Vor zwanzig Jahren entstand am Fuß des höchsten Berges von Na Nong Bong eine Goldmine. ©radicalgrandmacollective, alle Rechte vorbehalten
Thailand: Frauen in der Provinz Loei drücken Widerstand gegen Bergbau und Hoffnung auf Renaturierung in textilen Mustern aus.
Vor zwanzig Jahren wurde in einem Tal, das von drei Bergen umschlossen wird, am Wassereinzugsgebiet der Gemeinde Na Nong Bong in der Provinz Loei, Nordostthailand, eine Goldmine errichtet. Die Mine leitete Zyanid und Schwermetalle in den Boden und die Bäche darunter. Unter dieser Goldmine lebten die Menschen in sechs Dörfern über zwei Jahrzehnte lang und kämpften gegen die toxische Verseuchung, bis die Mine schließlich geschlossen wurde.
In all den Jahren, in denen Sprengungen das Tal erschütterten und Polizeisirenen und Schüsse die Nächte durchdrangen, hörte ein Geräusch nie auf: das stetige Klappern der Webstühle unter den Fußböden ihrer Häuser.
Seit zehn Jahren befindet sich die Gemeinde in einem neuen Kampf – in einem um die Wiederherstellung ihres Landes. Doch „Wiederherstellung“ bedeutet nicht für alle dasselbe. Für staatliche Behörden mag es die Verwaltung des Minenstandorts nach rechtlichen Rahmenbedingungen und Vorschriften bedeuten, für Sanierungsingenieure den Einsatz von Technologien zur Neutralisierung toxischer Kontamination. Doch für eine Gemeinde, die mit diesen Bergen, diesem Land und dessen Bächen verbunden ist, trägt Wiederherstellung eine viel tiefere Bedeutung, die über das Physische hinausgeht. Zwischen dem Staat und der Gemeinde ist ein stiller Konflikt darüber entstanden, was „Wiederherstellung“ bedeutet.
Für eine Gruppe von Frauenrechtlerinnen, von denen viele nie die Möglichkeit hatten, zur Schule zu gehen, wurde der gewebte Stoff zum Instrument, mit dem sie ihre eigenen Geschichten über die Berge, die Goldmine und die Zukunft des Landes erzählen konnten. Und so begannen drei charakteristische Muster der Gemeinde zu entstehen als ein gemeinsam gewebtes Tuch.
Das Muster der Goldader: Eine Haltung einweben. ©radicalgrandmacollective ©James St. John, alle Rechte vorbehalten
Ein dunkelbrauner Baumwollstoff, gefärbt mit dem Fruchtextrakt des Ebenholzes und übersät mit feinen, unregelmäßigen weißen Strichen – als solcher ist er Erinnerungsaufzeichnung und Stellungnahme zugleich. Großmutter Jean (Sri Lunthasot) ist eine der Frauenrechtlerinnen, die für Landrechte und die Schließung der Mine kämpften. Sie ist die Schöpferin des Musters, das als „Goldader“ bekannt ist.
Ein Gleichgewicht, das es zu bewahren galt
Die Inspiration stamm von etwas, das die Dorfbewohner:innen täglich gesehen hatten: natürlich aufgespaltene Felswände und Erdschichten, in denen sich dünne goldfarbene Erzadern durch den Stein zogen. Für das Bergbauunternehmen bedeuteten diese Landschaften abbaubare Ressourcen. Doch für die Frauen der Gemeinde trug dasselbe Bild eine völlig andere Bedeutung. Sie sahen natürliche Schönheit, ein Gleichgewicht, das es zu bewahren und nicht zu zerstören galt. Das Gold war bereits dort schön, wo es lag. Warum sollte man einen Berg sprengen, um es herauszuholen?
Während das Unternehmen nach Erz suchte, um seine Bergbaukonzession zu beantragen, wandten sich die Frauen dem Weben zu als Ausdruck von Werten, die der Staat nicht teilte. Ein Tuch nach dem anderen mit dem Goldader-Muster wurde gewebt und so eine Geschichte erzählt, die sich gegen die staatliche Erzählung vom Bergbau als Notwendigkeit stellte. Jeder Faden, den Großmutter Jean webte, war eine Niederschrift ihrer politischen Haltung: Die Mine durfte nie eröffnet werden, und der Berg, das Leben und die Kultur der Gemeinde mussten geschützt werden.
Das Tagebaumuster: Eine Erinnerung festhalten. ©radicalgrandmacollective ©fortifyrights, alle Rechte vorbehalten
Die erste Sprengung hallte wider. Felsbrocken klapperten auf die Dächer. Der Berggipfel, einst ein Ort, um Nahrung zu sammeln und den Lebensunterhalt zu verdienen, verschwand vor ihren Augen. Staub hing in der Luft. Die Explosionen setzten sich über Jahre fort, bis viele Dorfbewohner:innen chronischen Stress entwickelten und nicht mehr schlafen konnten.
Je tiefer der Krater, desto tiefer ihre Trauer
Großmutter Wan (Laem Chaijaroen) war eine von denen, die hinaufstiegen, um den gesprengten und zu einem tiefen Krater ausgegrabenen Berggipfel zu sehen – eine Wunde von enormem Ausmaß. Sie erinnert sich, dass der Anblick sie mit einem unermesslichen Kummer erfüllte: Je tiefer der Krater, desto tiefer ihre Trauer.
