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Suhartos langer Arm in der BRD

Indonesien Rezension Studierende

Fast dreißig Jahre lang überwachte und bedrohte die indonesische Regierung unter Suharto ihre in Deutschland Studierenden – mit der Folge, dass viele sich wehrten und politisch aktiv wurden. West-Berlin 1982. © Ato Sulaiman

Indonesien: Indonesische Studierende wurden in Deutschland von der eigenen Regierung überwacht und bedroht. Handelte es sich um Einzelfälle oder systematisches Vorgehen? Wie reagierte die Bundesregierung? Fragen wie diesen geht das lesenswerte Buch „Zwischen Repression und Opposition“ nach.

„Die Bundesregierung sollte nicht dulden, dass auf ihrem Gebiet totalitäre Ansprüche ausländischer Regierungen verwirklicht werden können“, mit diesem Satz endet 1967 ein Artikel in der Freiburger Studentenzeitung, in dem berichtet wird, dass die indonesische Regierung unter Suharto indonesische Studierende in Deutschland überwacht, drangsaliert und bedroht.

Wie genau sahen diese Repressionen aus? Geschahen sie zeitlich und örtlich begrenzt? Wie hat die Bundesregierung reagiert? Wie die deutsche Öffentlichkeit? Und wie gingen die Studierenden damit um? Diese Fragen stellte sich die Lehramtsanwärterin Irina Grimm als sie den Artikel Jahrzehnte später las. Für ihre Abschlussarbeit ging sie auf die Suche nach Antworten. Sie hat Quellen recherchiert, Dokumente zusammengetragen, mit Zeitzeugen gesprochen und alles stringent und sehr gut lesbar aufgeschrieben. Zwischen Repression und Opposition. Indonesische Studierende in der Bundesrepublik (1965-1998) bringt Licht in ein dunkles und bisher unerforschtes Kapitel indonesischer Zeitgeschichte.

Indonesien Rezension Studierende

Buchcover “Zwischen Repression und Opposition. Indonesische Studierende in der Bundesrepublik (1965-1998)” © regiospectra Verlag

In einem ersten Kapitel geht die Autorin kurz auf die politische Situation in Indonesien nach 1945 ein. Zentral sind dabei der Putschversuch von 1965, die darauf folgenden anti-kommunistischen Massaker sowie die Machtergreifung von General Suharto, dessen Politik der Neuen Ordnung eine wirtschaftliche Öffnung des Landes für westliche Unternehmen vorsah. Grimm schreibt dazu: „Suhartos Regentschaft zeichnete vor allem ein straffer anti-kommunistischer Kurs aus, der vom Westen wohlwollend gesehen und gleichzeitig gefördert wurde.“

Westdeutschland als beliebter Studienort

In den Folgejahren zog es viele Studierende aus Indonesien an westdeutsche Universitäten: 905 waren es im Wintersemester 1967/68, in den folgenden zehn Jahren stieg ihre Zahl auf über 3.400 an. Westdeutschland war beliebt unter indonesischen Studierenden, die es ins Ausland zog: Rund 38 Prozent der im Ausland studierenden Indonesier*innen entscheiden sich Ende der 1970er für ein Studium in der BRD. Die meisten traten der Vereinigung Indonesischer Studierender (PPI) bei, die bereits 1956 gegründet worden war. In ihr fand man Anschluss und unterstützte sich in der Fremde. Obwohl die Vereinigung von Anfang an als regierungsnah galt, war die Mitgliedschaft zunächst freiwillig. Nach der Machtergreifung Suhartos wurde sie Pflicht und die PPI in den Folgejahren zum Instrument des staatlichen Anti-Kommunismus.

So mussten die Studierenden Ende 1966 in Deutschland ein patriotisches und anti-kommunistisches Gelöbnis auf den indonesischen Staat ablegen, in dem sie auch versprachen, „diejenigen, die sich gegen die ‚Neue Ordnung‘ stellen, tatkräftig zu verurteilen und zu liquidieren“. Grimm nimmt an, dass diese Aufforderung „auch den Boden der BRD mit einschloss“ und sieht bewiesen, „dass die indonesische Regierung ihre im Ausland studierenden Landsleute zur Verfolgung kommunistischer und oppositioneller Gruppen im Ausland, insbesondere in der Bundesrepublik in den Jahren 1966 und 1967 aufrief“.

