2 | 2020, Kambodscha,
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Essbare Insekten – eine Chance für Kleinbäuer*innen

Kambodscha Grillenzucht Ernährungssicherheit

Zubereitete Grillen und andere Insekten zum Verkauf auf einem Markt in Phnom Penh © Curran Hendry und Josh Galt

Kambodscha: Curran Hendry unterstützt mit der NGO Angka Changrit die Verbreitung der Grillenzucht im Land. Im Interview erklärt er, wie Grillen-Produkte die Ernährungssicherheit der Bevölkerung stärken und Einkommensmöglichkeiten für ländliche Familien schaffen können.

In Kambodscha hat das Essen von Insekten eine lange Tradition. Wie beliebt sind sie heute?

Das Essen von Insekten ist in Kambodscha über alle sozialen und Einkommens-Grenzen hinweg sehr beliebt. Es ist interessant und erfreulich, dass mit der Entomophagie (dem Verzehr von Insekten) kein gesellschaftliches Stigma verbunden ist.

Wer kann sie sich leisten?

Jeder kann sich gebratene Insekten leisten. In die Schlangen vor den Verkaufsständen reihen sich ebenso teure Range Rover wie Moped-Taxifahrer, die sich für den Abend diese leckeren Snacks holen.

Über den Interviewten:
Curran Hendry arbeitet seit mehr als zehn Jahren als Berater verschiedener Institutionen des öffentlichen und privaten Sektors in der Entwicklungszusammenarbeit in Südostasien. Als Student reiste er erstmals nach Thailand, wo er das Essen von Insekten entdeckte. Seither befasst er sich mit der Entomophagie als Grundstein für verantwortungsvollen Umweltschutz, Armutsbekämpfung, Ernährungssicherheit und nachhaltige Entwicklung und unterstützt verschiedene Projekte der Mikro-Tierhaltung. Er ist stellvertretender Direktor der NGO Angka Changrit und vertreibt über ein Sozialunternehmen Grillenprodukte in Kambodscha.

In welcher Form werden sie gegessen und zu welchem Anlass?

In Kambodscha kann man beobachten, wie nachmittags mobile Verkaufsstände an Straßenecken und auf Märkten aufgestellt werden, um gebratene Insekten zu verkaufen. Angeboten werden Grillen, Heuschrecken, Käfer, Seidenraupen, Vogelspinnen, Wasserwanzen und viele andere.

Sie werden in kleinen Portionen angeboten, die in Dosen – etwa in Größe von Kondensmilch-Dosen – abgemessen werden. Kleine Grillen mit süßem Chili-Limetten-Geschmack sind für umgerechnet 0,45 bis 0,60 Euro pro Dose zu haben. Eine Dose Riesengrillen kostet etwa 1,40 Euro.

Auch in den Food Courts der beiden großen internationalen Einkaufszentren in Phnom Penh werden Grillen und Seidenraupen verkauft. In einigen der teuersten Nachtclubs der Stadt gelten Riesengrillen als Delikatesse und werden dort für umgerechnet bis zu 14 Euro angeboten.

Kurz, man knabbert hier Insekten, wie man in westlichen Ländern Kartoffelchips, Pommes Frites oder Salzgebäck als einen abendlichen Snack genießt.

2013 erklärte die Food and Agriculture Organization (FAO) der Vereinten Nationen, essbare Insekten könnten dazu beitragen, den Nahrungsbedarf für eine wachsenden Weltbevölkerung zu sichern. Kann Protein auf Insektenbasis die Ernährung der ländlichen kambodschanischen Bevölkerung nachhaltig verbessern und Unterernährung reduzieren?

Insekten sind in Kambodscha in allen Bevölkerungsschichten ein beliebter Snack © Curran Hendry und Josh Galt

Essbare Insekten sind unglaublich nährstoffreich und gesund. Man kann sie sich als die perfekten Protein-Vitamin-Nuggets der Natur vorstellen. Aus entwicklungspolitischer Sicht bieten sie sowohl als direkte Nahrungsergänzung sowie als Einkommensmöglichkeit Vorteile. Außerdem ist die Insektenzucht sehr nachhaltig und umweltfreundlich.

Die Grillenzucht eignet sich für die Bekämpfung von Armut und Unterernährung deshalb besonders, weil die Züchter*innen die Grillen nicht selbst essen müssen, sondern sie verkaufen und sich von dem Erlös andere lebensnotwendige Dinge kaufen können. Es ist nur eine Frage von Zeit und Ressourcen, ländlich lebende, arme Familie zu erreichen und ihnen die Aufzucht von Grillen zu vermitteln.

Inwieweit sind sich Kambodschaner*innen des besonderen Nährwerts von Grillen und anderen Insekten bewusst bzw. wie könnte man Bewusstsein dafür schaffen?

