3 | 2023, Philippinen,
Autor*in:

Fuchshaie und Korallenschutt – Tauchen auf den Philippinen

Philippinen, Tauchen, Tourismus

Ist in der Reuse ein Fang? Der Taucher aus der indigenen Gemeinschaft der Sama sieht nach. © Lilli Breininger

Die Philippinen zählen zu den Ländern mit der höchsten maritimen Biodiversität weltweit. Die Übernutzung der Meere bedroht diese Vielfalt. Liegt im Tauchtourismus ein Potential für ihren Schutz?

Vier Uhr. Das Handy dudelt eine fröhliche Melodie. Am Horizont, im Osten, ist der heraufziehende Morgen zu erahnen. In der Tauchbasis verbreitet eine einsame Glühbirne an der Decke milchiges Licht. Alles liegt bereit: Neopren-Anzug, Bleigürtel, Flossen, Maske. Die Tarierweste ist bereits mit der Druckluftflasche verbunden.

Halb fünf. Knirschend schiebt sich der Bug des Auslegerboots durch den Sand. Der Boatman gibt einen letzten Stoß, springt auf und wirft den Motor an. Monad Shoal, die versunkene Insel, ist unser Ziel. Ich habe keine Ahnung, wie der Bootsführer sich orientiert, wie er den unsichtbaren Punkt auf dem dunklen Meer ansteuert. Dann springen wir ins Wasser, bald wird die orange-rote Sonne den Horizont erhellen.

Philippinen, Tauchen, Tourismus

Der Autor unter Wasser. © Christoph Dehn

Wir lassen uns auf 14 Meter sinken, auf ein kleines Unterwasser-Plateau. An der Seite geht es noch einmal über 20 Meter weiter in die Tiefe. Auf einem schmalen Absatz, der einem Unterwasser-Balkon gleicht, knien wir nieder und halten uns an dort verankerten Leinen fest. Das Wasser ist dämmrig blau-grau, hier unten gibt es kaum noch Farben. Wir blicken in die Tiefe. Und dann sind sie plötzlich da, die majestätisch-souveränen, bizarren Fuchshaie. Erst einer, dann zwei, schließlich ein Dritter tauchen sie aus der bodenlosen Tiefe auf, ihre Körper vielleicht zwei Meter lang, der schräg nach oben gerichtete obere Teil der Schwanzflosse noch einmal fast ebenso lang. An ihnen, um sie herum machen sich Putzerfische zu schaffen. Gemächlich ziehen die Haie vor uns ihre Kreise. Versunken in den Anblick vergesse ich die Zeit.

So geht es mir beim Tauchen immer wieder. Die Unterwasserwelt ist so anders als alles, was es auf dem Land gibt. Nirgendwo an Land kann ich mit einem einzigen Blick so viel buntes Leben entdecken: Korallen in den absonderlichsten Formen, elegante Nacktschnecken, Fische in grellen Farben, bizarre Krebse mit riesigen Scheren. Ich bewege mich in einem dreidimensionalen Raum, nicht eingeschränkt durch einen festen Boden unter den Füßen. Atem und Flossen bestimmen die Position. Auch über Kopf lässt sich die Korallenwelt prima beobachten.

Zentrum maritimer Biodiversität

Philippinen, Tauchen, Tourismus

Mandarinfische bei Malapascua. © Klaus Stiefel.flickr.CC BY-NC 2.0

Die Philippinen liegen im Coral Triangle, dem Weltzentrum der marinen Biodiversität. Hier findet man knapp 600 von insgesamt 800 Riffbildenden Korallen. Zum Vergleich: das australische Great Barrier Reef weist nur knapp 400 Arten auf und liegt damit auf der Biodiversitätsskala an dritter Stelle (Jürgen Freund, Hg.; Sulu-Sulawesi-Seas; Manila 2001). In den philippinischen Wassern findet man 33 Mangrovenarten, 800 Algenarten, mehr als 1.200 Arten von Rifffischen, 22 Wal- und Delfinarten. Außerdem leben hier Seekühe (Dugong) und Walhaie, die größten Fische der Welt.

