1 | 2025, Deutschland, Indonesien,
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Seit 40 Jahren eine verlässliche Stimme der Basis

südostasien, Jubiläum DW

Die Vielfalt der südostasien zeigt diese Zusammenstellung einiger Cover aus 40 Jahren bei der Feier des Jubiläums im Juli 2025 in Köln. © Hendra Pasuhuk

Indonesien/Südostasien/Deutschland: Das Indonesien-Programm der Deutschen Welle würdigt 40 Jahre südostasien. Wir haben den Beitrag aus dem Indonesischen für euch übersetzt.

Dieses deutsche Magazin verkauft keine Werbung, setzt nicht auf Clickbait – und besteht dennoch seit 40 Jahren. südostasien ist vielleicht kein Lieblingsmedium für Investor:innen, aber ein Zuhause für Aktivist:innen und die Stimmen von Minderheiten aus Südostasien.

Während viele Indonesier:innen begeistert Reels schauen oder durch TikTok scrollen, berichtet das Redaktionsteam von südostasien weiterhin über Sandabbau, Landraub und ähnliche Themen in Indonesien und weiteren Ländern Südostasiens.

Meilenstein für die südostasien

2025 markiert einen wichtigen Meilenstein für die südostasien. Das unabhängige Magazin feiert sein 40-jähriges Bestehen. Das Magazin wird von der Stiftung Asienhaus und dem philippinenbüro herausgegeben und versteht sich als ein beständiges öffentliches Forum, das wichtige Themen aus und über Südostasien an Leser:innen in Deutschland und Europa vermittelt.

Aus der Initiative der 1980 gegründeten „Südostasien Informationsstelle“, einer Institution für Information und Bildung, ging südostasien hervor. Die Nullnummer der Südostasien Informationen erschien 1984, die erste ‚offizielle‘ Ausgabe folgte 1985. Seither erscheint das Magazin periodisch und liefert Berichte und kritische Bewertungen aus Südostasien.

südostasien, Jubiläum DW

südostasien- Herausgeberinnen Monika Schlicher (Stiftung Asienhaus) und Mirjam Overhoff (philippinenbüro) am 5. Juli 2025 in Köln beim Asientag, wo das 40jährige Jubiläum der Zeitschrift gefeiert wurde. © Lilli Breininger

Die Stiftung Asienhaus ist bekannt für die Förderung des kulturübergreifenden Dialogs und globaler Solidarität mit Fokus auf Asien. Geschäftsführerin Monika Schlicher sagt, es habe in den letzten Jahren viele Veränderungen in den Ländern Südostasiens gegeben: „Wir begleiten die Zivilgesellschaften in der Region. Mit dem Magazin südostasien machen wir ihre Stimmen hörbar, indem wir sie interviewen und sie bitten, eigene Beiträge zu verfassen. Wir publizieren diese Beiträge für die deutschsprachige Gesellschaft.“

Perspektiven der Betroffenen

Das Magazin ist für seine direkte Zusammenarbeit mit Aktivist:innen, Akademiker:innen und Journalist:innen aus Südostasien sowie der südostasiatischen Diaspora in Europa bekannt. Die meisten Artikel berichten über direkte Erfahrungen vor Ort und enthalten exklusive Interviews, kritische Meinungen und Betrachtungen zu Kultur und Politik.

Raphael Göpel, in der Stiftung Asienhaus zuständig für Indonesien und Kambodscha, sagt: „Dieses Magazin ist einzigartig im deutschsprachigen Raum, weil es Berichte aus Indonesien und anderen Ländern Südostasiens direkt von Autor:innen der Region liefert.“

Anett Keller, Koordinationsredakteurin der südostasien, sagt, dass sich zu wenige Menschen in Deutschland für Indonesien interessierten. Jedoch verfolgten Vertreter:innen der Zivilgesellschaften beider Länder dasselbe Ziel: Sie wollen eine gerechtere Welt und setzen sich für Umwelt-, Menschenrechts- und Sozialthemen ein. „Die südostasien ist ein Medium, das in Solidarität mit den Zivilgesellschaften Indonesiens und weiterer Länder Südostasiens zusammenarbeitet. Die Menschen, die sich dort und hier engagieren, arbeiten gemeinsam für eine bessere Welt“, betont sie.

