1 | 2023

Thailands Gesundheitswesen in Bildern

Eine Frau aus dem Einzugsgebiet des Mae Tao Flusses zeigt eine Patientenkarte des Cadmium-Projekts nach der Behandlung ihrer Nierendegeneration. Einer Studie von International Water Resources Management Organization (IWRA) und Landwirtschaftsministerium zufolge sind Wasser, Boden und Reis im Einzugsgebiet des Mae Tao mit Cadmium kontaminiert. © Roengrit Kongmuang - Alle Rechte vorbehalten

Thailand: Der Fotograf Roengrit Kongmuang hat das Gesundheitswesen seines Landes dokumentiert. Trotz vieler Erfolge hat die Covid-19-Pandemie auch dessen Schwächen sichtbar gemacht.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist es Thailand gelungen, den Zugang zu Gesundheitsdiensten im Rahmen der universellen Gesundheitsversorgung seit 2021 auf 99,6 Prozent der Bevölkerung auszuweiten, was die höchste Abdeckung in Südostasien darstellt.

Thailand hat bereits das UN-Ziel für nachhaltige Entwicklung (SDG) erreicht, das Maßnahmen zur Senkung der Inzidenz nicht übertragbarer Krankheiten um ein Drittel bis 2030 vorsieht. Auch stieg der Umfang der universellen Gesundheitsversorgung (SDG 3.8) und der finanziellen Absicherung von 59 Prozent der Bevölkerung im Jahr 2010 auf 85 Prozent im Jahr 2019.

Allerdings ist für städtische Arme der Zugang zu öffentlichen Gesundheitsdiensten ein Problem - neben der industriellen Umweltverschmutzung und sozialer Ungleichheit.

