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Sport, Spiel und Freizeit in Südostasien

Billiard ist eine beliebte Freizeitbeschäftigung in Südostasien. © Rusty Ferguson. flickr.CC BY-ND 2

Was bedeuten Sport- und Freizeitaktivitäten für die Menschen in Südostasien? Manche schöpfen daraus Kraft und Energie, andere pflegen soziale Kontakte oder traditionelle Bräuche. Schönheitsideale oder die Lust auf Wettkampf sind weitere Motivationen für sportliche Betätigung.

Spiel, Sport und Freizeit spielen für Menschen in Südostasien eine zentrale Rolle im Leben.Es gibt eine große Vielfalt an Sport- und Freizeitangeboten, auch in Form ‚lokaler Sportarten’, wie die Kampfkünste Muay Thai, Kun Khmer, Pencak Silat oder der Federfußball Sepak Takraw. Daneben „eroberten“ auch ‚westliche Sportarten‘ wie Fußball, Badminton, Basketball und Volleyball die südostasiatische Sportwelt.

Sport- und Freizeitaktivitäten sind längst auch ein ernstzunehmender Wirtschaftsfaktor. Sportvereine funktionieren teilweise wie Wirtschaftsunternehmen oder werden von diesen gekauft und kommerzialisiert. Sport und Spiel werden nicht nur aktiv betrieben, sondern – im Zuschauen – auch konsumiert. Werbung, der Verkauf von Rechten, Ausrüstung an Sporttreibende sowie Fanartikeln und die sehr beliebten Sportwetten versprechen riesige Gewinnspannen und haben Einfluss auf Gesellschaft und Politik.

In dieser Ausgabe der südostasien beschäftigen wir uns mit der vielfältigen Welt von Spiel, Sport und Freizeit in Südostasien. Unsere Autor*innen setzen sich mit politischen und gesellschaftlichen Strukturen, Hintergründen und Herausforderungen der vielfältigen Aktivitäten auseinander.

Fußball ist in fast ganz Südostasien unangefochten die beliebteste Sportart. Fanrivalitäten, auch gewaltsam ausgetragen, sind ein bekanntes Phänomen. Staaten sehen im Sport auch die Möglichkeit, sich selbst zu definieren und durch sportliche Erfolge Stolz und Nationalgefühl zu generieren. Sportarten werden dann von der Politik gefördert und erfolgreiche Sportler*innen können zu Berühmtheit und gewissem Reichtum und öffentlichem Ansehen in ihren Heimatländern gelangen.

Im Interview erzählt Dr. Diana Ramos Dehn über ihre außergewöhnliche Basketballkarriere in den 1970er-Jahren in einer bis dahin in den Philippinen ausschließlich von Männern dominierten Sportart. Über Philippinische Sportpolitik zwischen Stolz und Misere schreibt Jörg Schwieger und beleuchtet die Herausforderungen junger Spitzenathlet*innen bei fehlender staatlicher Unterstützung.

Als großes Sportevent spielen die seit 1959 bestehenden Southeast Asian-Games (SEA-Games) eine herausragende Rolle in der Region: Sie sind die einzige internationale Sportveranstaltung, bei der regionale Sportarten vertreten sind. Neben dem Wettbewerb wird Raum geschaffen für einen grenz- und sportübergreifenden Austausch in Südostasien, der das Wir-Gefühl in der Region fördern kann.

Nicht nur im Wettkampf bei den SEA-Games sondern auch im Alltag ist Sepak Takraw aus Südostasien nicht wegzudenken. Sebastian Kelbling zeigt die lange Geschichte und die wichtige Bedeutung dieser im Deutschen „Federfußball“ genannten Sportart, die immer populärer wird.

Eine Motivation für Profisport liegt auch im Ziel, der Armut zu entkommen. Die Fotoreportage von Romi Perbawa und Christina Schott führt uns auf die indonesische Insel Sumbawa. Dort reiten Kinderjockeys Rennen, die aufgrund hoher Risiken und mangelnder Sicherheit sehr umstritten sind.

Wir wünschen euch/ihnen eine erkenntnisreiche Lektüre mit dieser südostasien, die in den kommenden drei Monaten um weitere Artikel wachsen wird. Und schon jetzt weisen wir auf die danach folgende Ausgabe 1/2024 hin. Zum Thema Wahlen, Demokratie und Menschenrechte können potenzielle Autor*innen noch Artikel einreichen.

Viel Freude mit der neuen südostasien wünscht das Redaktionsteam.

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Die Autorin


Laura Faludi hat an der Universität Hamburg Südostasienwissenschaften (Schwerpunkt Vietnam und Indonesien) sowie Friedens- und Konfliktforschung studiert. Sie lebt, forscht und arbeitet seit mehreren Jahren in Südostasien. Sie hat als Beraterin für Menschenrechtsdokumentation und visuelles datenbasiertes Storytelling in Myanmar gearbeitet. Zurzeit ist sie als Friedensfachkraft für den Zivilen Friedensdienst in Myanmar und Thailand tätig. Sie schreibt seit 2015 für die südostasien.

  • Vietnam, Rezension, Männlichkeit

    Vietnam – Viet und Nam (2024) setzt eine queere Liebesgeschichte in den Kontext von historischen Traumata und Modernisierungsdoktrin.

  • Myanmar, Kolonialgeschichte, EIsenbahn

    Myanmar – Das koloniale Burma bestand im Wesentlichen aus einem großen Eisenbahnnetz mit militärischen Hochburgen. Machtausübung durch Schienenbau blieb auch nach der Unabhängigkeit das Mittel der Wahl.

  • Myanmar, FightWorld, Kampfkunst

    Myanmar/Thailand – Zwei zentrale Folgen der Netflix-Serie FightWorld konzentrieren sich auf Südostasiens Kampfkunst. Beleuchtet werden Muay Thai (Thai-Boxen) und sein weniger bekanntes Pendant Lethwei aus Myanmar.

  • Myanmar – Hla ist Rakhine Buddhistin und Nyo Nyo ist Muslim Rohingya. Im konfliktreichen Rakhine-Staat von Myanmar versuchen sie, friedlich miteinander zu leben und Leben zu retten. Wie das geht, zeigt der Dokumentarfilm „Midwives“.

  • Myanmar, Digitalisierung, Protest

    Myanmar – Das Internet kann demokratische Kräfte mobilisieren helfen. Zugleich ist es Schauplatz für Zensur, Hate Speech und Falschmeldungen. Die Aktivistin Htaike Htaike Aung berichtet, wie sie sich für digitale Rechte und den Schutz der Bevölkerung einsetzt.

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Die Autorin


Verena Wittrock hat in Bonn Asienwissenschaften mit Schwerpunkt Regionalwissenschaft Südostasien studiert. Für ihre Masterarbeit war sie mehrere Monate in Nordthailand und hat eng mit der Universität in Chiang Mai sowie verschiedenen ethnischen Gruppen zusammengearbeitet. Sie engagiert sich ehrenamtlich in sozialpolitischen und journalistischen Gremien.

  • Die Werte der Gemeinschaft gut lesbar am Eingang des Dorfes © Verena Wittrock

    Thailand – Im Nord-Westen des Landes kämpft eine kleine Dorfgemeinschaft mit Hilfe von uralter Tradition und der Vermarktung naturschutzorientierter Bio-Produkte um Anerkennung ihrer Identität und die Erhaltung der Biodiversität.

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Der Autor


Dominik Hofzumahaus ist Südostasienwissenschaftler und beschäftigt sich mit verschiedenen Aspekten von Entwicklung, Umwelt und sozialer Gerechtigkeit. Desweiteren arbeitet er in verschiedenen Projekten zu Demokratiebildung und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.

  • Thailand Faiyen Exil Interview

    Thailand – Die aktivistische Band Faiyen agiert seit dem Militärputsch 2014 aus dem politischen Exil – erst in Laos und seit 2019 in Frankreich. Im Interview mit der südostasien berichten sie über ihre Musik als Protestmittel, ihre Zeit im Exil, und warum sie nicht bereit sind, aufzugeben.

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Der Autor


Jörg Schwieger ist evangelischer Theologe und Germanist. Er war von 1982 bis 1986 Geschäftsführer der Aktionsgruppe Philippinen und von 1987 bis 1991 Geschäftsführer des philippinenbüro e.V. sowie danach langjähriger Mitarbeiter im kirchlichen Entwicklungsdienst mit unterschiedlichen (Leitungs-) Funktionen. Er ist freiberuflicher Berater und ehrenamtlich zu Asien, in der personellen Entwicklungszusammenarbeit und lokal zu Integration und kultureller Teilhabe engagiert.

  • Philippinen, Buchmesse, Pressestimmen

    Philippinen/Deutschland – Die Teilnahme der Philippinen als Ehrengast der Buchmesse wird in der philippinischen Presse diskutiert. Mit einigen Auszügen aus der Debatte wollen wir die Breite der Meinungen zeigen.

  • südostasien, Jubiläum, Karikatur

    Südostasien/Deutschland – Gründungsmitglied Frithjof Schmidt blickt zurück auf die Anfänge der südostasien. Bis heute ist er Leser und engagiert sich für die Region.

  • Philippinen, Sportförderung, Olympia

    Philippinen – Spitzenathlet*innen werden mit Diplomat*innen verglichen. Doch ihre Förderung durch den Staat bleibt hinter ihrem Bedarf zurück.

  • Philippinen, Basketball, Frauen

    Philippinen/Deutschland – Von der philippinischen Nationalmannschaft in die deutsche Basketball-Bundesliga. Diana Ramos Dehn spricht über ihre außergewöhnliche Karriere in den 70er Jahren in einer bis dahin von Männern dominierten Sportart.

  • José Rizal

    Deutschland/Philippinen – José Rizal, scharfer Kritiker der spanischen Kolonialherrschaft, lebte zeitweise in Heidelberg und Berlin. 1896 wurde er wegen Hochverrats in Manila hingerichtet. Mary Montemayor berichtet im Interview über das Erinnern an den philippinischen Nationalhelden in Deutschland.