Raum für Länderübergreifende Themen

In jeder Ausgabe des Magazins stehen Länder wie Indonesien, die Philippinen, Thailand, Myanmar, Vietnam, Malaysia, Singapur, Laos und Timor-Leste im Mittelpunkt. Das Magazin bietet auch Raum für Länderübergreifende Themen wie die Klimakrise, Menschenrechte, Demokratisierung, Feminismus, Migration und den Widerstand gegen den Neoliberalismus.

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Die südostasien entsteht gemeinschaftlich. Das Foto entstand bei einer Redaktionssitzung im Jahr 2013. © südostasien

Majid Lenz, Referent für Myanmar in der Stiftung Asienhaus, erklärt, warum sich Deutschland und Europa für die Probleme in Südostasien engagieren. Er nennt das Beispiel der häufig vorkommenden Ausbeutung im Bergbausektor, zum Beispiel in der Nickelindustrie in Indonesien.

„Europa ist auf Rohstoffe angewiesen. Doch im Bergbau gibt es Probleme für die Arbeiter:innen, die Vertriebenen und die schwindende Natur. Es braucht den progressiven Dialog, denn wir müssen gemeinsam einen Weg finden, eine grüne Transformation zu erreichen, ohne dabei Raubbau in Indonesien oder anderen Ländern zu betreiben“, erklärte er.

Offenes und partizipatives Redaktionsmodell

Das Redaktionsmodell ist partizipativ und setzt auf ehrenamtliche Mitwirkende sowie thematische Gruppen, die je nach Land oder Fragestellung variieren. Der redaktionelle Ablauf wird gemeinschaftlich und auf Basis von Inklusion, ohne strenge Hierarchie, durchgeführt. Anett Keller ist derzeit die Koordinatorin der Redaktion. Sie arbeitet zusammen mit einem Netzwerk aus Beitragenden verschiedener Professionen und Altersgruppen.

Das Magazin liefert nicht nur Berichte, sondern schafft auch einen Raum der Reflexion und Solidarität zwischen den Zivilgesellschaften Südostasiens und Europas. Dem Redaktionsteam der bis 2018 gedruckt erschienenen Ausgabe war bewusst, dass es im digitalen Zeitalter zunehmend schwierig ist, Menschen mit einem Printmedium für wichtige Themen, die sie betreffen, zu interessieren. 2018 wurde die südostasien daher zu einer digitalen Open-Access-Plattform gewandelt. Diese Veränderung ermöglicht einen breiteren und offenen Zugang ohne Abonnement und erweitert zugleich die Leserschaft auf die südostasiatische Diaspora sowie auf internationale Gemeinschaften, die an der Region interessiert sind.

40-jähriges Jubiläum

Das 40-jährige Jubiläum der südostasien fand am 5. Juli in Köln im Rahmen des Asientages statt, der den Titel „Macht, Medien und Menschenrechte“ trug. Es wurden verschiedene Themen diskutiert, darunter die Situation der Rohingya in Myanmar, Basisbewegungen auf den Philippinen, Geschlechterfragen in Timor-Leste sowie die Entwicklung der Medien in Indonesien. Es wurde Kritik an ungerechten globalen Wirtschaftsbeziehungen sowie an geopolitischen Veränderungen geäußert, die die Bevölkerung Südostasiens betreffen.

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Koordinationsredakteurin Anett Keller (links), Redakteur Raphael Göpel (Mitte) und Herausgeberin Mirjam Overhoff (rechts) bei der Feier des 40-jährigen Jubiläums der südostasien in Köln. © Lilli Breininger

Das Jubiläum war nicht nur eine Gelegenheit, zurückzublicken, sondern auch, eine neue Vision zu entwickeln: Wie kann die südostasien in Zukunft im Kampf für Zivilrechte relevant bleiben?