Thailand, Gesundheit, SDG
Ein Team eines Hausarztnetzes des Dansai-Krankenhauses in der Provinz Loei besucht Menschen mit Behinderungen, die in einem abgelegenen Dorf bettlägerig waren. Für einkommensschwache ländliche Familien führt die Pflege von Kranken oder Menschen mit Behinderungen zum Verlust des Arbeitsplatzes und zu Einkommensverlusten. Die Ärzt*innen wendeten ihre eigenen Mittel für Reisekosten auf. © Roengrit Kongmuang - Alle Rechte vorbehalten
Thailand, Gesundheit, SDG
Die Situation während des Covid-19-Ausbruchs war turbulent. Die Zahl der Patient*innen in Krankenhäusern wie dem Srinakarin-Krankenhaus schien dennoch geringer zu sein als unter normalen Umständen. Dies ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass Patient*innen mit chronischen Krankheiten per Post versorgt wurden. Ängste vor Überbelastungen und der fehlende Zugang zu medizinischer Versorgung könnten jedoch zum Ausschluss von gefährdeten Patient*innen aus dem Behandlungsprozess der Regierung führen. © Roengrit Kongmuang - Alle Rechte vorbehalten
Thailand, Gesundheit, SDG
Die Hände und Beine eines Patienten im Behandlungszentrum für Drogenabhängige der Provinz Khon Kaen sind ans Bett gefesselt. Ein Bericht aus dem Jahr 2018 zeigt, dass Thailänder*innen im arbeitsfähigen Alter am häufigsten drogenabhängig sind. Methamphetamin ist die am meisten süchtig machende Substanz, gefolgt von Alkohol. Obwohl es in Thailand schätzungsweise 1,4 Millionen Drogenkonsument*innen gibt, unterziehen sich weniger als 100.000 Menschen einer Behandlung ihrer Drogensucht. Diese Zahl könnte auf mangelnden Zugang und schwindende Ressourcen im Gesundheitssystem sowie geringes Bewusstsein der Leistungsempfänger*innen zurückzuführen sein. © Roengrit Kongmuang - Alle Rechte vorbehalten
Thailand.MaeSot.Grenzgebiet.Gesundheit.SDG
Auf der Sandbank und an den Ufern des Moei-Flusses ist die thailändisch-myanmarische Grenze sowohl ein warmes Zuhause als auch ein vorübergehender Zufluchtsort für Menschen aus Myanmar. Es ist jedoch nicht zu leugnen, dass einige Menschen die Grenze überqueren, um in Thailand als informelle Arbeitskräfte auf Bauernhöfen und in Gärten angeheuert zu werden sowie für Arbeiten, die Thailänder*innen nicht verrichten wollen, weil sie Gesundheitsgefährdend sind. © Roengrit Kongmuang - Alle Rechte vorbehalten
Thailand, Gesundheit, SDG
Familien, die in den engsten Gassen Bangkoks leben, spiegeln die zunehmende soziale Ungleichheit. 2020 stieg die Zahl der von schwerer Armut, sozialer und gesundheitlicher Benachteiligung betroffenen Menschen in Thailand von 1,28 Millionen auf 1,61 Millionen Menschen, die direkt von der Covid-19-Pandemie betroffen waren. © Roengrit Kongmuang - Alle Rechte vorbehalten
Thailand, Gesundheit, SDG
Mit Hilfe von Gemeindeleiter*innen und dem Team des Kapor-Krankenhausnetzes musste eine Familie muslimischer Frauen und Kinder nach dem Tod des Familienoberhaupts in ein aus einem alten Ziegenstall umgebautes provisorisches Haus umziehen. Seit 2004 haben sich Gewalt und Unruhen in den drei südlichsten Grenzprovinzen verschärft. Eine Studie der Lampang Rajabhat Universität zeigt, dass viele Witwen Opfer struktureller Gewalt werden. Diese geht auf staatliche Mechanismen zurück, die sich mit dem malaiischen soziokulturellen Kontext überschneiden, der den Männern die Führung der Familie überlässt. Die erste und die nachfolgende Ehefrau werden nicht gleichwertig behandelt, was zu körperlicher Gewalt und Ausbeutung führt. Strukturelle, soziale und politische Gewalt sind die Hauptfaktoren, die Probleme für die öffentliche Gesundheit verursachen. © Roengrit Kongmuang - Alle Rechte vorbehalten
Thailand, Gesundheit, SDG
Kraftwerksschornsteine und Kohlemeiler sind die Wahrzeichen der Industriegebiete im Osten, wie Ta Phut in der Provinz Rayong. Einheimische Fischer sind besorgt über die Luft- und Meeresverschmutzung, die ihre Gesundheit und ihren Lebensunterhalt gefährden. © Roengrit Kongmuang - Alle Rechte vorbehalten
Thailand.KhonKean.Muellberg.Gesundheit.SDG
Dorfbewohner*innen von Kham Bon arbeiten von morgens bis abends auf einem Müllberg in der Provinz Khon Kaen. Das Durchwühlen von Hunderttausenden Tonnen stinkenden Abfalls aus der Stadt Khon Kaen ist eine Beschäftigung für viele Familien. Das Müllsammeln ist zu einem Beruf geworden, obwohl es ernsthafte Gesundheitsrisiken birgt. Um nicht krank zu werden, müssen sich die Müllsammler*innen Wissen und die notwendige Ausrüstung aneignen. Wenn die Regierung es versäumt, dieses Wissen zu vermitteln und ihre Gesundheit zu schützen, kann das die Kosten für das öffentliche Gesundheitssystem in die Höhe treiben. © Roengrit Kongmuang - Alle Rechte vorbehalten
Thailand, Gesundheit, SDG
Ein Team aus Krankenhäusern in der Provinz Khon Kaen fertigte Röntgenaufnahmen der Lungen von Covid-19-Patient*innen an, um die Behandlung von älteren infizierten Menschen zu verfolgen und zu bewerten. Es wurde festgestellt, dass das medizinische Personal in einer Epidemiesituation einem hohen Risiko ausgesetzt ist. Obwohl Anstrengungen unternommen wurden, um das Problem des Mangels an medizinischem Personal zu lösen, reichen sie immer noch nicht aus. Dies führt zu einer Überlastung der Mediziner*innen. © Roengrit Kongmuang - Alle Rechte vorbehalten
Thailand, Gesundheit.SDG
Grass Killer, ein Herbizid, das zur Beseitigung von Unkraut in Zuckerrohr- und Kautschukplantagen eingesetzt wird, wird im Bezirk Phu Khieo in der Provinz Chaiyaphum seit vielen Jahren in großem Umfang eingesetzt. Viele Menschen erlitten deshalb gangränöse Wunden [Gewebsnekrose, Wundbrand, d.R,] an Beinen und Füßen. Zwar können medizinische Teams das verfaulte Fleisch entfernen und neue Haut transplantieren. Die Monate und Jahre der Behandlung und Rehabilitation hat jedoch das Einkommen der Herbizid-Opfer stark beeinträchtigt und ihre Familien in große Schwierigkeiten gebracht. © Roengrit Kongmuang - Alle Rechte vorbehalten
Thailand, Gesundheit, SDG
Jede Woche sprühen Wanderarbeiter*innen im Bezirk Phop Phra in der Provinz Tak zu Beginn der Regenzeit, wenn Krankheiten und Schädlinge überhand nehmen, Chemikalien auf Kohlfelder. Ihre Gesundheit wird damit gefährdet. Kohl ist unter Thailänder*innen sehr beliebt, die Konsument*innen sind der Gefahr von Chemikalienrückständen ausgesetzt. © Roengrit Kongmuang - Alle Rechte vorbehalten
Thailand.Umphang.Tak.Karengesundheit.SDG
Ein multidisziplinäres Team von Ärzt*innen und Pflegefachkräften des Umphang-Krankenhauses versorgt Karen-Gemeinschaften im Thung Yai Naresuan Wildlife Sanctuary mit Impfungen und anderen medizinischen Leistungen. Die Abgeschiedenheit des Gebiets und das Fehlen einer grundlegenden Infrastruktur erschweren den Zugang der Menschen zu medizinischer Versorgung. Die Einrichtung einer mobilen Einheit ist daher ein besonderes Ereignis für das Team des Umphang-Krankenhauses in einer Zeit, in der die gesellschaftliche Kluft immer größer wird. © Roengrit Kongmuang - Alle Rechte vorbehalten
Thailand, Gesundheit, SDG
Covid-19-Untersuchung in einem Hafen in der Provinz Samut Sakhon. Wanderarbeiter*innen sind die wichtigste Gruppe, die vorrangig untersucht wird. © Roengrit Kongmuang - Alle Rechte vorbehalten

Übersetzung aus dem Englischen von: Simon Kaack

Der Beitrag ist im März 2023 in englischer Sprache mit Unterstützung der Konrad Adenauer Stiftung bei Bangkok Tribune erschienen. Er wurde von der südostasien-Redaktion gekürzt, übersetzt und redaktionell bearbeitet.

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Die Autorin

Radda Larpnunine ist eine ehemalige Dokumentarfilmerin, die sich zur Expertin für das Management natürlicher Ressourcen im Sinne des 'from Ridge to Reef' Konzeptes entwickelte und für verschiedene internationale Organisationen arbeitet. Zudem war sie Leiterin des Forschungsteams zur Reflexion der BRI-Strategie im ASEAN-Raum in thailändischen Medien, im Rahmen des Projekts Platform Economy and Transition in the New Era under the BRI ASEAN am Institut für Asienstudien der Chulalongkorn-Universität.

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Der Autor

Der in Thailand ansässige Dokumentarfotograf konzentriert sich auf ökologische und soziale Themen in der Mekong-Region. Seine Arbeiten wurden weltweit, u. a. in National Geographic (Thailand), veröffentlicht.

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R. Larpnun, R. Kongmuang

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