Beipflichten, verdächtigen, denunzieren

Aber damit nicht genug. Beaufsichtigt von Mitarbeiter*innen des indonesischen Außenministeriums mussten die Studierenden – wie alle im Ausland lebenden Indonesier*innen – einen umfangreichen Fragebogen ausfüllen. Er diente nicht nur dazu, die Studierenden politisch zu durchleuchten, sie wurden auch aufgefordert, diverse Verdächtigungen zu äußern und Andersdenkende zu denunzieren. In geschlossenen Fragen wurden außerdem eine eindeutige Stellungnahme zu den Geschehnissen von 1965 sowie eine Beurteilung der in diesem Zusammenhang verhängten Todesurteile gegen (vermeintliche) Kommunisten/Putschisten verlangt.

Eine Übersetzung des Fragebogens ist im Anhang des Buches abgedruckt. Beim Lesen der rund 40 Fragen schaudert es einen auch jetzt noch. Nicht auszudenken, in welcher Zwickmühle sich die jungen Menschen damals befanden: sich fügen und in Ruhe studieren oder sich weigern und die Konsequenzen tragen? Diese wurden deutlich angedroht: Wer sich widersetzt, dem wird der Reisepass nur noch kurz oder gar nicht mehr verlängert. Dank derjenigen, die sich weigerten und die Dokumente sofort weitergaben, erfuhr die Öffentlichkeit schnell von den Repressionen. Schon Anfang 1967 druckten die wus nachrichten des World University Service das Gelöbnis samt Fragebogen in deutscher Übersetzung ab. Wenig später berichteten auch der Stern und die Zeit.

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Indonesische Studierende demonstrieren in West-Berlin 1982. © Ato Sulaiman

Studentische Solidarität und staatliche Gleichgültigkeit

Deutsche Kommilitonen*innen und ihre Medien solidarisierten sich mit den indonesischen Studierenden. Sie forderten die Bundesregierung auf, „die illegalen Handlungen der indonesischen Botschaft“ zu unterbinden. Doch diese verwies auf „die freundschaftlichen Verhältnisse zur Republik Indonesien“ und darauf, dass indonesische Diplomaten bei einer Unterredung im Auswärtigen Amt erklärte hätten, zukünftige Befragungen zu unterlassen. Eine öffentliche Verurteilung gab es nicht. Grimm bezeichnet die Reaktion als „politisches Armutszeugnis“ und nimmt an, „dass die Bundesregierung ihre guten Beziehungen, besonders wirtschaftlicher Art (…) nicht gefährden wollte“. Außerdem – doch das erwähnt die Autorin nicht explizit – war der antikommunistische Kurs, für den Suharto stand und von dem die BRD wirtschaftlich profitierte, zu dieser Zeit ohnehin der herrschende Zeitgeist im Westen.

Politischer Aktivismus entsteht

Im zweiten Teil des Buches berichtet die Autorin, wie in den 1970er Jahren in Deutschland eine Bewegung gegen das Regime Suharto entstand. Ein wichtiger Zeitzeuge ist Pipit Rochijat, der später die NGO Watch Indonesia! gründete. Auf seinen Aussagen und Dokumenten – die Pipit auch selbst unter dem Titel Dokumen Berlin auf Indonesisch veröffentlicht hat – basiert der größte Teil von Grimms Recherche zu diesem Zeitabschnitt. Als politisch unbedarfter Student kam Pipit 1971 nach West-Berlin und wurde sukzessive zum Oppositionellen.

Grimm zeichnet nach, wie sich unter den indonesischen Studierenden in Deutschland der politische Aktivismus formte, Vorreiter waren dabei Studierende der West-Berliner PPI. Ein „erstes Zeichen einer Opposition“ sieht Grimm in der Weigerung einiger, 1977 an der Gedenkfeier zum „Tag des Pancasila-Sieges“ teilzunehmen – einen Feiertag, den Suharto eingeführt hatte, um an die Niederlage der kommunistischen Partei PKI von 1965 zu erinnern. In den Folgejahren gewann der politische Aktivismus der West-Berliner PPI-Mitglieder an Fahrt – vor allem durch verschiedene neu gegründete kritische Zeitschriften, in denen sie als Redakteur*innen tätig waren und „konstant kritisch gegenüber der indonesischen Regierung“.