Raphael Göpel, Mitglied des Redaktionsteams, betont, dass das Magazin nach 40 Jahren noch immer relevant ist, weil sich Fragen nach Umwelt, Landraub und Redefreiheit noch immer stellen und in den sozialen Medien weiterhin diskutiert werden. Er nennt das Beispiel Indonesien: „Es gibt selbstverständlich verschiedene Aspekte von Menschenrechten, aber wir sehen auch, dass es insbesondere in Papua in Bezug auf die Sicherheitslage und die Konflikte vor Ort bereits zu einer Eskalation gekommen ist. Wir betrachten dies mit großer Sorge und aus menschenrechtlicher Perspektive. Internationale Journalist:innen und Hilfsorganisationen sollten Zugang nach Papua erhalten dürfen“, betont er.

Ein Forum, das sich weiterbewegt

Während der Podiumsdiskussion zum Jubiläum der südostasien betont Hendra Pasuhuk, dass die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI) großen Einfluss auf die Medien habe: „Wir müssen aufmerksam sein. Selbstverständlich kann sich die Medienbranche der Entwicklung der KI nicht entziehen. Allerdings ist die Rolle der Journalist:innen hinsichtlich ihrer Verantwortlichkeit für die Gesellschaft nach wie vor von großer Bedeutung, um die Demokratie zu fördern“, so Hendra.

In einer Welt, die zunehmend von schnellen und oberflächlichen Informationen dominiert wird, bleibt die südostasien ein Raum der Reflexion, in dem den Stimmen Gehör geschenkt wird, die selten eine Bühne bekommen. Mit seinem offenen und partizipativen Format zeigt das Magazin, dass alternative Medien nach wie vor sehr relevant sind. südostasien ist seit 40 Jahren nicht nur ein Magazin, sondern auch eine Brücke der Solidarität, eine Erinnerung an die Bedeutung der Perspektiven des Globalen Südens und ein lebendiger Dialograum zwischen Asien und Europa.

Dieser Artikel erschien zuerst am 11. Juli 2025 auf Indonesisch bei der Deutschen Welle (DW). Wir danken der DW für die freundliche Genehmigung zur Publikation in der südostasien.

Übersetzung aus dem Indonesischen von: Mustafa Kurşun

Autor:in

  • Ayu Purwaningsih ist die erste Preisträgerin des „Journalism for Tolerance Prize“ der International Federation of Journalists (IFJ) in Südostasien 2003 und 2004. Sie ist Absolventin der DW Akademie International Media Studies. Ayu ist außerdem eine international zertifizierte Journalismus-Ausbilderin. Sie bildet viele Frauen in Indonesien zu Journalistinnen und Kameraleuten aus. Frauen sind in den indonesischen Medien extrem unterrepräsentiert. Ayu konzentriert sich in ihrer Berichterstattung auf Extremismus, Minderheiten und die Umwelt.

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Seit 40 Jahren eine verlässliche Stimme der Basis

Indonesien: Mithilfe sozialer Medien stellen sich Menschen der Herrschaft traditioneller Maskulinität entgegen.

Auf den ersten Blick erscheint das Instagram-Konto von Dhamang Pangaribawan wie ein Koch-Channel. Seine kurzen Videos dauern weniger als eine Minute. Zu sehen ist ein Mann mit langen Haaren und legerer Kleidung, der für seine Frau kocht. Er beginnt jedes Video mit den Worten: „Was kann ich für dich kochen, mein Schatz?“

Die Aufmerksamkeit der Zuschauer wird nicht nur durch das Rezept, sondern auch durch die unterschwellige Botschaft geweckt. Diese lautet, dass Männer in der Küche sein können oder sollten. „Ich habe lange Haare und ich liebe schwere Musik. Aber ich kann trotzdem kochen und meiner Frau das Essen servieren“, sagte Pangaribawan. „Maskulinität sollte kein Grund sein, sich vor Hausarbeit zu drücken.“

Der auf Bali lebende Pangaribawan ist im Alltag kein Koch, sondern 3D-Charakter-Modellierer und Texturkünstler. Aus seiner Küche heraus führt er via soziale Medien den Kampf gegen toxische Männlichkeit, die das Leben vieler indonesischer Männer – und Frauen – noch immer beherrscht.