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Der Autor


Hendra Pasuhuk, geboren 1961 in Indonesien, ist Journalist and Trainer für Interkulturelle Kommunikation und Management. Hendra hat viele Jahre als Leitender Redakteur des Indonesien-Programms des Deutsche Welle-Radios (DW) gearbeitet und ist derzeit Redakteur der Asien-Redaktion der DW.

  • Indonesien, Timor-Leste, Geschichte

    Indonesien/Timor-Leste – Die Beziehungen zwischen Timor-Leste und der ehemaligen Besatzungsmacht Indonesien haben sich erheblich verbessert

  • Südostasien, Deutschland, Außenpolitik

    Deutschland/Südostasien – Seit ihrer Gründung vor vierzig Jahren ist die „südostasien“ ein kritischer Begleiter der Asienpolitik der Bundesregierung.

  • südoastasien, Jubiläum, Myanmar

    Südostasien hat sich seit den 1980er Jahren stark verändert. Einige Länder machten demokratische Fortschritte, andere blieben unter autoritärer Kontrolle.

  • Indonesien, Car free Day, Umwelt

    Indonesien – Wöchentlich gibt es einen car free day in einigen Straßen Jakartas und anderer Städte. Unsere Fotostory nimmt euch mit auf die – autofreie – Reise…

  • Indonesien, Deutschland, Special Olympics

    Deutschland/Indonesien – Im Juni 2023 fanden die Olympics World Games 2023 zum ersten Mal in Deutschland statt. 2027 wird Indonesien der Gastgeber sein. Ein Interview mit Warsito Ellwein, Vorsitzender von Special Olympics Indonesia (SOINA).

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Der Autor


Robin Eberhardt hat Südostasienwissenschaften und Politik an der Universität Hamburg studiert und dann einige Jahre in Phnom Penh für verschiedene englischsprachige Zeitungen als Redakteur gearbeitet. Nach Jahren als freier Journalist mit dem Schwerpunkt Südostasien arbeitet er jetzt im Zivilen Friedensdienst als Medientrainer beim Women’s Media Centre of Cambodia.

  • Kambodscha, Troubeling the Water, Tonle Sap, Seiff

    Kambodscha – In „Troubling the Water“ schildert die Journalistin Abby Seiff, wie sich der vom Mekong gespeiste Tonle Sap drastisch verändert – und das Leben der Menschen an seinen Ufern

  • Kambodscha, Kun Khmer, Eh Phouthong

    Kambodscha – Im Interview berichtet der Kickbox-Meister Eh Phouthong über seine Karriere als Profi-Sportler und seine heutige Arbeit als Boxtrainer.

  • Südostasien, Gewalt, Repression

    Südostasien – Die Übernahme der europäischen Idee des Staates führt in den Ländern des südostasiatischen Festlandes zu Gewalt der Herrscher gegenüber ihren Bürgern. Im Interview erläutert der Südostasienwissenschaftler Boike Rehbein die historischen Hintergründe.

  • Vietnam, Hörspiel, Atlas

    Deutschland/Vietnam – Das preisgekrönte Hörspiel „Atlas“ erzählt von drei Generationen vietnamesischer Frauen. Thematisiert werden die Flucht vor staatlicher Gewalt, Arbeitsmigration und die Suche nach der eigenen Familiengeschichte.

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Sport, Spiel und Freizeit in Südostasien

Philippinen/Deutschland: Von der philippinischen Nationalmannschaft in die deutsche Basketball-Bundesliga. Diana Ramos Dehn spricht über ihre außergewöhnliche Karriere in den 70er Jahren in einer bis dahin von Männern dominierten Sportart.

südostasien: Wie kamen Sie dazu, in den Philippinen Basketball zu spielen?

Diana Ramos Dehn: Basketball ist in den Philippinen sehr populär und verbreitet; es ist unser Nationalsport. Seine Bedeutung in der Gesellschaft ist ähnlich wie Fußball in Deutschland. Fast an jeder Ecke, in jedem Dorf, in jeder Schule, an jeder Universität, auf allen öffentlichen Plätzen sieht man Street-Basketball oder sogar ein ganzes Basketballfeld. Street-Basketball wird anders gespielt als Turnierbasketball. Das Feld ist viel kleiner und beide Mannschaften spielen nur um einen Korb. Dementsprechend sind die Regeln natürlich anders. Allerdings sind vorwiegend Männer auf den Spielplätzen zu sehen; kaum Frauen.

Als Kind habe ich mit meinen Cousins viel Street-Basketball gespielt; damals hieß es Backyard-Basketball. Ich konnte relativ gut spielen, vor allem konnte ich präzise Körbe werfen. Während der High School habe ich auch an der Schule viel Basketball gespielt, aber damals war für mich Volleyball interessanter. Außerdem gab es in der Zeit keine Liga für Basketball. Freundschaftsspiele zwischen Schulmannschaften gab es schon. Unsere Schule hatte eine Volleyball-Mannschaft, aber kein Basketballteam. Damals galt Basketball für Mädchen als nicht schicklich und war mehr oder weniger Männern und Jungen vorbehalten. Im Volleyball spielte unsere Mannschaft gegen andere Schulen bis hin zur nationalen Ebene – in der Liga PAVA (Philippine Amateur Volleyball Association). Unsere Schulmannschaft hat mehrere Male den ersten Platz gewonnen.

Was war die nächste Station als Spielerin?

Dann studierte ich an der großen und renommierten University of the Philippines (UP). Dort mussten alle Studierenden Sport-Kurse belegen. Da ich bereits gut spielen konnte und sehr interessiert an Basketball war, immatrikulierte ich mich für einen Anfängerkurs. Meine Sportlehrerin erkannte sofort, dass ich leidenschaftlich und gut spielte und schlug mich für die Universitätsmannschaft vor. Daraufhin wurde ich für einen Probetermin eingeladen, bei dem neue Spielerinnen für die kommende Saison vorgestellt und ausgewählt wurden. Ich wurde ausgesucht und sollte sofort zum nächsten Training kommen. Das Training für das UP Varsity Team dauerte zwei Stunden und fand dreimal pro Woche statt. Während der Liga-Saison trainierten wir manchmal häufiger, aber das Zusatztraining war eher zur Übung der Korb-Würfe. Die Trainingseinheiten waren körperlich anstrengend, weit mehr als in einem normalen Sportkurs. Aber das ‚richtige Spielen‘ in einer Mannschaft fand ich viel attraktiver als Backyard-Basketball mit meinen Cousins.

Außerdem spielte die Universitätsmannschaft in der Zeit in zwei Ligen, der WNCAA (Women’s National Collegiate Athletic Association) und der UAAP (University Athletic Association of the Philippines). Während meiner Karriere in der Uni-Mannschaft gewannen wir in beiden Ligen konsequent den ersten Platz. In meinem allerersten Jahr in der Uni-Mannschaft hatte ich die Ehre, zur besten Spielerin der WNCAA Liga (most valuable player) ernannt zu werden.

Zu dem gab es die Palarong Bambamsa, in denen Basketball-Mannschaften aus den ganzen Philippinen miteinander spielten. Auch hier gewannen wir fast jedes Mal den ersten Platz. Die UP Marrons, wie unser Team hieß, wurden langsam bekannt, auch in manchen Zeitungen wurde über die Frauenspiele geschrieben – allerdings nicht so viel und ausführlich wie über die Männerliga. In dieser Zeit wurde ich auch von Zeitungen und Magazinen interviewt. Ich kann mich nicht erinnern, ob unsere Spiele auch im Fernsehen ausgestrahlt wurden, aber zumindest im Radio wurden sie kurz erwähnt.

Wie ging die Basketball-Karriere dann weiter?

In meinem dritten Jahr als Basketballspielerin gründeten die Philippinen eine Frauen-Nationalmannschaft, die an Spielen zwischen den ASEAN-Staaten teilnehmen sollte. Ich wurde als Nationalspielerin ausgesucht und sogar zur Kapitänin der Mannschaft gewählt. Die ASEAN-Member Games fanden damals in Hongkong statt. Allerdings mussten alle Spielerinnen für ihren Flug nach Hongkong selbst aufkommen, während für die Männermannschaft Sponsoren zahlten. Wir waren nicht so erfolgreich, aber immerhin nicht die letzte Mannschaft in der Tabelle.

Wie wurden die Spielerinnen in der männlichen Basketball-Welt der Philippinen und in der Öffentlichkeit wahrgenommen?

Basketball als Sportart für Frauen hatte einen holprigen Weg bis zur Anerkennung in der Gesellschaft. Es galt als unelegant, weil die Spielerinnen muskulöse Körper bekämen, was nicht dem philippinischen Schönheitsideal entspricht. Auch die Katholische Kirche in den Philippinen sprach sich gegen Frauenbasketball aus, weil die Spielerinnen in ihren Trikots nackte Arme und Beine zeigen. Bis heute ist Frauenbasketball gesellschaftlich nicht so gut akzeptiert wie Männerbasketball. Zur Stereotypisierung von Basketballerinnen gehört auch der Spruch, dass viele Basketballerinnen ‚Lesben‘ seien.

Im Vergleich zur Herren-Nationalmannschaft findet die Frauen-Nationalmannschaft bei lokalen Basketballfans weniger Anklang. Einheimische Spielerinnen haben auch keine nationale Liga, in der sie nach der College-Liga spielen können.

Dann kam ein Angebot aus Deutschland. Wie war das genau?

An der University of the Philippines studierte ich Volkswirtschaft. Eigentlich wollte ich das Studium abbrechen und auf Sportpädagogik umsatteln, um Sportlehrerin zu werden, Aber mein Vater war dagegen und meinte, „Als Lehrerin kannst du deine Familie nicht ernähren!“. Also beendete ich mein Volkswirtschaft-Studium.