Die Philippinen verfügen als Inselnation zwischen Pazifik und Südchinesischem Meer (das wegen der aggressiv vorgetragenen Gebietsansprüche von China inzwischen gern Westphilippinische See genannt wird) einschließlich der Ausschließlichen Wirtschaftszone AWZ über eine Wasserfläche von 2.200.000 km². Im Vergleich dazu macht die philippinische Landfläche gerade einmal 300.000 km² aus. Korallenriffe finden sich auf 27.000 km². Damit sollten die Voraussetzungen für eine gute Eiweißversorgung der Bevölkerung aus dem Meer gegeben sein. Allerdings stellt sich bei genauerer Betrachtung heraus, dass die Fischbestände der Philippinen an ihre Grenzen gekommen sind. Man unterscheidet bei der Fischproduktion drei Sektoren: den gemeindebasierten (municipal) Fischfang mit Booten unter drei Bruttoregistertonnen und bis zu 15 km von der Küstenlinie, den kommerziellen Fischfang mit größeren Booten abseits der Küste und die Aquakultur.

Grenzen und Folgen der Fischproduktion

Die gesamte Fischproduktion der Philippinen in allen drei Sektoren zusammen erreichte 2010 mit rund fünf Millionen Tonnen ihren Höhepunkt. Seitdem nimmt sie kontinuierlich ab, 2021 waren es nur noch rund vier Millionen Tonnen. Interessant dabei ist, dass dieser Rückgang alle drei Sektoren betrifft. Vor allem der gemeindebasierte Fischfang stellt traditionell eine günstige Eiweißquelle für die ländliche Bevölkerung sicher. Bei einer insbesondere auf dem Land und in ärmeren Gemeinden stetig wachsenden Bevölkerung ist der Rückgang des Fischfangs jedoch nicht durch eine abnehmende Nachfrage zu erklären. Vielmehr hat die intensive Befischung die philippinischen Bestände an ihre Grenzen gebracht und sie vielerorts bereits überschritten.

Philippinen, Tauchen, Tourismus

Fischer auf dem Weg zum küstennahen Fischfang © Lilli Breininger

In einer Situation abnehmender Fischbestände greifen Fischer*innen immer häufiger zu destruktiven Methoden. Ich kann mich an keinen einzigen Tauchgang vor der Insel Cebu erinnern, bei dem ich keine Unterwasserexplosion gehört hätte. Dynamit-Fischen ist eine Fischereimethode der Verzweiflung. Dabei werden meist aus Glasflaschen und Sprengstoff selbstgebaute Granaten im Wasser zur Explosion gebracht. Die Druckwelle zerstört die Schwimmblasen der Fische und tötet oder betäubt sie. Diese Methode ist höchst ineffizient, weil von 10 getöteten Fischen nur einer oder zwei an die Oberfläche treiben und eingesammelt werden können, der Rest sinkt zu Boden. Zugleich wird alles Meeresleben im Umkreis geschädigt oder zerstört. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 70.000 der einen Million Kleinfischer*innen in den Philippinen mit Hilfe von Sprengladungen fischen.

Weit verbreitet ist auch die Fischerei mit Zyanid, das vor allem für den Fang von Zierfischen für den Aquarienhandel eingesetzt wird. Dabei wird das Gift aus einer Spritzflasche ins Wasser gegeben. Ziel ist es, die Fische zu betäuben, damit sie eingesammelt und lebend verkauft werden können. Da aber die Dosierung im Meer kaum zu kontrollieren ist, sterben auch bei dieser Methode zahlreiche Fische, Korallen und anderes Meeresleben.

Gefährliches Tauchen

Eine besondere und besonders gefährliche Form des Tauchens zum Fischfang ist das Kompressortauchen, pa’aling genannt. Dabei springen Gruppen von Fischern ins Meer, um gemeinsam ganze Fischschwärme in riesige Netze zu treiben. Sie tauchen bis zu 40 Meter tief; mit Atemluft versorgt sie ein kleiner Plastikschlauch, der an einem rostigen Kompressor auf einem Boot hängt. Ein Boot trägt bis zu 25 Taucher, oft operieren vier Boote gemeinsam. Pa’aling ist vor allem um die Insel Palawan herum verbreitet. Es wird geduldet, weil es die noch viel schädlichere und gefährlichere muro-ami Fischerei abgelöst hat, bei der Gruppen von Kindern unter Wasser mit Steinen auf Riffe und Korallen schlagen, um Fische in die Netze zu treiben.

Philippinen, Tauchen, Tourismus

Zerstörte Korallen bei Anilao in Batangas © Jun Acullador.flickr.CC BY-ND 2.0

Eine häufige Erscheinung beim Kompressortauchen ist die Dekompressionskrankheit, bei der unter Druck im Blut gelöster Stickstoff beim schnellen Auftauchen Bläschen bildet und eine Lungenembolie auslösen kann. Sie verläuft oft tödlich. Druckkammern, die Betroffene retten könnten, stehen in den Fischereikommunen nicht zur Verfügung.