In Kambodscha essen die Menschen Insekten, weil sie den Geschmack und die Konsistenz lieben. Die ernährungsphysiologischen Vorteile spielen dabei keine Rolle. Um sie darüber aufzuklären, kann man den Weg über die sozialen Medien gehen, um über die gesundheitlichen Vorzüge vom Verzehr von Insekten zu informieren.

Wie viele Familienbetriebe gibt es in Kambodscha, die von der Grillenzucht und dem Insektenfang leben und wie groß ist die Produktion? Verkaufen sie die Insekten auf dem Inlandsmarkt oder gibt es auch Export?

Grillenzucht ist recht weit gefasster Begriff. Manche Familien stellen ein paar 1×2 Meter große Pferche neben ihren Häusern auf, andere haben zehn 2×5 Meter große Gehege. Beides kann man als Grillenfarm bezeichnen. Einige Familien verdienen den Großteil ihres Einkommens mit Grillenzucht, für andere ist es eine relativ leicht umzusetzende, zusätzliche Einkommensquelle.

Außerdem gibt es landesweit Tausende von Menschen, die Wildinsekten fangen; dafür werden Netze in offene Felder gestellt und nachts mit Licht angestrahlt. Letztlich gibt es also Zehntausende von Kambodschaner*innen, die Insekten züchten oder fangen. Aus westlicher Perspektive sind selbst die kommerziellen Farmen recht klein. Ein größerer Betrieb liefert rund 1000 Kilo Grillen monatlich, aber die Mehrheit produziert eher um die 200 Kilo pro Monat.

Die lokal gezüchteten Grillen werden alle im Land verzehrt, während die vielen Wildinsekten wie Riesengrillen, Taranteln usw. auch an das benachbarte Thailand und Vietnam verkauft werden.

Kambodscha Grillenzucht Ernährungssicherheit

Grillenzucht in einem Familienbetrieb © Curran Hendry und Josh Galt

Wie züchtet man Grillen und wie werden sie verarbeitet?

Die Grillenzucht ist ausgesprochen einfach. Die Grillen leben ihren gesamten natürlichen Lebenszyklus in eigens dafür errichteten Pferchen. Nachdem die Weibchen Eier gelegt haben, werden sie eingesammelt und in spezielle Schalen gelegt. Nach sieben bis zehn Tagen schlüpfen die jungen Grillen. In der Wachstumsphase kann man sie mit so ziemlich allem füttern. Sechs bis acht Wochen später beginnt der Zyklus wieder von vorn.

Die Verarbeitung kann auf verschiedene Weise durchgeführt werden. In kommerziellen Anlagen stellt man die Grillen in einem Gefrierschrank, wo sie sofort in eine Art Schlaf fallen; dann werden sie gefroren. In den ländlichen Gebieten werden sie in warmem Salzwasser eingeschläfert.

Welche Herausforderungen gibt es für die Familienbetriebe, um die Aufzucht als Unternehmen zu etablieren?

Die größte Herausforderung ist das nötige Wissen, wie man mit der Aufzucht überhaupt beginnt, welche Futtermittel verwendet und welche hygienischen Ansprüche erfüllt werden sollten. Zudem haben Grillen bei Raumtemperatur nur eine relativ kurze Haltbarkeit. Das kann beim Verkauf Schwierigkeiten bereiten. Die Insekten werden über Zwischenhändler verkauft, die zunächst einen bestimmten Preis, beispielsweise 9000 Riel pro Kilo (etwa 2 Euro), versprechen.

Wenn sie zum vereinbarten Erntetermin erscheinen, behaupten sie, dass der Preis umständehalber gesunken sei und nun – zum Beispiel – nur noch bei nur 6000 Riel pro Kilo (rund 1,35 Euro) liegt. Das ist ein verbreitetes Problem für Kleinbäuer*innen in unterschiedlichen landwirtschaftlichen Bereichen.

Du arbeitest für die Organisation Angka Changrit in Phnom Penh. Welche Ziele verfolgt ihr und welche Aktivitäten setzt Ihr um?

Unsere Nichtregierungsorganisation will in erster Linie ländliche und benachteiligte Insektenfarmer*innen und die, die es werden wollen, erreichen. Wir vermitteln ihnen Wissen und das nötige Werkzeug, damit sie Insekten von hoher Qualität und Gesundheitsstandard züchten können, um so ihren Lebensunterhalt zu verbessern.

Kambodscha Grillenzucht Ernährungssicherheit

Infografik von Changrit Kamleang (https://changritkamleang.org/) – das Sozialunternehmen unterstützt Klein*bäuerinnen und vermarktet Grillenprodukte © Curran Hendry und Josh Galt

Zurzeit arbeiten wir mit über 300 Grillenzüchter*innen. Wir bieten Schulungen zu ‚best practices’ der Branche, etwa was die Errichtung von Pferchen, die Hygienemaßnahmen, das Futter und die Verarbeitungsweise angeht. Wir kaufen die Grillen dieser Züchter*innen zu über dem Marktpreis liegenden Preisen und verarbeiten sie zu verschiedenen Produkten wie Grillenmehl oder geröstete und aromatisierte Grillen-Snacks, die wir über unser Sozialunternehmen vertreiben.

