© Hendra Pasuhuk

Südostasien hat sich seit den 1980er Jahren stark verändert. Einige Länder machten demokratische Fortschritte, andere blieben unter autoritärer Kontrolle.

In den Philiippinen stürzte die People Power-Revolution 1986 den Diktator Ferdinand Marcos und führte zur Wiederherstellung der Demokratie unter Corazon Aquino. In Indonesien erfolge nach dem Rücktritt von Diktator Suharto 1998 eine umfassende politische Öffnung (Reformasi). Doch Herausforderungen wie Korruption, religiöse Spannungen und autoritäre Tendenzen bleiben bestehen.

In Myanmar gab es nach Jahrzehnten der Militärherrschaft ab 2010 Reformen und eine Annäherung an die Demokratie. Die Wahlen 2015 brachten Aung San Suu Kyis Partei an die Macht, bevor das Militär 2021 erneut putschte. In Thailand putschte das Militär 2006 und 2014, was zu anhaltender politischen Instabilität führte.

In Kambodscha regierte Premierminister Hun Sen und seine Kambodschanische Volkspartei (CPP) seit den 1980ern zunehmend autokratisch und unterdrückte die Opposition. 2023 übergab Hun Sen nach 38 Jahren sein Amt an seinen Sohn Hun Manet, bleibt jedoch als Parteichef einflussreich. Vietnam und Laos bleiben sozialistische Einparteienstaaten mit wirtschaftlichen Reformen, aber ohne politische Liberalisierung.

Hier ein Überblick über die wichtigsten Entwicklungen:

1980er

Ferdinand Marcos‘ 20jährige Herrschaft endete 1986. © Wikipedia / Dino Bartomucci, CC BY-SA 3.0

  • 1981: Benigno Aquino Jr., philippinischer Oppositioneller und scharfer Kritiker von Präsident Ferdinand Marcos, wird bei seiner Rückkehr aus dem Exil auf dem Flughafen von Manila erschossen.
  • 1984: Brunei erlangt die vollständige Unabhängigkeit von Großbritannien.
  • 1986: Die Philippinen erleben die „Peoples Power Revolution“, in deren Folge Ferdinand Marcos gestürzt und Corazon Aquino Präsidentin wird.
  • Mit den Doi Moi-Wirtschaftsreformen nimmt Vietnam Kurs auf eine sozialistisch-privatwirtschaftliche Marktwirtschaft.
  • 1988: In Burma (ab 1989 Myanmar genannt) schlägt das Militär die Proteste der Demokratiebewegung gewaltsam nieder und etabliert ein neues Militärregime. Die Nationale Liga für Demokratie (NLD) unter Aung San Suu Kyi wird gegründet.
  • 1989: Die indonesische Armee tötet Hunderte Demonstrant:innen für Unabhängigkeit in Osttimor (Santa-Cruz-Massaker), was internationale Proteste auslöst.

 

1990er

Suhartos mehr als 30jährige Herrschaft endete 1998. © Wikipedia / Office of the Vice President of the Republic of Indonesia, Gemeinfrei

  • 1991: Kambodscha unterzeichnet das Pariser Friedensabkommen, das die Grundlage für den Wiederaufbau nach dem Bürgerkrieg legt.
  • 1992: Die Black May Proteste gegen die militärgestützte Regierung in Thailand werden gewaltsam niedergeschlagen. Dabei kommen bis zu 100 Menschen ums Leben. Rund 3.500 Menschen werden inhaftiert.
  • 1995: Der Verband südostasiatischer Nationen (ASEAN) vergrößert sich – Vietnam und später auch Myanmar, Laos und Kambodscha werden Mitglieder.
  • 1997: Die ASEAN-Staaten beschließen eine Charta für Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit sowie das Verbot von Atomwaffen.
  • 1997: Die Währungs- und Wirtschaftskrise trifft Südostasien schwer, insbesondere Indonesien, Thailand und Malaysia mit gravierenden Folgen.
  • 1998: Suharto tritt nach massiven Protesten und wirtschaftlichem Druck als Präsident Indonesiens zurück. B. J. Habibie übernimmt sein Amt.
  • 1999: Nach einem Unabhängigkeitsreferendum wird Osttimor von Indonesien unabhängig, unter Aufsicht der Vereinten Nationen wird eine Übergangsregierung gebildet.