Auch das Freizeittauchen verursacht Schäden. Schlecht ausgebildete und unerfahrene Taucher, häufiger Männer als Frauen, schlagen mit ihren Flossen auf Korallen und brechen Stücke ab. Sie versuchen, Fische und Federsterne zu berühren, und lassen sich von großen Meeresschildkröten durchs Wasser ziehen. Zugleich liegt im Freizeittauchen auch eine Chance für den Erhalt der philippinischen Unterwasserwelt.

Tauchtourismus als Wirtschaftsfaktor

Tauchtourismus ist ein wichtiger Treiber der wirtschaftlichen Entwicklung in vielen philippinischen Regionen. Einige der besten und bekanntesten Tauchgebiete weltweit sind hier zu finden: das Tubbataha-Riff, seit 1993 UNESCO Welterbe, das Apo-Riff, Coron mit seinen bizarren Weltkriegswracks, Malapascua mit seinen Fuchshaien, Anilao, das Nacktschnecken-Paradies, Apo Island mit einer Vielzahl an Schildkröten und den behäbigen Anglerfischen. Über 300 Tauchbasen im Land gehören zum Netzwerk der bekanntesten Tauch-Zertifizierungs-Organisation Professional Association of Diving Instructors (PADI). Zahlreiche andere sind mit weiteren Organisationen verbunden.

In der Frühzeit des Tauchtourismus in den Philippinen in den 1970er und 80er Jahren waren Betreiber*innen der Tauchbasen, Tauchlehrer*innen und Guides überwiegend ausländischer Herkunft, vor allem aus Europa. Das hat sich inzwischen geändert. Auch wenn es in der Freizeit-Tauchindustrie noch immer viele Ausländer*innen gibt, ist die Mehrheit der dort Tätigen nun einheimisch.

Das Tourismusministerium misst dem Tauchtourismus große Bedeutung und ein starkes Wachstumspotenzial zu. Das Ministerium schätzt, dass etwa fünf Prozent der ausländischen Tourist*innen Freizeittaucher*innen sind. Das Einkommen aus Tauchtourismus weltweit wurde für 2022 mit knapp vier Milliarden US-Dollar angegeben. Zahlen für die Philippinen sind nicht bekannt. Man geht aber davon aus, dass Tauchtourist*innen über eine höhere Bildung und ein größeres Einkommen verfügen, mehr Nächte im Land verbringen und pro Tag mehr ausgeben als der Durchschnitt der Tourist*innen. Hinzu kommt eine stark wachsende Zahl einheimischer Taucher*innen.

Philippinen, Tauchen, Tourismus

Vom Autor aufgenommener Anglerfisch © Christoph Dehn

In agrarisch geprägten Gesellschaften sind Konzepte von Urlaub und Freizeit einer kleinen Schicht von Grundbesitzenden und anderweitig Wohlhabenden vorbehalten. In der Ära der Call Center und des so genannte Business Process Outsourcing eröffnen sich für gebildete, Englisch sprechende junge Menschen zahlreiche Möglichkeiten, um mehr zu verdienen als sie für den unmittelbaren Lebensunterhalt brauchen. Seitdem boomt auch der lokale Tourismus, einschließlich des Tauchtourismus. Hinzu kommen die Überweisungen der philippinischen Arbeitsmigrant*innen, die zahlreichen Familien einen Lebensstil jenseits ihrer eigenen Einkommensmöglichkeiten eröffnen.

Schutz der Tauchgebiete

Für viele Fischereigemeinden ergeben sich daraus neue Perspektiven. Wo die Fischerei fast nichts mehr einbringt, lässt sich mit Beherbergung und Verköstigung von Tourist*innen, mit dem Verleih von Tauch- und Schnorchelausrüstung, mit Bootstouren und -verleih, Tauchunterricht und Tauchführung ein Einkommen erzielen. Dazu gehören allerdings intakte Korallenriffe.

