle hatten das Ziel, Briten und Japaner aus Malaya zu vertreiben. Sie verübten Attentate und Hinterhalte, hielten Wache, legten Landminen und bearbeiteten Ackerland im Dschungel. Sie versorgten die Armee, transportierten und versteckten Lebensmittelvorräte, behandelten Verletzte und Kranke, führten Aufklärungskampagnen durch und rekrutierten Soldat:innen aus den umliegenden Dörfern. Sie waren auch in legalen Organisationen aktiv, die den anti-britischen und anti-japanischen Widerstand im Untergrund unterstützten. Sie waren Führerinnen politischer Parteien sowie Organisatorinnen in Gewerkschaften, Studenten- und Massenbewegungen. Sie mobilisierten und organisierten an der offenen Front, neben den Männern. Folglich waren sie ebenso anfällig für Folterungen und Hinrichtungen, wenn sie erwischt wurden.

Dämonisierung der CPM

Heute werden die CPM und ihre Guerillaarmee von den Machthabenden und den Massenmedien in Malaysia und Singapur verteufelt. Es ist ein hochsensibles Thema, über das die Menschen nicht öffentlich sprechen. Die Öffentlichkeit ist unwissend und desinteressiert an der Rolle der CPM und ihres Kampfes, der zur Unabhängigkeit Malaysias und Singapurs beitrug. Aufgrund des Kalten Krieges in Asien gibt es nur die staatlich sanktionierten Geschichtsschreibungen – die Geschichte der Sieger und Kolonialherren, die die kolonialen und amerikanischen imperialistischen Interessen in Südostasien aufrechterhalten. Schulbücher, Medien und Unterhaltungsindustrie wurden streng zensiert, um sicherzustellen, dass keine gegensätzlichen Ansichten oder alternativen Geschichtsbilder veröffentlicht wurden. Offizielle Geschichtsdarstellungen wurden entpolitisiert und aus dem Kontext gerissen, so dass unsere nationalen Geschichten uninteressant, eindimensional und unreflektiert wurden. Historische Erzählungen, die nicht staatlich sanktioniert waren, galten als subversiv und wurden marginalisiert.

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Passfoto der jungen Guerillakämpferin Cui Hong. „Leute haben uns gefragt, ob wir es jemals bereuen, dass unsere ganze Familie zur Armee gegangen ist. (…) Wie können wir jetzt etwas bereuen, wo wir doch so weit gekommen sind? Man kann Dinge, die geschehen sind, nicht rückgängig machen. Der einzige Weg ist, durchzuhalten und bis zum Ende weiterzumachen.“, sagt sie. © Agnes Khoo

Asienweit liberalisierte sich die politische Atmosphäre seit Ende der 1980er Jahre, insbesondere nach der Demokratisierung der Philippinen (Peoples Power Revolution – 1986), Südkoreas (der Frühling von Seoul – 1987) und Taiwans (Sturz des Kriegsrechts – 1987) als Ergebnis von Volksbewegungen für Demokratien. In Ost- und Südostasien wuchsen Zivilgesellschaften heran, die die staatlich sanktionierte Geschichte in Frage stellten und alternative Geschichten „von unten“ anboten. Allmählich wehte der Wind der „alternativen Geschichten“ auch durch Malaysia und Singapur.

„Geschichte von unten“

Die Geschichte des Volkes ist wichtig, weil wir durch die Geschichten der „kleinen Leute“ Einblicke in unsere Alltagsrealität und in den Unterbau unserer Gesellschaften erhalten und dadurch eine Verbindung zwischen „damals“ und „heute“ herstellen, ohne einen Anspruch auf die absolute Wahrheit zu erheben. Im Gegensatz zur offiziellen Geschichtsschreibung werden sie jedoch von einer Vielzahl von Stimmen aus unterschiedlichen sozialen und wirtschaftlichen Schichten, von verschiedenen Ethnien und Religionen, Glaubensbekenntnissen und Kulturen erzählt – und nicht von einer dominanten Gruppe oder Klasse oder von den Machthabern monopolisiert.

Das Interesse an meinem Buch „Life as the River Flows“ hat sich über die Grenzen Malaysias und Singapurs hinaus auf Indonesien, Thailand, Südkorea, Taiwan, die USA und das Vereinigte Königreich ausgeweitet, deren Regierungen antikommunistisch eingestellt sind und in denen die kommunistische Seite der Geschichte konsequent unterdrückt, wenn nicht sogar verzerrt und dämonisiert wurde.

Der Kommunismus ist nach wie vor das „Schreckgespenst“, das die herrschenden Mächte benutzen, um die Zivilgesellschaften einzuschränken und zu unterdrücken. Selbstzensur und Angst der Menschen sind nach wie vor die Haupthindernisse für die „Geschichte von unten“. Solange Malaysia und Singapur nicht demokratisch werden, bleibt es schwierig, wenn nicht gar unmöglich, unsere linke Geschichte gebührend zu würdigen. Die volle Anerkennung der kommunistischen Rolle und Geschichte ist ein wesentlicher Bestandteil des Demokratisierungsprozesses beider Länder.

Übersetzt aus dem Englischen von: Lena Mrotzek und Mirjam Overhoff

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Guerilla-Frauen gegen Kolonialismus und Faschismus

Asien/Weltweit: Das Südchinesische Meer ist ein Zentrum der geopolitischen Auseinandersetzung zwischen den Regierungen der USA und der Volksrepublik China im Bestreben nach Hegemonie. Peter Franke skizziert die aktuelle Situation.

Dies ist Teil II des Artikels. Teil I ist hier zu finden.

Verschiedene Gebietsansprüche im Südchinesischen Meer

Angesichts der in Teil 1 genannten wirtschaftlichen und geografisch-strategischen Bedeutung haben die Territorialansprüche dazu geführt, dass seit der zweiten Hälfte der 1980er Jahre bis 1994 (dem Jahr des Inkrafttretens des UN-Seerechtsübereinkommens) einige Inseln von China und Vietnam zur Behauptung ihrer Einflussgebiete militärisch besetzt wurden, insbesondere die Paracel- und Spratly-Inseln und Riffe. Die Gruppe der Paracel-Inseln und Riffe liegt ca. 200 bis 400 km südlich der chinesischen Inselprovinz Hainan, ca. 250 bis 600 km östlich von Zentralvietnam und 650 bis 850 km westlich der philippinischen Hauptinsel Luzon. Die Gruppe der Spratly-Inseln und Riffe liegt ca. 100 bis 500 km östlich vor den Küsten von Brunei, dem Bundesstaat Sabah von Malaysia auf Borneo und der südlichsten Insel der Philippinen Palawan sowie ca. 400 bis 800 km vor der Küste vom südlichen Teil Vietnams. Umfangreiche Aufschüttungen von kleinsten Inseln und Riffen ab etwa 2010 ermöglichten einen bis heute anhaltenden massiven Auf- und Ausbau von militärischen Einrichtungen zur Absicherung dieser Ansprüche und der Kontrolle der Seewege.

Die Volksrepublik China beansprucht fast die gesamte Fläche des Südchinesischen Meeres als ihr Hoheitsgebiet und hat insgesamt 28 Inseln und Riffe besetzt. Davon gehören 20 zur Gruppe der Paracel-Inseln. Bereits 1974 gab es ein Seegefecht zwischen der Marine des damaligen Südvietnams und der chinesischen Volksbefreiungsarmee, bei dem letztere den Hoheitsanspruch behaupten konnte. Das größte und militärisch wichtigste Gebiet ist Woody Island (Yongxing Dao), gut 310 km entfernt von Sanya, der chinesischen Provinzhauptstadt Hainans. Der Militärstützpunkt verfügt seit 2016 über eine 2.700 m lange Landebahn für großes und modernstes Fluggerät wie Langstreckenbomber, geschützte Hafenanlagen und Boden-Luft-Raketen. Er ist die Kommandozentrale für die militärischen Einrichtungen auf den weiteren 19 Inseln, darunter fünf mit Häfen und Hubschrauberlandeplätzen.

Von den 55 beanspruchten Spratly-Inseln hat die Volksarmee von 1988 bis 1994 sieben besetzt, zu Inseln aufgeschüttet und mit Militäreinrichtungen versehen. Sanya auf Hainan mit knapp 1.000 km Entfernung am nächsten gelegen ist das Subi-Riff. Es verfügt als Militärstützpunkt über eine 3.000 m lange Landebahn und große Hafenanlagen. Nur 190 km davon liegen südwestlich das Fiery Cross Reef (Yongshu) und südöstlich das Mischief Reef (Meiji), jeweils mit einer 2.700 m langen Landebahn, Hafen und weiteren Militäreinrichtungen. Die übrigen vier Inseln sind mit unterschiedlichen Militäreinrichtungen versehen.

Taiwan hat eine Insel der Spratly-Gruppe – Itu Aba oder Taiping-Insel – 1.500 km südlich vom eigenen Staatsgebiet besetzt. Mit 1.300 m Länge und 365 m Breite besteht sie praktisch aus einer Landebahn mit einigen Wohnhäusern für Angehörige der Küstenwacht und einige wenige Zivilisten. Wie die Volksrepublik China beansprucht Taiwan (Republic of China) die Paracel- sowie die Spratly-Inseln.

Die Volksrepublik Vietnam unterhält laut AMTI (Asia Maritime Transparency Initiative) mit 49 Außenposten die meisten im Südchinesischen Meer auf 21 der Spratly-Inseln/Riffe und 14 Einzelplattformen als economic, scientific and technological service stations und auf sechs Unterwasser-Sandbänken. Vietnam begründet seinen Anspruch mit der Lage auf dem Kontinentalsockel vor der vietnamesischen Küste. Allerdings sind die meisten Gebiete der Inselgruppe mit über 500 Kilometer Entfernung weiter von der vietnamesischen Küste entfernt als von der Insel Borneo und dem philippinischen Palawan. Es geht dabei vor allem um die Sicherung der vermuteten Gas- und Ölvorkommen.

Die zur Zeit wohl noch wichtigste und größte Insel ist die Spratly-Insel (nach der die ganze Inselgruppe benannt ist) mit einem ständig besetzten Militärstützpunkt seit 1974 und einer 2016 ausgebauten, 1.200 Meter langen Landebahn. Sie liegt 450 Kilometer vor der Küste Vietnams und knapp 150 Kilometer südwestlich des chinesisch besetzten Fiery-Cross-Riffs. 2022 hat die vietnamesische Regierung 162 Kilometer östlich der Spratly-Insel mit Aufschüttung und Ausbau einer neuen Insel am nordwestlichen Rand des Baraque-Canada-Riffs begonnen. Laut Anfang 2025 aufgenommen Luftaufnahmen soll sie mit einer Länge von 4.318 Meter inzwischen 2,3 Quadratkilometer groß sein. Diese neue Insel kann mit einer 3.000 Meter langen Landebahn versehen werden – ähnlich der von der Volksrepublik China gebauten auf dem Fiery-Cross-Riff. Nach jüngsten Luftaufnahmen im Mai/Juni 2025 und ihrer Auswertung durch South China Sea Strategic Situation Probing Initiative (SCSPI) hat die vietnamesische Regierung seit 2021 große Landgewinnungsmaßnahmen und den Ausbau von militärischen Einrichtungen auf zehn Riffen vorgenommen. Auf fünf der Aufschüttungen ist der Ausbau von Landebahnen von 2.000 bis 4.300 Meter Länge möglich.

Die Philippinen haben die längste Küste am Südchinesischen Meer. Von den Spratly-Inseln haben sie neun besetzt. Der größte Militärstützpunkt ist das 430 Kilometer von Palawan und lediglich 25 Kilometer vom chinesischen Militärstützpunkt Subi-Riff entfernte Thitu Island mit einem 1.300 Meter langen Flugplatz. Von dort sind drei weitere Inseln (Loaita Island 45 Kilometer südlich, Northeast Cay 45 Kilometer nördlich und Nanshan Island 170 Kilometer östlich) ebenfalls vom Militär besetzt. Das mit zwölf Marinesoldaten besetzte, an der Second Thomas Shoal auf Grund gesetzte Marine-Landungsboot Sierra Madre liegt auf etwa der Hälfte der Strecke 200 Kilometer westlich zwischen Palawan und Thitu Island.

Die Marine Malaysias hat 290 Kilometer vor der Küste des Bundesstaates Sabah auf Borneo seit 1983 eine Spratly-Insel im Swallow Riff besetzt. Sie wurde aufgeschüttet und 1992 bis 1995 mit einem kleinen Flugplatz für militärische und zivile Nutzung versehen. Die Landebahn wurde zuletzt 2003 auf 1.360 Meter verlängert und die 200 Meter breite Insel nun auf eine Länge von 1,5 Kiloneter vergrößert. Außer dem Marinestützpunkt mit Anlegeplatz für Kriegsschiffe gibt es seit 30 Jahren ein Hotel für Tauchgäste. Bis zu 130 Kilometer nördlich des Swallow Riffs hat die malaysische Marine 1986 zwei und 1999 zwei weitere Riffe zu kleinen Stützpunkten mit Hubschrauberlandeplatz und Schiffsanleger ausgebaut.

Militärpotentiale der Anrainerstaaten und die Rolle der USA

Die Volksrepublik China ist als Militärmacht im Südchinesischen Meer vorherrschend und weltweit die drittgrößte nach den USA und Russland. Massiv ausgebaut ist ihre Kriegsmarine mit drei Flugzeugträgern und einer modernen Flotte, die inzwischen nach Anzahl der Schiffe größer ist als die der USA. Dies sowie der Ausbau von Militäranlagen auf den Spratly-Inseln seit 2014 hat u.a. laut einer Studie von SIPRI von 2019 zu einer starken Aufrüstung der Staaten Südostasiens geführt. Als wesentliches Motiv der Regierung Chinas gilt die Wiedereingliederung Taiwans in die Volksrepublik China – wenn nötig mit militärischer Gewalt auch bei einer möglichen Intervention des US Militärs.

Die Analyse Southeast Asian Military Powers Ranked (2025) von Globalfirepower sieht Indonesien in der Rangliste an erster Stelle in Südostasien (15. weltweit), gefolgt von Vietnam (23.), Thailand (25.), Singapur (29.), den Philippinen (41.), Malaysia (42.) und Kambodscha (95.). Zum Vergleich: Deutschland belegt weltweit Rang 14. Weitere Daten für die Länder Südostasiens finden sich auf der Webseite von Globalfirepower.

Die Militärmacht der Volksrepublik China ist weitaus stärker als die der Anrainerstaaten des Südchinesischen Meeres, auch wenn Vietnam massiv seine Militärstützpunkte auf den Spratly-Inseln ausbaut. Lediglich die seit dem 2. Weltkrieg dominierende Präsenz des US-Militärs im indo-pazifischen Raum schränkt die Kontrolle Chinas über das beanspruchte Gebiet im Südchinesischen Meer ein. Mit ihrem insgesamt 375.000 Personen starkem militärischen und zivilen Personal und Stützpunkten in Südkorea, Japan auf Okinawa, Guam, den Philippinen und im Indischen Ozean auf Diego Garcia sichern die USA ihre Interessen.