Aber die Idee, Sportwissenschaft zu studieren, konnte ich nicht ganz aufgeben. Als ich im vierten College-Jahr war, kam über meinen Schwager, der damals in Göttingen promovierte, ein verlockendes Angebot aus Deutschland: ich könnte beim Verein Göttingen 04 und später BG74 in der ersten Frauen-Bundesliga spielen. Mein Schwager argumentierte, dass ich eine sehr gute Basketballerin sei, die Mitglied der philippinischen Nationalmannschaft und most valuable player war. Ich hatte ihm einige Zeitungsartikel über mich geschickt. Meine Bedingung war, dass ich in Deutschland ein Magister-Studium aufnehmen konnte. So kam es, dass ich Sportwissenschaft und Soziologie an der Universität Göttingen studierte und gleichzeitig Basketball in der ersten Bundesliga spielte. Ich wohnte bei meinem Manager und bekam kostenlose Verpflegung. Mein Manager stellte mir sogar ein Mofa zur Verfügung, mit dem ich zur Uni und zum Training fuhr. Das Training war sehr anstrengend, bis zu fünfmal pro Woche! Dazu kamen fast jedes Wochenende Heim- oder Auswärtsspiele! Nach zwei Jahren in der ersten Bundesliga hatte ich das Glück, ein Stipendium zu erhalten und damit meine finanzielle Abhängigkeit vom Basketball zu lösen. Ich spielte nicht mehr in der Bundesliga, sondern nur noch für die Universität Göttingen.

Was waren die Aufgaben bei Göttingen 04 und wie haben Sie die Spiele in Deutschland verglichen mit denen in den Philippinen erlebt?

Die Frauenmannschaft von Göttingen 04 holte mich ins Team als ‚forward‘ oder Korbmacherin. Im Vergleich zu anderen deutschen Spielerinnen war ich eigentlich zu klein, aber ich konnte schnell dribbeln, gut Körbe machen und relativ hoch springen. Außerdem hatte ich eine relativ hohe Quote, von außen Basketballkörbe zu erzielen. Damals gab es die Dreier-Regeln noch nicht [Wenn ein Korbwurf von außerhalb der Dreipunktlinie auf dem Spielfeld gelingt, zählt er drei Punkte statt sonst 2; d. Red.]. Hätte es sie gegeben, wäre dies noch ein Plus-Faktor für mich gewesen.

Basketball ist in Deutschland selbstverständlich anders als in den Philippinen. Das Training war intensiver und professioneller, die Spiele häufiger. In den Philippinen spielt eine Mannschaft gegen eine andere oft nur ein einziges Mal. In Deutschland gibt es das so genannte Heim- und das Auswärtsspiel. Trainiert wird häufig fünfmal pro Woche, während es in den Philippinen häufig nur dreimal pro Woche war.

Was sicherlich ganz anders war, war die Bedeutung des Basketballs für mein Leben in den Philippinen und hier in Deutschland. In den Philippinen waren die Spielerinnen gleichzeitig gute Freundinnen. Die Sporthalle war fast unser Zuhause. Nach jedem Unikurs ging ich dorthin und spielte mit den anderen Spielerinnen Gesellschaftsspiele, Kartenspiele, oder wir warfen einfach Körbe. Wir gingen auch oft gemeinsam aus und sahen uns zusammen Filme an. Ich habe noch immer Kontakt mit Basketballerinnen von damals. Wenn ich die Philippinen besuche, treffen wir uns für eine ‚Reunion‘.

Im Rückblick: welche Bedeutung hat das Basketballspiel und Ihre ungewöhnliche Karriere für Ihr Leben insgesamt?

Basketball war ein guter Teil meines Lebens. Ich denke, als Gemeinschaftsspiel unterstützte es meine Fähigkeit, beruflich und ehrenamtlich in Teams zu arbeiten. Hinzu kommt das Einüben von Selbstdisziplin und Fairness sowie körperliche Fitness. Auch das Einhalten von Regeln und Grenzen ist mir bis zu einem gewissen Grad wichtig. Mein Selbstvertrauen ist in dieser Zeit meines Lebens sicherlich auch gewachsen.

Das Spiel in Deutschland ermöglichte mir ein Leben ohne Einfluss von meinen Eltern und der Großfamilie. Ich konnte eine große emotionale und finanzielle Selbständigkeit erreichen und mein Verhalten und Denken unabhängig entwickeln. Auch eine gewisse Distanz zu den Werten, Regeln und Denkweisen meiner recht konservativen Großfamilie wurde dadurch ermöglicht. Ich denke auch, dass meine politische Weiterentwicklung unabhängiger wurde.

Später habe ich sogar die ‚Kleinen‘ (Vorschulalter-Mannschaft) in Stuttgart trainiert. Meine Söhne waren auch in der Mannschaft. Hier habe ich versucht, Werte wie Zusammenhalt, Fairness, Kooperation und Diversität zu vermitteln. Beim Basketball geht es nicht zuerst um das Gewinnen, sondern um das Zusammenspiel – darum, Regeln und Grenzen zu lernen und das Beste aus jedem zu entwickeln und dabei Spaß am Sport zu haben.

Ich empfehle jedem jungen Menschen, irgendeinen Mannschaftssport zu treiben. Mannschaftssport wie ich ihn erlebt habe ist eine wunderbare Möglichkeit, die eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln, Stärke und Resilienz zu gewinnen und für das Leben zu lernen.

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Sport, Spiel und Freizeit in Südostasien

In Myanmar lautet ein Sprichwort: „Sport und Politik haben nichts miteinander zu tun“. Doch der Protest gegen die Militärjunta nach dem Putsch vom 1. Februar 2021 ist auch beim Fußball präsent. Viele Spieler zogen sich seitdem zurück.

„In Myanmar ist Fußball der Sport, den das ganze Land unterstützt. Sogar meine fast 70 Jahre alte Mutter sieht sich die Weltmeisterschaft an. Man könnte sagen, dass wir uns für nichts anderes interessieren als für Fußball“, so schildert es Sportkolumnist Ko Moe. Fußball ist in Myanmar durch alle Gesellschaftsschichten hindurch beliebt.

Als sich der ehemalige Fußballnationalspieler Ko Kha Yan nach dem Putsch der Junta von General Min Aung Hlaing erstmals entschloss, sich den Protesten anzuschließen, machte das landesweit Schlagzeilen. Später trat er aus der Nationalmannschaft zurück und streikte. Er spielte auch nicht mehr in der Myanmar National League (MNL). „Jeder Profisportler hat den ultimativen Traum, sein Land zu vertreten. Es ist aber beschämend, unser Land zu repräsentieren, während unser Volk stirbt und das Land in der Dunkelheit liegt. Wenn wir an internationalen Spielen teilnehmen und dort spielen, wird die ganze Welt denken, alles sei normal und nichts wird sich ändern.“

Boykott der Nationalmannschaft

Ko Kha Yan hat sich inzwischen vom Fußball verabschiedet und arbeitet im Familienunternehmen mit. Einige Spieler haben sich dafür entschieden, Myanmar zu verlassen und spielen nun in Thailand, Malaysia und Singapur. Andere wiederum schlossen sich wieder ihren lokalen Vereinen in Myanmar an. Ein Spieler der Mannschaft Yangon United sagt dazu, er habe sich für die Rückkehr entschieden, weil er nichts anderes tun könne, als Fußball zu spielen.

Für manche gab es noch gravierendere Folgen. Chan Bo Bo Nyein, 21, Kapitän der Jugendmannschaft von Hantharwady, wurde am 27. März 2021 bei Demonstrationen in Insein, Yangon, vom Militär erschossen. Der Fußballverband Myanmars (MFF) gab eine Erklärung ab, um sein Beileid auszudrücken, ließ die Todesursache jedoch unkommentiert.

Der erste internationale Auftritt der myanmarischen Fußballnationalmannschaft nach dem Putsch von 2021 war bei der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2022 in Katar. Das Team verlor das erste Spiel gegen Japan mit 0:10 — dem schlechtesten Ergebnis in der Geschichte der Mannschaft. Viele Spieler hatten die Teilnahme aus Protest gegen die Junta verweigert. „Es ist logisch, dass das schlechteste Ergebnis in der Geschichte des myanmarischen Fußballs zustande kommt, wenn die einzigen teilnehmenden Spieler solche sind, die den Diktator wie ihren Vater sehen. Es waren unqualifizierte Leute, die die Gelegenheit nutzten, während das Land in Trümmern lag und Unordnung herrschte“, sagt Ko Kha Yan.

Auch die Fans scheinen die Nationalmannschaft im Stich zu lassen. Die Mehrheit der Bevölkerung boykottiert alle Auftritte der Mannschaft, ob im In- oder Ausland. Seit dem Putsch hat Myanmars Nationalmannschaft 21 Länderspiele bestritten — und nur eines davon gewonnen. Während sie im Dezember 2020 noch auf Platz 137 der FIFA-Weltrangliste stand, fiel sie bis zum 22. Dezember 2022 auf Platz 159 zurück.

Bewunderung für Messi und Ronaldo

Die Abwendung vom nationalen Fußball bedeutet jedoch nicht, dass das Interesse am Fußball gänzlich erloschen ist. In Myanmar gibt es eine ausgeprägte Kultur der Unterstützung von Fußballmannschaften im Ausland. „Obwohl sich die Nationalmannschaft von Myanmar nie für die Weltmeisterschaft qualifiziert hat, haben wir Mannschaften, die wir bei der Weltmeisterschaft unterstützen. Argentinien und England sind in diesem Jahr die am meisten unterstützten Teams“, sagt Ko Moe im Vorfeld der Fußball-WM 2022.

Ko Ye Soe, ein Fan Argentiniens, der die Mannschaft seit mehr als zwei Jahrzehnten verfolgt, sagt: „Es geht nicht darum, dass wir Argentinien lieben oder dass wir Frankreich hassen. Es geht vor allem darum, dass wir den WM-Titel für Messi wollen. Wir wollen ihn, bevor er als bester Spieler der Geschichte in Rente geht. Jetzt ist unser Traum wahr geworden. Er hat die Weltmeisterschaft gewonnen.“ Französische Spieler werden in asiatischen Sportzeitschriften selten erwähnt. Die Region ist eher mit der englischen oder der südamerikanischen Fußballlandschaft vertraut.