Die Repressionen seitens der indonesischen Regierung gingen bis zum Ende der Suharto-Zeit auf vielfältige Weise weiter – wie zum Beispiel „ein landesweites Programm der politischen Indoktrination“, das Ende der 1970er Jahre begann und offiziell P4 genannt wurde. Auch die in Deutschland studierenden Indonesier*innen mussten diese zweiwöchigen Seminare besuchen, die der „Niederschlagung der Opposition“ dienten.

Irina Grimm beschreibt die Ereignisse klar nachvollziehbar und so eindrücklich, dass man sogar die Fußnoten mit Interesse liest. Die nehmen – wie es sich für eine ordentliche wissenschaftliche Arbeit gehört – gern auch mal eine halbe Seite ein, tragen aber meist wissenswerte Details zur Geschichte bei. Das alles macht das Buch zu einem spannenden Dokument indonesischer – und zugleich auch deutscher – Zeitgeschichte.

Rezension zu: Irina Grimm. Zwischen Repression und Opposition. Indonesische Studierende in der Bundesrepublik (1965-1998). regiospectra, 2019, 150 Seiten, 19,90 Euro.

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Suhartos langer Arm in der BRD

Philippinen: Im Interview berichtet die Fußballspielerin Alyanna Yatco von ihrem Weg in die U15-Nationalmannschaft und ‚das Leben danach‘

südostasien: Wann und warum bist Du Fußballerin geworden?

Alyanna Yatco: Als ich anfing, war ich elf Jahre alt. Schon als Kind sah ich, wie mein Onkel für sein Highschool Team spielte. Er hatte früh zu spielen begonnen. Als ich ihn beobachtete, war er also richtig gut. Mich hat motiviert, ihn mit seinen Teamkameraden beim Training und den Spielen zu sehen. Zu sehen, wie sie zusammen abhängen, essen, spielen und sogar zusammen lernen – das hat mich dazu gebracht, auch in einem solchen Team sein zu wollen. Bevor ich mit Fußball anfing, bin ich geschwommen und habe Taekwondo gemacht. Allerdings waren das Einzelsportarten.

Welche Herausforderungen brachte der Umstieg in den Mannschaftssport?

Eine Herausforderung war, mit den anderen Spieler*innen während des Spiels zu kooperieren. Meine bisherige Erfahrung war: „Wenn ich nicht gut bin, enttäusche ich mich nur selbst.“ Aber beim Fußball leidet die ganze Mannschaft, wenn ich keine Leistung bringe. Es geht um das „Wir“ und nicht mehr um das „Ich“. Ein weiteres Hindernis war, dass Fußballturniere meist in älteren Altersklassen ausgetragen werden. Für Kinder unter 15 Jahren wird eine gemischte Mannschaft gebildet, in der sowohl Mädchen als auch Jungen spielen. In der Mannschaft sind auch immer mehr als 11 Spieler*innen zum Einwechseln. Gegen die Jungs anzutreten war ein Unterschied wie Tag und Nacht. Du triffst auf Jungs, die wissen, wie sie ihren Körper einsetzen müssen, um dich zu blockieren oder dir den Ball abzunehmen.

Hat Deine Familie Dich ermutigt?

Da mein Onkel bereits spielte und wir unter einem Dach wohnen, waren sie sehr hilfsbereit. Die Schule, für die ich anfing zu spielen, war die Schule meines Onkels. Sie waren sehr entspannt, wenn es um das Programm, die Trainer und die Atmosphäre ging. Sie waren wirklich sehr ermutigend, als ich anfing – auch wenn sie lauter Fragen hatten, weil Fußball nicht wirklich als Mädchensport galt. Aber wir haben gemeinsam gezeigt, wie es funktionieren kann.

Wie haben deine Freunde reagiert?