Diese stille Gewalt wurde zur treibenden Kraft, die sie dazu brachte, sich Gehör zu verschaffen und der Außenwelt zu vermitteln, was hier geschehen war. Das Tagebaumuster ist eine Aufzeichnung dieses Verlustes. Es handelt sich um von Hand gewebte Erinnerung. In jedem Tuch, das sie webt, hofft Großmutter Wan, diesem Schmerz eine Stimme zu geben und so zur Heilung zu kommen.
Das Muster der nächsten Welt: Eine Absicht setzen. ©radicalgrandmacollective, alle Rechte vorbehalten
Das gestreifte Muster ist eines der vertrautesten Designs, die auf dem Yaam zu finden sind, der Schultertasche, die die Tai-Loei-Menschen im Alltag tragen. Der Yaam begleitet sie durch alle Lebensphasen. Einige Älteste erinnern sich, dass Säuglinge manchmal in einem Yaam auf die Felder mitgenommen wurden. Als die Kinder erwachsen wurden, ging die Tasche mit ihnen auf die Berge, um Gemüse und Bambussprossen zu sammeln. Bei einem Todesfall legten Angehörige Notwendigkeiten hinein – Reis, Salz oder geliebte Dinge der Verstorbenen – für ihre Reise in die nächste Welt.
Aus einem so vertrauten Muster schufen die jüngeren Generationen von Na Nong Bong eine neue Bedeutung und nannten es das „Muster der nächsten Welt“. Doch die „nächste Welt“ meint nicht das Jenseits der Toten. Es meint die Zukunft der Lebenden, die Zukunft dieses Landes nach dem Goldabbau. Eine Welt, in der Berge, Bäche und Böden frei von toxischer Verseuchung sind. Eine Welt, in der die Gemeinde würdevoll leben kann. Eine Welt, in der die Menschen das Recht haben, ihre eigenen Ressourcen zu verwalten.
Das Muster der nächsten Welt ist eine Niederschrift gemeinsamer Wünsche, eine Hoffnung, die von Generation zu Generation weitergegeben wird.
Zwischen den Fäden lesen
Das Wissen über Landschaft, Ressourcen und Verlust wird nicht nur in Dokumenten oder Berichten, sondern auch als gewebtes Muster festgehalten. Es ist eine Sprache, mit der die Gemeinde ihre Beziehung zum Land aufzeichnet. Die Webpraxis ist lebendiger Ausdruck indigenen Wissens.
Bei genauerer Betrachtung sind diese Textilien nicht einfach nur Ergebnis eines traditionellen Handwerks. Sie sind ein Zeugnis ökologischer Kraft, das anders funktioniert als wissenschaftliche Berichte oder juristische Dokumente. Die Muster der Goldader und des Tagebaus dokumentieren die Erfahrungen der Gemeinde mit dem Bergbau: sowohl die Schönheit der natürlichen Welt als auch die Verluste, die folgten. Das Muster der nächsten Welt tut etwas anderes. Es trägt Bedeutung und Verantwortung in die nächste Generation und fragt: Nun, da die Mine geschlossen ist, wie kümmern wir uns um dieses Land?
Die Muster dokumentieren die Erfahrungen der Gemeinde. ©radicalgrandmacollective, alle Rechte vorbehalten
In vielen Fällen werden ländliche Gemeinden, die von Bergbau oder großangelegten Entwicklungsprojekten betroffen sind, als wissenslos angesehen und sprachlos gemacht. Ihnen wird verwehrt, zu beschreiben, was mit ihnen geschieht. Doch die Textilien der Frauen von Na Nong Bong erzählen eine andere Geschichte. Sie zeigen, dass diese Frauen schon immer eine Sprache hatten – eine, die in Fäden gewebt und nicht in Text geschrieben ist.
Heute ist die Goldmine geschlossen. Doch die Geschichte von Na Nong Bong ist noch nicht zu Ende. Die Wiederherstellung des Landes, der Bäche und des Ökosystems wird noch viele Jahre dauern. In der Zwischenzeit tragen die Textilien, die die Frauen weiterhin weben, ihre Aufzeichnungen der Vergangenheit und Spuren des Kampfes sowie ihre Vorstellungen von der Zukunft des Landes weiter. Jeder Faden, der unter den Fußböden ihrer Häuser gewebt wird, ist ein weiterer Satz in der Geschichte, die die Gemeinde für sich selbst schreibt.
Übersetzung aus dem Englischen: Simon Kaack
Jirajade Wisetdonwail hat einen Hintergrund im Bildungswesen und arbeitet derzeit mit dem Radical Grandma Collective in der Provinz Loei, Thailand. Dort entwickelt sie, gemeinsam mit von Goldabbau betroffenen Gemeinden, Wiederherstellungslehrpläne für eine Webschule. Ihr akademisches Wirken konzentriert sich auf das Pluriversum und epistemische Ungerechtigkeit.
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Thailand – Frauen in der Provinz Loei drücken Widerstand gegen Bergbau und Hoffnung auf Renaturierung in textilen Mustern aus

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