Kein Wunder, dass die jahrzehntelange Rivalität zwischen Messi und Cristiano Ronaldo auch die Fans in Myanmar nicht unberührt lässt. Der 21-jährige Ko Chan Nyein Ko ist Anhänger von Portugal, der Mannschaft Ronaldos. „Unter den europäischen Vereinen unterstütze ich Real Madrid und was Nationalmannschaften angeht, unterstütze ich Portugal. Nicht nur wegen der Weltmeisterschaft, sondern weil ich sie schon immer unterstützt habe. Als Argentinien und Frankreich im Finale aufeinander trafen, habe ich Frankreich unterstützt. Ich wollte nicht, dass Messi die Weltmeisterschaft gewinnt.“

Premier League hat viele Fans in Myanmar

Ma Thu Thu Lwin studiert Russisch an der Yangon University of Foreign Languages. Ihr Interesse an der Premier League liegt woanders. „Der Grund dafür, dass ich ein weiblicher Fan der englischen Mannschaften bin, sind die gut aussehenden und hübschen britischen Jungs“, erklärt sie. Es ist nicht das erste Mal, dass englische Spieler eine solche Hingabe wecken. Vor zwei Jahrzehnten schwärmten viele Frauen in Myanmar für Michael Owen, den Starstürmer von Manchester United und der englischen Nationalmannschaft.

Manchester United ist wohl das europäische Team, das in Myanmar am stärksten unterstützt wird. Die meisten älteren Menschen haben sich für „Man U“ entschieden, weil sie in den 1990er und 2000er Jahren eine starke Mannschaft waren. Offizielle Fanklubs veranstalten üppige Partys in Luxushotels wie dem Novotel in Yangon für die Anhänger*innen von Man U, der auch der Lieblingsverein vieler Generäle in Myanmar ist.

Trikots und Schuhe entstehen in Sweatshops

Die Premier League ist bei weitem die beliebteste ausländische Fußballliga in Myanmar, wobei die Menschen ihre Loyalität zwischen den Mannschaften Manchester United, Arsenal, Liverpool und Chelsea verteilen. Die humorvolle Kurzdokumentation The Special One, die 2017 von Tagu Films unter der Regie von Filmemacher Lamin Oo produziert wurde, porträtiert „Den größten Chelsea-Fan aus Myanmar“.

Dieser Fan leitet ein Geschäfts auf dem San Pya Fischmarkt in Yangon und führt es wie eine Fußballmannschaft. Seine Arbeiter*innen tragen ein Chelsea-Trikot als ‚Uniform‘. Wie und wo all diese bunten Trikots hergestellt werden, ist jedoch alles andere als lustig.

Offizielle Trikots, produziert von bekannten Marken, kosten zwischen 90 und 150 US-Dollar. Die von den Spielern getragenen Stollenschuhe kosten mindestens 200 US-Dollar. Die Myanmar Pou Chen Company Limited ist Zulieferer bekannter Marken wie Adidas und Nike, für die einige dieser Kleidungsstücke hergestellt werden. Der Tageslohn der Angestellten beträgt 4800 MMK (etwa zwei US-Dollar).

Am 25. Oktober 2022 forderten rund 2000 Arbeiter*innen eine Erhöhung des Tageslohns auf 8000 Myanmar Kyat (MMK), was 3,80 US-Dollar entspricht. Insgesamt 26 von ihnen wurden von den Fabrikbesitzern entlassen, 16 wurden beschuldigt, einen Protest angeführt zu haben. Die niedrigen Löhne waren nicht der einzige Grund für den Protest, es ging auch um die Arbeitsbedingungen. Die Beschäftigten müssen täglich von weit entfernten Orten außerhalb Yangons anreisen und verlangten daher, dass die Fabrik einen Transport organisiert oder einen Teil ihrer Transportkosten übernimmt. Sie forderten außerdem das Ende unbezahlter Überstunden.

Nach zwei Monaten Arbeitslosigkeit bot die Fabrik an, die zuvor entlassenen Arbeiter*innen wieder einzustellen und stimmte einigen ihrer Forderungen zu. Der neue Vertrag sieht einen geringeren Arbeitsumfang und keine Überstunden vor. Es gibt jedoch andere Punkte, bei denen die neue Vereinbarung scheitert. „Die Arbeiter*innen erhalten den gleichen Lohn. Selbst wenn es viele Aufträge gibt und Überstunden erforderlich sind, wird der Lohn nicht erhöht. Wir werden jedoch mit der Forderung nach einer Lohnerhöhung schrittweise fortfahren“, sagt Ma Phyo Thida Win, eine Arbeitnehmervertreterin in der Fabrik.

In anderen Bekleidungsfabriken gibt es noch besorgniserregende Entwicklungen. Seit dem Putsch sind die meisten Gewerkschaftsführer*innen und viele Mitglieder entlassen worden. Die Rechte von Arbeiter*innen haben sich verschlechtert. Am 28. Februar 2023 wurden zwei Fabriken chinesischen Besitzes, die in Yangons Shwepyithar-Industriezone Kleidung für Primark herstellten, geschlossen. Dadurch wurden mehr als 2000 Arbeiter*innen arbeitslos. Die Schließung dieser Fabriken steht beispielhaft für die wirtschaftliche und soziale Krise, die sich nach der Machtübernahme durch das Militär entwickelt hat. Einem Bericht des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) zufolge hat ein Viertel der Bevölkerung in acht Townships in den Vororten von Yangon (darunter auch Shwepyithar) 2022 kaum ein Einkommen erzielen können.

K(l)icken für die Revolution

Trotz Boykott und Wirtschaftskrise lässt sich mit Fußball immer noch Geld verdienen, nicht nur mit den traditionellen Wett- und Glücksspielen. Junge Menschen unterstützen die Anti-Junta People’s Defense Forces (PDF), indem sie das Interesse am Fußball ausnutzen. Die Revolution kann jetzt durch das Anschauen eines Spiels finanziert werden. Dafür werden auf Webseiten, die Fußballspiele übertragen, Werbegelder gesammelt.

Andere Webseiten bieten Links an, über die Menschen Geld an eine bestimmte Organisation spenden können. Dieses Geld wird dann von den Inhaber*innen der Webseite an bewaffnete PDF- Gruppen überwiesen. Bei diesen Links muss niemand sein eigenes Geld spenden. Stattdessen müssen die Nutzer*innen lediglich auf eine Werbung klicken. Nach dem Anklicken zahlen die Werbetreibenden den Inhaber*innen der Webseite ein paar Cent für jeden Klick. Die Betreiber*innen der Webseite stellen sicher, dass täglich mehrere Links zur Verfügung stehen, sodass es leicht ist, Geld‚’zu spenden‘.

„Click to donate“ ist eine der bekanntesten Formen von Webseiten, mit denen Geld für die Revolution gesammelt wird. Nach Angaben des Betreibers einer solchen Website wurden innerhalb von anderthalb Jahren 1,4 Millionen Singapur-Dollar (1 Million US-Dollar) für Spenden über seine Website gesammelt. Der Erfolg dieser Methode des Spendensammelns zeigt, wie die Liebe der Menschen zum Fußball und der Zugang zum Internet kombiniert helfen können, die Bewegung gegen die Junta zu unterstützen, ohne die ohnehin schon mit finanziellen Problemen kämpfenden Menschen zu belasten.

Fußball und die Fußball-Industrie können als ein Raum betrachtet werden, in dem sich für bestimmte politische Themen eingesetzt werden kann. Fußball kann aber auch als reines Unterhaltungsmedium betrachtet werden. In einer Zeit, in der viele Menschen mit erdrückenden Problemen und Notlagen konfrontiert sind, kann Fußball ein Zufluchtsort sein. Die Frage bleibt, wie solch ein potenzieller Zufluchtsort zugleich Raum für politische Aussagen sein kann. Manch eine*r mag sich auch fragen, ob es überhaupt möglich ist, mit gutem Gewissen unpolitische Unterhaltung zu genießen und daran teilzunehmen, während Mitbürger*innen einen politischen Kampf führen, der Entbehrungen, Risikobereitschaft und Disziplin erfordert.

Übersetzung aus dem Englischen von: Linda Bowes

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Sport, Spiel und Freizeit in Südostasien

Indonesien: Der Sportjournalist Andrin Brändle verbrachte drei Monate mit den Ultras des Fußballvereins PSS Sleman. In seinem Buch „Ein Sommer mit Sleman“ beschreibt er den Alltag der Fußballfans und ihre Reisen zu Auswärtsspielen und gibt so einen lebendigen Eindruck der Fußball-Fan-Szene.

Hast du jemals gefühlt,
einen Lichtschimmer, einen Traum vor Augen zu sehen,
der javanische Super-Adler wird definitiv siegen.
Nach Jahren
fühlt man sich nicht mehr so müde,
Morgen folgt auf den Morgen,
und es gibt immer noch Wünsche.
Es ist eine Ehre,
dich als Helden zu begleiten,
immer weiter zu kämpfen,
Hoffnungen wahr werden zu lassen,
daran zu glauben, dass wir Freunde feiern werden…
Für diesen einen Namen,
voller Stolz in meiner Brust,
werde ich alles geben,
der javanische Super-Adler
wird der Sieger sein.
Ich werde alles opfern,
bis du es geschafft hast…

(Hymne des PSS Sleman)

Meine Familie und ich sind im Februar 2023 von Sleman, einem Regierungsbezirk im Norden der indonesischen Provinz Yogyakarta, in die ostdeutsche Stadt Leipzig gezogen. Vielleicht ist das kein Zufall: Beide Orte sind bekannt für ihre umstrittenen Fußballvereine. Über ‚meinen Verein‘, den PSS Sleman, ist 2020 ein Buch erschienen: Ein Sommer mit Sleman von Andrin Brändle, einem Schweizer Sportjournalisten und Fußballfan. 2019 hatte er den langen Weg nach Yogyakarta auf sich genommen, um dort drei Monate lang bei PSS Sleman die Fankultur im indonesischen Fußball kennen zu lernen. Anfangs habe er noch nicht den Plan gehabt, ein Buch zu schreiben, sagt Brändle in diesem Interview, doch dann habe er so viele Geschichten gefunden, wie die Fan- Subkultur dort gelebt wird, dass er sich entschieden habe, seine Erfahrungen niederzuschreiben.

2023 hat Brändle die indonesische Übersetzung des Buches in Berlin vorgestellt. Grund genug für mich als stolzer PSS Sleman-Fan, drei Stunden mit dem Regionalexpress von Leipzig nach Berlin zu fahren, um bei der Buchvorstellung dabei zu sein.

Indonesische Fankultur erforschen

In Ein Sommer mit Sleman untersucht der Autor die Fankultur der PSS-Sleman-Anhänger, insbesondere der Ultras der Brigata Curva Sud, kurz BCS. Diese hat sich in den 2000er-Jahren von der Kultur der Ultras in Italien inspirieren lassen. Tatsächlich wurde der Name „Brigata“ aus dem italienischen Film L’ultimo Ultras aus dem Jahr 2009 übernommen und später „Curva Sud“ hinzugefügt, weil die Südkurve des Maguwoharjo-Stadions in Yogyakarta als Heimtribüne des PSS Sleman gilt.

Die Fankultur der Ultras hat sich trotz der räumlichen, zeitlichen und kulturellen Entfernung von Italien in Indonesien weiterentwickelt. Auch hier gibt es manchmal Gewaltexzesse. Aber vor allem geht es BCS-Ultra darum, die Spieler nicht nur mit Anfeuern zu unterstützen, sondern auch außerhalb des Stadions zu helfen: etwa mit vitaminreichem Essen oder Fitnessgeräten, die sie durch den Verkauf von Werbeartikeln erstehen. Die Ultras sehen sich als die ‚ewigen Eigentümer‘ des Clubs: Spieler, Trainer und Management können kommen und gehen – aber die Fans bleiben.

Das Selbstverständnis der BCS basiert auf Werten wie Brüderlichkeit und Kampfeswillen, die sich zum Manifest entwickelt haben, das als Leitfaden für die Aktivitäten der Fans dient. Andrin Brändle beschreibt dies prägnant und sehr eindringlich. In der indonesischen Ausgabe Musim Panas Bersama Sleman behandelt er auch die Haltung und Reaktion der BCS-Ultras auf die Tragödie des indonesischen Fußballs im Stadion von Malang im Oktober 2022.

Verein und Ultras: mal Harmonie, mal Konflikte

Das Buch ist in elf Kapitel gegliedert und hat drei große Grundthemen: Das erste ist die Motivation des Autors, der sich bis zum letzten Moment immer wieder fragt, warum er den ganzen Weg aus der Schweiz nach Sleman gekommen war. Das zweite und größte Thema sind die Begegnungen zwischen den Ultras der Brigata Curva Sud und anderen Fans, die mal positiv und konstruktiv, mal aber auch konfliktreich sind. Als drittes beschreibt Brändle die Beziehung zwischen den Ultras der BCS und dem PSS Sleman. Auch hier gibt es mal Harmonie und mal Konflikte. Dabei geht der Autor auch auf Themen außerhalb des Spielfelds ein: auf den Alltag auf überfüllten Straßen, die beschwerliche Arbeit auf dem Land und um die Leichtigkeit, mit der Indonesier*innen neue Bekanntschaften machen.

Ein Sommer mit Sleman ist einfach und sachlich geschrieben, dennoch löste das Buch bei mir starke Emotionen aus. Brändle schreibt kurz und prägnant, ohne das Wesentliche zu reduzieren. Dass ein ausländischer Autor dieses Buch geschrieben hat, macht die indonesische Ausgabe besonders interessant. Das Layout und die Illustrationen sind ungewöhnlich, sie spiegeln ein tiefes Gefühl wieder und unterstützen die Erzählung [in der deutschen Ausgabe wird die Erzählung von den zahlreichen Fotos des Autors unterstützt, d.R.]. Das Buch wirkt außergewöhnlich inspirierend auf mich als Leser. Als ich es zu Ende gelesen hatte, habe ich mich als langjähriger PSS-Sleman-Fan berührt und stolz gefühlt.

Übersetzung aus dem Indonesischen von: Christina Schott

Rezension zu: Andrin Brändle. Ein Sommer mit Sleman. Burkhardt & Partner Verlag. 188 Seiten. 2020
Andrin Brändle. Musim Panas Bersama Sleman. Dibataspagar. 2023

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Sport, Spiel und Freizeit in Südostasien

Südostasien: Das traditionelle Spiel mit dem geflochtenen Ball hat sich über die Jahrhunderte in Südostasien ausgebreitet. Als Wettkampf dient es heute auch zur Identifikation.

Mit einem schnellen Tritt geht der Ball gekonnt über das Netz. Auf der Gegenseite kickt ein Spieler mit seinem Fuß den Ball präzise zurück, so dass ihn die Spieler auf der anderen Seite des Netzes nicht mehr abfangen können. Der Ball kommt auf dem Boden auf: ein Punkt für die Gegenseite.

Sepak Takraw gehört zu den beliebtesten Sportarten in Südostasien, insbesondere in Malaysia und Thailand. Diese zwei Länder haben denn auch dem Spiel gemeinsam seinen Namen gegeben. Sepak kommt aus dem Malaysischen und heißt so viel wie kicken oder stoßen. Takraw hingegen ist ein thailändisches Wort und steht für den geflochtenen Ball.

Spektakuläre Aktionen prägen das Spiel

Der Ball ist eigentlich kein Ball, er ist nicht mit Luft aufgepumpt. Es handelt sich um ein kugelartiges Geflecht aus Rattan. Das gibt dem Ball eine spezielle elastische Eigenschaft. Für diese Sportart erweist sich das als optimal, denn der Ball wird mit dem Fuß – oder genauer: mit dem Fußrücken – über das Netz auf die gegnerische Seite gespielt. Der Rattanball darf mit allen Körperteilen gestoßen werden, außer mit den Händen. Die Spieler*innen springen dabei so hoch, dass sie mit den Füßen dort treten, wo Volleyballer den Block spielen. Dies führt zu so akrobatischen und spektakulären Sprüngen wie Saltos, Scherenschlägen oder gedrehten Fallrückziehern.

Bereits im 15. Jahrhundert sollen die Menschen in Malaysia gegen einen Rattanball getreten haben. Damals war es zunächst ein Circle Game: Die Spieler*innen standen in einem Kreis und versuchten den Ball so lange wie möglich in der Luft zu halten, ohne Hände und Arme zu benutzen. Bei einer neueren Variante, dem Hoop Takraw befindet sich im Zentrum des Kreises auf 5,8 Metern Höhe ein Korb, in den der Ball auf möglichst raffinierte Art befördert werden muss. Das heutige Sepak Takraw hat sich jedoch als Standard durchgesetzt. In Europa hingegen ist das südostasiatische Ballspiel noch relativ unbekannt.

Einstmals eine Domäne der Malaien

Während der Kolonialzeit haben die Engländer stattdessen das Badmintonspiel in Malaysia eingeführt. Neben Tischtennis ist Badminton heute vor allem bei der chinesisch- und indisch-stämmigen Bevölkerung als Freizeitsport beliebt. Sepak Takraw dagegen ist eher eine Domäne der Malaien geblieben, auch wenn der Sport bei anderen Bevölkerungsgruppen im Vielvölkerstaat mittlerweile an Beliebtheit gewinnt.

Sepak Takraw ist außer in Malaysia und Thailand mittlerweile auch in Indonesien, Laos, Myanmar, Kambodscha und den Philippinen zu einer beliebten Ballsportart geworden. In Dörfern, aber auch in den Hinterhöfen städtischer Wohngebiete lässt sich das Feld hierfür schnell abstecken. Ein passendes Netz lässt sich auch leicht finden. Man kann überall spielen, auf weichem oder hartem Grund. Das Spielfeld ist deutlich kleiner als beim Volleyball, das dem Sepak Takraw in vielen Aspekten ähnlich ist. Der Hauptunterschied ist das Spiel mit dem Fuß statt mit der Hand. Mit 1,52 Metern ist das Netz zwischen den beiden gegnerischen Spielfeldern entsprechend niedriger als beim Volleyball.

Wichtige kulturelle Bedeutung

Wegen seiner langen Geschichte hat dieses Spiel auch eine wichtige kulturelle Bedeutung in Südostasien. Es gilt als Symbol nationaler Identität und wird gerne im Rahmen von traditionellen Festen und Feierlichkeiten gespielt. Dadurch werden die Spiele zu wichtigen sozialen Ereignissen. Da es sich im stark muslimisch dominierten Malaysia für Frauen allerdings nicht ziemt, die Beine zum Kicken des Balls so weit in die Höhe zu schwingen, ist das Spiel dort bisher eine Männerdomäne geblieben.

Mehr und mehr gewinnt Sepak Takraw auch als Wettbewerbssport an Popularität. Turniere und Wettkämpfe finden auf lokaler, nationaler und vereinzelt sogar auf internationaler Ebene statt. Das Geflecht aus Rattan hat dabei allerdings schon lange ausgedient. Seit 1984 wird bei Turnieren ein genormter Kunststoffball eingesetzt, der dem ursprünglichen Spielgerät nur noch äußerlich ähnlich sieht.

Sepak-Takraw-Spiele ziehen heute große Menschenmengen an. Beim Anfeuern der Teams entsteht ein Gemeinschaftsgefühl sowie Stolz auf das eigene Land oder auch die ganze Region. Dabei spielen traditionelle Werte wie Fairplay, Teamgeist und Respekt eine Rolle – Werte, die sich in der Haltung der Spieler und Zuschauer widerspiegeln. Das Spiel kann daher helfen, diese Werte zu lehren und zu fördern. Es ermöglicht außerdem ein integratives Umfeld, in dem sich Menschen unterschiedlicher Herkunft und aus verschiedenen sozialen Schichten auf Augenhöhe begegnen können.

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Sport, Spiel und Freizeit in Südostasien

Philippinen: Die Geschichte der Kampfkunst Arnis geht weit in die vorkoloniale Zeit zurück. Der philippinische Nationalsport wird heute auch international ausgeübt.

Sport spielt in den Philippinen eine wichtige Rolle im Leben der Menschen und hat eine vielfältige Bedeutung für die Gesellschaft. Das beginnt schon im Kindesalter mit sportlichen Spielen. Patintero [ein Fangspiel für zwei Gruppen, die Red.], Luksung Baka [eine Art Bockspringen, die Red.], Chinese Garter [ein Sprungspiel, in Deutschland bekannt als Gummi-Twist, die Red.] sind sehr verbreitet. Das beliebteste Spiel ist Langit-Lupa [ein Fangspiel für eine Gruppe, die Red.]. Auf den Philippinen nennt man diese Spiele Larong Kalye oder Straßenspiele. Hier finden Kinder eine Freizeitbeschäftigung, die sie körperlich und geistig fördert.

Die Sportarten werden von kleinen Barangays (Ortsteilen) bis zu nationalen Veranstaltungen ausgetragen. Die Organisation übernehmen sowohl Vereine als auch Gemeinden und Städte.

Noch vor der Kolonialisierung der Inseln im Pazifik waren Spiele ein Teil der sozialen Zusammenkünfte der Insulaner. Die unterschiedlichen lokalen Sprachen wurden und werden durch Sport überbrückt. Das führt zu sozialem Zusammenhalt und zur Stärkung der Gemeinschaft. Gern werden sogar Kampfsportarten wie Arnis spielerisch ausgetragen.

Von der Kriegskunst zur Kampfsportart

Die Kunst des Arnis – auch Kali oder Eskrima genannt – ist ein Teil der Künste und Traditionen der Kriegerkaste Maharlika.

Diese Kriegskunst umfasst verschiedene Aspekte des Kampfes, insbesondere bewaffnete Auseinandersetzungen mit Lang- und Kurzschwertern, Messern, Speeren sowie Ringen und Schlag- und Tritttechniken. Zu den besonderen Fähigkeiten eines Arnis-Kämpfers gehört der gleichzeitige Einsatz von zwei Waffen und die Verteidigung mit Alltagsgegenständen. Die Ausbildung erfolgt in der eigenen Clan-Gemeinschaft, oft mit Hartholz- oder Rattan Stöcken, um Verletzungen zu vermeiden.

Heute ist Arnis eine der auf Waffen basierenden Kampfsportarten des Landes, die unter dem Oberbegriff Filipino Martial Arts zusammengefasst werden. Neben Nahkampf-, Greif- und Entwaffnungstechniken werden Bastons (Stöcke) aus Rattan oder Kamagong-Holz, Messer, Klingen, Speere, Bolo (Haumesser), der indonesische Dolch kris und das einschneidige Schwert kampilan aus Mindanao verwendet.

Arnis ist auch bei internationalen Wettkämpfen eine etablierte Sportart und eine Disziplin bei den Südostasienspielen. Seit 2010 ist Arnis der offizielle Nationalsport der Philippinen. Er muss an allen philippinischen Schulen gelehrt werden.

Kolonisierung und Verbot der Arnis-Kampfkunst

Aus der vorkolonialen Zeit erzählt man sich bis heute Geschichten der Kriegerin Urduja der Yuan-Dynastie. In weiteren Legenden ist die Rede von Lam-Ang und dem Sonnen- und Kriegs-Gott Apo Laki als Meistern der Kunst. Für die kolonialen Eroberer stellten die Kampfkünste der Einheimischen eine Gefahr dar, da sie deren Selbstbewusstsein stärkte. Eine blutige Auseinandersetzung wie jener, bei der Fernando Magellan 1521 durch philippinische Soldaten unter Lapu-Lapus Kommando getötet wurde, war für die Kolonialisierung ein Hindernis.

Wegen der selbstbewussten und tapferen Krieger der Inseln gelang es den Spaniern erst im Bündnis mit einheimischen Adligen, das Land zu erobern. Dies schwächte das politische Gleichgewicht im Archipel. Die Einheimischen konnten keine effektive Streitmacht gegen die Spanier aufstellen. Das Verbot der Kunst des Arnis durch die spanische Kolonialmacht im Jahr 1764 war ein Herrschaftsinstrument. Die Krieger mussten ihr Können im Geheimen praktizieren und es oft mit Folkloretänzen verbinden. So bewahrten sie ihr Wissen für die Nachwelt.

Seit 1899 haben die USA mit der Übernahme der Philippinen als Kolonie von Spanien und der Befreiung von der japanischen Besatzung im Zweiten Weltkrieg die Regierung und das Militär bis zur heutigen Zeit geprägt.

Im Zweiten Weltkrieg und im Vietnamkrieg setzten die USA philippinische Soldaten ein, darunter den in Westpoint ausgebildeten späteren philippinische Präsident Fidel Ramos. Der Mythos, dass die USA gezielt Arnis-Meister angeworben hätten, ist aber nicht belegt. Die von den USA angeworbenen Soldaten aus dem Archipel waren meistens keine Arnis-Experten. Eine Ausnahme bildete der Arnis-Großmeister Leo Giron, der bereits in den zwanziger Jahren in die USA gegangen war, im zweiten Weltkrieg unter Befehl von Douglas Mc Arthur kämpfte und später in Kalifornien die philippinische Kampfkunst populär machte.

Leovigildo Giron, der Begründer des Vereins Bahala Na Giron Arnis Escrima, hatte Techniken aus dem Dschungelkrieg entwickelt, die im Zweiten Weltkrieg Verwendung fanden. Bis 1966 behielt Giron sein Wissen für sich. Der Mord an Krankenschwestern in Chicago änderte seine Meinung. Mit Kenntnissen der Selbstverteidugung hätten die Frauen möglicherweise ihr Leben retten können.

Traditionelle Ausübung oder Verwestlichung?

Traditionell wurde Arnis mit mittelalterlichen Kriegswaffen wie Schwert oder Speer ausgeübt. Nach dem Verbot durch die Spanier wurde Arnis weiterhin praktiziert, allerdings wurden die Schwerter und Speere durch Rattan Stöcke ersetzt. Heute wird die Kampfkunst Arnis mit ihren Bewegungsschemata sowie Kampf- und Verteidigungstaktiken wieder weitergegeben. Mit dem Nutzen von scharfen Klingen und Alltagsgegenständen werden Kampfkunstschüler nach einer langen Ausbildung zu Meistern. Wegen der kulturellen Zerstörung durch die spanische Kolonialherrschaft gibt es kaum Informationen über die Herkunft von Kampfkünsten wie Arnis. Archäologische Funde führten zwar zu einigen Fragmenten. Ob lediglich die Maharlika-Krieger diese Kampfkunst eingesetzt haben, oder ob sie weiter verbreitet war, darüber ist nichts bekannt.

Die Verwestlichung asiatischer Kampfkünste und ihre Integration in den Kampfsport führen dazu, dass mit Arnis immer häufiger Turniere im westlichen Stil abgehalten werden. Diese Turniere umfassen normalerweise freie Kämpfe und Vorführungen von Anyo (Stil). Aufgrund des hohen Verletzungsrisikos beim freien Kampf, insbesondere mit Stöcken, sind die Teilnehmer*innen heute in der Regel verpflichtet, Schutzausrüstung wie Helme, Brustpanzer, Handschuhe zu tragen. Zudem werden die Kämpfe mit speziell präparierten Stöcken ausgetragen. Auch sind manche gefährliche Techniken verboten.

Befürworter der westlichen Wettkämpfe betonen den sportlichen Charakter der asiatischen Künste und argumentieren für deren praktische Anwendbarkeit im sportlichen Kontext. Kritiker hingegen sind der Meinung, dass diese Art von Wettkämpfen dem wahren Charakter und Geist der Künste widersprächen und dass durch die stark reduzierte Anzahl und teilweise veränderten Techniken Arnis an Authentizität verliere.

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Sport, Spiel und Freizeit in Südostasien

Indonesien: Andrin Brändle ist Kenner des indonesischen Fußballs. Der Schweizer spricht über die Stadionkatastrophe von Malang im Oktober 2022, Ultras und strukturelle Gewalt in überfüllten Stadien.

südostasien: Herr Brändle, halten Sie die indonesische Liga für die gefährlichste der Welt?

Andrin Brändle: Ich bin kein Fan von pauschalisierenden Aussagen, aber es ist schon so, dass in Indonesien bei Tumulten immer wieder Menschen zu Tode kommen. Das passiert leider. Beim Spiel von Arema Malang gegen Persebaya Surabaya sind weit mehr als 100 Menschen, darunter viele Jugendliche, gestorben – nach Platzsturm und Tränengaseinsatz der Polizei. Es hat aber auch schon vor dieser Tragödie in jeder Fußballsaison Tote gegeben. Der ehemalige deutsche Torwart Lutz Pfannenstiel, der Ende der 1990er Jahre fast indonesischer Nationaltorhüter geworden wäre, sagte einmal, es würden jedes Jahr über 100 Menschen in indonesischen Stadien sterben. Das war übertrieben, aber es geht anders zu als in Europa.

Diese Vorfälle werden auch anders gewichtet. Wir sehen es daran, dass wenige Tage später schon wieder ein Qualifikationsspiel der indonesischen U17-Auswahl gegen die Vereinigten Arabischen Emirate gegeben hat. Das wäre in Europa undenkbar, wenn zum Beispiel in Deutschland drei Tage vorher so viele Leute zu Tode gekommen wären. Ich glaube nicht, dass der DFB in so einer Situation wieder gegen den Ball treten ließe.

Ein Menschenleben ist in Indonesien offensichtlich weniger wert, die Auseinandersetzung mit dem Tod im Stadion ist kein abstraktes Thema, sondern real. Hinzu kommt, dass Politik und Justiz in Indonesien nicht viel von den Fußballfans halten. Die Politiker und Funktionäre wollen sich über den Fußball in der Welt profilieren, Stichwort U20-WM 2023, der einfache Fan aber wird schnell übergangen. Es fehlen die Kapazitäten, es fehlt das Know-how, um den Todesfällen, auch Morden unter rivalisierenden Fangruppen nachzugehen, sie aufzuklären und investigativ aufzuarbeiten.

Unter welchen Umständen fand das Spiel zwischen Malang und Surabaya statt?