Wenngleich der wirtschaftliche Einfluss der Unternehmen und der politische der Regierung der USA mit dem Erstarken Chinas geschwächt ist, so gibt die US Militär Präsenz und ihre Frontstellung gegenüber China den Staaten am Südchinesischen Meer bisher einigen Handlungsspielraum. Sie müssen dazu nicht unbedingt militärische Bündnisse mit den USA eingehen, wie etwa die Philippinen.

Ausblick

Anders als vor 40 Jahren sind heute alle Anrainerstaaten des Südchinesischen Meeres vollständig in den kapitalistischen Weltmarkt eingebunden, einschließlich der sich als sozialistisch bezeichnenden Volksrepubliken Vietnam und China. Wirtschaftlich sind sie inzwischen stark miteinander verbunden und vom Handel und den Lieferketten mit China, mit den sogenannten westlichen Ländern sowie Japan und Südkorea abhängig. Mit dem wirtschaftlichen Erstarken eines von Chinas Regierung dirigierten Kapitalismus sieht diese die gesamte Region Südostasien als ihren Hinterhof und Einflussgebiet, mit dessen Ressourcen – insbesondere dem Erdöl und Erdgas im Südchinesischen Meer – sie einen Teil ihrer Energieversorgung sichern will. Auch die Fischbestände und möglicher Meeresbergbau spielen eine Rolle. Die Kontrolle über die Region ist für die chinesische Regierung von zentraler Bedeutung, nicht zuletzt auch zur militärischen Absicherung einer Eingliederung Taiwans in die Volksrepublik. Diese Entwicklung zeigt sich deutlich seit der Machtübernahme über die Kommunistische Partei Chinas durch Xi Jinping 2012, der mit seiner autokratischen Herrschaft das Land auf den Weg zur größten Wirtschaftsmacht der Welt bis 2049 bringen will.

Allerdings stehen sich die Regierungen der übrigen Anrainerstaaten mit den wirtschaftlichen Interessen ihrer Unternehmen nicht nur in Konkurrenz zur Volksrepublik China, sondern auch untereinander. Besonders deutlich wird dies bei den Spratly-Inseln, wo Vietnam, die Philippinen und Malaysia mit den Besetzungen und dem Ausbau von Riffen zu Militärstützpunkten ihre Interessen an Öl und Erdgas absichern wollen – Vietnam allen voran. Auch wenn es bisher zu keinen militärischen Auseinandersetzungen wie zwischen China und Vietnam und nur kleineren Scharmützeln zwischen der Küstenwache Chinas mit der der Philippinen in letzter Zeit gekommen ist, zeigt sich deutlich: Trotz einer Jahrzehnte langen Zusammenarbeit im ASEAN Staatenverband werden die nationalen Interessen nicht zurück gestellt zu Gunsten eines gemeinsamen Vorgehens bei der Nutzung der Region um die Spratly-Inseln. Historisch gewachsene Vorbehalte und konkurrierende Interessen vor allem auch in Verbindung mit der dem Kapitalismus immanenten Konkurrenz machen eine Zusammenarbeit zum Wohle aller Beteiligten nur selten möglich.

Nicht zuletzt spielt die sich zu einer Konfrontation zuspitzende wirtschaftliche Konkurrenz zwischen China und den USA eine Rolle. Die einstige sozialistische Volksrepublik ist inzwischen zur weltweit zweitgrößten kapitalistischen Volkswirtschaft herangewachsen und macht der US-Regierung ihre weltbeherrschende Stellung streitig. Die Absicherung der Seewege im Südchinesischen Meer und die Demonstration der Bereitschaft zur Verteidigung der Unabhängigkeit Taiwans mittels Kriegsschiffen der US-Marine führt immer wieder zu Begegnungen mit solchen der Volksbefreiungsarmee Chinas. Die USA werden dabei mit der Anwesenheit von Kriegsschiffen aus Frankreich, Großbritannien und weiteren NATO-Ländern, einschließlich Deutschland, sowie Australien unterstützt. Hierbei können Missverständnisse zu konfrontativem Verhalten oder sogar zu militärischen Kampfhandlungen führen. Diese wiederum könnten zum Auslöser eines Krieges zwischen den USA und der Volksrepublik China werden, der nicht nur die Region Südostasien, sondern die ganze Welt in Mitleidenschaft ziehen würde. Es bleibt zu hoffen, dass die erratische Politik der Trump-Administration nicht dazu führt.

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Guerilla-Frauen gegen Kolonialismus und Faschismus

Indonesien/Südostasien/Deutschland: Das Indonesien-Programm der Deutschen Welle würdigt 40 Jahre südostasien. Wir haben den Beitrag aus dem Indonesischen für euch übersetzt.

Dieses deutsche Magazin verkauft keine Werbung, setzt nicht auf Clickbait – und besteht dennoch seit 40 Jahren. südostasien ist vielleicht kein Lieblingsmedium für Investor:innen, aber ein Zuhause für Aktivist:innen und die Stimmen von Minderheiten aus Südostasien.

Während viele Indonesier:innen begeistert Reels schauen oder durch TikTok scrollen, berichtet das Redaktionsteam von südostasien weiterhin über Sandabbau, Landraub und ähnliche Themen in Indonesien und weiteren Ländern Südostasiens.

Meilenstein für die südostasien

2025 markiert einen wichtigen Meilenstein für die südostasien. Das unabhängige Magazin feiert sein 40-jähriges Bestehen. Das Magazin wird von der Stiftung Asienhaus und dem philippinenbüro herausgegeben und versteht sich als ein beständiges öffentliches Forum, das wichtige Themen aus und über Südostasien an Leser:innen in Deutschland und Europa vermittelt.

Aus der Initiative der 1980 gegründeten „Südostasien Informationsstelle“, einer Institution für Information und Bildung, ging südostasien hervor. Die Nullnummer der Südostasien Informationen erschien 1984, die erste ‚offizielle‘ Ausgabe folgte 1985. Seither erscheint das Magazin periodisch und liefert Berichte und kritische Bewertungen aus Südostasien.

Die Stiftung Asienhaus ist bekannt für die Förderung des kulturübergreifenden Dialogs und globaler Solidarität mit Fokus auf Asien. Geschäftsführerin Monika Schlicher sagt, es habe in den letzten Jahren viele Veränderungen in den Ländern Südostasiens gegeben: „Wir begleiten die Zivilgesellschaften in der Region. Mit dem Magazin südostasien machen wir ihre Stimmen hörbar, indem wir sie interviewen und sie bitten, eigene Beiträge zu verfassen. Wir publizieren diese Beiträge für die deutschsprachige Gesellschaft.“

Perspektiven der Betroffenen

Das Magazin ist für seine direkte Zusammenarbeit mit Aktivist:innen, Akademiker:innen und Journalist:innen aus Südostasien sowie der südostasiatischen Diaspora in Europa bekannt. Die meisten Artikel berichten über direkte Erfahrungen vor Ort und enthalten exklusive Interviews, kritische Meinungen und Betrachtungen zu Kultur und Politik.

Raphael Göpel, in der Stiftung Asienhaus zuständig für Indonesien und Kambodscha, sagt: „Dieses Magazin ist einzigartig im deutschsprachigen Raum, weil es Berichte aus Indonesien und anderen Ländern Südostasiens direkt von Autor:innen der Region liefert.“

Anett Keller, Koordinationsredakteurin der südostasien, sagt, dass sich zu wenige Menschen in Deutschland für Indonesien interessierten. Jedoch verfolgten Vertreter:innen der Zivilgesellschaften beider Länder dasselbe Ziel: Sie wollen eine gerechtere Welt und setzen sich für Umwelt-, Menschenrechts- und Sozialthemen ein. „Die südostasien ist ein Medium, das in Solidarität mit den Zivilgesellschaften Indonesiens und weiterer Länder Südostasiens zusammenarbeitet. Die Menschen, die sich dort und hier engagieren, arbeiten gemeinsam für eine bessere Welt“, betont sie.

Raum für Länderübergreifende Themen

In jeder Ausgabe des Magazins stehen Länder wie Indonesien, die Philippinen, Thailand, Myanmar, Vietnam, Malaysia, Singapur, Laos und Timor-Leste im Mittelpunkt. Das Magazin bietet auch Raum für Länderübergreifende Themen wie die Klimakrise, Menschenrechte, Demokratisierung, Feminismus, Migration und den Widerstand gegen den Neoliberalismus.

Majid Lenz, Referent für Myanmar in der Stiftung Asienhaus, erklärt, warum sich Deutschland und Europa für die Probleme in Südostasien engagieren. Er nennt das Beispiel der häufig vorkommenden Ausbeutung im Bergbausektor, zum Beispiel in der Nickelindustrie in Indonesien.

„Europa ist auf Rohstoffe angewiesen. Doch im Bergbau gibt es Probleme für die Arbeiter:innen, die Vertriebenen und die schwindende Natur. Es braucht den progressiven Dialog, denn wir müssen gemeinsam einen Weg finden, eine grüne Transformation zu erreichen, ohne dabei Raubbau in Indonesien oder anderen Ländern zu betreiben“, erklärte er.

Offenes und partizipatives Redaktionsmodell

Das Redaktionsmodell ist partizipativ und setzt auf ehrenamtliche Mitwirkende sowie thematische Gruppen, die je nach Land oder Fragestellung variieren. Der redaktionelle Ablauf wird gemeinschaftlich und auf Basis von Inklusion, ohne strenge Hierarchie, durchgeführt. Anett Keller ist derzeit die Koordinatorin der Redaktion. Sie arbeitet zusammen mit einem Netzwerk aus Beitragenden verschiedener Professionen und Altersgruppen.

Das Magazin liefert nicht nur Berichte, sondern schafft auch einen Raum der Reflexion und Solidarität zwischen den Zivilgesellschaften Südostasiens und Europas. Dem Redaktionsteam der bis 2018 gedruckt erschienenen Ausgabe war bewusst, dass es im digitalen Zeitalter zunehmend schwierig ist, Menschen mit einem Printmedium für wichtige Themen, die sie betreffen, zu interessieren. 2018 wurde die südostasien daher zu einer digitalen Open-Access-Plattform gewandelt. Diese Veränderung ermöglicht einen breiteren und offenen Zugang ohne Abonnement und erweitert zugleich die Leserschaft auf die südostasiatische Diaspora sowie auf internationale Gemeinschaften, die an der Region interessiert sind.

40-jähriges Jubiläum

Das 40-jährige Jubiläum der südostasien fand am 5. Juli in Köln im Rahmen des Asientages statt, der den Titel „Macht, Medien und Menschenrechte“ trug. Es wurden verschiedene Themen diskutiert, darunter die Situation der Rohingya in Myanmar, Basisbewegungen auf den Philippinen, Geschlechterfragen in Timor-Leste sowie die Entwicklung der Medien in Indonesien. Es wurde Kritik an ungerechten globalen Wirtschaftsbeziehungen sowie an geopolitischen Veränderungen geäußert, die die Bevölkerung Südostasiens betreffen.

Das Jubiläum war nicht nur eine Gelegenheit, zurückzublicken, sondern auch, eine neue Vision zu entwickeln: Wie kann die südostasien in Zukunft im Kampf für Zivilrechte relevant bleiben?

Raphael Göpel, Mitglied des Redaktionsteams, betont, dass das Magazin nach 40 Jahren noch immer relevant ist, weil sich Fragen nach Umwelt, Landraub und Redefreiheit noch immer stellen und in den sozialen Medien weiterhin diskutiert werden. Er nennt das Beispiel Indonesien: „Es gibt selbstverständlich verschiedene Aspekte von Menschenrechten, aber wir sehen auch, dass es insbesondere in Papua in Bezug auf die Sicherheitslage und die Konflikte vor Ort bereits zu einer Eskalation gekommen ist. Wir betrachten dies mit großer Sorge und aus menschenrechtlicher Perspektive. Internationale Journalist:innen und Hilfsorganisationen sollten Zugang nach Papua erhalten dürfen“, betont er.

Ein Forum, das sich weiterbewegt

Während der Podiumsdiskussion zum Jubiläum der südostasien betont Hendra Pasuhuk, dass die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI) großen Einfluss auf die Medien habe: „Wir müssen aufmerksam sein. Selbstverständlich kann sich die Medienbranche der Entwicklung der KI nicht entziehen. Allerdings ist die Rolle der Journalist:innen hinsichtlich ihrer Verantwortlichkeit für die Gesellschaft nach wie vor von großer Bedeutung, um die Demokratie zu fördern“, so Hendra.

In einer Welt, die zunehmend von schnellen und oberflächlichen Informationen dominiert wird, bleibt die südostasien ein Raum der Reflexion, in dem den Stimmen Gehör geschenkt wird, die selten eine Bühne bekommen. Mit seinem offenen und partizipativen Format zeigt das Magazin, dass alternative Medien nach wie vor sehr relevant sind. südostasien ist seit 40 Jahren nicht nur ein Magazin, sondern auch eine Brücke der Solidarität, eine Erinnerung an die Bedeutung der Perspektiven des Globalen Südens und ein lebendiger Dialograum zwischen Asien und Europa.

Dieser Artikel erschien zuerst am 11. Juli 2025 auf Indonesisch bei der Deutschen Welle (DW). Wir danken der DW für die freundliche Genehmigung zur Publikation in der südostasien.

Übersetzung aus dem Indonesischen von: Mustafa Kurşun

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Guerilla-Frauen gegen Kolonialismus und Faschismus

Südostasien: Vor 80 Jahren endete der zweite Weltkrieg. Die sexualisierte Gewalt japanischer Militärs ist bis heute kaum aufgearbeitet.

Vom 8. März bis 30. Juni 2025 war die Wanderausstellung „Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ erneut in Köln zu sehen. Knapp 16 Jahre nach dem Start bildete dies den Abschluss eines Langzeitprojekts von recherche international e.V. zur Erforschung der Folgen des Zweiten Weltkriegs für die Dritte Welt. Teile der Ausstellung sind in einer Online-Version weiterhin öffentlich zugänglich.

Die Ausstellung und das umfangreiche Begleitprogramm wurden mitgestaltet und getragen von einer Vielzahl von Organisationen, darunter die Stiftung Asienhaus und das philippinenbüro. Besonderer Raum wurde dabei den Leidenswegen der so genannten ‚Trostfrauen‘ gegeben.

Dieser euphemistische, durch japanische Beamte geprägte Begriff steht für etwa 200.000 Mädchen und Frauen aus China, Korea sowie von Japan besetzten südostasiatischen Ländern, die in Militärbordelle verschleppt und dort zwangsprostituiert wurden.

Bis heute keine Entschuldigung

Bis heute gibt es seitens der japanischen Regierung keine offizielle Entschuldigung gegenüber den Frauen.