Wir konzentrieren uns weniger auf Kampagnen über den Nährwert von Insekten, da die Menschen sie bereits täglich essen. Aber wir gehen oft auf lokale Food Festivals und bieten dort essbare Insekten an.

Außerdem bauen wir gerade einen Verband kambodschanischer Insektenzüchter*innen auf. Ziel ist es, sich mit Fragen der Grillen-Aufzucht und best practice zu befassen, Wissen zu vermitteln und die Unsicherheit im Hinblick auf die Verkaufspreise anzugehen. Wenn es ein landesweites Unterstützungsnetzwerk gibt, können Kleinbäuer*innen einen besseren und faireren Zugang zu den Märkten bekommen.

Wie steht die kambodschanische Regierung zur Grillenzucht als Einkommensmöglichkeit für Kleinbäuer*innen? Gibt es festgelegte Qualitätsstandards und Maßnahmen, um die kommerzielle Grillenzucht zu etablieren und auszubauen?

Die Regierung unterstützt grundsätzlich Initiativen kleinbäuerlicher Landwirtschaft. Noch gibt es keine Maßnahmen zur Förderung der Grillenzucht, wie sie etwa kürzlich in Thailand erlassen wurden, aber wir setzen uns weiter dafür ein. Was Qualitätsstandards angeht, überlässt man das am besten den einzelnen Züchter*innen. Wer sich in Zukunft für Export-Standards qualifizieren will, kann seinen Betrieb entsprechend aufrüsten.

Wie sieht es mit den ökologischen Folgen der Grillenzucht aus, insbesondere im Vergleich zur konventionellen Viehzucht?

Grillen benötigen im Vergleich zur traditionellen Tierhaltung fast kein Land, Wasser oder Futter. Sie produzieren auch rund 80 Mal weniger Methan als Rinder. Grillenzucht ist also von Natur aus umweltfreundlich und nachhaltig. Je mehr Menschen im Westen dazu übergehen würden, Insekten in ihre Ernährung aufzunehmen, desto besser wäre die Welt.

Im Vergleich zu Hühnern, die unter unmenschlichen Bedingungen in Legebatterien gehalten werden, weisen Grillen ein ähnliches Verhältnis der Energieumwandlung auf. Aus einem begrenzten Blickwinkel könnte man also sagen, wenn weltweit nur kommerziell gezüchtete Batteriehühner gegessen würden, würde das die gleiche Menge an Nahrung (Energie) erfordern wie für Grillen. Das berücksichtigt natürlich nicht die ökologischen und moralischen Aspekte des ökologischen Landbaus. Das Verhältnis der Effizienz der Futtermittel für Grillen ist nur einer der vielen Vorteile. Und da das ganze Tier essbar ist, entsteht kein Abfall.

Eine moderne Grillenfarm in Kambodscha © Curran Hendry und Josh Galt

Welche Chancen und Risiken siehst Du für kambodschanische Kleinbäuer*innen, wenn der globale Insektenverzehr zunimmt und sich die kommerzielle Vermarktung essbarer Insekten zu einem lukrativeren Geschäft entwickelt?

Für kambodschanische Grillenzüchter*innen würden sich viel mehr Möglichkeiten ergeben. Es ist wie mit dem Kaffee. Nicht jeder Kaffee ist gleich. Jedes Anbaugebiet hat Vorzüge und eigene Geschmacksnoten. Sollte sich ein multinationales Unternehmen entschließen, weltweit führend in der Herstellung von Grillen-Snacks zu werden, gäbe es unterschiedliche Produkte, die wie die köstlichen Kaffeesorten kleiner Anbieter aus Äthiopien, Kenia, Kolumbien, Brasilien, oder Sumatra (Indonesien) von Liebhabern nachgefragt würden. In Kambodscha besteht ja bereits eine Nachfrage nach Grillenprodukten, so dass eine Verschiebung zu verstärkter globaler Nachfrage den lokalen Anbietern zugute käme.

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Essbare Insekten – eine Chance für Kleinbäuer*innen

Thailand: Insekten werden als nachhaltige und gehaltvolle Nahrung der Zukunft gepriesen. Am Beispiel von Thailand zeigt sich jedoch, dass diese Versprechungen angesichts sozialer Ungleichheit und nicht-nachhaltiger Praktiken irreführend sind.

Es hat sich herumgesprochen: Insekten sind die Nahrung der Zukunft. Das sagen zumindest die UN-Welternährungsorganisation FAO, einige Wissenschaftler*innen, Geschäftsleute und andere Begeisterte, gefolgt von unzähligen Medienberichten. In den Mühlen westlicher Staatsorgane sind essbare Insekten bisher durch alle Raster gefallen. Das ändert sich: Institutionen wie die EU passen ihre Regularien an, um Entomophagie – so der eurozentrische Fachbegriff für den Verzehr von Insekten – offiziell und in großem Maßstab zu ermöglichen.