Kochen als Geschlechtersymbol

Die Idee für die Koch-Videos basiert weder auf algorithmischen Berechnungen noch auf Branding-Strategien. „Es hat mit Gesprächen zwischen meiner Frau und mir zu Hause angefangen, in denen es um Gleichberechtigung und geteilte Rollen ging“, sagt er. Doch als eines seiner Kochvideos viral ging, sah er seine Chance: „Kochen ist ein starkes Geschlechtersymbol. Da die Hausarbeit seit Langem als ‚Frauensache‘ betrachtet wird, habe ich diese Gelegenheit genutzt, um die Gleichberechtigung anzusprechen.“

Allmählich begann seine Botschaft, die Küchen seiner männlichen Anhänger zu erreichen. Seine Freunde fingen an den Preis von Chilis zu kennen, einkaufen zu gehen und sogar in der Küche zu helfen. Pangaribawan sagt, viele seiner Kollegen fühlten sich ausschließlich fürs Geld verdienen (‚Ernährer sein‘) zuständig. „Sie sind der Meinung, dass Kinderbetreuung nur eine Aufgabe für Frauen ist“, sagt er. „Ein weiteres Problem ist, dass auch Männer einen Raum zum Sprechen und Mitteilen brauchen. Aufgrund von Ego, Stolz und gesellschaftlichen Erwartungen behalten sie jedoch alles für sich.“

Dies, so erklärt er, führe zu einem umfassenderen Problem: schlechter psychischer Gesundheit bei Männern – manchmal mit tragischen Folgen. Er beschrieb das Phänomen der „Einsamkeitskrise unter Männern“ („Lonely Male Epidemic“) in Bali, wo Männer unter extremem Druck stehen. Manche würden ihrem Leben selbst ein Ende setzen, sagt Pangaribawan, „weil sie kein emotionales Ventil haben. Sie können nicht einmal ihre emotionalen Belastungen mit ihren Frauen teilen.“

Macht, Gewalt und legitimierte Herrschaft

Pangaribawan zufolge ist toxische Maskulinität direkt mit häuslicher Gewalt verbunden. Wenn Maskulinität mit Überlegenheit gleichgesetzt wird, dann treibt sie Männer zum Dominieren und Bezwingen – sogar durch Gewalt. „Dennoch betrachtet die Gesellschaft dies als eine private und familiäre Angelegenheit, in die man sich nicht einmischen sollte. Das ist gefährlich,“ sagt er.

Er weist auch darauf hin, dass selbst, wenn der Mann offensichtlich im Unrecht ist, in Fällen von Untreue immer noch die Frauen beschuldigt würden. Was noch schlimmer sei, sagte er, sei, dass selbst die Frauen dieses Narrativ oft unbewusst aufrechterhalten, indem sie Frauen, die kochen und sich um das Haus kümmern, als „ideale Frauen“ loben und jene, die weniger traditionellen Rollen folgen, verspotten.

Pangaribawan zufolge werden männliche Stimmen mehr gehört als weibliche – auch wenn es um Gleichheit geht. „Daher bin ich der Meinung, dass Männer sich beteiligen müssen, um dieses Thema anzusprechen. Wenn ich mit meinen männlichen Freunden über Feminismus spreche, könnten sie mir zuhören. Aber wenn meine Frau dasselbe sagt, würden sie sie vielleicht abtun.“

Mit seinem Koch-Content nimmt Pangaribawan seine Rolle als Verbündeter im Kampf für die Gleichstellung der Geschlechter wahr. Er erwähnt auch, dass neben seinem eigenen viele weitere Accounts in den sozialen Medien, wie zum Beispiel die der Allianz der neuen Männer (ALLB), eine wichtige Rolle gespielt hätten, die Gesellschaft über den Abbau toxischer Maskulinität aufzuklären.

Gemeinsam für neue Narrative

Nur Hasyim, Mitglied von ALB, ist als Autor, Geschlechter-Aktivist und Dozent an der Walisongo State Islamic University in Semarang tätig. ALB bringe Menschen zusammen, so Hasyim, um über die seit ihrer Kindheit ‚hergestellte‘ Maskulinität, Gewalt erzeugende soziale und kulturelle Strukturen, sowie die aktive Rolle, die Männer bei der Auflösung der Geschlechterbeherrschung spielen können, nachzudenken.

Hasyim zufolge sind Männer von kleinauf darauf geprägt, die Verletzung der körperlichen Autonomie von Frauen zu normalisieren. „Jungen wird selten etwas über Einwilligung beigebracht“, sagt er. „Das führt dazu, dass sie aufwachsen, ohne die Bedeutung des Respekts gegenüber den körperlichen Grenzen und der physischen Unversehrtheit von Frauen zu verstehen.“ Er fügt hinzu, dass diese Unwissenheit zu hohen Raten sexueller und häuslicher Gewalt beitrage.

„In Alumni-Gruppen oder Treffs, in denen sexistische Witze und frauenfeindliche Kommentare an der Tagesordnung sind, haben viele Männer das Gefühl, ihr ‚männliches Image‘ aufrechterhalten zu müssen, um dazuzugehören.“ In Kooperationen mit Frauenorganisationen und anderen Instituten entwickelt ALB deshalb Bildungsmaterialien zu den Themen Maskulinität und Gleichberechtigung.

Räume der Transformation

Auch andere männliche Influencer auf Instagram sprechen sich gegen toxische Maskulinität aus. Einer davon ist @lawan_toxicmasculinity, der vom Psychologen Yovinus Guntur betrieben wird. Er verfolgt einen lehrreichen und empathischen Ansatz, um toxische maskuline Ideale wie das Verbot des Weinens, den Druck, ein ‚Ernährer‘ zu sein, und die Gewohnheit, Gefühle zu verdrängen, aufzulösen.

Andere Accounts wie @masculinrepair und @laki_laki_feminis haben zwar weniger Follower, entwickeln sich aber ebenfalls zu Räumen, in denen junge Männer mehr über Geschlechterrollen, Privilegien und den Aufbau gesünderer, gerechter Beziehungen lernen können.

„Auch Männer sind Opfer dieses Systems“

Die Autorin und Genderaktivistin Kalis Mardiasih betont, es sei entscheidend, dass Männer, die sich dieser Probleme bereits bewusst seien, ihre Stimme erhöben, da ihre Stimmen in einem zutiefst patriarchalen System oft mehr gehört würden. „Es ist ironisch, aber die Stimmen von Männern werden oft als legitimer betrachtet, wenn es um Feminismus geht“, sagte sie.

Diese progressiven Accounts stellen sich einer Welle frauenfeindlicher Inhalte entgegen, die viral gehen und oft als Ausdruck ‚echter Männlichkeit‘, zum Teil in religiöse und nationalistische Rhetorik verpackt, auftreten. Ein anschauliches Beispiel dafür ist Andrew Tate, der ein Image von dominanter, aggressiver und frauenfeindlicher Männlichkeit fördert. Laut Mardiasih hat sich sein Einfluss auch in Indonesien verbreitet, wo lokale Content– Creator ähnliche Werte reproduzieren – auch auf vulgäre Weise.

Sie beschreibt diese Situation als „Tsunami der toxischen Maskulinität“, eine massive Identitätskrise der Männer, die sich fühlen, als würden sie die Kontrolle über eine sich wandelnde Welt verlieren. „Viele dieser Creator sind sich gar nicht bewusst, dass sie strukturelle Gewalt verbreiten. Sie glauben, dass sie Männer nur dazu motivieren, ‚Führungskräfte‘ zu werden“, sagt sie. Tatsächlich verstärken solche Narrative bestehende Herrschaftsmuster, marginalisieren Frauen und können Gewalt fördern.

Inmitten dieser Entwicklung werden Männerstimmen, die alte Normen in Frage stellen, umso wichtiger. „Auch Männer sind Opfer dieses Systems“, erklärt Mardiasih. „Ihnen wird nicht beigebracht, ihre eigenen Emotionen zu erkennen. Am Ende sind sie isoliert, gestresst und können sich selbst oder anderen schaden.“

Toxische Maskulinität in militärischer Kultur

Alle drei – Pangaribawan, Hasyim und Mardiasih – sind sich einig, dass toxische Maskulinität tief in politischen und militärischen Symbolen Indonesiens verwurzelt ist. Männliche Herrschaft zeigt sich auch in staatlichen Maßnahmen, in einem Regierungshandeln, das Mensch und Umwelt ausbeutet und dabei Fürsorge und Mitgefühl vernachlässigt.

„Nach ihrer Amtseinführung werden neue Gouverneure an die Militärakademie in Magelang geschickt, wo sie Armeeuniformen tragen müssen. Diese Zeremonie symbolisiert: Unser Land ist stolz auf Muskeln und Waffen, mehr als auf Empathie und soziale Fürsorge“, sagt Mardiasih.

Unter der aktuellen Regierung sei diese Form der toxischen Maskulinität noch sichtbarer geworden, fügte sie hinzu. „Schaut euch Prabowo Subiantos Kabinett an – voller alter Männer, die über Bergbau und Ressourcenausbeutung reden, ohne Perspektive auf Fürsorge oder Nachhaltigkeit. Das ist nicht nur maskuliner Stil – das ist ausbeuterische Maskulinität.“

Hoffnung und Lösungen im Kampf gegen toxische Maskulinität

Obwohl sich immer mehr Social-Media-Accounts gegen toxische Männlichkeit aussprechen, räumt Mardiasih ein, dass diese Stimmen nicht immer positiv aufgenommen werden. Dennoch glaubt sie, dass jede Stimme für Gleichberechtigung kleine Kreise des Wandels inspirieren kann.

Sie drängt darauf, dass die Lehre der Geschlechtergleichberechtigung so früh wie möglich beginnen muss – zu Hause, in der Schule und in Glaubensgemeinschaften. „Ansonsten wird die kommende Generation im selben Zyklus aufwachsen: Den Männern wird beigebracht, zu ‚ernähren‘, die Frauen werden dazu erzogen, zu dienen, und die Gesellschaft wird diese Ungleichheit weiter normalisieren“, sagte sie.

Pangaribawan glaubt, dass der Wandel mit kleinen Schritten beginnen muss – vom Kochen und dem Austausch über Gefühle am Esstisch bis hin zur Erkenntnis, dass Mannsein nicht Überlegenheit, sondern Gleichberechtigung bedeutet.

„Als Männer müssen wir anfangen zu reden, zuzuhören und einen Raum zu schaffen“, so Pangaribawan. „Denn wenn wir schweigen, werden wir Teil des Systems, das toxische Männlichkeit fördert. Wir müssen die patriarchalen Muster für das Gemeinwohl auflösen.“

Übersetzung aus dem Englischen von: Mustafa Kurşun

Autor:in

  • Ayu Purwaningsih ist die erste Preisträgerin des „Journalism for Tolerance Prize“ der International Federation of Journalists (IFJ) in Südostasien 2003 und 2004. Sie ist Absolventin der DW Akademie International Media Studies. Ayu ist außerdem eine international zertifizierte Journalismus-Ausbilderin. Sie bildet viele Frauen in Indonesien zu Journalistinnen und Kameraleuten aus. Frauen sind in den indonesischen Medien extrem unterrepräsentiert. Ayu konzentriert sich in ihrer Berichterstattung auf Extremismus, Minderheiten und die Umwelt.