Bisher gibt es für die Philippinen keine wirklich belastbare Berechnung des ökonomischen Werts intakter Korallenriffe. Eine Studie von 2018 schätzt den Total Economic Value eines Korallenriffs aus Fischerei, Gesundheits- und Freizeitwert auf etwa 140.000 US-Dollar pro km² und Jahr. Viele Gemeinden haben daher inzwischen Initiativen für den Schutz ihrer Riffe ergriffen, Meeresschutzgebiete ausgewiesen, eine Gruppe von Wachleuten namens Bantay Dagat mit ihrem Schutz beauftragt, und erheben Gebühren für den Zugang zu den Riffen. Feste Bojen werden angelegt, damit die Tauch- und Freizeitboote die Korallen nicht mit ihren Ankern zerstören. Tauchbasen, einheimische Nichtregierungsorganisationen, Lokalverwaltungen und Schulen engagieren sich in Umweltbildung. Apo Island, die kleine Insel vor Dumaguete auf Negros und eines der bekanntesten Tauchgebiete, hat seine Korallenriffe bereits vor dreißig Jahren unter Schutz gestellt und erhebt Gebühren von allen Besucher*innen. Hier kann man eine unvergleichlich schöne Unterwasserwelt erleben und große Seeschildkröten beim Weiden in den Seegraswiesen beobachten. Fischerei spielt kaum noch eine Rolle. Die Riffe sind dafür einfach zu kostbar.

Creative Commons Lizenzvertrag
Dieser Text erscheint unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz


3 | 2023, Philippinen,
Autor*in:

Fuchshaie und Korallenschutt – Tauchen auf den Philippinen

Südostasien: Wasser ist die Quelle allen Lebens und zugleich drastischen Eingriffen durch den Menschen ausgesetzt. Vier bewegende Kurzfilme zeigen uns die Gefahren auf – und rufen uns auf zur Veränderung.

Auf der Plattform Cinemata sind rund 5.000 frei zugängliche Filme und Dokumentationen zu sozialen und Umweltthemen aus der Asien-Pazifik-Region versammelt. Die Redaktion der südostasien hat eine Auswahl von Kurzfilmen rundum das Thema Wasser zusammengestellt.

Küstenerosion – Wenn Häuser im Meer versinken

Die rasant voranschreitende Erosion der Küsten trifft vor allem die vor Ort lebenden Menschen. Ursache ist die Übernutzung der Küstengebiete durch Siedlungen, Aquakulturen, Fischzucht und Landwirtschaft. Der Kurzfilm Weaving Hope on North Java Coast der Indonesian Nature Film Society (INFIS) beleuchtet die Folgen des stetigen Landverlustes an der Nordküste der indonesischen Insel Java. Die Aufnahmen zeigen, wie das Meer den Bewohner*innen der Küstenstreifen den Lebensraum quasi unter den Füßen wegspült – Häuserreihe für Häuserreihe.

Im Film berichten die Bewohner*innen, wie sie ihre Häuser verlieren – und wie auch die Tourist*innen immer mehr ausbleiben. Die Erzählungen fesseln und erschüttern zugleich. Aufgeben möchten die dort lebenden Menschen ihre Heimat jedoch nicht. Stattdessen kämpfen sie. Sie bauen Wellenbrecher und pflanzen Mangroven, um die Küstengebiete zu schützen. Auch wenn die Maßnahmen kostspielig und mit großen Mühen verbunden sind, zeigen sie bereits erste Erfolge und die Küste ist nun vor der direkten Kraft der Wellen geschützt. Das gibt Hoffnung für eine Zukunft mit mehr Sicherheit.

(Eileen Kristiansen)

Weaving Hope on North Java Coast. 2019. Indonesia Nature Film Society. Indonesien. 13 Minuten

Haie – Der Kampf um die Flossen

Obwohl Haie an der Spitze der marinen Nahrungskette stehen, sind auch sie Opfer des menschlichen Handels und seit Jahren stark bedroht. Der Kurzfilm Sharks, Balancing The Ocean zeigt den Alltag und die Auswirkungen des Haifischfangs in der indonesischen Provinz Aceh.
Viele Bewohner*innen Indonesiens leben vom Fischfang. In einigen Teilen haben sich Fischer*innen auf das Fangen von Haifischen spezialisiert. Ein lukratives Unternehmen, denn Hongkongs und Chinas Nachfrage nach Haifischflossen ist groß. Die Folgen der Überfischung zeigen sich schon in den stark zurückgehenden Beständen, was sich wiederum im Rückgang der Fänge widerspiegelt.

Der Film lässt lokale Fischer*innen und Umweltschützer*innen zu Wort kommen und zeigt so die Realität der Hai-Fischerei aus verschiedenen Perspektiven. Dieser Interessenkonflikt wird untermalt mit sehr verschiedenen Bildern, von lebendigen, farbenfrohen Korallenriffen bis zu Fischmärkten voller Blut, auf denen Haie zerlegt und verkauft werden.