Ein wachsender Markt

Die erste Weltkonferenz fand in den Niederlanden statt, die zweite in China, die dritte soll in Kanada sein. Inzwischen kann man von einer globalen Bewegung sprechen, aus der ein neuer, wachsender Wirtschaftssektor hervorgeht. Seit einigen Jahren schießen Insektenfirmen wie Pilze aus dem Boden. Noch handelt es sich um eine ausgesprochene Nische, aber manche Marktforschungsinstitute schätzen den Umsatz des Sektors für 2023 auf über 1 Milliarde US-Dollar, 2030 sollen es bereits 8 Milliarden sein. Konzerne wie Nestlé, Cargill und PepsiCo halten ein Auge auf den wachsenden Markt. Auch die Bill and Melinda Gates Stiftung hat sich an der Finanzierung von Pionierunternehmen beteiligt.

Thailand als ‚exotisches‘ Vorbild

Das Zentrum des neuen Entopreneurship liegt im Westen, während hier gleichzeitig das Insekten-Nahrungstabu am ausgeprägtesten ist. Das wiederum ist menschheitsgeschichtlich betrachtet die eigentliche Ausnahme: Aristoteles liebte Zikaden, Maikäfersuppe aß man in Mitteleuropa gar bis ins 20. Jahrhundert, und auch heute genießt man in vielen Kulturen Heuschrecken, Käferlarven oder andere Insekten.

Die Forscherin Julieta Ramos-Elorduy hat ermittelt, dass bei über 3.000 Ethnien in 130 zumeist tropischen Ländern Insekten gegessen werden. Im neuen Entomophagie-Diskurs verweist man daher gern auf den Globalen Süden – vor allem Thailand gilt als Vorbild. Wie viele Länder Südostasiens hat es eine lange, sich transformierende aber immer noch lebendige Kultur des Insektenessens.

Warum aber interessiert sich der Westen, nach Jahrhunderten kolonialistisch ausagierter ‚Insektenfresser‘-Diskriminierung und wissenschaftlichem Desinteresse plötzlich so für den Verzehr von Insekten?

Insekten als Lösung

Das Credo lautet: Die kleinen Proteinbomben leisten einen wesentlichen Beitrag zur Lösung gewaltiger Probleme – Welthunger, Fleischkonsum, Klimawandel. Das klingt zunächst einleuchtend: Insekten setzen Biomasse schneller und effizienter in hochwertige Nährstoffe um als konventionelles Vieh. Da sie wechselwarm sind, verbrauchen sie bei gleichzeitig niedrigerem CO2-Ausstoß deutlich weniger Wasser, Land und Futter. Grillen, heißt es, setzen Futter doppelt so effizient in Körpermasse um wie Hühner und zwölfmal so gut wie Rinder. Daher, so die These, könnten sie konventionelles Fleisch auf nachhaltige Weise ersetzen. Ein Löwenanteil der globalen Treibhausgase werden nämlich von der Nutztierhaltung verursacht.

Insektenkonsum wird sogar demokratisches Potential zugesprochen, welches den Armen und Marginalisierten zugute käme. Also heißt es, mit Hilfe von Sechsbeinern ließe sich ‚die Welt retten‘. Größte Hürde sei, dass wir im Westen (noch) keine Lust auf Maden und Grillen haben. Das wollen die bereits über 200 Insektenfirmen ändern. „Wir repräsentieren eine wachsende Ernährungsrevolution […] für unsere Kinder und den Planeten“, heißt es etwa auf der Website von US-Insektensnackanbieter Chapul. Dieses “Insektenlösungsnarrativ” ist jedoch ein Trugschluss. Und zwar nicht, weil Entomophagie eklig, ungesund oder primitiv wäre.

Mehr als eine kalkulierbare Proteinquelle

Die bisher gut 2000 als essbar identifizierten Arten von Insekten sind keine homogene Masse von ‚Proteinlieferanten‘. Sie sind unglaublich vielfältig – und besitzen je nach Spezies, Futter, Entwicklungsstadium, Zubereitungsweise usw. ganz unterschiedliche Nährwerte und geschmackliche Eigenschaften. Dasselbe gilt für die ökologischen Auswirkungen. So ist die in Südostasien besonders beliebte Riesenwasserwanze ein Karnivore und ihr Verzehr damit sicher nicht so nachhaltig wie das undifferenzierte Framing von essbaren Insekten suggeriert.

Außerdem sind technische Machbarkeiten nur das eine und sollten nicht über wirtschaftliche, soziale, politische Aspekte hinwegtäuschen. Besonders klar wird das beim Thema Welthunger. Die ersten zwei Sätze eines vielzitierter FAO-Report von 2013 lauten: „Es gilt als unstrittig, dass die Erde bis 2050 neun Milliarden Menschen beherbergen wird. Um sie versorgen zu können, muss sich die aktuelle Nahrungsproduktion fast verdoppeln.“ Die folgenden 200 Seiten zu essbaren Insekten unterschlagen, dass eigentlich genug Nahrung für alle da ist.

Zu dieser Einschätzung kommt selbst eine andere UN-Institution, das Welternährungsprogramm, das die weltweite Zahl der Hungernden auf 821 Millionen schätzt. „Über 90 Prozent von ihnen sind schlicht zu arm, um genug Nahrung zu kaufen“, erläutert Eric Holt Giménez, Agrarökonom und Geschäftsführer der NGO Food First. An solchen strukturellen Ungleichheiten können auch Insekten, so lecker und vielversprechend sie ernährungsphysiologisch sein mögen, nichts ändern. Ein genauerer Blick nach Thailand verdeutlicht das.

Thailand – Schattenseiten eines wachsenden Marktes

Während viele Insekteness-Traditionen auf dem Land aussterben, entsteht ein neues, immer weiter wachsendes Entomophagie-Business, Thailand ist hier Vorreiter. Die hippe Bangkoker Jugend verspeist – ähnlich wie einst ihre Großeltern – wieder Heuschrecken & Co. Nur werden sie nunmehr als Fast Food zubereitet – und sind deutlich teurer als Fleisch. Nicht alle können sich das leisten, wie die folgende Aussage eines Bangkoker Bauarbeiters im Interview mit dem Autor belegt::

Viele üblicherweise wild gesammelte Arten sind in landwirtschaftlich intensiv genutzten Gegenden Thailands selten geworden. Das führt im Zusammenspiel mit der vor allem in den Städten steigenden Nachfrage zu immer höheren Preisen, die viele Menschen nicht zahlen können. Der lukrative Insektenmarkt bietet zwar neue Einnahmequellen und hat einigen armen Leuten Aufstiegsmöglichkeiten eröffnet – zunächst. Im Zuge von Wachstum und Professionalisierung setzt sich jedoch zunehmend eine kleine Zahl von Profiteuren deutlich ab, darunter millionenschwere Geschäftsleute. Auf der anderen Seite stehen die vielen ungelernten Arbeiter*innen, welche die Tiere waschen, verarbeiten, zubereiten und verkaufen. Viele von ihnen sind Frauen, Kinder sowie Migrant*innen und verdienen als Tagelöhner*innen teilweise gerade ein Drittel des Mindestlohns.

Zudem exportieren arme Länder wie Laos und Kambodscha hochwertige und auch vor Ort geschätzte Insekten in die urbanen Zentren Thailands. Immerhin schafft das Insektenbusiness prekäre Jobs – besser als nichts, finden viele. Eine ältere Frau im ländlichen Nordosten Thailands jedoch sagt im Interview mit dem Autor:

20.000 Grillenfarmen

Könnte die Zucht ein Weg sein, wenigstens das ökologische Potential essbarer Insekten zu entfalten? Thailand ist auch in diesem Bereich globaler Pionier. Es gibt nach Schätzungen der Universität Khon Kaen und des Landwirtschaftsministeriums etwa 20.000 Grillenfarmen, allesamt in den letzten gut zwei Jahrzehnten entstanden. Die dort produzierten Tiere sind zwar deutlich günstiger als wild gesammelte Insekten, aber immer noch teurer als Fleisch. Höchster Kostenfaktor ist das Futter. Es wird industriell gefertigt und muss proteinreich sein, wenn die Grillen für den Verkauf schnell und unproblematisch gedeihen sollen. Daher enthält es neben importiertem Soja auch Fischmehl – ein ökologisch hochproblematischer Zusatz.

Eine 2017 veröffentlichte Messung des ökologischen Fußabdrucks thailändischer Grillenfarmen ergab dennoch, dass dieser etwas kleiner ist als der konventioneller Hühnerzuchten. Der Unterschied sei zwar gering, könne jedoch durch eine Intensivierung erhöht werden. Das wiederum aber, schreibt das internationale Forscherinnenteam, „könnte Kleinbäuer*innen marginalisieren und weniger sozio-ökonomische Vorteile aufweisen, da größere Zuchtanlagen viel mehr Startkapital erfordern“. Dass Insektenfarmen kein Allheilmittel sind, zeigte auch 2015 die Studie Crickets Are Not a Free Lunch. Die Nachhaltigkeitswerte der dabei analysierten Grillenzuchten waren nicht besser als die von Hühnerfarmen.

Grillenmehl für den Weltmarkt

Hinzu kommt, dass die Grillen nicht nur vor Ort verzehrt, sondern zunehmend auch – wohl recht energieaufwendig – zu Mehl verarbeitet und anschließend durch die halbe Welt transportiert werden. Immer mehr westliche Firmen bestellen ihre insektoiden Zutaten in Thailand. Das Landwirtschaftsministerium hat eigens eine Delegation der EU empfangen, um Grillenmehl-Handelsbeziehungen aufzubauen. Der Import lohnt sich für viele Firmen wegen der niedrigeren Lohnkosten: Im Vergleich zu kanadischem ist Grillenmehl aus Thailand bis zu dreimal so günstig. Im Westen landet es dann – in oft verschwindend geringem Anteil – beispielsweise in Energieriegeln. Die zumeist von Menschen gegessen werden, die eher mit Übergewicht zu kämpfen haben als mit Proteinmangel. Da es sich zumeist nicht um Hauptmahlzeiten, sondern um zusätzliche Snacks handelt, ersetzen sie in der Praxis also überhaupt kein Fleisch.

Was sagt einem all das über Insekten als ‚Nahrung der Zukunft‘?

Was als Lösung gilt, entpuppt sich eher als Teil des Problems. Werden von billiger Kinderhand entflügelte Heuschrecken oder Energieriegel mit importiertem thailändischem Fischmehlboost-Grillenmehl als Pionierprodukte einer Ernährungsrevolution propagiert, zeigt das: Der Fehler steckt im System. Im Entomophagie-Diskurs heißt es zwar, dass vermeintlich nachhaltige Insekten-Nahrungsmittel für alle erschwinglich werden, sobald ihre Produktion ausreichend automatisiert und hochgefahren ist. Dabei ist es aber nicht unwahrscheinlich, dass es in Bezug auf Zugang, Nachhaltigkeit, Tierwohl, Medikamenteneinsatz usw. weiter zu ähnlichen Widersprüchen kommt wie in der bestehenden Massentierhaltung. An den tieferen Ursachen von Welthunger und ökologischer Krise kann eine neue Ware nichts ändern, sie sogar verschärfen. Wenn Insekten primär produziert werden, um Profit zu generieren, helfen sie weder ‚dem Planeten‘ noch hungernden Menschen.

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Essbare Insekten – eine Chance für Kleinbäuer*innen

Myanmar: Insekten als Nahrungsmittel haben in Myanmar Tradition. Bisher werden sie vor allem in der Natur gesammelt. Die steigende Nachfrage lässt die natürliche Insektenpopulation schrumpfen. Insektenzucht wäre eine nachhaltige Möglichkeit, den Insektenkonsum zu decken.

Insekten sind schmackhaft, nahrhaft und inzwischen auch in Europa in aller Munde. Sie sind kein arme Leute Essen, wie manch einer vermuten mag, sondern beliebt quer durch alle sozialen Schichten. Wer Insekten isst, wie sie gefangen und zubereitet werden und warum Insekten in Myanmar populär sind und weiterhin an Beliebtheit gewinnen, wird hier nachgegangen.

Spätestens seit 2018 die Novel Food Verordnung der Europäischen Union in Kraft trat und Insekten somit offiziell auch in Europa zu den (neuartigen) Lebensmitteln zählen, sind viele Europäer*innen neugierig mal eine Portion Grillen-Pasta oder Insektenmüsli zu probieren, um mitreden zu können oder auf einer Party die Gäste mit kleinen Insekten-Snacks herauszufordern. In weiten Teilen Südostasiens hingegen lehnt man sich da entspannt zurück, denn dort gibt es eine lange Tradition des Speiseinsektenkonsums als selbstverständlichen Teil der Nahrungskultur.

Insekten aus der Natur

Im ländlichen Raum Myanmars werden Insekten in der Natur gesammelt und als Teil einer normalen Mahlzeit oder auch als Snack zubereitet und gegessen. Die Frage, ob bei jungen Leuten Insekten eher als rückständig eingestuft würden und vorrangig in der älteren Generation beliebt seien, wurde von den Interviewpartnern*innen in Kengtung, im Osten Myanmars an der Grenze zu Thailand, verneint. Vielmehrberichteten sie, dass Kinder und Jugendlichen niemals eine Insektenmahlzeit verschmähen würden und dass Insekten oft zum Lieblingsessen zählen.

Die beste Saison für Insekten ist die Regenzeit, wenn es heiß und feucht ist. Je nach Jahreszeit kommen Riesengrillen, Bambusbohrerlarven oder Wasserkäfer auf den Tisch. Die Kleinbäuer*innen wissen genau, welche Insekten sie zu welcher Zeit des Jahres finden können. Aber auch im urbanen Raum lässt sich mit Essinsekten gutes Geld machen. Somit findet man auf Märkten zur Saison bergeweise Riesengrillen, die entweder direkt mit Salz und Öl in der Pfanne angebraten oder für die Zubereitung zu Hause gekauft werden. Außerdem gibt es auf den Märkten Hornissen/Wespenlarven (meist gemischt), Zikaden, Wasserkäfer, verschiedene kleine Grillenarten, Larven von roten Palmrüsselkäfern, Seidenraupenpuppen und andere Delikatessen zu kaufen.