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Seit 40 Jahren eine verlässliche Stimme der Basis

Indonesien: Frauen und ihr traditionelles Umweltwissen bewirken Veränderung in ganz Papua.

Papua ist seit Langem von komplizierten Sicherheitsdynamiken betroffen. Bestimmte Regionen sind bewaffneter Auseinandersetzung und der Präsenz von militärischen Operationen geprägt. Dies betrifft den Alltag vieler Gemeinschaften, beispielsweise wie Menschen auf das Land zugreifen, zwischen Territorien hin- und herziehen oder ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Inmitten dieser Herausforderungen sind die indigenen Gemeinschaften weiterhin auf die Wälder angewiesen. Diese bieten Lebensgrundlagen und sind zugleich Orte kultureller Identität. Deshalb ist der Waldschutz eng mit dem Schutz der Stabilität, der Würde und der Zukunft ihrer Familien verbunden.

In ganz Papua, von Jayapura in der Provinz Papua bis Tambrauw in der Regentschaft Südwest-Papua und Asmat in der Regentschaft Süd-Papua, führt eine Gruppe indigener Frauen, die auch als „Mama-Mama“ (was „Mütter“ bedeutet) bekannt ist, eine grundlegende Veränderung herbei. Sie sorgen nicht nur für ihre Familien, sondern agieren als zentrale Akteurinnen beim Schutz der Natur sowie Stärkung der lokalen Wirtschaft. Auch auf die Herausforderungen des Klimawandels reagieren sie auf eine Weise, die in ihrem eigenen kulturellen Wissen verwurzelt ist.

Dieses Netzwerk, das von WWF Indonesien unterstützt wird, umfasst mehr als zwanzig Gemeinschaftsgruppen mit über einhundert Frauen.

Das Teilen von eigenen Erfahrungen

Ihr Weg war nicht einfach. Zunächst fehlte vielen Frauen das Selbstvertrauen. Begriffe wie „Klimawandel“, „Adaptation“ und „Mitigation“ waren unbekannt, fern und wirkten sogar einschüchternd. Eine Frau erinnert sich, wie sie in einer Gruppendiskussion an sich gezweifelt hat: „Alle hier sind sehr gut ausgebildet. Ich möchte gehen. Ich verstehe nichts.“

Daraufhin änderte das Team des WWF seinen Ansatz. Anstatt technische Begriffe zu betonen, ermutigten sie die Teilnehmerinnen, von ihren eigenen Erfahrungen zu berichten: von den Wechseln der Jahreszeiten, von abnehmenden Ressourcen im Wald und von ihrer alltäglichen Überlebenspraxis. Allmählich wurde das Selbstvertrauen größer.

Umweltaktivistin und Leiterin des WWF-Forest & Wildlife-Programms in Papua, Wika Rumbiak, betont die Herausforderung einer patriarchalen Ordnung: „Viele Frauen durften die Dörfer nicht verlassen, um an den Treffen der Mütter teilzunehmen. Es hat Zeit gebraucht, Vertrauen aufzubauen, und auch ihre Familien waren daran beteiligt“, erklärt sie. Inzwischen treten die Frauen selbstbewusster in der Öffentlichkeit auf. „Sie hatten Angst, zu reden. Doch jetzt sind sie präsent, sogar auf nationaler Ebene“, so Wika Rumbiak.

Dieses wachsende (Selbst)Vertrauen hat Türen für eine stärkere Beteiligung bei der Vertretung von Betroffenen- und Minderheiteninteressen und bei gemeinschaftlichen Entscheidungsprozessen geöffnet.