(Eileen Kristiansen)

Sharks, Balancing The Ocean. 2014. Gekko Studio. Indonesien. 14 Minuten

Strom aus dem Fluss

Nicht alle Haushalte auf den Philippinen sind zuverlässig mit Strom versorgt. Auch dort, wo die Regierung Elektrizität gewährleistet, fällt der Strom immer wieder aus. Der Kurzfilm [S]ILAW: ISANG Dokumentaryo (Light) zeigt, wie dieses Problem in der entlegenen Gemeinde Katablangan seit 20 Jahren erfolgreich und nachhaltig gelöst wird.

Die ethnische Gruppe der Isneg verfügt weder über Mobilfunknetze noch über Straßen, die mit Autos befahrbar sind. Doch seit 2002 gewinnt sie zuverlässig ihren eigenen Strom aus dem nahen Matalag-Fluss – mittlerweile 24 Stunden am Tag. Ein Verein lokaler Farmer*innen installierte mithilfe der Firma SIBAT (Sibol ng Agham at Teknolohiya) ein kleines Wasserkraftwerk. Der Film zeigt, wie die konstante Stromzufuhr sich positiv auf den Dorfalltag auswirkt. Es gibt zum Beispiel eine strombetriebene Waschmaschine, ein Fernsehgerät, Licht für Zusammenkünfte im Dunkeln und eine eigene Eisproduktion für die Kinder. Neben Akteuren wie dem Dorfvorsteher und einem Mitarbeiter von SIBAT werden im Film auch lokale Politiker*innen gezeigt, die sich den Erfolg des Projektes ohne eigenes Zutun zu Nutze machen wollen.

Der Film endet mit einer – leider viel zu kurzen – Erläuterung zu existierenden Plänen für Großstaudammprojekte in der Region und lässt somit viele Fragen offen. Dennoch wird an diesem Beispiel deutlich, wie sich Infrastruktur auf der lokalen Ebene verbessern lässt – mit Hilfe der Natur und nicht gegen sie.

(Kathrin Stopp)

[S]ILAW: ISANG Dokumentaryo (Light), 2022, Kodao Productions, Philippinen, 16 Minuten

Zerstörerische Staudämme

Talsperren – das sind gigantische Bauwerke, die den Wasserhaushalt stabilisieren sollen, oftmals mit massiven ökologischen und gesellschaftlichen Folgen, die noch viel zu wenig beleuchtet sind. Unlocking Bengoh folgt den Einwohner*innen rund um die Bengoh-Talsperre in Sarawak, Malaysia, die ihre Dörfer verlassen mussten, da diese überflutet wurden.

Die Bengoh-Hügelkette erhebt sich unweit der Millionenstadt Kuching, die von Wasserknappheit bedroht war. Um dem entgegenzuwirken, baute man 2004 eine Talsperre am Fluss Sarawak. Die Lösung für die Dörfer, die dadurch unbewohnbar wurden: das Bengoh Resettlement Scheme, eine knapp 20 Kilometer entfernte Neuansiedlung. Den Einwohner*innen wurden Häuser, Ackerland und eine gute Infrastruktur versprochen.

Die Realität sieht allerdings anders aus: unfertige Häuser, unfruchtbares Ackerland, unwegsame Straßen. Zudem zeigt die Dokumentation deutlich, dass die Talsperre funktionierende Öko- und Sozialsysteme zerstört hat. Unlocking Bengoh wurde von malaysischen Urlaubern gedreht und ist eine Mischung aus Landschaftsaufnahmen, Gesprächen mit umgesiedelten Menschen und Ausschnitten aus älteren Dokumentationen über das Talsperren-Projekt. Letzten Endes zeigt der Film, dass die Bewohner*innen allein gelassen wurden – von den Planer*innen des Projekts, aber auch von Politiker*innen in Kuching.

Die Dokumentation hinterlässt den Eindruck, dass es zu spät ist und dass die Umwelt und die Kultur der Dörfer nicht mehr zu retten seien. Politiker*innen und Planer*innen kommen nicht zu Wort. Auch das weiter gefasste Phänomen der Wasserknappheit thematisiert der Film nicht. Dennoch ist Unlocking Bengoh ein wichtiges Porträt indigener Rechte im Kontext von Talsperren in Südostasien – ein Thema, dem angesichts weiterer derartiger Vorhaben mehr Aufmerksamkeit gebührt.

(Lena Mrotzek)

Unlocking Bengoh, 2021, Freedom Film Network, Malaysia, 25 Minuten

Dieser Artikel erschien zunächst in der südostasien Ausgabe 2|2024 – Alles im Fluss? Wasser in Südostasien und ist Teil der südostasien – Sonderausgabe Buchmesse

Creative Commons Lizenzvertrag
Dieser Text erscheint unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz