2 | 2025, Foto-Stories, Myanmar, Thailand,
Autor*in:

Talking to the Moon – Fotostory

Myanmar, Revolution, Trans

© Miriam Hauertmann, alle Rechte vorbehalten

Myanmar/Thailand: Eine dokufiktionale Geschichte von Erwachsen werden und Selbstfindung inmitten der Revolution.

Der 1. Februar 2021 ist wahrscheinlich einer der prägendsten Tage in der Erinnerung vieler Menschen in Myanmar. Es war der Tag, an dem der Militärputsch bekannt gegeben wurde, mit dem sich das Leben von Millionen Menschen bis heute vollkommen auf den Kopf gestellt hat. Diese Fotostory beginnt genau dort, auf den dichten Straßen von Downtown Yangon, in einem kleinen Eierladen, den Oo’s Familie betreibt. Er war damals 19 Jahre alt und beschloss, wie so viele Jugendliche seiner Generation, sich ohne Zögern der Revolution anzuschließen.

Diese Serie ist eine dokufiktionale Rekonstruktion seiner Erinnerungen, fotografiert in Thailand mit seinen Freund:innen als Darsteller:innen. Sie erzählt das Coming-of-Age eines jungen Transmannes aus Myanmar, dessen Identitätssuche, Aktivismus und Überleben untrennbar mit der Revolution verwoben sind. Sie zeigt, wie politische Gewalt, Jugend, Freundschaft und Selbstfindung nicht nacheinander, sondern gleichzeitig stattfinden, und sich gegenseitig beeinflussen.

Oos Erinnerungen führen uns vom Eiershop der Eltern zu seinen ersten Experimenten mit selbstgebauten Explosivkörpern im Badezimmer, zur größeren Produktion gemeinsam mit Kamerad:innen und zu langen Nächten auf Hausdächern, rauchend und wachsam. Schon früh versteht die Gruppe die Ernsthaftigkeit ihres Tuns und beginnt, von Safehouse zu Safehouse zu wechseln, in ständiger Angst, entdeckt zu werden. Parallel dazu erlebt Oo mitten im Chaos seine ganz eigenen inneren Kämpfe: seine geheime Transition mit Hilfe von Testosteron, das erste Mal fern von Zuhause, die Suche nach sich selbst.

Als die Lage im Land immer unerträglicher wird, entscheidet er sich nach einem Jahr, allein nach Thailand zu fliehen, in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. So führt uns das letzte Bild der Serie nach Mae Sot, seinem aktuellen Zuhause – Oo vor seinem kleinen Haus, seinen Hund im Arm, lachend. Es ist ein Ort, an dem er, trotz Exil und Verlust, ein Stück von sich selbst zurückgefunden hat.

Myanmar, Revolution, Trans

1. Februar 2021, Downtown, Yangon. Oo verkauft Eier im Familienladen, als er über eine Radioansage von dem Militärputsch erfährt. © Miriam Hauertmann, alle Rechte vorbehalten

 

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In seinem Zuhause in Yangon bereitet Oo einen Molotowcocktail vor und wirft ihn gegen die Badezimmerwand, um die Explosion zu testen. © Miriam Hauertmann, alle Rechte vorbehalten

 

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Auf dem Dach des Hauses eines Freundes von Oo bereitet die Gruppe explosives Pulver für selbstgebaute Bomben vor. Zugleich geben ihnen die kleinen, schönen, gemeinsamen Momente miteinander Halt. © Miriam Hauertmann, alle Rechte vorbehalten

 

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Oo und seine Freunde testen in der Küche eine selbstgemachte Pulvermischung. Plötzlich schießt eine Flamme zur Decke und sie eilen nach Wasser. Nachdem der Rauch sich verzogen hat lachen alle vor Schreck. © Miriam Hauertmann, alle Rechte vorbehalten

 

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Ein leerer Stuhl und ein Rucksack markieren den Moment, in dem Oo sein Zuhause zum ersten Mal verlässt und in eine ungewisse Zukunft aufbricht. © Miriam Hauertmann, alle Rechte vorbehalten

 

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Ein überfülltes Wohnzimmer, in dem Menschen rauchen, Musik hören und lachen. Es ist ein seltener Moment, in dem Oo und seine Freunde einfach jung sein konnten. © Miriam Hauertmann, alle Rechte vorbehalten

 

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Im dunklen Rahmen des Zimmers läuft „Kyway“ von Kyar Pauk, ein Lied, ein Lied, das alle verbindet. © Miriam Hauertmann, alle Rechte vorbehalten

 

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Auf dem Balkon finden Oo und sein Freund für einen Moment Ruhe, während im Hintergrund Musik spielt. © Miriam Hauertmann, alle Rechte vorbehalten

 

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Allein im Badezimmer bereitet Oo seine Testosteron-Spritze vor. Seine Hände zittern und sein Atem ist schwer, während er sich überwindet, die Nadel einzusetzen. © Miriam Hauertmann, alle Rechte vorbehalten

 

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Drähte, Pulver und Werkzeuge zur Herstellung selbstgebauter Sprengsätze liegen verstreut auf dem Boden. © Miriam Hauertmann, alle Rechte vorbehalten

 

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Eine Schüssel Reis und eine Tasse Kaffee wurden am frühen Morgen von einem Freund für Oo zubereitet. © Miriam Hauertmann, alle Rechte vorbehalten

 

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Ein kurzer Dankesgruß von Oo an seinen Freund für das zubereitete Frühstück. © Miriam Hauertmann, alle Rechte vorbehalten

 

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Oo und seine Freunde posieren für ein Selfie in einem der Safehouses in Bago. Eines der wenigen Originalfotos, die aus dieser Zeit geblieben sind. © Miriam Hauertmann, alle Rechte vorbehalten

 

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Oo bereitet seine nächste Testosteron-Injektion in einem dachlosen, halb verfallenen Badezimmer ohne fließendes Wasser vor. © Miriam Hauertmann, alle Rechte vorbehalten

 

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Spät in der Nacht kehrt ein Mitglied der Gruppe betrunken ins Safehouse zurück und tastet sich im Dunkeln die Treppe hinauf. Zu diesem Zeitpunkt hatten Misstrauen und Angst längst alle erfasst. © Miriam Hauertmann, alle Rechte vorbehalten

 

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Durch ein Loch im Dach sammelt sich Regenwasser im Raum. Im schwachen Licht spiegelt sich das Gesicht eines Gruppenmitglieds in der Pfütze und zeigt die Unruhe und Unsicherheit, die ihren Alltag im Safehouse prägten. © Miriam Hauertmann, alle Rechte vorbehalten

 

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Im nur von einer Kerze erleuchteten Safehouse bespricht die Gruppe ihre Pläne. Oo und ein weiterer Freund entscheiden sich, nach Yangon zurückzukehren, während zwei andere Mitglieder sich entschließen, zur KNU (Karen National Union) zu gehen. © Miriam Hauertmann, alle Rechte vorbehalten

 

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Während das Taxi bereitsteht, um nach Yangon zu fahren, blickt Oo ein letztes Mal zurück auf seine Freunde, die sich draußen vorm Wagen verabschieden. © Miriam Hauertmann, alle Rechte vorbehalten

 

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In dieser Nachricht bat Oo’s Freund ihn, für ihn bei KFC zu essen, wenn er Yangon erreicht. Kurz darauf ging der Freund zur KNU in den Dschungel und wurde getötet. Dieser einfache Satz wurde zu Oos letzter Erinnerung an ihn. © Miriam Hauertmann, alle Rechte vorbehalten

 

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Eine symbolische Rekonstruktion des Moments, in dem Oo erfährt, dass einige seiner Freunde in der Revolution getötet wurden. Die verwelkten und die lebenden Rosen stehen für die verlorenen und die überlebenden Freunde, während er die Nachricht verarbeitet. © Miriam Hauertmann, alle Rechte vorbehalten

 

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Im Dschungel folgt Oo dem Agenten durch Schlamm, Dornen und unebenes Gelände, aus Angst entdeckt zu werden, während er bei fast vollem Mond die Grenze von Myanmar nach Thailand überquert. © Miriam Hauertmann, alle Rechte vorbehalten

 

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Straßenschilder nach Mae Sot, Tak und Sukhothai lassen Oo erkennen, dass er sicher in Thailand angekommen ist und die Dunkelheit hinter ihm liegt. © Miriam Hauertmann, alle Rechte vorbehalten

 

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November 2025. Oo steht vor dem Haus, in dem er mit Freunden lebt, seinen Hund im Arm und ein Lächeln im Gesicht. © Miriam Hauertmann, alle Rechte vorbehalten

Mitwirkende an der Foto-Story: Oo (Hauptdarsteller), Phue Phue, Theo, Eric, Little Bird.
Technische Assistenz: Gerard Pozo Martinez

Creative Commons Lizenzvertrag
Dieser Text erscheint unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz


2 | 2025, Foto-Stories, Myanmar, Thailand,
Autor*in:

Talking to the Moon – Fotostory

Myanmar/Thailand: Ein junger Transmann aus Myanmar erzählt von seinem Coming of Age in Zeiten
der Revolution.

„Talking to the moon“ ist eine dokufiktionale Rekonstruktion der Erinnerungen von Oo, einem jungen Transmann aus Myanmar. Die Fotos entstanden in Thailand mit seinen Freund:innen als Darsteller:innen. Oos Geschichte erzählt von seiner Identitätssuche und seinem Aktivismus. Sie zeigt, wie politische Gewalt, Jugend, Freundschaft und Selbstfindung nicht nacheinander, sondern gleichzeitig stattfinden, und sich gegenseitig beeinflussen.

In diesem am 25. November 2025 geführten Interview sprechen wir über die wichtigsten Stationen seiner Geschichte.

südostasien: Magst du dich unseren Leser:innen selbst vorstellen?

Oo: Ich bin Oo, ich komme aus Myanmar. Ich bin jetzt vierundzwanzig Jahre alt und ich bin ein Transmann.

Wie würdest du dich selbst beschreiben? Und wie würden deine Freund:innen dich beschreiben?

Vielleicht würden meine Freunde sagen, dass ich freundlich und hilfsbereit bin. Und dass ich höflich bin. Das war’s eigentlich. Ich weiß nicht so genau, wie ich mich selbst beschreiben soll.

Wie war dein Leben, bevor die Revolution beziehungsweise der Coup begonnen hat?

Es war eine sehr schöne Zeit in meinem Leben. Ich war damals Student, habe bei meinen Eltern gewohnt. Ich musste mir keine Sorgen machen, nicht einmal darüber, was ich esse oder wann ich koche. Es gab keinen Druck, ich musste kein eigenes Geld verdienen. Ich habe sehr komfortabel gelebt und ich hatte viel Freude in meinem Leben. Auch mein Land war damals ein sehr schöner Ort. Ich hatte viele Möglichkeiten, und es hat sich leicht angefühlt, erwachsen zu werden.

Was wolltest du damals werden? Hattest du eine Vorstellung, was du einmal machen willst?

Eigentlich wusste ich gar nichts. Ich hatte das Gefühl, ich habe alles im Leben und ich hatte keinen wirklichen Antrieb für etwas Bestimmtes. Ich habe mir nicht einmal Fragen gestellt wie „Wer bin ich?“. Ich musste mir damals einfach über nichts Sorgen machen.

Was hat sich seitdem verändert?

Ich glaube, als wir von einem Safehouse zum nächsten weiterziehen mussten, wurde mir klar, wie wichtig ein Zuhause für uns Menschen ist. Ein Zuhause bedeutet, dass wir einen Ort haben, an den wir zurückkehren können, wenn wir müde sind. Wie Tiere, die immer wieder nach Hause kommen. Als ich mein Zuhause verlassen musste und wir ständig den Ort wechselten, habe ich mich angefangen zu verändern.

Wie hast du dich verändert?

Vielleicht mein Verhalten und meine Denkweise. Ich habe angefangen, mit einer anderen Perspektive zu denken und viel mehr auf die Gefühle anderer zu achten. Vorher habe ich nie aus der Sicht anderer gedacht. Das Leben hat mich hart getroffen, ich habe angefangen zu kämpfen. Aber es gab ältere Mitglieder in unserer Gruppe, die mir geholfen haben.

Was hat dich motiviert, Teil der Bewegung zu werden und dich der Revolution?

Am Anfang bin ich einfach mit einem Protestplakat rausgegangen. Und dann, eines Abends an der Station Hlaing Thar Yar in Yangon, haben Soldaten und Polizei angefangen, auf Bürger:innen zu schießen. Unsere Leute hatten keine Waffen, nichts, womit sie sich verteidigen konnten – und trotzdem haben die Soldaten geschossen. Die Menschen aus Hlaing Thar Yar haben sich nur mit Messern verteidigt. Sie sagten: „Wenn ich falle, wenn ich sterbe, dann könnt ihr über mich hinweggehen und weiterkämpfen.“ Das war unglaublich. Wir hatten davon nur online gehört. Und in dem Moment wollte ich unbedingt helfen, mich einbringen, verteidigen. Weil wir müssen. Wir sind Bürger:innen von Myanmar, wir müssen uns gegenseitig schützen. Danach wollte ich unbedingt etwas beitragen – Produktion, Verteidigung, irgendetwas. Hauptsache, wir tun etwas.

Seitdem sind fünf Jahre vergangen. Wie denkst du heute darüber?

Ich habe mich verändert. Als ich mein Land verlassen habe, wurde mir klar: Wir können nicht. Ich kann nicht. Nicht allein. Es ist zu kompliziert und zu groß, was da alles passiert. Solange ich dort lebe, kann ich das nicht alleine stemmen. Ich konnte nicht einmal mein eigenes Essen normal essen in dieser Situation. Heute hat sich meine Umgebung verändert und meine Gedanken haben sich verändert. Aber ich glaube trotzdem, dass diese Situation irgendwann einen besseren Weg für unser Land bringen wird. Und ich möchte Teil der Übergangsphase sein. Ich möchte helfen, unser Land zu verbessern.

Und wenn du mit dieser Foto-Story zurückschaust – was war von allem der schwierigste Moment?

Das Schwierigste war, sich allein zu fühlen im Kampf gegen all die Probleme. Es kam so viel Schwieriges auf uns zu, aber ich wusste, dass ich es schaffen kann, weil die anderen Mitglieder bei mir waren. Aber als ich nach Mae Sot ging, war ich plötzlich allein. Und es war sehr schwer, die anderen Mitglieder zu verlassen. Auch wenn es sich schon vorher so angefühlt hatte, als würden alle langsam verschwinden. Es war schwer, Abschied zu nehmen.

Und was – auch wenn ihr so viel durchmachen musstet – der schönste Moment?

Bevor unser ‚Nest‘ vom Militär gefasst wurde, gab es einen sehr schönen Moment: Eines Abends kamen meine Brüder und ich vom Einkaufen zurück, wir hatten Fitnesszubehör gekauft. Wir haben herumgealbert, dass wir trainieren und stärker werden müssen. Die anderen Mitglieder haben gekocht, wir haben gefeiert, gegessen, gelacht und über so vieles gesprochen. Wir waren voller Vorfreude auf unseren Weg. Es fühlte sich an, als würden wir ankommen, unsere Produktion wurde immer größer. Es war ein wunderschöner Moment – bevor der Sturm kam.

Warum möchtest du diese Fotostory „Talking to the Moon“ nennen?

Gute Frage. Damals habe ich das Lied „Talking to the Moon“ ständig gehört und gesungen. In einem der Häuser gab es eine dabba, ein Dach, und wir sind dort immer für die Produktion hingegangen. Wir saßen dort, redeten, bauten unsere Community auf. Und ich habe immer in den Himmel geschaut, als wollte ich ihm etwas sagen. Und dann sah ich den Mond. Es fühlte sich an, als hätte der Mond mich gewählt und ich den Mond. Also fing ich an zu singen. Die anderen haben mich ausgelacht und gesagt: „Wow, du bist wirklich ein Idiot.“ Aber ich weiß, dass sie den Moment genauso geliebt haben. Das war mein „Talking to the Moon“.

Und wie war das mit deiner Transition? Auch das ist Teil deiner Geschichte.

In meiner Geschichte gibt es zwei Teile – den körperlichen und den spirituellen Übergang. Körperlich habe ich vor dem Coup schon Testosteron gespritzt, 2018/2019. Und als der Coup begann, habe ich wieder damit angefangen. Das hat auch meinen Geist beeinflusst – positiv und negativ. Als ich das Haus verließ und wieder spritzte, hat das meine Gefühle durcheinandergebracht. Ich fühlte mich einsam. Mein Kopf war nachts völlig verdreht, während wir produzierten [gemeint ist das Bauen improvisierter Sprengsätze, d.R.]. Ich fragte mich: Warum fühle ich mich so allein? Warum mache ich das hier? Ich könnte zu Hause schlafen. Das war ein Teil meines Übergangs. Der andere Teil ist spirituell: Ich hatte das Gefühl, jetzt ist die Zeit, mein Zuhause zu verlassen. Vorher wollte ich nie gehen. Ich habe die Welt beobachtet, meine Umgebung wahrgenommen und viel gelernt – von älteren Mitgliedern, von ihren Lektionen, wie ich sprechen oder mich verhalten soll. Es war eine große Veränderung.

Warum hast du deine Transition – auch vor deinen engen Freunden – am Anfang versteckt?

Das ist meine Persönlichkeit. Ich bin Einzelkind. Selbst meinen Eltern habe ich nie erzählt, dass ich spritze. Ich hatte Angst, dass sie mich eines Tages nicht akzeptieren. Ich hatte Angst, dass sie mich verlassen. Ich habe es versteckt, obwohl sie es eigentlich wussten. Aber ich hatte damals wenig Selbstvertrauen. Ich wusste nicht, wer ich bin oder wer ich sein will.

Wie fühlst du dich heute damit?

Ich finde mich immer noch, aber ich habe eine klare Vision von mir. Heute erzähle ich alles meinem Partner und meinen Freunden. Auch wenn sie denken, dass ich nervig bin – egal. Ich will nichts bereuen. Ich muss mich ausdrücken.

Und als du es deinen Eltern gesagt hast, wie haben sie reagiert?

Letztes Jahr habe ich es erzählt. Ich habe viel geweint. Ihre Reaktion war sehr neutral, weil sie nicht gut darin sind, Gefühle zu zeigen. Ich habe das wohl von ihnen. Aber sie sagten, sie lieben mich so, wie ich bin. Es war eine Erleichterung, weil die ganze Angst nur in meinem Kopf war.

Was würdest du dem Oo von vor fünf Jahren sagen, wenn du ihn heute treffen würdest?

Dass er ein schönes Zuhause hat und Menschen, mit denen er über seine Gefühle sprechen kann. Dass er viele Menschen an seiner Seite hat. Und dass er mutig sein soll und auf ihre Liebe zugehen. Dass er seine Gefühle, seine Identität aussprechen soll. Und dass er bis hierhin einen guten Weg gegangen ist.

Gibt es noch etwas, das du sagen möchtest? Warum du deine Geschichte erzählen willst?

Ich bin sehr aufgeregt, sie zu erzählen. Weil es nicht nur ich war, wir haben uns alle gegenseitig unterstützt. Ich möchte, dass andere unsere Geschichte kennen, weil niemand wusste, wie viel wir kämpfen mussten. Wir haben nicht nur für uns, sondern auch für unser Land und unser Zuhause gekämpft. Unser Land ist unser Zuhause. Und ich möchte zeigen, dass wir Jugendlichen nicht klein sind. Viele denken, wir könnten nichts, aber ich weiß, dass wir es können. Ich schätze die Mühe unserer Teammitglieder sehr. Und ich glaube, dass Myanmar eines Tages das Auserwählte sein wird.

Fotos, Interview und Übersetzung aus dem Englischen: Miriam Hauertmann (alle Rechte vorbehalten).

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