Call for Paper: Ausgabe 3/2020

Call for Paper südostasien

MeToo – Streetart im indonesischen Yogyakarta, entstanden 2017 (Künstler: BIG) © Ithmus.Flickr CC BY 2.0

THEMA: #SOA_Too. Sexualisierte Gewalt und feministische Gegenwehr in Südostasien

Die zunächst auf Hollywood beschränkte #MeToo-Debatte hat eine weltweite Bewegung von Frauen ausgelöst, die sich gegen die systematische, sexualisierte Gewalt von Männern in Machtpositionen zur Wehr gesetzt hat. Aber gibt es die #MeToo-Bewegung auch in Südostasien? Dieser Frage wollen wir in dieser Ausgabe der Zeitschrift Südostasien nachgehen.

Wir fragen zunächst nach den historischen Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt und ihren gesellschaftlichen Traumafolgen. Fast jedes Land in Südostasien hat massive Gewalt erlebt – unter der Kolonialherrschaft, im Kontext der nationalen Befreiung, und später als Austragungsorts der Blockkonfrontation: Die japanische Besetzung während des Zweiten Weltkriegs, der amerikanische Krieg in Vietnam, die Massenmorde in Indonesien 1965, die Terrorherrschaft der Khmer Rouge in Kambodscha, der jahrzehntelange Bürgerkrieg in Myanmar uvm. In all diesen Konflikten wurde sexualisierte Gewalt gegen Frauen als Kriegsmittel systematisch eingesetzt. Doch aufgearbeitet wurde das bislang wenig – weder gesellschaftlich noch wissenschaftlich. Was wissen wir über die Erfahrung von Frauen in diesen Konflikten? Wo sind die Lücken, die geschlossen werden müssen? Und welche gesellschaftlichen und intergenerationalen Folgen haben diese traumatischen Erfahrungen für die heutigen Gesellschaften?

Mit dieser Geschichte verknüpft sind die heutigen gesellschaftlichen Ursachen von struktureller Gewalt gegen Frauen. In welchen Kontexten ist Gewalt gegen Frauen heute im Alltag verankert? Welche Machtstrukturen setzen diese Gewalt heute fort? Sind bestimmte Branchen oder Institutionen wie in anderen Weltregionen – Familie, Religion, Schule, Medien, Leistungssport – besonders betroffen? Welche Rolle spielt die Sexindustrie? Wie sind Transgender betroffen? Welche Gewalt geht von den Repressionsorganen wie Polizei, Militär und Gefängnissen aus? Und welcher Zusammenhang besteht zwischen dem neuen Autoritarismus in der Region, einer hegemonialen Männlichkeit und Gewalt gegen Frauen?

Schließlich interessiert uns die Frage nach feministischer Gegenwehr in der Vergangenheit und welche neuen Impulse die #MeToo-Bewegung in Südostasien evtl. ausgelöst hat? Konnten die Anzeige von Vorfällen, organisierte Frauenbewegungen unterschiedlicher Institutionen und Frauenrechte im Allgemeinen dadurch gefördert werden? Wie haben sich hier auch geschichtlich Frauenbewegungen entwickelt? Was tut sich bei den Männern? Und welche Fortschritte sind erzielt worden, welche Herausforderungen sind noch zu meistern?

Wir möchten uns diesen Fragen in möglichst vielen verschiedenen Darstellungsformen widmen: Reportagen, Hintergrundberichte, Analysen, Portraits von Akteur*innen, Interviews oder auch Foto-Essays.

Selbstverständnis der südostasien

südostasien versammelt Stimmen aus und über Südostasien zu aktuellen Entwicklungen in Politik, Ökonomie, Ökologie, Gesellschaft und Kultur. Zu vier Schwerpunkthemen im Jahr erscheinen Beiträge über die Region und die Länder Südostasiens sowie deren globale/internationale Beziehungen.

südostasien versteht sich als pluralistisches Forum eines herrschaftskritischen und solidarischen Dialogs, als Raum für Diskussionen zwischen Akteur*innen in Südostasien und Deutschland mit Nähe und Kenntnissen zu sozialen Bewegungen. südostasien beschäftigt sich mit Möglichkeiten transnationaler Solidaritätsarbeit angesichts ungleicher Machtverhältnisse zwischen dem globalen Norden und Süden. südostasien möchte Denkanstöße für das Handeln in Europa bzw. in Deutschland liefern.

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