Das war DAS Derby im Osten Javas, der Hauptinsel. In Indonesien gibt es vier große Klubs: Persija Jakarta, Persib Bandung, Arema Malang und Persebaya Surabaya. Das Spiel hat etwas außerhalb von Malang stattgefunden, in Kepanjen. Die Anwesenden haben die erste Heimniederlage von Arema im Derby seit 23 Jahren vor eigenem Publikum erlebt. Das hatte nicht nur damit zu tun, dass die immer gut gespielt haben, sondern Schiedsrichterentscheidungen wurden getroffen, um Menschenmassen im Zaum zu halten. Meine Erfahrung war: In jedem großen Spiel, das ich in Indonesien besucht habe, hat es einen Elfmeter fürs Heimteam gegeben.

Alle Beteiligten sind zufriedener, wenn sie nicht mit Tumulten rechnen müssen. Das Spiel von Malang gegen Surabaya endete 2:3, es fand unter Flutlicht statt. Der Gast hatte vergeblich versucht, die Partie auf den Nachmittag zu verlegen. Dann kommt hinzu, dass grundsätzlich mehr Tickets verkauft werden als erlaubt. Das verschärft die Situation bei Massenpaniken in Stadien, die infrastrukturell suboptimal ausgelegt sind.

Das Stadion in Kepanjen fasst nach offiziellen Angaben 38.000 Zuschauer, es sollen sich aber weit über 40.000 in der Arena aufgehalten haben. Nach der sich abzeichnenden Heimniederlage kam es zum Platzsturm. Die Polizei hat dann relativ rigoros den Innenraum freigeprügelt. Da waren teilweise brutale Szenen von Polizisten zu sehen, die Fans mit Kung-Fu-Tritten niederstreckten. Dann schoss die Polizei massiv Tränengas auf die Ränge. Die Zuschauer wollten fliehen, aber die Ausgänge waren versperrt.

In diesem Fall muss man auch relativierend sagen, dass das Gewaltpotenzial dieser Leute, die da aufs Spielfeld gestürmt sind, enorm ist. Sie haben in den meisten Fällen keine Strafverfolgung zu befürchten. Da geht es auch nicht nur darum, dem Polizisten einen Stein an den Helm zu werfen, sondern manchmal um mehr. Die Polizisten werden zum Feind auserkoren und hart attackiert. Das sind wilde Szenen, die man regelmäßig sieht. Die schlecht operierende indonesische Polizei ist schwer bewaffnet.

Sie hat scharfe Waffen, Reizgas, das in Stadien nach Fifa-Regularien grundsätzlich verboten ist. Problematisch waren auch die geschlossenen Ausgänge. Zudem gibt es in Malang etwa vier Meter hohe Zäune, die von einem gewalttätigen Randalierer problemlos überwunden werden können, aber nicht von einem Kind oder einer Frau im Tränengasdampf.

Sie haben 2019 über mehrere Monate Fans des indonesischen Erstligisten PSS Sleman begleitet, konkret die Gruppierung Brigata Curva Sud. Haben Sie damals ähnliche Szenen erlebt?

Bei Spielen von Sleman habe ich das Glück gehabt, dass es nie zu einer derartigen Situation gekommen ist. Doch ich habe andere Spiele erlebt, wo es zu Ausschreitungen kam und mehrere Menschen starben. Ich war stets als Fotograf am Spielfeld. Da ist mir bewusst geworden, wie wenig es braucht, damit ein friedliches Fußballspiel in ein totales Chaos mündet. Salopp gesagt, habe ich gedacht, naja, die Indonesier, die sind alle einen Kopf kleiner als ich, da kann ich mich auch in schwierigen Momenten zurechtfinden.

Aber ich habe da zum ersten Mal Angst gehabt. Zur schlechten Stadioninfrastruktur kommt die schlechte Koordination der Polizei hinzu – und die rohe Gewalt der Randalierer. Das ist eine krasse Mischung. Erlebt habe ich auch diese Lynchjustiz; ausgebrannte Polizeiautos hat es auch jetzt wieder gegeben. So etwas wie in Malang multipliziert die Wut auf die Obrigkeit.

Die indonesischen Fußballfans zitieren seit den 90er Jahren die italienische Ultra-Kultur und leben sie radikal aus. Was macht die Fankultur in dem Inselstaat aus?

Mit der Brigata Curva Sud haben wir den Pionier, was das Ausleben der Subkultur Ultra in Indonesien angeht, sie wurde 2011 gegründet, und das geht noch auf den Einfluss aus den 90er Jahren zurück, denn die italienische Serie A war die erste Liga, die ihre Fernsehrechte nach Indonesien verkauft hat. Die Fans von Arema nennen sich selbst Aremania und gelten als nicht weniger fanatisch als die Ultras. Die Aremania sind ein loser Zusammenschluss, da haben wir nicht diese Strukturen, wie man sie aus Ultra-Kreisen kennt. In Malang ist die Aremania bestimmend, da könnten auch Sie und ich mitmachen. Wenn der Ultra-Vorsänger in Sleman sagt „Ruhe“, dann ist auch Ruhe, und die Leute gehorchen. Die Aremania hat abertausende Vertreter, die dann im Stadion schon erpicht sind, gemeinsam zu singen oder zu tanzen, aber es gibt kein klares Subordinationsverhältnis gegenüber einem Vorsänger.

Was hat Sie eigentlich nach Indonesien gezogen?

Die italienische Prägung, die ist für Leute, die sich für Subkulturen interessieren, reizvoll. Mich interessieren die Kreativität und das unbändige Element in den Fankurven. Ich habe mich auf die Suche gemacht, weil ich das auch erleben wollte. In Indonesien bin ich fündig geworden. Die Indonesier sind Europäern gegenüber recht offen. Sie freuen sich, dass man sie besuchen kommt. Wenn ich die gleiche Reportage über den Fußball in Polen machen würde, dann würde es Jahre brauchen, bis ich überhaupt an die Leute rankomme. In Deutschland wäre es ähnlich.

Sie haben also schnell Nähe herstellen können?

Ich wollte in aller Zurückhaltung dokumentieren, ohne Sonderbehandlung. Das ist ziemlich gut angekommen. Ich war 2022 nochmals auf einer Urlaubsreise in Indonesien. Wenn Und ich ein bisschen länger geblieben wäre, hätte ich mir auch die Partie in Malang angeschaut.

Für mich ist das alles ein bisschen surreal, weil man das spezielle Umfeld schätzt mit übervollen Stadien und Flutlichtspielen, die anders sind als in Europa. Es gibt bis auf den letzten Platz gefüllte Ränge, und die Leute schreien sich die Lunge aus dem Leib, während sie auf Zäunen sitzen. Aus voyeuristischer Sicht spannend und interessant. Aber eben auch eine Gratwanderung. Einerseits sind Sie auf der Suche nach Authentizität und Versatzstücken der Ultra-Kultur, andererseits ist dieses schlummernde Gewaltpotenzial ständig vorhanden – und drängt auf Entladung.

Es hat mich daher nicht überrascht, dass diese Katastrophe passiert ist. Den Fans ist bewusst, dass sie ein gefährliches Hobby ausüben. Ein Fass, das irgendwann überlaufen musste – so kann man die Lage beschreiben. Dieses wilde Element findet sich nicht nur in der Fankultur, sondern auch im Verwaltungsapparat. Die Fifa hat den indonesischen Fußballverband abgestraft, wegen politischer Einmischung. Es gibt Korruption und Wettbetrug. Es gab auch immer wieder Liga-Umstrukturierungen.

Staatliche Institutionen haben sich wiederholt in die Machenschaften des Verbands eingemischt. Das ist ein Grundsatzproblem. Immer wieder gibt es Leute, die sich des Fußballs bemächtigen in einem Ausmaß, das in Deutschland unvorstellbar wäre. Wenn so etwas bei Ihnen passieren würde, hätte sich spätestens nach zwei Wochen ein Fanbündnis zusammengefunden, das dagegen vorgeht. Das passiert natürlich nicht in Indonesien.

Das Interview erschien zuerst am 10. Oktober 2022 in der tageszeitung und wurde für die südostasien redaktionell bearbeitet.

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Sport, Spiel und Freizeit in Südostasien

Myanmar/Thailand: Zwei zentrale Folgen der Netflix-Serie FightWorld konzentrieren sich auf Südostasiens Kampfkunst. Beleuchtet werden Muay Thai (Thai-Boxen) und sein weniger bekanntes Pendant Lethwei aus Myanmar.

Frank Grillo, Moderator der Netflix-Serie FightWorld, ist vor allem Schauspieler, aber er ist auch ein Fan von Kampfkünsten aller Art. In der Serie FightWorld gibt er seinem Hobby Raum und stellt Kampfkunst-Profis ins Rampenlicht. Die Folgen Thailand: Der glückliche Sohn und Myanmar: Am Scheideweg führen die Zuschauer*innen nach Südostasien.

Bei Kampfkunst geht es nicht um die Stärken und Schwächen des Gegners, sondern um die eigenen. „Wir wollen nicht einander besiegen, sondern uns selbst“ erläutert ein Hobby-Straßenkämpfer aus Bangkok in Thailand: Der glückliche Sohn. Seine Einschätzung wird von vielen anderen Befragten geteilt. Jede*r Kämpfer*in strebt danach, aus Vergangenheit und/oder Gegenwart resultierende psychische oder auch physische Schwierigkeiten zu bewältigen.

Karriere, Bildung und Gemeinschaft

Armut ist oft die treibende Kraft hinter der Entscheidung junger Menschen in Thailand und Myanmar, sich im Kampf-Ring zu testen. Außer der Möglichkeit zu einer Karriere, bietet die Mitgliedschaft in einem Klub auch Bildung und Gemeinschaft. Das Training bringe junge Menschen aus unterschiedlichen ethnischen und religiösen Hintergründen zusammen, erzählt der Gym-Besitzer Win Zin Oo aus Yangon in Myanmar: Am Scheideweg. Das ist eine wichtige Leistung in einer gespaltenen und konfliktreichen Gesellschaft. Doch sie hat ihren Preis.

