Die Identität der Sama ist eng mit dem Meer verbunden. © Lilli Breininger, alle Rechte vorbehalten
Philippinen: Die Menschen von Samal leben im Spannungsfeld zwischen kultureller Eigenständigkeit und touristischer Vermarktung.
Die heutige Garden Island of Samal im Süden der Philippinen trug einst den Namen „Pu“. So nannten sie die indigenen Gemeinschaften, die die Insel seit unvordenklichen Zeiten bewohnen. Zu ihnen gehört das Volk der Sama, dessen Geschichte und Identität eng mit dem Meer verbunden sind. Trotz dieser tiefen Verwurzelung werden die Sama bis heute häufig missverstanden oder fälschlich anderen ethnischen Gruppen zugeordnet.
In der öffentlichen Wahrnehmung gelten die Sama oft als Abkömmlinge der Mandaya, Mansaka oder muslimischer Bevölkerungsgruppen. Tatsächlich finden sich im Sulu-Archipel mehrere indigene Gemeinschaften, die als Sama Bajau oder Sama Tawi-Tawi bezeichnet werden. Gemeinsam ist ihnen ein Leben in relativer Abgeschiedenheit auf kleinen Inseln oder in Küstennähe – geprägt von einem friedlichen Miteinander und einer starken maritimen Kultur.
Die Sama von Samal Island, die sich selbst als Igacos – Menschen von Samal – bezeichnen, wehren sich jedoch gegen jegliche vereinfachende Fremdbeschreibungen. Sie betonen ihre Eigenständigkeit als ethnische Gruppe mit unverwechselbaren Formen von Musik, künstlerischem Ausdruck und rituellen Traditionen. Diese kulturellen Praktiken sind Ausdruck einer Identität, die über Generationen hinweg weitergegeben wurde und wird.
Unsere Fotostory zeigt Eindrücke aus dem alltäglichen Leben aus verschiedenen Gegenden der Insel. Porträtiert werden Menschen, die sich aktiv in die Gemeinschaft einbringen und ihre Traditionen weitergeben. Dies geschieht durch Kleidung, Tänze, Rituale der Gezeiten. Es geschieht auch in Form der Pflanzenheilkunde und einem generell achtsamen Umgang mit der Natur. Da die Insel bislang nur über Schiffe erreichbar war, ist die Infrastruktur sehr ländlich geprägt. Dies erlaubt den Bewohner:innen, Land und Wasser in für sie üblicher Weise zu nutzen, zum Beispiel beim Baden oder Waschen von Wäsche im nächstgelegenen Fluss.
Doch das reiche kulturelle Erbe der Igacos ist zunehmend bedroht. Die Zuwanderung von Siedlern:innen, vor allem aus den Visayas, verändert die soziale und kulturelle Landschaft der Insel spürbar. Aktuell ist der Bau einer Brücke von der Millionenstadt Davao City nach Samal in Gange. Diese soll 2028 fertig gestellt werden und wird vermutlich mehr Tourismus auf die Insel bringen. Hinzu kommen wachsende Vorurteile gegenüber den Lumad, wie rund ein Dutzend ethnolinguistischer Gruppen in Mindanao bezeichnet werden. Viele Sama sind allein aufgrund ihrer Herkunft Diskriminierung und traumatischen Ausgrenzungen ausgesetzt.
Während Samal Island touristisch als „Garteninsel“ vermarktet wird, droht die ursprüngliche Kultur ihrer ersten Bewohner:innen langsam zu verschwinden. Die Frage ist: Wie lässt sich wirtschaftliche Entwicklung mit dem Schutz indigener Identitäten vereinbaren – bevor ein jahrhundertealtes kulturelles Wissen unwiederbringlich verloren geht?
Malunggay gilt als alte medizinische Pflanze. Sie wird auch als Zutat in verschiedenen Gerichten, bevorzugt in Suppen, verwendet. Essbar sind die Blätter, Blüten, Früchte und Wurzeln. © Lilli Breininger, alle Rechte vorbehalten
Wasser für den Alltagsgebrauch, etwa zum Kochen und Wäsche waschen, erhalten die Bewohner:innen über manuell bedienbare Wasserpumpen. © Lilli Breininger, alle Rechte vorbehalten
Auch in ländlicher Umgebung nutzen Kinder und Jugendliche die landesweit beliebte Sportart Basketball gerne als Zeitvertreib. © Lilli Breininger, alle Rechte vorbehalten
Waschtag. Vielerorts waschen die Frauen die Kleidung per Hand in einem großen Bottich und im nächstgelegenen Fluss. © Lilli Breininger, alle Rechte vorbehalten
Die Insel Samal ist bisher nur über den Wasserweg erreichbar. © Lilli Breininger, alle Rechte vorbehalten
Die traditionelle Kleidung wird zu Festlichkeiten, wie Hochzeiten, Trauerfeiern oder Initiationsritualen, getragen, selten im Alltag. © Lilli Breininger, alle Rechte vorbehalten
Kochen mit Feuerholz in einer „dirty kitchen“, wie die Kochstellen im Freien genannt werden. © Lilli Breininger, alle Rechte vorbehalten
Bananenplantage auf Samal Island. Der größte Wirtschaftsfaktor auf der 300 km² großen Insel ist jedoch der Tourismus. © Lilli Breininger, alle Rechte vorbehalten
Bei der Kokosernte. Touristisch wird Samal Island als „Garteninsel“ vermarktet. © Lilli Breininger, alle Rechte vorbehalten
Die Muster der Kleidung sind angelehnt an die der Manobo, die in verschiedenen Regionen Mindanaos leben und lokal unterschiedliche Traditionen haben. © Lilli Breininger, alle Rechte vorbehalten
Die starke maritime Kultur wird auch im Umgang mit dem Meer und den Fischereimethoden sichtbar. © Lilli Breininger, alle Rechte vorbehalten
Auf der Suche nach Krabben und anderen Meeresfrüchten. © Lilli Breininger, alle Rechte vorbehalten
Bewohner:innen in ihrer Festkleidung, während ihre Alltagskleidung auf der Leine trocknet. © Lilli Breininger, alle Rechte vorbehalten
Die Älteren vermitteln Wissen, Tradition, sind moralische Autoritäten und können bei Konflikten vermitteln. © Lilli Breininger, alle Rechte vorbehalten
Dorfvorsteher Datu Jimenez und seine Frau zwischen Mangroven. Viele Küstenabschnitte der Insel stehen unter Naturschutz. © Lilli Breininger, alle Rechte vorbehalten
Die Älteren stärken den Zusammenhalt der Lumad. Sie sind das Gedächtnis der Gemeinschaft und die Hüter der Identität. © Lilli Breininger, alle Rechte vorbehalten

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