Im Fall der am 8. März 2025 enthüllten Gedenkstatue vor dem Kölner NS-Dokumentationszentrum zeigte sich erneut die Haltung der japanischen Regierung, wenn es um die Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit geht. Wie zuvor schon in Berlin, wurde Druck auf die örtlichen Behörden ausgeübt, die Friedensstatue – eine Kopie der ‚Trostfrauen‘-Skulptur des Künstlerehepaars Kim zum Gedenken an die 1000. Gedenkdemonstration vor der japanischen Botschaft in Seoul 2011 – nicht aufzustellen. Nach Protest der Veranstaltenden, wurde die Statue doch vor dem NS-Dokumentationszentrum aufgestellt und nicht, wie von der Stadt vorgesehen, hinter den Gemäuern der benachbarten Kirche St. Maria.

Das Erinnern muss weitergehen

Die Enthüllung der Statue begleitete den Auftakt der Ausstellung von Porträts indonesischer ‚Trostfrauen‘ des Fotografen Jan Banning und der Journalistin Hilde Janssen. Die Frauen, die auf diesen Bildern zu sehen sind, kommen im Dokumentarfilm „Because we were beautiful“ zu Wort. Für viele von ihnen war es die letzte Gelegenheit, öffentlich zu sprechen. Denn inzwischen sind die meisten der Frauen verstorben.

Im Film „Because we were beautiful“ kommen elf Frauen aus Indonesien zu Wort, die die sexualisierte Gewalt japanischer Militärs überlebt haben.

Auch die südostasien hat in ihrer 40jährigen Publikationszeit immer wieder der Aufarbeitung der Vergangenheit und den Lebenswegen der „Trostfrauen“ Raum gegeben. „Die 80-jährige Frau, die mir gegenübersitzt, lächelt entschuldigend. Wir sitzen auf der Terrasse eines ruhigen Hotels, malerisch am Fuß eines Vulkans in Zentraljava gelegen. Ihre Augen zwinkern nervös. Mir scheint, sie würde sich am liebsten in Luft auflösen. Sie war ein junges Mädchen, gerade mal 13, als sie in den Baracken neben ihrem Dorf festgehalten und regelmäßig von japanischen Soldaten vergewaltigt wurde. Immer wieder versagen ihr die Worte. Was löse ich aus bei diesen Frauen, während ich in einer Vergangenheit wühle, die sie seit Jahrzehnten versuchen zu vergessen. Warum tue ich das?“

Staatlich angeordnete sexualisierte Gewalt

Mit diesen Sätzen, erschienen in Ausgabe 3/2011 „Das kann’s doch nicht gewesen sein! Geschichte und Vergangenheitsbewältigung in Südostasien“ reflektiert die Journalistin und Anthropologin Hilde Janssen ihre Begegnungen mit betroffenen Zeitzeuginnen aus Indonesien. Sie beschreibt, wie die damals zum Teil erst elf oder 13 Jahre alten Mädchen Opfer der sexuellen Versklavung durch japanische Militärs wurden. Diese Versklavung wurde als Politik deklariert, die „den Geist der Truppe [] stärken, Recht und Gesetz aufrecht [] erhalten und Vergewaltigungen und Geschlechtskrankheiten [] vermeide[n]“ sollte.

Vergewaltigungen vermeiden? Angesichts des Leids der „Trostfrauen“ eine äußerst makabre Argumentation. Mädchen wie Ronasih* (* alle Namen wurden von Janssen zum Schutz der Frauen verändert), deren traumatisierende Erfahrungen im obenstehenden Zitat geschildert werden, wurden durch japanische Militärs entführt oder sie folgten dem falschen Versprechen eines Arbeitsplatzes. Letztendlich landeten sie alle in einem Apparat systematischer Vergewaltigung.

Scham sorgt für Ausgrenzung

Die 1927 geborene Iteng* berichtete im Gespräch mit Janssen, wie Sie im Alter von 15 Jahren von Soldaten verschleppt und in ein Bordell nach Sukabumi verschleppt wurde. Selbst nach schwerer Krankheit musste Sie einem Offizier, der sie „zur Heilung“ mit zu sich nach Hause genommen hatte, bis zum Kriegsende „dienen“. Danach kehrte sie nicht mehr in Ihr Dorf zurück. Denn es waren nicht etwa die Täter, die sich schämten, sondern die Opfer.

Viele ehemalige ‚Trostfrauen‘ wurden anschließend auch von ihrem sozialen Umfeld stigmatisiert. Als Reaktion darauf verschwiegen viele Frauen, was ihnen angetan worden war.

Staatliches Schweigen

Geschwiegen wurde auch von den Tätern, auf individueller und auf staatlicher Ebene. Zwar wurden durch die nach Indonesien zurückgekehrte niederländische Kolonialregierung etlichen japanischen Militärs vor dem Netherlands Temporary Court-Martial wegen der Zwangsprostitution von europäischen Frauen der Prozess gemacht. Allen nicht europäischen Betroffenen wurde jedoch keine Beachtung geschenkt.

Auch während der Reparationsverhandlungen zwischen den Nachfolgerstaaten der Leidtragenden (in den zuvor von Japan besetzten Gebieten) und der neuen japanischen Regierung in den Jahrzehnten danach, sei das Thema der ‚Trostfrauen‘ kein einziges Mal behandelt worden, kritisiert Janssen in ihrem Artikel.

Kollaborateure in politischen Ämtern

Eine der Ursachen für das staatliche Schweigen dürfte sein, so Karl Rössel in einem ebenfalls in südostasien 3/2011 erschienenen Artikel, dass in vielen der ehemals durch Japan besetzten Ländern in der Nachkriegszeit Kollaborateure politische Karriere machten.

Auch wurde infolge Japans wirtschaftlichem Aufschwung in vielen südostasiatischen Ländern auf eine Normalisierung der politischen Beziehungen hingearbeitet und Kritik unterdrückt.

Erst als 1991 die Koreanerin Kim Hak-sun in einer Fernsehsendung das Schweigen brach, wurde das Thema erstmals wieder wirklich öffentlich thematisiert. Im Kampf um ein offizielles Schuldeingeständnis, sowie einer Wiedergutmachung seitens Japans, blieb den Frauen lange (teilweise bis heute) die Unterstützung der eigenen Regierungen aus.

Staatliche Abkommen

Im Fall der indonesischen Regierung schloss 1996 die damalige Ministerin für Soziales, Inten Soeweno, mit dem im Vorjahr eingerichteten Asia Women Fonds (AWF) einen Vertrag, der anstelle von Zahlungen an die ehemaligen ‚Trostfrauen‘, einen Betrag von 380 Millionen Yen (rund fünf Millionen DM) an die Regierung beinhaltet. Der AWF ist ein von der japanischen Regierung eingerichteter Fonds, in welchen neben einer Summe von 4,8 Milliarden Yen (rund 65 Millionen DM) seitens der Regierung auch von nichtstaatlicher Seite eingezahlt wurde. Der Fonds war zunächst nur für Opfer aus Südkorea, Taiwan, den Philippinen und den Niederlanden gedacht. Während mit der damaligen chinesischen Regierung keine passende Vereinbarung getroffen werden konnte, wurde in Indonesien Protest durch Aktivist:innen laut, welche seitens der indonesischen Regierung zu eben jener Reaktion führte.

Reaktionärer Backlash in Japan

Der AWF stand seitens der Betroffenen und Unterstützerorganisationen stark unter Kritik. Diese bestand etwa aus den Vorwürfen, dass der Fonds keine offizielle Entschuldigung seitens der japanischen Regierung darstelle. Der AWF wurde schließlich am 31. Juli 2007 endgültig aufgelöst, ohne dass ernsthafte Bemühungen von offizieller Seite um eine aufrichtige Entschuldigung und Aufarbeitung stattfanden. Im Gegenteil: mit der Regierung unter Shinzo Abe wurden japanische Kriegsverbrechen, wie die sexuelle Versklavung, relativiert.

2014 wurde von einer der größten japanischen Zeitungen, Yomiuri Shinbun, eine Entschuldigung veröffentlicht, in der versprochen wurde, in der englischsprachigen Ausgabe den Begriff „Sexsklavinnen“ nicht mehr zu verwenden. Die Argumentation dahinter war, dass der Begriff irreführend sei und impliziere, dass die Frauen gegen ihren Willen in den Militär-Bordellen gearbeitet hätten; eine Tatsache die von der Yomiuri Shinbun Zeitung gleichlautend mit der Abe-Regierung als „nicht nachgewiesen“ abgetan wurde.

Im darauffolgenden Jahr einigten sich die japanische und die südkoreanische Regierung, vertreten durch die Außenminister Fumio Kishida und Yun Byung Se, auf ein Abkommen bezüglich der ‚Trostfrauen‘, welches einen Schlussstrich unter die Thematik setzen sollte. Dies war ein weiterer Rückschlag für die politische und gesellschaftliche Aufarbeitung. Vor allem wurde den überlebenden eine letzte Möglichkeit genommen, zu Lebzeiten eine angemessene Entschuldigung, sowie eine aufrichtige Anerkennung ihres Leids zu erfahren.

Bei den Regierungen Japans und der südostasiatischen Länder hat sich bis heute kaum etwas bewegt. Einzig in Südkorea konnten betroffene Frauen oder ihre Kinder erfolgreich vor Gericht klagen.

Solidarität mit den betroffenen Frauen

80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bleibt es wichtig, die Erinnerung an die Leidenswege der ‚Trostfrauen‘ wachzuhalten. Die meisten der Frauen sind inzwischen verstorben und können nicht mehr selbst als Augenzeug:innen berichten. Umso wichtiger ist es, so wie es in Deutschland die AG Trostfrauen des Korea Verbands tut, mit Statuen, Ausstellungen, Filmen, Artikeln und weiterer Informations- und Bildungsarbeit gegen sexualisierte Gewalt und für die Anerkennung des Leids der Opfer zu kämpfen.

Auch hierzulande, trotz der so oft gerühmten ‚deutschen Erinnerungskultur‘, wird die Arbeit dieser Verbände seitens des Staates kaum unterstützt; ganz im Gegenteil: Zu Beginn des Jahres musste der Korea Verband den weiteren Verbleib der Gedenkstatue „Ari“ gegen die Bezirksverwaltung Berlin-Mitte vor Gericht erkämpfen. Zwar entschied das Verwaltungsgericht Berlin, dass die Statue bis zum 28. September nicht entfernt werden darf. Für die Zeit danach besteht jedoch keine Sicherheit.

Friedensstatue im Bonner Frauenmuseum

Die bis Ende Juni vor dem Kölner NS-Dokumentationszentrum aufgestellte Statue „Đông Mai“ hat inzwischen einen dauerhaften Platz gefunden. Der vietnamesische Name Đông Mai steht für die widerstandsfähige Pflaumenblüte (Mai) und die Beständigkeit von Bronze (Đông). „Diese Verbindung steht für die unerschütterliche Stärke und das Durchhaltevermögen der Betroffenen, an die die Friedensstatue erinnert“, so der Korea-Verband.

Die Statue ist nun Teil der Dauerausstellung des Bonner Frauenmuseums. Das 1981 gegründete Museum – das erste seiner Art weltweit – macht Frauen und ihre Geschichten in Kunst, Geschichte und Gesellschaft sichtbar. Mit der Aufstellung im Innenhof des Frauenmuseums werde „Đông Mai“ Teil eines Ortes, der sich seit Jahrzehnten mit Widerstand, Gerechtigkeit und Aufarbeitung befasse, so der Korea Verband. Mit seinem Fokus auf feministische Perspektiven und kritische Erinnerungskultur böte das Museum der Friedensstatue einen besonders passenden Rahmen.

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Guerilla-Frauen gegen Kolonialismus und Faschismus

Südostasien/Deutschland: Grußworte zum 40jährigen Jubiläum der südostasien – und Impressionen unserer Feier am 5. Juli in Köln

„Vier Jahrzehnte kritische Begleitung, lebendiger Austausch und politische Wachsamkeit, das ist alles andere als selbstverständlich.

Als die Südostasien Informationen vor 40 Jahre begannen, war die politische Welt noch eine andere: Kalter Krieg, Blockkonfrontation, autoritäre Regime, wirtschaftliche Interessen, die selten hinterfragt wurden. Wenn über den globalen Süden berichtet wurde, dann eher zu lateinamerikanischen und afrikanischen Ländern. Entwicklungen in Hanoi, Jakarta oder Manila standen seltener im Mittelpunkt. Die Südostasien Informationen begannen konsequent diese Lücke zu füllen, nicht als neutrale Beobachterin, sondern als engagierte Stimme: für soziale Gerechtigkeit, für Menschenrechte, für die Perspektiven der Zivilgesellschaft in Südostasien. Und das ist bis heute so geblieben.

In diesem Sinne ist die südostasien kein bloßes Magazin, sondern auch ein Raum – früher physisch, gedruckt, heute online. Ein Resonanzraum für Stimmen aus der Region; nicht nur über Südostasien, sondern aus Südostasien. Mit Beiträgen von Aktivistinnen und Aktivisten, Forschenden, Kulturschaffenden und zivilgesellschaftlichen Organisationen, die oft unter schwierigen Bedingungen arbeiten. Und gerade das macht ihre Aussagen so wertvoll: Sie sind authentisch, sie sind kritisch, und sie kommen nicht selten aus Kontexten, in denen Mitbestimmung und Meinungsfreiheit keine Selbstverständlichkeit sind.

Gerade in Zeiten, in denen autoritäre Tendenzen, shrinking spaces und globale Krisen die Zivilgesellschaften unter Druck setzen, bietet die Zeitschrift einen dringend benötigten Raum für Austausch, kritische Perspektiven und solidarischen Dialog.

Mit ihrer bewusst niedrigschwelligen und offenen Struktur schafft sie es, ein Sammelbecken für engagierte Menschen mit Bezug zu Südostasien zu sein – von Journalist*innen über Wissenschaftler*innen bis hin zu Aktivist*innen.

Uns bei Misereor bereichert die südostasien durch fundierte und gut recherchierte Hintergrundanalysen, komprimiert und gut lesbar. Dabei gelingt es der südostasien immer wieder „blinde Flecken“ zu identifizieren, und Geschichten zu erzählen die außergewöhnlich sind, direkt von den Menschen vor Ort kommen und die sich mit Problemen und Themen beschäftigt, die sonst nicht viel Öffentlichkeit bekommen.

Die redaktionelle Arbeit, die sich weitgehend ehrenamtlich trägt, steht für inhaltliche Vielfalt und regionale Tiefe. Das Online-Format hat die Reichweite gesteigert – über 170.000 Zugriffe im vergangenen Jahr ist eine beeindruckende Zahl.

Auch die Themen, die hier aufgegriffen werden, treffen einen Nerv. Nicht nur bei Fachpublikum, sondern auch bei Studierenden, bei Engagierten in der Bildungsarbeit, bei politisch Interessierten. Und das ist gut so. Denn wenn wir über globale Gerechtigkeit reden, dann brauchen wir auch eine informierte Öffentlichkeit – hier und in Südostasien.