Ich war erst in der fünften Klasse, also fanden meine Freunde es wirklich cool. Davor hatten wir keinen Fußball in der Schule. Meine Freunde und Lehrer fanden es erstaunlich, dass ich für eine andere Schulmannschaft spielte und einen Sport machte, von dem sie bisher nicht viel mitbekommen hatten. Sie gehen an Wochenenden ins Einkaufszentrum oder in die Kirche, während ich normalerweise zum Training oder zu Spielen gehe. Das fanden sie sehr interessant. Sie haben mich dann auch unterstützt und meine Spiele angeschaut.

Du wurdest später in den Kader der U15-Nationalmannschaft aufgenommen. Wie kam es dazu?

Als die älteren Spieler*innen meines Vereins über Fahrgemeinschaften zum Stadion sprachen, fragte ich sie, wohin sie fahren. Sie sagten: „Wir trainieren, um in die U-15 Nationalmannschaft zu kommen“. Damals war ich erst 13 Jahre alt, also habe ich sie gefragt, ob ich mitkommen kann. Sie antworteten: „Okay, aber das ist ein Spiel mit elf Spieler*innen und vielleicht bist du zu jung“. Also bin ich nach Hause gegangen und habe beim Abendessen mit meiner Familie darüber gesprochen. Sie sagten mir, mein Ziel sollte sein, einfach nur dabei zu sein, Spaß zu haben und etwas zu lernen – ohne zu erwarten, dass ich ausgewählt werde. Am nächsten Tag hatten die älteren Spieler*innen Training, dort habe ich gefragt, ob ich mitkommen kann. Sie waren sehr ermutigend und offen, also kam ich mit. Sie waren älter als ich, aber es gab auch andere junge Mädchen, die es auch einfach mal ausprobieren wollten. Ich habe es aber nicht in die Vorauswahl geschafft, ich habe es nicht einmal bis zum letzten Tag des Probetrainings geschafft. Aber ich habe nicht aufgegeben!

Wie ging es dann weiter?

Im darauf folgenden Jahr habe ich mich wieder für ein U-15-Team beworben und wieder waren die Spieler*innen ein Jahr älter als ich. Diesmal wusste ich aber, wie man in einer 11er-Mannschaft spielt, und ich wusste, für welche Position ich mich bewerben wollte. Ich habe es als Verteidigerin versucht, denn beim letzten Mal war ich Mittelfeldspielerin. Ich war so glücklich, als ich ins Trainingslager in Manila kam. Ich fuhr direkt von der Schule quer durch die Stadt, nur um am Nachmittagstraining teilzunehmen. Von zu Hause weg zu sein, war beängstigend und auch ganz neu für mich. Im Camp trainierten wir wochenlang zweimal am Tag. Es war eine Achterbahnfahrt! Bei der Endauswahl wird entschieden, wer zu den Wettkämpfen darf und wer zurück nach Hause geht. Ich kam nicht rein. Ich fing wieder an, hart zu arbeiten. Diesmal wusste ich, was ich verbessern sollte. Ein weiteres Jahr verging und ich versuchte es erneut. Dieses Mal schaffte ich es endlich in die Auswahl!

Was hat sich für Dich in der U-15 Nationalmannschaft geändert?

Nationalspielerin zu sein, ist schön. Aber es bringt auch eine Menge Verantwortung mit sich. Auch wenn du nicht die beste Spielerin im Team bist, schauen kleine Kinder zu dir auf. Wir sind keine Idole, aber ich denke, wir sind dennoch eine Inspiration oder Motivation für andere, noch härter zu arbeiten. Was sich für mich am meisten geändert hat, waren Faktoren abseits der Disziplin. Ich dachte immer, Disziplin sei der einzige Schlüsselfaktor als Spielerin. Aber wenn wir im Ausland an Wettkämpfen teilnahmen, war es wirklich schön, Menschen anderer Ethnien und Nationalitäten zu sehen.

Es war auch schön, in meinen Teamkameradinnen Werte zu sehen, die ich nicht von ihnen erwartet hätte, die aber in diesem Sport wichtig sind.

Um welche Werte geht es?

Entschlossenheit, Gelassenheit und Empathie gegenüber anderen Menschen. Wenn du entschlossen bist, etwas zu tun, bringst du das Beste in dir zum Vorschein, auch in deinen schlimmsten Zeiten. Du setzt dir Ziele, erreichst Lösungen und erreichst so deine Träume. Disziplin kann dich dabei nur unterstützen.