Es ist auch kein ungewöhnliches Bild, sondern eher Teil des aufflammenden Trends in den Bars junge Menschen eine Portion Riesengrillen zu ihrem Bier essen zu sehen. Diese hochwertigen Proteinquellen sind aber keineswegs erschwinglicher als Fleisch oder Fisch, sondern eher hochpreisig. Auch im einen oder anderen vor allem chinesischen Restaurant, werden Insekten angeboten. Sie werden meist mit Salz und Öl, zum Teil auch mit anderen Gewürzen, angebraten und heiß serviert.

Verarbeitete Produkte gibt es bisher keine. Die Konsument*innen, die Insekten essen, erklärten, dass das ganze Insekt den sensorischen Reiz ausmache und es ohne knusprigen Körper im Mund nur das halbe kulinarische Vergnügen sei. Bisher stammen fast alle Insekten aus der Natur und werden mit verschiedenen Techniken gesammelt. Sie werden von Pflanzen abgesammelt. In Bambusstämme werden ca. fünf cm große Löcher gehackt, um die Larven der Bambusbohrer zu erreichen oder große Lichtfallen werden mit Wasserbecken aufgestellt, um Riesengrillen anzulocken. Produzierte Insekten sind fast ausschließlich aus Thailand oder China importiert. Aber inzwischen gibt es auch zwei Hände voll Pioniere, die meist kleine Grillenarten züchten und Eier aus Thailand beziehen.

“Ich esse keine Insekten, ich esse nur Riesengrillen” – wer sind die Insektenkonsument*innen?

“Ich esse keine Insekten, ich esse nur Riesengrillen” war ein häufig gehörter Satz während der Grundlagenforschungsreise eines Insektenprojektes in Zentralmyanmar. Er verweist auf die Tatsache, dass die prominenteste ethnische Gruppe im Land, die Bamar (69 Prozent der Bevölkerung), traditionell nur wenig Insekten isst und vor allem dem aktuellen Riesengrillen-Trend folgt. Diese Grillenart ist ungefähr daumengroß und nur in freier Wildbahn zu finden, da sie sich nicht für die Produktion eignet. Sie erfreut sich höchster Beliebtheit im gesamten Land und man könnte meinen, dass sie dabei ist, sich den Status des nationalen Ess-Insektes zu erwerben.

Die größte Vielfalt an konsumierten Essinsekten gibt es in den bergigeren Regionen des Landes und den Grenzregionen zu Thailand und China. An der Küste hingegen – wo es Proteinquellen aus dem Meer im Überfluss gibt – werden weniger Insekten gegessen. Aber auch dort finden sich Riesengrillen oder Larven des roten Palmrüsselkäfers auf den Märkten.

Das Essinsekt erweist sich auf den ersten Blick als verbindendes Nahrungsmittel zwischen verschiedenen sozialen Schichten. Wer allerdings keinen Zugang zu gesammelten Insekten aus der Natur hat, braucht das nötige Kleingeld. Eine Portion geröstete Riesengrillen (50 Stück) am Straßenstand kostet umgerechnet 4,40 Euro, eine Portion Seidenraupen (50-70 Stück) mit Knoblauch und Kräutern angemacht kostet im Onlinehandel umgerechnet 2,90 Euro.

Zum einen spielt die ethnische Herkunft eine Rolle für das Insektenschlemmen. Als Beispiel dafür ist in der Grenzregion die ethnische Gruppe der Pa-O besonders bekannt für ihre Liebe zu Essinsekten. Zum anderen entscheidet auch die Religionszugehörigkeit darüber, ob Insekten auf die Teller kommen oder nicht. Unter Muslimen und Hindus gelten Insekten als unreine Nahrungsmittel und werden meist abgelehnt. Die Anhänger*innen des buddhistischen Glaubens hingegen lehnen nur die Massentötung von Tieren inklusive Insekten ab, da sie als schlecht für das Karma gilt. Somit ist es nicht überall einfach, die Insektenproduktion als nachhaltige Alternative zum Sammeln anzupreisen.

Wertschöpfungsketten und Insektenmärkte

Viele der befragten Händler*innen, die im Insektensektor arbeiten, sind Frauen, die vorher Gemüse oder andere landwirtschaftliche Produkte vermarktet haben oder diese weiterhin parallel vermarkten. Insekten sind zwar die sehr viel lukrativere Einkommensquelle, aber je nach Art nur ein saisonales Produkt. Auf dem Markt der Hauptstadt des Shan Staates, Taunggyi, dem der Ruf des Essinsektenstaates Myanmars vorauseilt, gibt es auch als konserviert angepriesene Insekten. Diese sind meist einfach gebraten und in Plastikgläser verpackt worden. Die Haltbarkeit und Nahrungsmittelsicherheit sind bei diesem Verfahren allerdings fragwürdig.