Zum 40. Geburtstag wünschen wir von Misereor der Zeitschrift südostasien, dass sie diese Haltung bewahrt: das kritische Auge, die solidarische Perspektive, den Mut zur Komplexität. Und wir wünschen allen, die an dieser Zeitschrift mitwirken – sei es als Autor:innen, als Leser:innen, als Redakteur:innen, als Kooperationspartner:innen – dass sie weiter Gehör finden, weitergelesen und weiter diskutiert werden.

Denn wenn wir eines gelernt haben, in der Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft, nicht nur, aber auch in Südostasien, dann, dass eine gerechte Zukunft gute Informationen braucht, ebenso wie eine engagierte Zivilgesellschaft Medien braucht, die ihre Stimmen transportieren und verstärken; ob gedruckt oder online. Zivilgesellschaft braucht offene Räume. Und die südostasien ist so ein Raum. Seit 40 Jahren.

Dafür ein herzliches Dankeschön – und alles Gute für die nächsten 40!!“

Elmar Noé, Abteilungsleitung Asien-Ozeanien, Bischöfliches Hilfswerk Misereor e.V.

Informativ und belebend

„Herzlichen Glückwunsch für den langen Atem und die informativen wie belebenden Beiträge über vier Jahrzehnte aufmerksamer Arbeit!

Die Wahrnehmung und Beschäftigung mit Fragen aus und über Südostasien sind nach meiner Erinnerung an die 1980er Jahre damals lebhafter gewesen als heute. Es gab Initiativen, unter anderem in Bochum, die engagiert und kreativ Programme und Aktivitäten verfolgten (wie beispielsweise die Ellweins), um sowohl für interessierte Fachleute als auch die Öffentlichkeit die Aufmerksamkeit auf die Region zu wecken und aufrecht zu erhalten.

Die Publikationen helfen uns durchzublicken. Vielen Dank!“

1984 erschienen die Südostasien-Informationen [später in südostasien umbenannt, d.R.], neben denen es aus Frankfurt noch IMBAS und aus Berlin SUARA von Watch Indonesia gab. Das Asienhaus trug mit seinen Publikationen ebenfalls zur kritischen Beschäftigung bei. Vor allem zu kulturellen Themen ergänzte von der Deutsch-Indonesischen Gesellschaft das Magazin kita.

Und südostasien entschied sich wegen der veränderten Kommunikationsstrukturen schließlich, nur noch online zu gehen. Ein wagemutiger und kluger Entschluss.

Ich weiß die aktuellen Berichte und Analysen zu schätzen. Die Publikationen helfen uns durchzublicken. Vielen Dank!“

Karl Mertes, ehemaliger Vorsitzender der Deutsch- Indonesischen-Gesellschaft Köln

Forum für marginalisierte Stimmen

Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich und meine indonesischen Exil-Kollegen in Dortmund und Bochum von deutschen Freunden informiert wurden, die damals die Initiative zur Gründung der Südostasien Informationsstelle (SOAI) ergriffen. Natürlich haben wir die guten Absichten dieser deutschen Freunde sehr begrüßt und voll unterstützt und wir wurden schließlich Gründungsmitglieder.

Neben der Veröffentlichung einer Zeitschrift wurde die SOAI für uns indonesische Exilanten zu einem legalen Forum für Organisationen, um mit unseren Kampfgefährten in Indonesien in Kontakt zu treten. Nachdem die bestehenden politischen Parteien aufgelöst und durch Marionettenparteien unter der Kontrolle des Suharto-Regimes ersetzt worden waren, konnten wir legal nur noch über Nichtregierungsorganisationen miteinander kommunizieren. Dabei mussten wir jedoch mit großer Vorsicht vorgehen, um die Sicherheit unserer Familien in Indonesien nicht zu gefährden. Über das SOAI-Forum konnten wir dann sogar prodemokratische Aktivisten nach Europa einladen. In solchen Treffen versuchen wir, Vertreter indonesischer Studierender einzubeziehen, die in Europa studieren.

Wir sind uns bewusst, dass unsere Bewegungen und Aktivitäten im Ausland ein Spiegelbild der Demokratiebewegung in Indonesien sind und untrennbar mit ihr verbunden.

Abschließend möchte ich meinen Freunden, die sich weiterhin für die Herausgabe der Zeitschrift einsetzen und den treuen Leser:innen zum 40. Jubiläum der Zeitschrift südostasien gratulieren. Hoffentlich leistet die Zeitschrift auch weiterhin positive Beiträge, um den Demokratisierungsprozess in Südostasien voranzutreiben, eine demokratische, sozial gerechte Gesellschaft zu schaffen und einen nachhaltigen Umweltschutz zu gewährleisten.

Arif Harsana, Gründungsmitglied der Südostasien-Informationsstelle

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Guerilla-Frauen gegen Kolonialismus und Faschismus

Südostasien/Deutschland: Leser:innen, Autor:innen und Redakteur:innen der südostasien würdigen ihre ganz persönliche Lieblingsausgabe

Ausbalanciert, differenziert und scharfsinnig

Ganz besonders gut fand ich die Betrachtungen zu den Vorgängen auf der documenta, die ja wirklich schwierig und sehr komplex waren und wo es viele sehr extreme Ansichten gab sowohl von der einen wie auch von der anderen Seite. Und das finde ich herausragend, wie gut das ganze Thema in der südostasien behandelt wurde, wie ausbalanciert, wie differenziert und vor allem auch, wie scharfsinnig. Texte aus der Ausgabe 1/2022 „It´s the collective, stupid! – Zeitgenössische Kunst in Südostasien“ nutze ich sehr gerne, wenn jemand auf Indonesien vorbereitet wird und vor allem im politischen Bereich tätig ist, zum Beispiel jemand von einer politischen Stiftung. Das wird dann auch anerkannt, dass da in der südostasien hohe Qualität geliefert wird.

Sebastian Kelbling arbeitet freiberuflich als Dozent, Trainer und Berater für Interkulturelle Kompetenz und internationale Entwicklungszusammenarbeit und nutzt in diesem Zusammenhang regelmäßig die südostasien

Mutige, erfolgreiche, selbstbewusste Frauen

Ich mag die Ausgaben aus den späten 1990er und frühen 2000er Jahren, als Südostasien enorme politische Umbrüche verzeichnete. Die Titelwahl der Ausgaben fand ich besonders gelungen, so zum Beispiel „Miss Erfolg“, eine Ausgabe zu Frauen in Südostasien (Bd. 17 Nr. 3, 2001). Klug gewählte Titel erregen eine ganz besondere Aufmerksamkeit, so war das auch bei diesem Heft. Das Thema „Gender“ war damals noch recht stark von der geschlechtlichen Heteronormativität geprägt; erst später kamen, wenn ich es richtig erinnere, mehr Studien und Artikel zu LGBTQ+ und anderen, im weitesten Sinne queeren Themen in die südostasien. Die Ausgabe auf Frauen in Südostasien zu konzentrieren, war daher 2001 eine Initiative, die etliche wichtige und bis dato weithin vernachlässigte Schlaglichter auf die Situation von Akteurinnen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft richtete. Besonders gut fand ich, dass dabei die „Opferperspektive“, die bei dem Thema so oft im Vordergrund stand (und oft auch noch steht), nicht die dominante war. Im Gegenteil, das Heft enthält eine ausgewogene Anzahl an Beiträgen zu mutigen, erfolgreichen, selbstbewussten Frauen, die bis heute Relevanz haben.

Claudia Derichs, Professorin für Transregionale Südostasienstudien an der Humboldt Universität zu Berlin

Lokalen Akteur:innen eine Stimme geben

Eine meiner Lieblingsausgaben stammt aus dem Jahr 2018, dem ersten Online-Jahr der südostasien. „Bio, Fair und was noch? – Nachhaltige Produkte in Südostasien“ lautet ihr Titel. Die in der Ausgabe versammelten Beiträge – vom Interview mit Biogärtner:innen in Indonesien bis zum Porträt einer widerständigen indigenen Bauerngemeinschaft im Norden Thailands – zeigen die Diversität ökologischer Landwirtschaft in Südostasien und auch die Herausforderungen, denen ihre Protagonist:innen unter dem Druck globalen Wirtschaftens ausgesetzt sind. Für mich zeigt sich in dieser Ausgabe exemplarisch genau das, was die südostasien einzigartig macht: lokalen Akteur:innen und sozialen Bewegungen eine Stimme zu geben und Ansätze für eine ökologisch-soziale Transformation ‚von unten‘ zu beleuchten.

Anett Keller ist seit 2007 ehrenamtlich bei der südostasien aktiv und koordiniert seit 2018 die Redaktionsarbeit

Literatur zeigt die Seele eines Landes

Meine Lieblingsausgabe ist die Ausgabe 3/2015 „Räume der Imagination: Literatur im (Kont)text“ weil ich erinnere, wie sehr es mich gefreut hat, dass das so eine ganzheitliche Südostasien-Arbeit war, also nicht immer nur die „politischen Sachen“. Wir sagten damals, wir können auch etwas zeigen, was Menschen hier kaum kennen, nämlich Literatur, die ja die „Seele eines Landes“ repräsentiert und damit Zugang zu diesem Land ermöglicht. Es hat mich sehr gefreut, daran mitarbeiten zu können!

Niklas Reese, ehemaliger Geschäftsführer des philippinenbüro e.V., ehrenamtlicher Autor der südostasien und Teil der Redaktion der Ausgabe 3/2015

Medienpreis für die südostasien

1990 akquirierte ich Artikel für ein Heft zum Thema „Leben und Überleben in den Metropolen“, das im September 1990 als Nr. 3, Jg. 6 erschien, mit einem von mir geschriebenen Überblicksartikel zum Thema dieses Hefts. Anfang September 1991 erhalte ich unerwartet einen Anruf aus der Pressestelle des BMZ: Ob ich Ende September nach Bonn zur Preisverleihung des Journalistenpreises Entwicklungspolitik kommen könne? „Nein“, sage ich, da sei ich auf Dienstreise. „Ach, das können Sie doch dem Bundespräsidenten nicht antun!“ so die Antwort. Also verschiebe ich meine Dienstreise und nehme Ende September als dritter Preisträger den Journalistenpreis Entwicklungspolitik in Empfang. Natürlich freute ich mich riesig über diesen Preis, zumal ich in der Reihe der Ausgezeichneten der einzige nicht hauptberuflich als Journalist arbeitende Autor war. Und was bedeutete dieser Preis für die Infostelle und die Südostasien-Informationen? Schwer zu sagen. Aber in den nächsten Tagen erschien überall in den deutschen Regionalzeitungen, von Rostock über Nürnberg bis Passau, eine kurze Nachricht: Der Bundespräsident habe in Bonn die Journalistenpreise Entwicklungspolitik verliehen, den ersten Preis an einen Autor von GEO, zwei zweite Preise für einen Artikel in der Zeit und einen im Magazin der FAZ und einen dritten Preis für einen Artikel in den Südostasien-Informationen. Da waren also unsere Südostasien-Informationen – eigentlich immer noch ein Nischenprodukt, noch nicht einmal am Bahnhofskiosk erhältlich – sozusagen in einem Atemzug mit GEO, Zeit und FAZ genannt.

Einhard Schmidt-Kallert, von 1984 – 1986 Vorsitzender der Südostasien-Informationsstelle und Mitbegründer der Südostasien-Informationen (1997 umbenannt in südostasien)

„Ich habe unheimlich viel gelernt“

„Ich habe einige Ausgaben, die ich sehr gerne mochte. An der Ausgabe „#SOAToo. Sexualisierte Gewalt und feministische Gegenwehr in Südostasien“ (3/2020) durfte ich mitarbeiten und besonders war, dass auch meine Frau, Karin Griese (medica mondiale), daran mitgearbeitet hat und wir gemerkt haben, wie gut wir auch inhaltlich zusammenarbeiten können. Ich habe außerdem unheimlich viel darüber gelernt, welche tollen feministischen Ansätze es in Südostasien gibt. Diese „Me too“-Geschichte war eben nicht nur so ein ‚Hollywood-Ding‘ sondern etwas, das um die Welt ging, das überall aufgegriffen wurde. Ich habe zum Beispiel ein Interview geführt mit einer thailändischen Aktivistin, die thematisiert hat, wie stark Sexismus auch in der politischen Bewegung vorherrscht und wie Feminist:innen das herausfordern mit ihrer politischen Praxis.

Oliver Pye, Lehrbeauftragter für Südostasienwissenschaften an der Uni Bonn und langjähriges ehrenamtliches Redaktionsmitglied der südostasien

Einstieg für Klima-Recherche

südostasien, Jubiläum, LieblingsausgabenDie Ausgabe 4/2017 Klima, Kohle und Konzerne diente mir zur Einstiegsrecherche für meine Bachelor-Arbeit, die ich über das Thema „Klimagerechtigkeitsbewegung in Südostasien“ geschrieben habe. In dieser Ausgabe gab es sehr viele Texte, die mir beim Einstieg geholfen haben. Bevor ich wissenschaftliche Fachliteratur herangezogen habe, habe ich mir so einen Überblick verschafft zu den Fragen „Was sind aktuelle Themen?“, „Worin möchte ich mich vertiefen?“

Jessica Riffel hat Asienwissenschaften mit dem Schwerpunkt Südostasien an der Universität Bonn studiert

Plastik, Klimawandel und Diaspora

Die südostasien lese ich aktiv seit über 15 Jahren. Seit 2018 gestalte ich die südostasien aktiv mit – als Herausgeberin für das philippinenbüro und als Redakteurin. Jährlich arbeite ich in einer Kernredaktion mit und betreue maßgeblich die Philippinenartikel. Die Ausgabe 2/2019 „In aller Munde: Plastik in Südostasien“ war die erste Ausgabe, die ich als Teil der Kernredaktion mitgestaltet habe. Im März 2019 reiste ich in die Philippinen und führte Interviews mit zivilgesellschaftlichen Akteur:innen, besuchte Projekte und Communities, unter anderem den Baseco Compound in Manila, und befragte Menschen rund um das Thema Plastik in den Philippinen. Ein Highlight war damals die Rainbow Warrior III von Greenpeace, die im Hafen Manilas lag und als Teil der ‚Break Free From Plastic’-Bewegung auf die Auswirkungen der Plastikverschmutzung aufmerksam machte. Wochen später hielt die Beluga von Greenpeace in Köln als Teil der Kampagne an, sie fuhren den Rhein aufwärts zu Nestle (Schweiz), um das ‚Plastikmonster‘ zurückzubringen. Seit dieser Ausgabe hat sich mein persönlicher Umgang mit Einwegverpackungen und Plastik generell geändert.

Generell arbeite ich immer wieder gern in der südostasien zum Thema Klimawandel, aber auch die Ausgabe 4/2020 Diaspora – Community beyond borders hat mich sehr bewegt. Es ist mir ein großes Anliegen, in der südostasien die Perspektiven und Stimmen aus der südostasiatischen Diaspora in Deutschland und Europa zu verstärken.