Gelassenheit hilft dir, unter Druck mit Herausforderungen umzugehen und dich unter Kontrolle zu halten. Da alle verschiedene Hintergründe, Umfelder und Erwartungen haben, muss das, was für dich funktioniert, nicht für die anderen funktionieren und andersherum. Empathie hat mir in solchen Situationen geholfen, die Menschen, mit denen ich täglich zu tun hatte, kennen zu lernen und zu verstehen.

Wie hat es sich für dich angefühlt, die Philippinen zu vertreten?

Es war eine Ehre, das Land zu vertreten. Wenn man die Nationalhymne singt und mit der Flagge auf der Brust spielt, ist das, als würde man für die 114 Millionen Filipin@s auf der ganzen Welt spielen. Es ist in vielerlei Hinsicht ein sehr sinnstiftendes Gefühl. Es erfordert eine gute innere Einstellung. Ins Ausland zu gehen, ist einfach, wenn man auf Reisen ist. Aber außerhalb des Landes zu spielen, ist Arbeit. Es erfordert Konzentration, Entschlossenheit und eine Menge Weisheit.

Meinst Du, dass es anders ist, in den Philippinen Fußball zu spielen als anderswo auf der Welt?

Unser Land ist sehr auf Basketball und Volleyball ausgerichtet. Fußball wird erst jetzt bekannt, seit die philippinische Frauen-Nationalmannschaft an der letzten FIFA-Frauen-Weltmeisterschaft teilgenommen hat. Ich finde, dass die Dynamik des Fußballs, die Regeln, die Spielweise und die Terminologie mit denen anderer Länder vergleichbar sind. Aber hinsichtlich Strategie, Bekanntheitsgrad und Technik sieht man eine große Lücke. In anderen Ländern sind die Regeln über Technologie klarer festgelegt, etwa über Videoassistenten, die die Fairness des Spiels erhöhen. Da der Sport hier nicht wirklich bekannt ist, gibt es auch keinen lokalen Fernsehsender, der ihn dauerhaft ausstrahlt. Was den Fußball in den Philippinen aber so interessant macht, ist die Tatsache, dass wir nicht so groß sind wie die Community der Basketballer und Volleyballer, so dass wir uns alle kennen. Die Fußball-Community ist so klein, dass es einfach ist, sich zu treffen und über die aktuellen Ereignisse in der Fußball-Community Bescheid zu wissen.

Seit 2021 studierst du Ingenieurwissenschaften. Wie kannst du Studium und Fußballtraining vereinbaren?

Wir haben von früh morgens bis 8:30 oder 9 Uhr Training. Es gibt Tage, an denen ich um 8:30 Uhr Unterricht habe, dann verlasse ich das Training früher, dusche und gehe direkt zum Unterricht. Ich kann froh sein, wenn ich dann noch einen Keks unterwegs essen kann, aber meistens gehe ich mit leerem Magen zum Unterricht, weil mir die Zeit fehlt. Der Trainingsteil ist eine festgelegte Routine, aber wenn ich eine Trainingseinheit verpasse, weil ich Unterricht habe, dann muss ich ein zusätzliches Training am Nachmittag nach dem Unterricht einschieben.

Der schwierige Teil sind die inhaltlichen Anforderungen im Studium. Denn wenn ich von der Uni nach Hause komme, bin ich meistens müde. Der Schlüssel zur Bewältigung von Fußballtraining und Studium liegt darin, die eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen. Ich schaffe das, indem ich mich vorbereite, also einen Zeitplan aufstelle. „Wenn du nicht planst, dann planst du, zu scheitern“ – nach diesem Motto lebe ich jedes Mal, wenn ein neues Semester oder eine neue Saison beginnt.

Was sind deine Ziele?

Fußballprofi zu werden war eigentlich nie ein realistischer Traum für mich. Ich möchte einfach nur eine erfolgreiche, aber auch fitte Ingenieurin sein. Ich würde gerne meinen Doktor machen, hoffentlich bevor ich 35 Jahre alt bin.

Linus Nolte hat das Interview auf Englisch geführt und ins Deutsche übersetzt.

 

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