Die Kamera verweilt auf einem bis zur Unkenntlichkeit geprellten Gesicht, auf gebrochenen Nasen, zerschrammten Rippen. Obwohl Artur Saladiak, ein ausländischer Teilnehmer der Lethwei Weltmeisterschaft in Yangon betont, dieser Sport sei ungefährlich und nicht brutal, erzählen die Verletzungen nach seinem Sieg eine andere Geschichte.

Mit 25 Jahren sind Kampfsportler bereits ‚alt‘

Muay Thai ist als Kunst der acht Gliedmaßen bekannt ist (Füße, Hände, Ellbogen und Knie). Lethwei gilt als Kunst der neun Gliedmaßen, weil auch Kopfstoß erlaubt ist. Außerdem tragen Lethwei-Kämpfer keine Handschuhe, nur eine dünne Schicht aus Gaze-Band. Im Gegensatz zu Muay Thai, das sehr viel Ausdauer verlangt, endet Lethwei nach fünf Runden mit einem Gleichstand. Das passiert aber nur wenn kein KO oder TKO vorher stattfindet. Deshalb fangen beide, Muay Thai und Lethwei Kämpfer, bereits sehr jung an. Im Alter von 25 Jahren ist ihre Karriere meistens schon vorbei. Inseepayong, der Protagonist der Thailand-Episode, hat im Alter von 17 Jahren schon 200 Kämpfe hinter sich.

Wer Glück hat, kann eine gewisse finanzielle Stabilität für sich selbst und seine Familie erreichen. Obwohl illegal, wird bei Muay Thai Kämpfen viel gewettet und die Einsätze werden mit den Teams mit Handzeichnen kommuniziert. Das Versprechen einer größeren Summe treibt erschöpfte Kämpfer an.

Lebende Legenden und bescheidene Meister

Erfolg bringt Ruhm gefolgt. Grillo besucht die größten Meister ihres Faches. In Thailand kennt jeder den Namen von Buakaw, der mit 240 Gewinnen eine lebende Muay Thai-Legende ist. Er ist auch Unternehmer und besitzt seine eigene Trainingshalle. Anderseits in Myanmar: Lone Chaw, der unbestrittene Champion von Lethwei bleibt seinen bescheidenen Anfängen treu und unterrichtet die nächste Generation im kleinen Familien-Gym von Win Zin Oo weiter. Obwohl, wie der Titel der Myanmar-Episode ankündigt, Lethwei gerade an einem Scheideweg steht, besteht er darauf, dass die Sportart traditionell bleiben und nicht Berühmtheit, sondern Selbstentwicklung im Vordergrund stehen solle.

Phoe Taw sieht es anders. Er stammt aus einer Mittelschichtfamilie und studierte Elektrontechnik. Seine Eltern missbilligen seine Ambition. Phoe Taw strebt nach Geld und Berühmtheit. „Ich werde wie die Ei-Puppe sein, ich werde nie fallen“ verkündet der junge Mann in Bezug auf pyit taing htaung, die Myanmar-Version des Stehaufmännchens. Sein französischer Gegner in der Weltmeisterschaft behandelt ihn zunächst herablassend. Doch kurz darauf wird er von Phoe Taw KO geschlagen. Er sei ein richtiger Star, so lautet Grillos Loblied nach dem Kampf.

Leben am Scheideweg

Es gibt Umstände, aus denen man sich nicht rauskämpfen kann. Wenn Inseepayong seinen Boxkampf verliert, treffen ihn verletzenden Worte seines Trainers hart. Doch nach einer Umarmung von Grillo konzentriert er sich schon wieder auf das nächste Match und führt seinen um die Überwindung der eigenen Grenzen fort.

In welchem Umfang das Leben von Phoe Taw an einem Scheideweg stand, verstand in der Zeit der Dreharbeiten noch niemand. Als freimütiger Kritiker des Militärputsches von 2021, der Min Aung Hlaing zu einem Cagefight herausgefordert hat, wurde er nach einem Autobombenanschlag trotz schwerer Verletzungen inhaftiert und für Anstiftung gegen die Regierung unter dem berühmten Paragraf 505 des Strafgesetzbuchs angeklagt. Phoe Taw ist nach wie vor in Haft, wie es ihm geht, darüber ist laut Medienberichten nichts bekannt. Too Too, der Titelverteidiger von Lethwei der in FightWorld auch auftaucht, wurde ebenso festgenommen. Sein gewaltsamer Tod in der Haft wurde im April 2023 verkündet.

Rezension zu FightWorld. Die Serie ist verfügbar auf Netflix.

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Sport, Spiel und Freizeit in Südostasien

Kambodscha: Im Interview berichtet der Kickbox-Meister Eh Phouthong über seine Karriere als Profi-Sportler und seine heutige Arbeit als Boxtrainer.

südostasien: In welchem Alter hast du mit Boxen angefangen?

Eh Phouthong: Als ich zehn Jahre alt war habe ich angefangen Kun Khmer [die kambodschanische Form des Kickboxens, d.R.] zu trainieren.

Wie ging es danach weiter?

Mit 18 Jahren hatte ich meinen ersten professionellen Kampf. Obwohl ich in der Provinz Koh Kong geboren wurde und dort meine ersten Jahre verbracht habe, fand dieser Kampf in der Provinz Prey Veng statt. Für diesen Kampf, den ich auch gewonnen haben, wurden mir rund fünf Dollar bezahlt.

Wie konntest du mit so wenig Geld als Profiboxer überleben?

Damals habe ich noch bei meinen Eltern in der Provinz Koh Kong gelebt und musste nicht arbeiten gehen. Nachdem ich den ersten Profi-Kampf gleich gewonnen habe, hat mein Vater für die nächsten Kämpfe bessere Konditionen ausgehandelt und ich habe mehr und mehr Geld verdient.

Was waren die größten Hindernisse auf deinem Weg?

Nach dem ersten Profi-Kampf zog ich in die Provinz Prey Veng und lebte bei meinem Onkel. Dort fühlte ich mich oft alleine. Außerdem habe ich mich so auf das Trainieren und Boxen fokussiert, dass ich nicht zur Schule gegangen bin. Bis heute geht es in meinem Leben nur ums Boxen, etwas Anderes kann ich nicht. Deswegen bin ich immer noch in diesem Business tätig.

Was war dein größter Sieg? Wann fühltest du dich am glücklichsten?

Das war nach meinem ersten Sieg in Prey Veng. Ich habe gegen einen Gegner aus Battambang [eine Hochburg des Kun Khmer, d.R.] gewonnen. Ich war so glücklich und hatte das Gefühl, nur Kun Khmer kann mich glücklich machen. Außerdem hatte ich dann auch bald das Gefühl, dass ich von dem Sport leben kann.

Hierzulande ist vor allem das Thai-Boxen bekannt. Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede gibt es zwischen Kun Khmer und Muay Thai?

Kun Khmer und Muay Thai sind sich ziemlich ähnlich. Kun Khmer hat eine ältere Tradition als Muay Thai. Aber während des Krieges [Kambodschas Bürgerkrieg, die Zeit unter den Khmer Rouge und dem anschließenden Bürgerkrieg bis 1991, d.R.] ging die Tradition im Land verloren. Zur gleichen Zeit haben die Thailänder Muay Thai gefördert und auf der ganzen Welt bekannt gemacht. Sie haben es zu ‚ihrem Sport‘ gemacht. Mittlerweile kämpfen die Khmer darum, dass der kambodschanische Ursprung des Sports anerkannt wird, weil es ein wichtiger Teil der Khmer-Kultur ist.

Im Vorfeld der Südostasien-Spiele 2023 gab es Streit zwischen Kambodscha und Thailand um die Benennung des Sports. Weil sich das Gastgeberland Kambodscha durchsetzte, hat Thailand die Kun Khmer-Wettkämpfe boykottiert. Was hältst du davon?

Ich hätte es gerne gesehen, wenn die Thais bei den Kämpfen mitgemacht hätten, weil es um den Spaß am Sport geht. Außerdem sollten auch die Besten daran teilnehmen. Wegen des Streits haben sich die Menschen über Khmer und die thailändische Kultur unterhalten. Die beiden Kulturen sind sich sehr ähnlich. Aber trotz aller Gemeinsamkeiten ist die Art, wie wir Boxen lernen und es praktizieren, doch noch eine andere.

Was muss geschehen um Kun Khmer auf internationaler Ebene mehr zu fördern?

Wir müssen von Thailand lernen und sehr viel mehr auf die sozialen Medien setzen. Außerdem müssen wir den jungen Menschen mehr Möglichkeiten geben, das Boxen als Leistungssport auszuüben.

Warum hast du nach deiner Karriere als Kämpfer eine Boxschule aufgemacht?

Ich habe die Schule gegründet, weil es keine Gegner mehr für mich gab. Ich war zu gut. Wenn mich heute ein anderer herausfordern würde, ginge ich sofort wieder in den Ring, um zu kämpfen.

Wie vielen Schülern bringst du Kun Khmer bei?

Als ich 2003 meine erste Schule in der Stadt eröffnete, hatte ich rund 20 Schüler. Mittlerweile habe ich zwei Schulen und um die 40 Schüler. Vor vier Jahren musste ich eine der Schulen in der Stadt schließen, weil es Ärger um die Landrechte gab. Ich bin deshalb aus der Stadt herausgezogen, wo ich jetzt auch wohne [Die Schule befindet sich rund eine halbe Stunde außerhalb Phnom Penhs, d.R.].

Gibt es unter deinen Schülern auch Kämpfer, die an dein Talent heranreichen?

Unter meinen 40 Schülern haben vielleicht vier oder fünf großes Talent und sie können eine erfolgreiche Zukunft haben, wenn sie sich voll auf das Boxen konzentrieren.

Wenn einer dieser Schüler kämpft, zieht es dich dann selbst wieder in den Ring?

Immer (lacht schallend!) Ja, manchmal will ich wirklich wieder zurück in den Ring und kämpfen.

Kuch Sikol hat während des Interviews aus dem Khmer ins Englische übersetzt.

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