Mirjam Overhoff ist seit 2018 Geschäftsführerin des philippinenbüro e.V. und Mitherausgeberin der südostasien; sie ist regelmäßig Autorin und Mitglied von Kernredaktionen

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1 | 2025, Malaysia, Singapur,
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Guerilla-Frauen gegen Kolonialismus und Faschismus

Philippinen: Der Sammelband „Von Marcos zu Marcos“ gibt in 70 Beiträgen einen breiten Überblick über die modernen Philippinen seit 1965.

Über 30 philippinische und deutschsprachige Autor:innen befassen sich in diesem Buch in neun großen Abschnitten mit der Geschichte der Philippinen, mit Gesellschaft, Politik und Wirtschaft, mit der philippinischen Diaspora, mit Menschenrechten und Umwelt sowie mit der Situation der Linken. Die Artikel sind meist kurz und gut lesbar, sie bieten einen schnellen Einblick in die vielfältigen Facetten der modernen Philippinen. Damit stellt dieser Band eine Art Nachfolger zum „Handbuch Philippinen“ dar, das bereits in sechs Auflagen erschienen ist. Herausgegeben wurde „Von Marcos zu Marcos“ von Rainer Werning und Jörg Schwieger – beide vor einem halben Jahrhundert in der Solidaritätsbewegung für die Philippinen sozialisiert, wie sie in ihrem Vorwort schreiben. Von ihnen stammt ein gutes Viertel der Beiträge des Sammelbandes.

Informative Einblicke

Informativ sind die Überblicke Rainer Wernings zu manchen (familien-)geschichtlichen Aspekten. Wie kam es zum Sturz von Vater Marcos im People Power-Aufstand 1986? Was steckt hinter der zeitweiligen Allianz der mächtigen Präsidentenclans Marcos und Duterte? Woran zerbrach die Kooperation zwischen den Familien und wie führte das zur Überstellung des Expräsidenten Rodrigo Duterte an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag?

Ein kurzer Beitrag des bekannten Befreiungstheologen Edicio dela Torre beschreibt das Dilemma der politischen Linken nach dem Sturz von Marcos Senior: Fortsetzung des Widerstands oder kritische Mitwirkung und Kampf um neue demokratische Spielräume?

Spannend ist auch der Einblick von Eric Gutierrez in das Überleben einer Familie aus einer der zahlreichen Minderheiten im unruhigen Süden des Landes. Blutige Clan-Fehden sowie der bewaffnete Konflikt zwischen Moro-Rebellen und dem staatlichen Militär zwingen die Familie zweimal zu Flucht und Neuanfang in ihnen unbekannten Regionen. Und doch meistern sie ihr Überleben mit Geschick und Zähigkeit.

Plastisch beschreiben Mirjam Overhoff und Hannah Wolf in ihrem Beitrag verschiedene Antworten unterschiedlicher Gemeinden auf die Klimakrise. Im Golf von Lingayen forsten Menschen zum Schutz vor Taifunen und Überflutungen Mangrovenwälder auf und ergänzen ihren abnehmenden Fischfang mit neuen Obst- und Gemüsegärten. In Benguet diversifizieren indigene Gemeinschaften ihren landwirtschaftlichen Anbau, um ihre Erträge weniger anfällig für die Wetterkapriolen zu machen, die der Klimawandel mit sich bringt.

Besonders interessant ist einer der letzten Beiträge des Bandes. Herbert Docena unterwirft die Beschreibung der philippinischen Gesellschaft als „halbfeudal“ oder „rückständig kapitalistisch“ einer empirischen Untersuchung. Dabei stellt er fest, dass die von der dogmatischen Linken behauptete Charakterisierung als „halbfeudal“ („semi-feudal“) einer Überprüfung an den Fakten nicht standhält.

Zu knappe Darstellung komplexer Zusammenhänge

Dann aber gibt es einiges in diesem Sammelband, das irritiert. Zum Beispiel beschreibt Rainer Werning in seinem Beitrag „Dutertismo“ die Beliebtheit des Expräsidenten als „verblüffend“. Dabei berücksichtigt er nicht, dass vor allem arme und marginalisierte Bürger:innen von der neuen Sicherheit profitiert haben, die Dutertes mörderischer und menschenverachtender Feldzug gegen die Drogenkriminalität ihren Slums gebracht hat. Die unter Duterte verordnete Abschaffung der Studiengebühren für alle staatlichen Universitäten und Berufsschulen hat ihnen eine riesige Last von den Schultern genommen. Auch die Verbesserung der medizinischen Grundversorgung unter seiner Präsidentschaft hat besonders ärmere Bevölkerungsschichten erreicht.

Etwa zehn Prozent der philippinischen Erwerbstätigen arbeiten im Ausland. Das greift tief in Familienstrukturen, Geschlechterrollen, Bildungswege, Lebensplanung, politische Mobilisierung und die Ausbildung nationaler Identitäten ein. Hinweise darauf finden sich in den Artikeln von Marina Wetzlmaier und Mary Montemayor. Die Autorinnen beschreiben auch, mit welchen Problemen und Herausforderungen bis hin zu rassistischen Anfeindungen die Arbeitsmigrant:innen in ihren Aufnahmegesellschaften zu kämpfen haben. Spannend könnte hier eine tiefere Analyse der Veränderungen sein, die die Arbeitsmigration in der philippinischen Gesellschaft ausgelöst hat.

Robert Francis Garcia berichtet in seinem Text von den politischen „Säuberungen“ in der Kommunistischen Partei der Philippinen und der New People’s Army in den 1980er und frühen 90er Jahren. Diese Säuberungen und ihre bis heute fehlende Aufarbeitung sind eine zentrale Ursache für die aktuelle Zersplitterung und relative Bedeutungslosigkeit der philippinischen Linken. Sie forderten nach konservativen Schätzungen das Leben von mindestens 2.000 Genossinnen und Genossen. Hier führt die Einleitung des Textes, die übrigens nicht vom Autor stammt, mit der Nennung von 66 Todesopfern in die Irre.

Leider verpasst so eine ganze Reihe von Artikeln die Chance, in der Analyse tiefer zu gehen und tradierte eindimensionale Vorstellungen an der Empirie zu überprüfen. Die Verhaftung vieler Autor:innen in den Narrativen der Solidaritätsbewegungen des letzten Jahrhunderts erweist sich hier als hinderlich.

Detailreiche Einführung zu den Philippinen

Inzwischen gibt es eine beträchtliche Zahl von Filipinas und Filipinos, die in Europa geboren und aufgewachsen sind und ihren eigenen, anderen Zugang zu dem Land ihrer Eltern haben. Eine nächste Fassung des Handbuch Philippinen oder eines solchen Philippinischen Lesebuchs sollte auch von ihnen und ihrem Blick auf dieses Land geprägt sein.

Auch ein Kapitel zu Kunst, Kultur und der lebendigen Literaturszene des Landes, die sich auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse selbstbewusst präsentieren wird, fehlt leider ganz.

Nichtsdestoweniger bietet der Sammelband mit seinen zahlreichen Autor:innen und seinem vielfältigen Strauß an Facetten eine breite Übersicht über viele Aspekte der modernen Philippinen und eignet sich als detailreiche Einführung nicht nur für Reisende, die diesem Land zum ersten Mal begegnen.

Rezension zu: Hrsg. Jörg Schwieger, Rainer Werning. Von Marcos zu Marcos. Die Philippinen seit 1965. 2025. Promedia Verlag. 224 Seiten.

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1 | 2025, Malaysia, Singapur,
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Guerilla-Frauen gegen Kolonialismus und Faschismus

Schweiz/Deutschland: Annette Hug spricht im Interview über koloniale Erinnerungen, transnationale Perspektiven und die Kraft philippinischer Literatur als kulturelle Brücke.

südostasien: Auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse im Oktober 2025 stehen die Philippinen als Ehrengast im Zentrum. Frau Hug, wie war die Zeit der Vorbereitung?

Annette Hug: Ich weiß nicht mehr, wo mir der Kopf steht. In den letzten Monaten habe ich vier philippinische Bücher übersetzt und war mit fünf Verlagen parallel in Produktionsphasen. Jetzt steht vor allem die Pressearbeit im Vordergrund. Ich bin Mitglied der philippinischen Delegation und werde täglich an zwei bis drei Veranstaltungen teilnehmen. Die Buchmessen an sich besuche ich schon seit langem, das gehört zur Arbeit als Autorin und freischaffende Übersetzerin dazu.

Sie haben eine langjährige Verbindung zu den Philippinen und haben in den 1990er Jahren dort studiert. Wie kommt es, dass Sie sich bis heute sehr intensiv mit den Philippinen befassen?

Ich war in der Schweiz im feministischen und antimilitaristischen Kontext engagiert, als ich 1991 an der Frauenkonferenz WISAP 91 in den Philippinen teilnahm, die von GABRIELA organisiert wurde. Die internationale Konferenz befasste sich mit der Unterdrückung der Frauen im Zusammenhang mit der Rolle des US-Militärs und den Militärbasen im Land. Damals wurde in Manila der Studiengang Women and Development Studies angeboten, sodass ich anschließend drei Jahre blieb. Einiges war aber auch desillusionierend, besonders die politische Situation war wahnsinnig schwierig.

2012 bewegte ich mich wieder thematisch auf die Philippinen zu, als ich entschied, einen Roman über José Rizal zu schreiben. Seine Übersetzung von Friedrich Schillers Wilhelm Tell interessierte mich sehr. Als ich daran arbeitete, merkte ich schnell, dass mein Tagalog viel zu schlecht für dieses Projekt war. So fuhr ich zurück in die Philippinen, um ein “malalim na Tagalog“ (vertieftes Tagalog bzw. Filipino) zu lernen. Ich tauchte diesmal anders in die Sprache ein und fand über die Literatur einen neuen Zugang zum Land.

Wenn Sie heute auf die Literaturszene der Philippinen blicken: Welche Themen, Genres oder Entwicklungen bewegen diese besonders?

Das ist schwierig zu sagen, weil es lebendige Literaturen in vielen verschiedenen philippinischen Sprachen gibt, von denen ich nur Filipino kann. Beispielsweise nehme ich eine sehr lebendige Literaturszene in Bicolano wahr, aber das kann ich nicht lesen. Was in Manila ankommt, ist mehrheitlich auf Englisch aber punktuell auch einiges auf Filipino.

Aktuell erscheinen viele Bücher, die sich thematisch mit Ökologie befassen; auch einige Übersetzungen werden aktuell dazu veröffentlicht. Dieses Jahr sind zwei Romane von Caroline Hau und Daryll Delgado erschienen, die beide im Kontext von Taifun Haiyan spielen.

Ein zweites wichtiges Thema ist nach wie vor die politische Aufarbeitung der Ferdinand Marcos Sr.-Diktatur (1972-1986) und der Präsidentschaft Rodrigo Dutertes (2016-2022). Kaum jemand hat bisher begriffen, was mit Land und Leuten in der Duterte-Zeit passiert ist. Die literarische Aufarbeitung der Duterte-Zeit, z.B. durch Patricia Evangelista, ist der Versuch des Verstehens.

Seit 2022 ist mit Ferdinand Marcos Jr., der Sohn des früheren Diktators, zum Präsidenten gewählt worden. Spiegelt sich diese politische Kontinuität auch im aktuellen Literaturgeschehen wider? Und wie könnte man dem entgegenwirken?

Im Wahlkampf hat Ferdinand Marcos Jr. ein geschöntes Bild der Regierungszeit seiner Eltern gezeichnet. Die Literatur spricht eine andere Sprache. Sie wird so eine Art historisches Gedächtnis. Umso wichtiger ist es, dass Jugendliche und Erwachsene Zugang zu dieser Literatur haben.

Das Booknook-Projekt des National Book Development Boards ist ein spannendes Projekt. Sie kaufen lokale Bücher und bringen diese in kleine Bibliotheken. Zusätzlich werden viele Aktivitäten für Kinder angeboten, sozusagen Bibliotheksarbeit in einem sehr modernen Sinn: Bibliotheken als Treffpunkte, als lebendige Orte für den Austausch mit und zu Büchern.

Zur Buchmesse erscheinen drei neue Übersetzungen von Ihnen. Eine davon ist „Das Meer der Aswang“, eine Geschichte über die magischen Wesen der philippinischen Mythologie. Was hat Sie an diesen Texten besonders fasziniert?

„Das Meer der Aswang“ hat mich als literarisches Projekt fasziniert. Der Autor Allan Derain nimmt die alte mündliche Literatur auf und antwortet mit einem sehr modernen literarischen Roman. Zuvor habe ich von epischer Literatur immer etwas Abstand gehalten, da mir der Zugang fehlte. Doch Allan Derain schreibt über eine Geschichte voller Gewalt und Lebenskunst, die er anhand von vielen Wortspielen und Witzen auch lustig erzählt. In der Übersetzung habe ich sehr an den Wortspielen geknobelt.

Der andere Roman, den Sie im Rahmen der Buchmesse aus dem Tagalog ins Deutsche übersetzt haben, lautet „Die 70er“ und ist eine sozialrealistische, feministische Erzählung. Inwiefern spiegelt sich darin Ihre persönliche Verbindung zu den Philippinen?

Zu Lualhati Bautista habe ich eine sehr persönliche Beziehung. Ihre Bücher waren die ersten Bücher auf Filipino, die ich selbst in den 1990ern las. Meine feministischen Mütter in den Philippinen kannten Bautista ebenfalls. Mir war es ein persönliches Anliegen, eine Stimme aus dieser Generation auf Deutsch lesbar zu machen. Es ist die lebendige Stimme einer Frau, die sich schalkhaft und klug den schönen und furchterregenden Momenten im Leben einer Mutter unter Kriegsrecht stellt.

Während meines Studiums der Women and Development Studies beschäftigten wir uns mit Fachliteratur, in der es darum ging, dass es kein Scheidungsrecht gab, oder dass Abtreibungen verboten und deshalb sehr gefährlich waren. Die Situation hat sich etwas verbessert, da wenigstens Verhütung nicht mehr verboten ist. Doch Gewalt gegen Frauen, Inzest und sexuelle Ausbeutung sind weiterhin präsent.

Das Schöne an der Literatur ist, dass das Leben nicht auf eine solche Liste von Problemen reduziert wird.

Gibt es Autor:innen oder Bücher von den Philippinen, die Sie dem deutschsprachigen Publikum besonders ans Herz legen würden?

Ich würde „Die 70er“ von Lualhati Bautista und Die Kollaborateure von Katrina Tuvera empfehlen. Auch halte ich Die Rebellion von Jose Rizal für besonders empfehlenswert – mehr noch als Noli Me Tangere. In Die Rebellion zeigt sich Rizal deutlich moderner, er wirkt wesentlich wütender und zugleich desillusionierter von Europa. Interessanterweise entsteht dadurch eine Komik, getragen von Rizals Wut und Witz.

In welche Richtung wird sich Ihrer Ansicht nach die philippinische Literaturszene in den nächsten Jahren bewegen?

Der „philippinische Roman“ im Sinne einer realistischen Auseinandersetzung mit den sozialen Realitäten des Landes, der die gesellschaftlichen Strukturen und Entwicklungen widerspiegelt, wird wohl weiterhin Bestand haben, aber vielleicht weniger dominant sein. Heute boomt das Horror-Grusel- und Fantasy-Genre. Besonders beliebt sind derzeit Adaptionen der vorchristlichen Philippinen. Ausgehend von der Lyrik, die mir persönlich am Herzen liegt, etwa in Form von Hip-Hop oder Spoken Word sowie von Autorinnen und Autoren wie Alan Derain, beobachte ich einen zunehmenden Experimentierwillen in neuen literarischen Formen.

Wie groß ist der Einfluss der Frankfurter Buchmesse in den Philippinen?

Meinem Eindruck nach wird dort der Frankfurter Buchmesse eine große Bedeutung beigemessen. Auch zahlreiche Akteur:innen des Literaturbetriebs, die offiziell nicht Teil der Delegation sind, werden nach Frankfurt reisen. Die Buchmesse wird als ein Anlass gesehen, bei dem die philippinische Literaturszene zusammenkommt und sichtbar wird.

Natürlich besteht die Gefahr, dass nun Autor:innen verstärkt Werke für den internationalen statt für den philippinischen Markt schreiben; das wäre ein langweiliger und bedauerlicher Nebeneffekt. Gleichermaßen wäre es für die Philippinen von großer Bedeutung, eine international anerkannte Stimme, einen literarischen Weltstar hervorzubringen, wie Chimamanda Ngozi Adichie oder Elif Shafak. Aber eigentlich hoffe ich, dass die Messe den Wert der Literatur in den Philippinen selbst stärkt. Und dass die Bevölkerung sich fragt: „Warum gibt es bei uns so viele amerikanische Bücher und kaum philippinische Bücher zu kaufen?!“ Ein solcher Impuls wäre sehr zu begrüßen.

Das Interview wurde am 5. September 2025 geführt

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1 | 2025, Malaysia, Singapur,
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Guerilla-Frauen gegen Kolonialismus und Faschismus

Südostasien: Männlichkeitsideale im privaten wie auch im politischen Raum verändern sich und können zu einem Kulturwandel führen.

Männlichkeitsbilder sind in Südostasien so vielfältig, dynamisch und historisch vielschichtig wie die Region selbst. Wenn ich jedoch Menschen danach frage, was es bedeutet, ein Mann zu sein, sind die Antworten oft eindimensional und stereotypisch, wie es eben auch in anderen Regionen der Welt häufig der Fall ist.

Die Antworten – die manchmal mit Stolz und manchmal als Kritik vorgetragen werden – verknüpfen Männlichkeit mit einer Vorstellung von Stärke, Kontrolle, Handlungsfähigkeit, Respekt, und mit der Rolle des Ernährers der Familie. Diese scheinbar einfachen Antworten verschleiern jedoch die Komplexität, die inhärenten Widersprüche und Spannungen des „Mannseins“ in Südostasien, insbesondere in der heutigen Zeit, in der Geschlechterrollen mehr denn je zu einem politischen Thema geworden sind.

Maskulinität sollte, wie Geschlechterrollen im Allgemeinen, intersektional mit weiteren Faktoren wie Alter, sozioökonomischer Hintergrund, sexuelle Orientierung, Behinderung, Familienstand sowie ethnisch-religiösen Hintergründen betrachtet werden. Diese Wechselwirkungen führen zu Status- und Machtunterschieden zwischen Männern, wie auch zu unterschiedlichen Erwartungen was das Ausleben der Geschlechterrollen angeht. Männlichkeit wird meist mit dem Körper verbunden, der bei der Geburt als männlich eingestuft wird.

Männlichkeiten können aber auch von Menschen, die bei ihrer Geburt nicht als männlich eingestuft wurden, dargestellt, ausgelebt und verkörpert werden. Männlichkeiten können auch von Geistern oder Gottheiten ‚verkörpert‘ werden. Zudem können heilige und profane Objekte mit ‚männlicher Energie‘ aufgeladen oder als männlich angesehen werden. Auch Menschen, die als spirituelle Medien wirken, also rituell (Ahnen-) Geister oder Gottheiten verkörpern, zeichnen diverse Bilder von Männlichkeit. Menschen, die bei der Geburt als weiblich eingestuft wurden und sich nun als Tomboys identifizieren, erweitern das Spektrum von Männlichkeits-Bildern. Und auch Frauen, die in maskulinisierten Umgebungen wie dem Militär oder in Vorstandsetagen von Firmen arbeiten, verkörpern möglicherweise ‚männliche‘ Sozialisierungen. Denn Männlichkeiten – die Vorstellungen davon, was es beinhaltet, ‚ein Mann sein‘ – sind immer auch soziokulturelle und politische Konzepte.

Hegemoniale Männlichkeit und Populismus

In Südostasien sind die Einflüsse vormoderner und vorkolonialer Dorf- und Familienstrukturen, je nach Kontext gepaart mit Einflüssen des Hinduismus, Buddhismus, Konfuzianismus, Islam oder Christentums, in den alltäglichen Geschlechterrollen weiterhin deutlich sichtbar. Soziale Hierarchien und der damit verbundene Respekt sind nach wie vor stark ausgeprägt, ebenso wie familiäre, gemeinschaftliche und gesellschaftliche Verpflichtungen. Geschlechterrollen sind eng mit Erwartungen verknüpft, wie man mit Geschwistern und Eltern, Großeltern und Vorfahren, Tanten und Onkeln, Lehrenden und Vorgesetzten, der unmittelbaren Nachbarschaft, aber auch mit der Sangha [buddhistische Gemeinschaft], Ummah [muslimische Gemeinschaft] oder christlichen Gemeinschaften umgehen soll. Selbst jene Männer, die in der Peripherie südostasiatischer Gesellschaften – sei es in Bikerclubs, Straßengangs, oder in der Punkrock-Szene – sichtbar gegenhegemoniale, subkulturelle Männlichkeiten praktizieren, behalten meiner Erfahrung nach oft viele dieser Verpflichtungen und die damit verbundene Ehrerbietung und weitere Verhaltensweisen bei.

Obwohl es in Südostasien auch einige matriarchalische Kulturen gibt, sind die Gesellschaften in der Region größtenteils hierarchisch patriarchal und gerontokratisch ausgeprägt. Besonders sichtbar ist dies in der Politik, wo trotz der zunehmenden Rolle der Frauen im öffentlichen Leben ältere Männer in Führungspositionen nach wie vor die Norm sind. Zwar gab und gibt es in der Region eine bemerkenswerte Anzahl weiblicher Staats- und Regierungschefs, doch handelt es sich dabei meist um Ehefrauen, Schwestern oder Töchter bedeutender Männer. Umfragen in der gesamten Region spiegeln die nach wie vor verbreitete Überzeugung wider, dass Männer die besseren Führungspersönlichkeiten seien. Politik wird oft als ‚schmutziges Spiel‘ angesehen, in dem man ,Manns genug‘ sein muss, um sich in schummrigen Hinterzimmern durchzusetzen, in denen politische und wirtschaftliche Deals abgeschlossen werden. Dieses Politikverständnis hat in der südostasiatischen Politik zum Aufstieg – oder in manchen Fällen zu einer Renaissance – des ‚starken Mannes‘ geführt, der oft explizit Machismo, das Versprechen einer militarisierten ‚eisernen Faust‘ und populistische Politik vermischt. Doch trotz der Attraktivität dieser Politik, gibt es auch Widerstand, wie Rodrigo Duterte auf den Philippinen und Prabowo Subianto in Indonesien gerade feststellen müssen.

Mehr Einflüsse und veränderte Lebensbedingungen

Auf Familienebene ist das ‚Ideal‘ des Patriarchen als Haupternährer und Entscheidungsträger nach wie vor stark ausgeprägt, auch wenn es bei weitem nicht mehr das einzige Modell ist. Die Verbreitung des Internets und weiterer Technologien hat in den letzten Jahrzehnten die Vorstellungen von Geschlechterrollen stark pluralisiert: von Queer Studies und Feminismus über Salafismus und Neoliberalismus bis hin zu K-Pop und Superheld:innenfilmen.

Gleichzeitig haben sich die strukturellen Lebensbedingungen in Südostasien dramatisch verändert. Dazu gehören die schnelle Urbanisierung, ein verbesserter Zugang zu Bildung (insbesondere für Frauen) und der Aufstieg von Hunderten Millionen Menschen Südostasiens aus der Armut, auch wenn weiterhin enorme Unterschiede bestehen. Eine weitere, weniger sichtbare Entwicklung ist die ‚Vergreisung‘ vieler Gesellschaften in der Region. Diese stellt die traditionellen Geschlechterrollen älterer Menschen in Frage, da es immer weniger jüngere Menschen gibt, welche sie pflegen könnten.

Diese Dynamiken haben widersprüchliche Auswirkungen auf Männlichkeitsvorstellungen. Während einige Männer geschlechtergerechtere Männlichkeiten ausleben, halten andere an noch rigideren Patriarchatsvorstellungen fest, oft durchmischt mit einer fundamentalistischeren Auslegung der jeweiligen Religion. In Südostasien ist jedoch noch kein ähnlich aggressiv frauenfeindlicher politischer Maskulinismus wie in vielen westlichen Gesellschaften und beispielsweise in Südkorea, entstanden. Da diese Radikalisierung jedoch größtenteils online stattfindet, ist dies möglicherweise nur eine Frage der Zeit.

Entzerren von Männlichkeitsmodellen

Wie einige Beiträge dieser Ausgabe der südostasien zeigen, gibt es in der Region positive Veränderungen der Männlichkeit. Einige Einflüsse der Populärkultur betonen weniger dominante Männlichkeiten. Wir lernen soziale Bewegungen in zahlreichen Ländern kennen, die aktiv Praktiken und Vorstellungen von männlichem Anspruchsdenken oder gar männlicher Überlegenheit, von Patriarchat und Heteronormativität, hinterfragen. Die sich verändernden sozioökonomischen Kontexte, in denen sich Männer befinden, wie etwa die zunehmende Bildung und Erwerbsbeteiligung von Frauen, die gestiegene Toleranz gegenüber sexueller Vielfalt und auch der von #MeToo inspirierte Widerstand gegen männliches Anspruchsdenken, führen zu einem Umdenken darüber, was es im heutigen Südostasien bedeutet, ein Mann zu sein.

Südostasiatische Aktivist:innen drängen auf ein Umdenken in Bezug auf Männlichkeit, um auch die problematische Beziehung zwischen Männlichkeit und Gewalt zu thematisieren. In Südostasien wie anderswo sind Männer die Haupttäter von Gewalt, sei es im öffentlichen oder im privaten Bereich, online oder offline. Zu den Ursachen dieser Gewalt zählen die problematische Verknüpfung von Männlichkeit mit Stärke und Kontrolle, männlichem Anspruchsdenken und Privilegien sowie die gesellschaftliche Akzeptanz von Gewalt zur Aufrechterhaltung ungleicher Beziehungen, insbesondere zwischen den Geschlechtern.

Besonders in südostasiatischen Gesellschaften ist diese Beziehung zwischen Männlichkeit und Gewalt jedoch nicht ganz selbstverständlich. Zum Männlichkeitsideal gehört nämlich auch oft die Kontrolle von Emotionen, das Ego nicht zur Schau zu stellen und stattdessen Selbstbeherrschung sowie Mitgefühl mit Bedürftigen zu üben. Dieses schließt jedoch den starken Glauben an die Überlegenheit des Männlichen gegenüber dem Weiblichen nicht unbedingt aus. Und doch können kulturelle Werte zu einer Transformation von Maskulinität führen, die ein respektvolles Miteinander zwischen allen Geschlechtern fördert sowie zu Gleichberechtigung und Gewaltlosigkeit führen.

Diese Ausgabe der südostasien betrachtet die große Bandbreite an Maskulinität und der damit verbundenen Bedeutungen in der Region. Jenseits der oft politisch mobilisierten stereotypen Vorstellungen von männlicher Stärke und vermeintlichen Führungsqualitäten zeigen die Artikel auch andere Wege auf, was es bedeutet, in Südostasien ‚ein Mann zu sein‘.

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1 | 2025, Malaysia, Singapur,
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Guerilla-Frauen gegen Kolonialismus und Faschismus

Thailand: Aktivist:innen hinterfragen die Rolle von Männlichkeit und Führungsvorbildern in politischen Organisationen.

„Lasst es mit unserer Generation enden“, war einer der Slogans der Proteste 2020-2021 in Thailand. Aber was genau ist „es“? Kann „es“ wirklich in einer Generation beendet werden?

Seit 2021 haben die Proteste nachgelassen. Nach einer Eskalation des thailändisch-kambodschanischen Grenzkonflikts 2025 wächst in Thailand erneut die Unterstützung für eine Militärherrschaft. Manche fordern sogar die Rückkehr des ehemaligen Militärmachthabers Prayut Chan-o-cha an die Macht.

Was ist mit den jungen Menschen passiert, die vor einem halben Jahrzehnt auf die Straße gegangen sind? Wie hat sich die Bewegung verändert und wie geht es weiter? Um diese Fragen aus einer Genderperspektive zu verstehen, haben wir Stimmen aus der Bewegung gesammelt.

Ein Weckruf

Thailands jüngste prodemokratische Bewegung war einzigartig. Noch nie wurde so offen über die Monarchie diskutiert. Zugleich legt die Jugend auf den Straßen immer mehr Wert auf die Intersektionalität ihres Aktivismus. Forderungen nach Gleichstellung führten schließlich zur kürzlichen Verabschiedung des Gesetzes der Ehe für Alle.

Doch nicht alle Forderungen waren von diesen Idealen geprägt. Lertsak Kumkonesak („Lert“), Gründer des Project for Public Policy on Mineral Resources, beschreibt einen deutlichen Unterschied zwischen den jüngsten Protesten und der Bewegung von 1973-76 in Thailand. Er erinnert sich: „Sexuelle Belästigung oder Missbrauch wurde damals privat gehalten und vertuscht. Das Ziel war Demokratie. Die vorherrschende Meinung war, dass diese ‚kleinen Dinge‘, die ‚kleinen Fehler der Männer‘, nicht angesprochen werden sollten.“

2021, als einige bekannte Aktivisten öffentlich der sexuellen Belästigung beschuldigt wurden, war dies ein Weckruf. Die Bewegung konnte den Kampf für Demokratie nicht mehr über die Prinzipien der Gleichberechtigung stellen.

Politische Bewegungen und maskuline Räume

Lert, der sich seit fast 30 Jahren für den Schutz natürlicher Ressourcen im Isaan im Nordosten Thailands einsetzt, hat erlebt, wie Gender die Bewegung beeinflusst. Er beobachtete, wie Frauen an Versammlungen teilnahmen, aber oft danach gingen, um sich um Hausarbeit oder Familie zu kümmern. Die Männer blieben zurück, um zu trinken. In diesen maskulinen Räumen wurden neue Beschlüsse getroffen, die den Männern mehr Macht über die endgültigen Entscheidungen gaben.