Die Wertschöpfungsketten im Insektensektor sind teilweise kurz und auf die lokalen Märkte beschränkt, für einige Insekten verlaufen sie aber auch quer durchs Land oder über Ländergrenzen hinweg. Insbesondere für Riesengrillen existieren Groß- und Zwischenhandel. Aber auch die chinesischen Händler*innen in Rangun beziehen Seidenraupen aus China, die Händler*innen in der Grenzregion zu Thailand Ware aus der Grenzstadt Tachileik oder naheliegenden Städten in Thailand.

Die Händler*innen sind meistens Familienunternehmen, in denen jedes Familienmitglied seine Rolle hat. Ein Großhändler aus Mandalay verbringt oft den Oktober und November in Shwegu, im Kachinstaat und in Katha in der Sagaing-Region, von wo er seine Riesengrillen in großen Mengen bezieht. Dort friert er die Vorräte bei Verwandten in großen Gefriertruhen ein und lässt sich diese immer in Kühlboxen auf Eis nach Mandalay liefern, so dass die Konsument*innen sie für frisch gesammelt halten. Während er und sein Sohn vor Ort dafür sorgen, dass ausreichend Grillen gefangen und eingefroren werden, betreibt seine Frau das Business in Mandalay und versorgt die kleinen Händlerinnen täglich mit Grillen für ihre Straßenstände.

Der Druck auf Insektenpopulationen steigt durch urbanen Konsum

Die Händler*innen und Insektensammler*innen beklagten, dass die Verfügbarkeit der Insekten zurückginge und sie immer weiter reisen müssten, um in der Wildnis an ausreichend Insekten zu kommen. So berichtete einer der wichtigsten Großhändler von Riesengrillen aus Mandalay, dass er vor zehn Jahren in der Gegend um Mandalay und aus dem 1,5 Stunden entfernten Pyin Oo Lwin ausreichend Insekten fangen konnte. Inzwischen müsse er aber 7-8 Stunden in den Norden von Myanmar reisen, um überhaupt Insekten zu finden und der steigenden Nachfrage gerecht zu werden. Die Insektenpopulationen stehen unter Druck und schrumpfen durch den steigenden urbanen Konsum und fehlende Kontrollen des Sammelns. Insbesondere die Weibchen vieler Insektenarten, die Eier im Bauch tragen, erzielen höhere Preise und gelten als besonders schmackhaft. Diese Praktiken aber dezimieren die Insektenpopulationen noch mehr.

Fehlende politische Unterstützung

Die Produktion von essbaren Insekten eine interessante und nachhaltige Möglichkeit, den Insektenkonsum der Bevölkerung zu decken. Bisher aber fehlt vielen burmesischen Kleinbäuer*innen oder Kleinunternehmer*innen die Vorstellung davon, dass Insekten sich produzieren lassen, und gleichzeitig eilt den Insekten aus der Natur der Ruf voraus, von höherer Qualität zu sein.

Während in Thailand die Regierung durch den Aufbau von Trainingszentren und Trainingsreihen mit Produzent*innen und Konsument*innen Wissen über Essinsekten näher gebracht hat oder junge Unternehmer*innen sich über YouTube und andere soziale Medien das nötige Wissen zugelegt haben, hängen interessierte burmesische Kleinbäuer*innen und Unternehmer*innen noch in der Warteschleife. “Uns fehlt das Wissen und Kapital, um Insekten zu produzieren” äußerte ein interessierter Bauer aus Knegtung während einer Diskussionsrunde. Die Sorge, dass es keinen Markt gäbe, gibt es hingegen nicht.

Bisher gibt es kaum Unterstützung von Regierung oder Beratungsdiensten, da auch hier das Potenzial von Insekten in der Ernährung und als Einkommensquelle eher unbekannt ist. Das ProciNut-Projekt des deutschen Landwirtschaftsministeriums am Zentrum für Entwicklungsforschung versucht, die Idee und Vorzüge sowie Techniken der Produktion lokaler und typischer Insekten zu verbreiten und auf Policy-Ebene Bewusstseinsbildung zu betreiben. Auch im Bereich Verarbeitung gibt es viel ungenutztes Potenzial. In der burmesischen Küche ist es üblich, als Würze Garnelenpulver auf fast jedes Essen zu streuen. Dies könnte auch durch Grillenmehl oder andere Insektenmehle ergänzt werden.

Eine Plastikbox und Gemüseabfälle – so einfach ist die Insektenproduktion

Die Insektenproduktion kann relativ simpel sein. Für einige Insektenarten genügen Plastikboxen, Gemüseabfälle und etwas proteinreiche Nahrung für die Elterngeneration sowie ein Medium für die Eiablage. Wer aber die beliebte und schmackhafte Riesengrille produzieren möchte, muss auf Fortschritte in der Forschung warten. Momentan ist ihr Lebenszyklus zu lang und die natürlichen Lebensbedingungen sind schwer nachzubilden, um eine wirtschaftliche Produktion zu erzielen.

Die Feldforschung, auf der dieser Artikel basiert, wurde vom deutschen Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) auf der Grundlage des Beschlusses des Parlaments der Bundesrepublik Deutschland finanziell unterstützt.

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