 

2000er

Die Flagge Timor Lestes, seit 2002 ein souveräner Staat. © Wikipedia / Regio Da Cruz Salu, CC BY-SA 3.0

  • 2001: Nach Massendemonstrationen wird der philippinische Präsident Joseph Estrada wegen Korruptionsvorwürfen abgesetzt. Vizepräsidentin Gloria Macapagal-Arroyo übernimmt das Amt.
  • Thaksin Shinawatra, ein populistischer Geschäftsmann, gewinnt mit seiner Partei Thai Rak Thai (TRT) die Wahlen und wird Premierminister.
  • 2002: Osttimor (Timor-Leste) wird nach jahrzehntelangem Kampf für die Unabhängigkeit offiziell ein souveräner Staat.
  • Bei einem islamistischen Terroranschlag auf der indonesischen Insel Bali werden 202 Menschen, hauptsächlich Touristen, getötet.
  • 2004: Der Tsunami im Indischen Ozean trifft Südostasien schwer und hat massive humanitäre und politische Auswirkungen.
  • 2006: Ein Militärputsch in Thailand stürzt Premierminister Thaksin Shinawatra. Dies markiert den Beginn einer langanhaltenden politischen Instabilität im Land.
  • 2007: Die Safran Revolution in Myanmar richtet sich ursprünglich gegen drastische Preiserhöhung und wird von buddhistischen Mönchen und Nonnen angeführt. Bei ihrer gewaltsamen Niederschlagung durch das Militär werden zahlreiche Menschen getötet (Schätzungen schwanken zwischen Dutzenden und Tausenden). Hunderte werden verhaftet.
  • 2008: Die Mitgliedsstaaten der ASEAN (Verband Südostasiatischer Nationen) verabschieden eine Charta zur stärkeren Integration.

 

2010er

Aung San Suu Kyi empfängt Barack Obama 2012 in ihrer privaten Residenz. © Wikipedia / Pete Souza, CC BY-SA 3.0

  • 2010: Im Juli fällt das Khmer Rouge Tribunal in Kambodscha sein erstes Urteil gegen Kaing Guek Eav alias Duch (35 Jahre Haft). Als Leiter des Tuol Sleng Gefängnisses wird er für die Ermordung von mindestens 14.000 Menschen verantwortlich gemacht.
  • In Myanmar finden erstmals seit zwei Jahrzehnten Parlamentswahlen statt. Sie werden allerdings von der oppositionellen NLD boykottiert.
  • 2013: Der Konflikt in den südlichen Philippinen erreicht eine neue Phase, als die Regierung ein Friedensabkommen mit der Moro Islamic Liberation Front unterzeichnet.
  • 2014: Ein weiterer Militärputsch in Thailand führt zur Machtübernahme durch General Prayuth Chan-ocha.
  • 2015: In Myanmar gewinnt die NLD die Parlamentswahlen, eine zivile Regierung unter Beteiligung von Aung San Suu Kyi wird gebildet.
  • 2016: Rodrigo Duterte wird Präsident der Philippinen und startet seine umstrittene „Anti-Drogen-Kampagne“, die international stark kritisiert wird.

 

2020er

Die Covid-19-Pandemie hält ab 2020 die Welt in Atem. Hier das Titelfoto der südostasien – Ausgabe 1|2021 „Corona – Ein Jahr später, und immer noch mittendrin“ © Judith Kunze

  • 2020: Die Covid-19-Pandemie hat massive wirtschaftliche und politische Auswirkungen in der gesamten Region. Autoritäre Tendenzen verstärken sich in einigen Ländern, zivilgesellschaftliche Organisationen geraten unter Druck.
  • In Malaysia tritt der langjährige Premierminister Mahathir Mohamed zurück, es folgen verschiedene kurzfristige Regierungskoalitionen.
  • 2021: Ein Militärputsch in Myanmar stürzt die zivile Regierung unter Aung San Suu Kyi. Massive Proteste eskalieren, ein Bürgerkrieg erfasst weite Teile des Landes.
  • 2022: Ferdinand „Bongbong“ Marcos Jr., Sohn des früheren Diktators Ferdinand Marcos, wird Präsident der Philippinen.
  • 2023: China ist weiterhin bemüht, den wirtschaftlicher Einfluss in Südostasien zu vergrößern, gleichzeitig eskalieren Spannungen im Südchinesischen Meer, insbesondere zwischen China und Vietnam und den Philippinen.
  • 2024: Politische Entwicklungen in der Region konzentrieren sich auf wirtschaftliches Wachstum, die Stärkung der ASEAN-Kooperation, die Herausforderungen des Klimawandels und die geopolitischen Spannungen.
  • In Indonesien gewinnt Prabowo Subianto, Ex-Schwiegersohn des früheren Diktators Suharto, die Präsidentschaftswahl.
  • Artikel
Der Autor
Hendra Pasuhuk, geboren 1961 in Indonesien, ist Journalist and Trainer für Interkulturelle Kommunikation und Management. Hendra hat viele Jahre als Leitender Redakteur des Indonesien-Programms des Deutsche Welle-Radios (DW) gearbeitet und ist derzeit Redakteur der Asien-Redaktion der DW.
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Hendra Pasuhuk

Hendra Pasuhuk, geboren 1961 in Indonesien, ist Journalist and Trainer für Interkulturelle Kommunikation und Management. Hendra hat viele Jahre als Leitender Redakteur des Indonesien-Programms des Deutsche Welle-Radios (DW) gearbeitet und ist derzeit Redakteur der Asien-Redaktion der DW.

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