„Unsere Organisation lehnt dies ab. Wir haben eine Regel: Wer trinken will, trinkt aus Spaß. Entscheidungen werden aber in den Versammlungen getroffen“, erklärt Lert. Dieses Thema war ein Ausgangspunkt für die Analyse weiterer Genderfragen. Doch Lert selbst sieht sich nicht als Teil der „thailändischen Feministinnen“, die er aus früheren Zeiten als „aggressiv“ in Erinnerung hat. Das bedeutet nicht, dass Lert konfrontative Strategien ablehnt. Im Gegenteil, er betont den historisch „heißen“ Aktivismus als Stärke: „Die Bewegung im Isaan war besonders stark. Die Menschen gingen auf die Straßen… Es gab eine klare Bewegung gegen die Regierung und die Kapitalisten.“

Dao Din ist eine bekannte Aktivistengruppe im Isaan, die für Konfrontation bekannt ist. Einer ihrer Gründer, Pop*, beschreibt seine Frustration angesichts des derzeitigen Stillstands der Bewegung: „Die Mechanismen machen Veränderungen schwierig. Es braucht also etwas außerhalb des Parlaments, wie Proteste – aber es passiert nichts. Es gibt den Willen, aber… es fehlt an Leuten.“ Ähnlich wie Lert steht auch Pop dem Feminismus kritisch gegenüber. Er hat zum Beispiel Probleme mit der Idee einer Frauenquote. „Ich finde, Gleichheit ist genug“, sagt er. „Keiner von uns braucht mehr Rechte als jemand anderes.“

Maskulinität: Stärke oder Hindernis?

Yajai von Thalu Fah, einer aus der Demokratiebewegung entstandenen Aktivist:innengruppe, sieht dagegen, wie geschlechtsspezifische Erwartungen sowohl seine Entwicklung als meinungsstarker Anführer als auch die Dynamik der Bewegung beeinflusst haben. Obwohl er als Student wenig Selbstbewusstsein beim Sprechen vor hunderten Leuten hatte, stellten ihn seine Kommiliton:innen häufig ins Rampenlicht – und so gewann er an Selbstvertrauen. In der Regel sind es die Männer bei Thalu Fah, die zum Mikrofon greifen. „Männer riskieren weniger. Wenn wir zum Beispiel verhaftet werden, kommen wir ins Männergefängnis… Für Frauen ist das anders, sie sind angreifbarer. Deshalb haben wir das Gefühl, dass wir diejenigen sein müssen, die sprechen und führen“, erklärt er.

Starke männliche Anführer stärken die Bewegung in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit, sagt Yajai. Gleichzeitig „haben manche Frauen dann das Gefühl, sie könnten nicht mitwirken. Es verwehrt ihnen den Einstieg in die Bewegung.“ „Im Kern der Männlichkeit“, erklärt er weiter, „liegt die Haltung: ich habe recht… die Weigerung, eigene Schwächen einzugestehen.“

Keine Konsequenzen bei Grenzüberschreitungen

Jintana Srinudet („Kung“) arbeitet seit 18 Jahren für die Foundation for Consumers. Sie kennt die Auswirkungen maskuliner Räume in der Graswurzelarbeit – vom Land, wo Frauen auf Kochen und Putzen reduziert werden, bis hin zu Büros, in denen Männer in Anwesenheit ihrer weiblichen Kolleginnen offen Pornos am Handy schauen. Nur wenige Frauen würden den Mut aufbringen, selbst eine Führungsrolle zu übernehmen, nachdem sie mit bestimmten Männern zusammengearbeitet hätten, berichtet sie. „Wenn die Männer glauben, sie wissen es besser, respektieren sie die Entscheidungen der Gruppe nicht. Sie tun sich zusammen und machen einen neuen Plan… Sie verweisen auf ihre umfangreiche Erfahrung und sagen den Frauen, sie hätten keine Ahnung.“

Das übergroße Selbstvertrauen der Männer spiegelt sich auch in Kungs Erfahrung mit anzüglichen Kollegen wider. Zu Beginn ihrer Tätigkeit zeigte sie einem älteren NGO-Kollegen eine Chatnachricht als Beweis und wurde nicht ernst genommen: „Nein, das ist nicht so einer. Ich glaube nicht, dass er das machen würde“, sagte er, „obwohl die Nachricht direkt vor seinen Augen war!“ Seitdem weist Kung alle sofort zurecht, die Grenzen überschreiten. „Ich musste mich einfach selbst schützen“, sagt sie. Nach vielen Jahren weiß sie, wen sie meiden muss.

„Weil der Bewegung klare Prinzipien fehlen, wie mit Übergriffen umzugehen ist, passiert am Ende – wenn es einen Vorfall gibt – nichts, es gibt keine Konsequenzen. Einige kehren der Bewegung ganz den Rücken. Das führt zu weniger Ressourcen, weniger Wirkungskraft“, sagt Yajai.

Langsamer Wandel

Erst in den letzten vier bis fünf Jahren sieht Kung einen Wandel der Bewegung: „Die Leute wurden aufmerksamer… weil sich diese Themen mit der Frage der Geschlechtervielfalt überschnitten und ein Teil davon wurden.“ Phakwilai Sahunalu („Kai“), prominenter Aktivist aus Surin und Berater des Isaan Gender Diversity Network, reflektiert nach fast vier Jahrzehnten Bewegungserfahrung: „Ich sehe, wie Frauen eine größere Rolle spielen und mehr Anerkennung bekommen. Aber das Patriarchat ist nicht verschwunden.“

Phoen*, der seine Aktivistenlaufbahn erst kürzlich in der Schule begann und dann der Modindaeng Revolutionary Party an der Universität beitrat, kritisiert den Fortbestand patriarchaler Strukturen, die selbst in solchen Jugendorganisationen vorherrschen. Er sagt, dass diese den Raum für Innovationen blockierten und ein Klima der Ent- statt Ermutigung schufen. „Als ich mich mit feminineren Ideen auseinandersetzte, fühlte ich mich nicht akzeptiert. Besonders bei Männern, die sich sehr maskulin gaben, fühlte ich mich nicht sicher“, erklärt Phoen. Sexistische Witze verstärkten dieses Gefühl. Phoen glaubt, die patriarchale Kultur sei einer der Gründe für die Auflösung der studentischen Gruppe an der Universität.

Eine Armee oder eine Bewegung?

Einige jüngere Aktivist:innen sind bemüht, innovative und inklusive Räume zu schaffen – um neue Wege zu finden, die nächste Generation für die Bewegung zu gewinnen.

Jirajade Wisetdonwail („Maprang“), Mitgründerin von Feminist Pladaek, ist eine davon. Sie hinterfragt, wie thailändische Graswurzelbewegungen oftmals die Machtstrukturen reproduzieren, die sie zu überwinden versuchen. Ihr traditionelles „Armee-Modell“ sei nicht nachhaltig und spiegele die unterdrückenden Strukturen wider, vor denen viele fliehen wollen. „Diese Aufopferungspolitik ist spirituelle Gewalt. Gründen wir hier eine Armee oder eine Bewegung?“, fragt Maprang. „Unter männlicher Führung wird erwartet, dass man alles für die Bewegung gibt – bereit ist, ins Gefängnis zu gehen oder auf der Straße zu sterben. Nur wenige können sich das leisten.“

Die Entscheidung zwischen dem eigenen Wohl und dem kollektiven Wandel schafft geschlossene Räume für Privilegierte. Um dem entgegenzuwirken, ließ sich Maprang von den Feministinnen wie Bell Hooks und Starhawk inspirieren und schuf Räume für lebensbejahenden Widerstand – das Herzstück revolutionärer Liebe. Ähnlich nimmt sich das Feminist Friend Meeting and Zine Collective in Khon Kaen die Pionierarbeit früher lesbischer Aktivistinnen, vor allem aber deren Zine-Kultur, zum Vorbild. Gründerin Zoom sieht einen großen Nachteil der Männlichkeit: „Sie lässt uns andere Aspekte unserer Menschlichkeit vernachlässigen.“ Feminist Friend Meeting and Zine Collective arbeitet basisdemokratisch und bedürfnisorientiert und setzt auf radikales Vertrauen sowie kollektive Entscheidungen.

Alte Muster

Trotz der Bemühungen um eine Dezentralisierung politischer Macht zugunsten benachteiligter, marginalisierter Gruppen, droht der thailändisch-kambodschanische Grenzkonflikt das Land in alte Muster zurückzuwerfen: „Am Ende entscheiden wieder nur Männer unter sich“, sagt Kai.

Der Funke, der das Pulverfass entzündete? Eine Frau. „Die Leute kritisierten die Premierministerin, die versuchte, das Problem im Dialog, durch vernünftigen Austausch zu lösen. Sie griffen sie an, weil sie keinen konfrontativen Führungsstil zeigte“, berichtet Irene*, Mitglied von Feminist Pladaek. Ähnlich wie Yingluck Shinawatra ein Jahrzehnt zuvor erschien auch Paetongtarn Shinawatra („Ung Ing“) vielen zu versöhnlich, sanft, ja sogar verräterisch, in einer Bevölkerung, die ‚maskuline Herrschaft‘ nach wie vor schätzt.

Für manche junge Menschen, die nur unter Militärherrschaft aufgewachsen sind, wirken Rufe nach einer Rückkehr zu nationalistisch-autoritären Führungskräften, unter denen sie sozialisiert wurden, ganz natürlich. Doch unter Aktivist:innen bildet sich ein Konsens: Gute Führung heißt zuhören, Raum geben statt Raum einnehmen.

Die Zukunft

Was also hofften die Protestierenden in ihrer Generation zu beenden? War „es“ der Kreislauf der Militärputsche unter den Überbleibseln des Feudalsystems? Oder meint „es“ auch das Patriarchat? Wird „es“ trotz des Aufschreis der Jugend an die nächste Generation weitergegeben – an viele, die heute gezwungen sind, Botschaften aus dem Gefängnis an die Öffentlichkeit zu schmuggeln?

Feministische und LGBTQIA+-Gruppen hoffen weiterhin, „es“ zu beenden. Doch hat ihr Aufkommen tatsächlich genug Raum geschaffen, damit ausreichend Menschen ihren Platz in der Bewegung finden? Falls nicht, sind die Protestierenden vielleicht dazu verdammt, dass die Bewegung mit ihrer Generation endet – noch bevor die Demokratie das Parlament erreicht – geschweige denn die breite Bevölkerung.

*Einige Interviewpartner:innen haben darum gebeten, im Rahmen dieser Veröffentlichung lediglich mit ihrem Spitznamen und nicht mit ihrem vollständigen Namen genannt zu werden.

Übersetzung aus dem Englischen von: Sophie Marijam Grobe

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1 | 2025, Malaysia, Singapur,
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Guerilla-Frauen gegen Kolonialismus und Faschismus

Indonesien: Melanie Rennert zeigt in „Feministischer DIY Punk in Indonesien“, wie kreative Praktiken den Status Quo herausfordern können.

Indonesien, Punk und Feminismus in einer sozial-wissenschaftlichen Forschungsarbeit: das ist eine seltene Kombination – und eine vielversprechende. Melanie Rennerts Promotionsarbeit „Feministischer DIY Punk in Indonesien – Emanzipatorische Bewegungspraxen zur (Selbst-)Ermächtigung und politischen Sensibilisierung“ befasst sich auf sehr engagierte Weise mit der jüngeren Geschichte Indonesiens und dem Aufleben emanzipatorischer Praxis durch Punk.

DIY Punk, so heißt es im Buch, seien „politischer Protest, soziopolitischer Aktivismus und subkulturelle Aktivitäten“. Gesellschaftspolitische Veränderungen stünden dabei im Zentrum. Die Autorin bearbeitet in ihrem Buch drei inhaltliche Stränge: die analoge Gegenöffentlichkeit, die digitale Gegenöffentlichkeit und die präkonfigurativen Praktiken. „Gegenöffentlichkeit“ beschreibt hier einen Raum, in dem soziale Gruppen gleichsam partizipieren können. Sie ist damit die widerständige Antwort auf hegemoniale Räume, in denen bestimmte Gruppen, zum Beispiel Männer, dominieren.

Feste und Zines als analoge Räume

Als analoge Gegenöffentlichkeit beschreibt und analysiert die Autorin eingehend zwei Ausgaben eines Kunst- und Musikfestivals: „LadyFast“, welches 2016 in Yogyakarta stattfand und „LadyFast2“, veranstaltet 2017 in Bandung. Beide Festivals hat das „kolektif betina“ von Frauen für Frauen organisiert. Männer wurden nicht ausgeschlossen. Der Fokus lag aber darauf, Räume zu schaffen, in denen Frauen voneinander und miteinander lernen können und in dem alle sicher und frei agieren können.

In Yogyakarta waren zwei Tage Workshops und Konzerte von Punk- sowie Hardcore-Bands geplant. Am ersten Abend kam es jedoch zu aggressiven Störungen durch Männer, Vertreter islamistischer Gruppen, die die Inhalte des feministischen Events als ‚ihre Kultur beschmutzend‘ wahrnahmen. Das Festival wurde daraufhin von der Polizei abgebrochen. Die Euphorie des ‚Räume Schaffens‘ blieb seitens der Veranstalterinnen aber bestehen. Im darauffolgenden Jahr fand sie in einer Fortsetzung des „LadyFast“ Ausdruck.

Ein weiterer Bereich analoger Gegenöffentlichkeit, den Melanie Rennert in ihrem Buch analysiert, sind so genannten Zines, selbst gemachte Magazine, die über feministische Themen berichten. Das Buch nennt viele Beispiele wie etwa das Zine „Kaplok balik dong“, auf Deutsch: „Schlag zurück“, des Kollektivs „Needle n’ Bitch“.

Der Film „Ini scene kami juga“, auf Deutsch: „Das ist auch unsere Szene“, ist ein dritter Bereich der analogen Gegenöffentlichkeit, der im Buch Anerkennung findet. Er wurde von einer Aktivistin aus der feministischen DIY Punk Szene geplant und umgesetzt. Inhaltlich beschäftigt er sich mit der Rolle von weiblichen Partizipierenden der Szene, ihren Herausforderungen aber auch ihren Möglichkeiten.

Instagram als digitaler Raum

Im Kontext der digitalen Gegenöffentlichkeit analysiert die Autorin hauptsächlich Inhalte von Instagram Accounts, so etwa von dem bereits erwähnten Kollektiv „Needle n’ Bitch“ oder vom „kolektif betina“. Die Accounts setzen sich mit stereotypen Geschlechterrollen und resultierender Diskriminierung von weiblich gelesenen Personen auseinander. Sie hinterfragen diese kritisch und rufen dazu auf, sich diesen zu widersetzen.

In beiden Formen der Gegenöffentlichkeit zeigen sich präfigurative Praktiken. Das sind Aktionen, die eine erwünschte Alternative zeigen und somit den Status Quo kritisieren – oder in Melanie Rennerts Worten „mit dem eigenen subkulturellen Handeln eine Alternative zur selbst wahrgenommenen und definierten hegemonialen Ordnung aufzuzeigen“.

Auch im Punk werden herrschende Ordnungen reproduziert

Das Buch ist hoch aktuell und außerordentlich relevant – vor allem in Zeiten, in denen autoritär regierende Männer wie Prabowo Subianto oder Donald Trump zu Präsidenten gewählt wurden. Auch wenn das Buch den feministischen DIY Punk Indonesiens beschreibt, so ist ein Transfer in die Gesellschaft außerhalb der genannten Subkultur und auch über Indonesiens Grenzen hinaus durchaus möglich. „Punkrock ist weiterhin eine männlich dominierte Subkultur und aktivistische Interventionen mit feministischem Anspruch bleiben notwendiges Mittel, um diese Dominanz aufzuheben“, schreibt die Autorin. Ersetzt man die Wörter „Punkrock“ durch „die Welt“ und „Subkultur“ durch „Ort“, ist das Statement genauso wahr und unterstützenswert.

Punk, so zeigt das Buch, bietet den Raum, die ersten Schritte für diesen notwendigen Wandel anzugehen. Punk könne idealerweise eine Gemeinschaft sein, so Rennert, in der es möglich sei, sich von normativen Verhaltensanforderungen zu befreien und die Gesellschaft zu verändern. Im Punk eröffnen sich Möglichkeiten, sich auszuprobieren. Gleichzeitig ist Punk leider auch ein Raum, in dem herrschende Ordnungen reproduziert werden. Es bleibt zu hoffen, dass feministische Praktiken dazu beitragen, dass Punk ein Möglichkeitsraum bleibt und dass Erprobtes und Erlerntes dann zurück in die Gesamtgesellschaft getragen werden kann.

Absage an Kommerz und Perfektionismus

Punk ist damit auch eine „Absage an den Perfektionismus und die Kommerzialität“. Der passive Konsum wird ersetzt durch aktive Partizipation und kreative Gestaltung. Melanie Rennerts Buch zeigt, wie indonesische Feministinnen das Thema angehen. Es zeigt, wie sie sich trotz Kritik aus der eigenen Szene gegen Ungerechtigkeiten innerhalb der indonesischen Punkszene auflehnen. Dies tun sie, in dem sie Missstände benennen und gelebte Alternativen zeigen. Dabei lassen sie sich nicht von traditionellen Geschlechterrollen, in denen weibliche Akteure im Hintergrund agieren, abschrecken. Es gibt noch viel zu tun, doch dieses Buch macht Hoffnung. Es zeigt: Es gibt Räume und Möglichkeiten, ganz nach dem Motto: „You can resist the status quo (and you are not alone in thinking it sucks)“.

Rezension zu: Melanie Rennert. Feministischer DIY Punk in Indonesien – Emanzipatorische Bewegungspraxen zur (Selbst-)Ermächtigung und politischen Sensibilisierung. regiospectra Verlag. 330 Seiten. 2024

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1 | 2025, Malaysia, Singapur,
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Guerilla-Frauen gegen Kolonialismus und Faschismus

Philippinen: Laut sein und „hart durchgreifen“ wie Rodrigo Duterte: Dieses Männlichkeitsbild fasziniert Millionen – auch in der Diaspora.

Für viele seiner Anhänger:innen ist er Tatay Digong, der gesuchte „Vater der Nation“, der mit Stärke und Unnachgiebigkeit die Philippinen in die „richtige Richtung“ führte. Doch hinter der Fassade des starken Mannes verbirgt sich ein gesellschaftliches Phänomen: Hypermaskulinität. Sie prägt nicht nur politische Rhetorik, sondern auch das Selbstverständnis vieler junger Männer.

Philippinische Perspektiven auf Männlichkeitsideale

2025 haben die Philippinische Nationalpolizei und Interpol den ehemaligen Präsident Rodrigo Duterte festgenommen und an den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag überstellt. Trotz des Haftbefehls wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Zusammenhang mit seiner umstrittenen „Krieg gegen Drogen“-Kampagne, hat Duterte bis heute viele Anhänger:innen. Warum übt ein hypermaskulines Führungsbild auf so viele Menschen eine starke Faszination aus?

Die Antwort darauf ist vielschichtig – sie reicht tief in die sozialen, historischen und kulturellen Strukturen der philippinischen Gesellschaft hinein. Wenn man genauer hinsieht und den Stimmen junger Filipinos aufmerksam lauscht, wird deutlich: Ein tiefes Bedürfnis nach Ordnung und Stärke zieht sich durch große Teile der Bevölkerung. Ein Anführer wie Duterte scheint für viele die Lösung zu sein. Seine Politik ist das Abbild eines starken Mannes, eines Vaters, der ‚mit harter Hand aufräumt‘ und klare Regeln setzt, in einem Alltag, der geprägt ist von instabilen Strukturen, politischer Korruption, hoher Kriminalität und sozialer Ungewissheit.

Diese Bewunderung entstammt einer patriarchalen Struktur. In vielen asiatischen Gesellschaften wird Männlichkeit oft mit Autorität, Durchsetzungsvermögen und emotionaler Zurückhaltung gleichgesetzt. Der ehemalige Präsident und 2025 gewählte Bürgermeister von Davao, Duterte, verkörperte gezielt diese Eigenschaften und genießt dafür breite Anerkennung. In den Medien wurde er als „Mann des Volkes“ dargestellt: direkt, ungeschönt, furchtlos. Das spiegelte sich auch in seiner Wortwahl wider. Seine provokante, oft vulgäre Sprache wirkte auf viele Menschen authentisch und ehrlich. Er erschien für viele als einzige Alternative in einem politischen System, das von Eliten dominiert wird. Der ‚starke Mann aus der Provinz‘, ein Außenseiter aus Mindanao, der gegen das Establishment in der Hauptstadt Manila ankämpft.

Stark, cool, unverwundbar – warum Männer dieses Bild lieben

Hypermaskulinität steht für ein übersteigertes Männlichkeitsideal, das sich durch Aggression, Dominanz und emotionale Kälte auszeichnet. Bei diesem Weltbild gibt es kaum Raum für Empathie oder Verletzlichkeit. Häufig geht dieses Rollenverständnis mit Gewaltbereitschaft und – auch sexueller – Macht einher. In Medien, Politik und Popkultur wird Hypermaskulinität durch Figuren wie Soldaten, Polizisten oder autoritäre Führungspersonen verkörpert. Die Begeisterung junger Männer, insbesondere junger Filipinos, für hypermaskuline Ideale lässt sich aus mehreren sozialen, kulturellen und politischen Dynamiken erklären.

In patriarchalen Gesellschaften wie den Philippinen orientieren sich junge Männer bei der Identitätssuche oft an überzeichneten Männlichkeitsbildern, um Anerkennung zu erlangen; diese werden durch Medien wie Werbung, Film und Musik verstärkt. Die Darstellung des harten Kämpfers, des dominanten Liebhabers und des unerschütterlichen Helden wirken besonders stark auf junge Männer mit begrenztem Zugang zu alternativen Rollenbildern. Ebenso wachsen viele mit dem Ziel auf, später als Arbeitsmigranten ihre Familien finanziell zu unterstützen. In diesem Zusammenhang wird Männlichkeit häufig mit Verantwortung, Leistungsfähigkeit und der Bereitschaft zum persönlichen Opfer gleichgesetzt. Das sind Vorstellungen, die hypermaskuline Ideale festigen und normalisieren.

Jeremy C. De Chavez und Vincent Pacheco untersuchten in ihrem 2020 veröffentlichten Fachartikel „Masculinity in the Age of (Philippine) Populism: Violence and Vulgarity in Duterte’s Hypermasculine Discourse“ die Inszenierung von Männlichkeit im Kontext des philippinischen Populismus. Sie zeigten, dass das propagierte Männlichkeitsbild keineswegs neu, sondern tief in der lokalen Kultur verwurzelt ist.

Bereits in den 1990er Jahren fand ein bestimmter Typus philippinischer Männlichkeit Ausdruck im Lied „Ang Tipo Kong Lalaki“ von DJ Alvaro. Besonders prägnant war die Zeile: „maginoo pero medyo bastos“ – sinngemäß: „ein Gentleman, der ein bisschen vulgär ist“. Diese Formulierung hat sich nachhaltig im kollektiven Gedächtnis der Filipinos verankert und wird bis heute zitiert. Sie steht für ein ambivalentes Ideal, das Höflichkeit mit Grenzüberschreitung verbindet.

Hypermaskulinität sei zwar kein neues Phänomen, es habe sich jedoch unter Duterte zu einer radikalisierten Variante entwickelt, so laut Chavez und Pacheco. Mit dem Aufstieg zum Präsidenten setzte sich ein neues Modell männlicher Führung durch, das offen toxische Merkmale verkörperte. Große Teile der Bevölkerung nahmen dieses Auftreten nicht nur hin, sondern betrachteten es als glaubwürdiges Abbild des „typischen philippinischen Mannes“. Chavez und Pacheco beobachteten eine Verschiebung des Idealbilds: weg von maginoo pero medyo bastos („ein Gentleman, der ein wenig vulgär ist“) hin zu dessen Umkehrung bastos pero medyo maginoo („ein vulgärer Mann, der gelegentlich Gentleman ist“). Duterte verkörpert eine ‚neue Männlichkeit‘, die eng mit seiner politischen Erzählung vom tunay na pagbabago (‚echter Wandel‘) verknüpft ist. Hypermaskulinität wurde so als ‚Schlüssel zur nationalen Erneuerung‘ inszeniert und legitimierte autoritäre Machtstrukturen.

Sexualisierte Gewalt als politische Leitlinie

Ähnliches fand Dr. Maria Tanyag heraus. Sie beleuchtete in ihrem Beitrag „Duterte, Hypermasculinity and the Key to Populism“ die zentrale Rolle von Geschlecht in der populistischen Politik. Populismus gilt oft als geschlechtsneutral. Doch in den Philippinen zeigt sich seine enge Verknüpfung mit Genderpolitik: Duterte verkörpert eine hypermaskuline Führungsfigur, deren sexistische Äußerungen breite Zustimmung fanden. Ein prägnantes Beispiel lieferte er in einer Ansprache vor Sicherheitskräften, in der er explizit Anweisungen gegen weibliche Mitglieder kommunistischer Gruppierungen machte: „Wir werden euch nicht töten. Wir werden euch nur in die Vagina schießen.“ Die Aussage zeigt, wie Geschlecht in seiner politischen Rhetorik gewaltsam instrumentalisiert wird; getragen von tief verankerten patriarchalen Strukturen, die solche Äußerungen teils feiern. Das von ihm formulierte Militärkommando galt angeblich als ‚besonders effektiv‘ mit der Begründung, dass Frauen ohne Vagina als ‚nutzlos‘ betrachtet würden. Solche Aussagen sind zutiefst sexistisch und entmenschlichen Frauen systematisch. Duterte befürwortete öffentlich die Straflosigkeit sexueller Gewalt im Kriegsrecht und erklärte, Soldaten dürften bis zu drei Frauen vergewaltigen, ohne Konsequenzen zu fürchten.

Diese Aussagen hatten weitreichende gesellschaftliche Folgen. Sie trugen zur Normalisierung von Hypermaskulinität in der politischen Kultur bei, mit direkten Auswirkungen auf die Geschlechterverhältnisse. Sexuelle Gewalt wurde bagatellisiert, feministische Stimmen wurden marginalisiert und patriarchale Machtstrukturen weiter gefestigt.

Ob oder gerade wegen dieser Inszenierungen finden sich unter jungen Männern zahlreiche Anhänger – insbesondere unter den sogenannten „Duterte DieHard Supporters“. Die Gründe dafür sind vielschichtig: Viele junge Filipinos sind frustriert über Korruption, soziale Ungleichheit und die chronische Ineffizienz staatlicher Institutionen. Duterte gilt für die Mitglieder als radikaler Reformer, der Probleme kompromisslos angeht. Sein Slogan „Change is coming“ traf einen Nerv, besonders bei Jugendlichen, die sich nach einem Bruch mit der alten politischen Elite sehnten. Digitale Plattformen wie Facebook und TikTok machten ihn zum Popkultur-Phänomen. Jugendliche konsumieren Politik zunehmend über Memes und Kurzvideos, was die emotionale Wirkung autoritärer Figuren verstärkt.

Hinzu kommt, dass politische Bildung in vielen Teilen der philippinischen Gesellschaft kaum gefördert wird. Das begünstigt eine unkritische Bewunderung charismatischer Führer. Auch Frauen wie Sara Duterte, Duertes Tochter und derzeitige Vizepräsidentin der Philippinen, übernehmen diese Machtrhetorik. Sie setzt die politische Linie ihres Vaters fort, um sich als „tough“ und durchsetzungsfähig zu inszenieren; ein Stil, der auch bei jungen Menschen Anklang findet. In einem männlich geprägten politischen Umfeld nutzt sie martialische Rhetorik, Militärnähe und autoritäre Symbole, um sich als starke Führungsperson zu inszenieren. Ihre Strategie zeigt, wie auch Frauen männlich codierte Machtformen übernehmen. Für viele Jugendliche wirkt dies als Ausdruck von Protest gegen ein als ungerecht und elitär empfundenes System.

Hypermaskulinität als soziales Konstrukt

Gegen Ende von Dutertes Amtszeit und insbesondere nach seinem Ausscheiden aus der Präsidentschaft formierte sich zunehmend Widerstand. In akademischen Kreisen, zivilgesellschaftlichen Organisationen und jungen politischen Bewegungen wuchs die Kritik an hypermaskulinen und autoritären Tendenzen. Politikerinnen wie Leni Robredo, Leila De Lima und Risa Hontiveros sowie Journalistinnen wie Maria Ressa und Karen Davila positionierten sich öffentlich gegen diese politischen Ideale und engagierten sich entschlossen für demokratische Werte, Menschenrechte und Geschlechtergerechtigkeit.

Übersteigerte Männlichkeitsnormen werden kulturell vermittelt, durch Medien, Peer-Gruppen oder tradierte Rollenbilder. Um diesen Dynamiken entgegenzuwirken, braucht es gezielte Strategien zur Prävention und Veränderung. Dazu zählt insbesondere die Förderung kritischer Männerbildung. Initiativen wie Detox Masculinity setzen auf Bildungsarbeit, die Männer zur Reflexion ihrer Rollenbilder anregt und alternative Männlichkeitskonzepte entwickelt. Auch die Stärkung von Diversität in sozialen Räumen spielt eine zentrale Rolle: Gemischte Gruppen, inklusive Sprache und vielfältige Repräsentationen helfen, einseitige Normen aufzubrechen.

Hypermaskulinität ist ein kulturelles Produkt, gestützt durch Medien, Politik und soziale Strukturen. In einem Umfeld, das autoritäre Männlichkeitsbilder feiert, braucht es Bildungsansätze, die alternative Rollenbilder fördern und geschlechtergerechte Räume eröffnen. Der Kampf gegen Hypermaskulinität ist kein Randthema, sondern eine Voraussetzung für eine gerechtere, friedlichere und inklusivere Gesellschaft.

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