Unterstützung der Lebensgrundlagen

Zudem wurde die wirtschaftlicher Selbst- und Gruppenorganisation unterstützt. Frauengruppen entwickeln derzeit Produkte auf Basis lokaler Ressourcen, darunter Sago, Maniok und Bananen. Laut Wika Rumbiak sind diese Gruppen nun in der Lage, Unternehmen eigenständig zu verwalten, ohne auf externe Unterstützung angewiesen zu sein. Gleichzeitig beteiligen sie sich am Schutz der Wälder.

Denn die Umweltauswirkungen von Großprojekten zunehmend sichtbar. In Regionen wie Sawe Suma in der Stadt Jayapura haben sich die Gemeinschaften dafür entschieden, die industrielle Expansion abzulehnen und stattdessen den Ökotourismus zu entwickeln. „Sie erkennen, dass der Schutz des Waldes tatsächlich langfristige Vorteile hat“, sagt Jeni Karay.

Wald-Wissen stärken und verbreiten

In Sausapor in der Regentschaft Tambrauw wurde Yesnath Dominggas, von allen liebevoll Mama Minggas genannt, zum Symbol dieser Bewegung. Sie engagiert sich für den Schutz der Wälder und ermutigt jüngere Generationen, sich ebenfalls dafür einzusetzen. „Ich bitte die Jugendlichen, die Paradiesvögel in ihren Lebensräumen zu schützen.“, so Mama Minggas über eine ihrer Aufgaben.

Mama Minggas erklärt außerdem, wie Naturschutz, traditionelle Lebensgrundlagen und gemeinsame Regelungen in ihrem Dorf Nanggouw miteinander verbunden sind. „Gemeinsam mit anderen Mamas und Frauengruppen verarbeite ich Waldprodukte. Aus der Rinde des Antiaris toxicaria-Baums [deutsch: Upasbaum, d.R.] stelle ich beispielsweise geflochtene Kunsthandwerksartikel her. Gleichzeitig unterstützen wir Naturschutzbemühungen, indem wir diese Bäume neu anpflanzen.“

Im Rahmen des Ökotourismus wird die Bewirtschaftung der Waldressourcen unterstützt und bietet somit Umweltschutz und wirtschaftliche Chancen für die lokale Bevölkerung. 2025 wurde in Nanggouw ein Entwurf für eine Dorfverordnung als Teil der Bemühungen zum Schutz der lokalen Flora und Fauna erarbeitet, die im gleichen Jahr in Kraft trat. Sie bietet nun noch besseren Schutz für Wildtiere, Pflanzen sowie das gesamte Waldökosystem.

Im Rahmen dieser Initiative seien von der Bewegung der Mütter Sanktionen für alle festgelegt worden, die gegen diese Regeln und Vorschriften verstießen, berichtet Mama Minggas. Neben den Ökotourismus‑Aktivitäten sind diese gemeinschaftlichen Regeln zu einem wichtigen Instrument zur Bewahrung der Biodiversität und zur Stärkung der lokalen Naturschutzpraxis geworden.

Auch bei den jüngeren Generationen vollzieht sich derzeit ein bedeutender Wandel. Wo Früher wurden wilde Vögel häufig zum Verzehr gejagt. Jeni Karay berichtet: „Heute sind es die Kinder, die ihre Eltern ermahnen: ‚Tötet sie nicht und nehmt ihnen die Eier nicht weg.“ Naturschutzwerte werden durch kulturell verankerte Bildung, zum Beispiel durch das Erzählen von Geschichten vermittelt.

Große „Entwicklungsprojekte“ sind Grund zur Sorge

Trotz der positiven Veränderungen bleiben die Herausforderungen bestehen. Großräumige so genannte Entwicklungsprojekte in Papua werfen Fragen zur Umweltverträglichkeit und zur Zukunft der indigenen Gemeinschaften auf.

In diesem Zusammenhang wird den Stimmen der Mütter inzwischen größere Bedeutung beigemessen – sowohl als Hüterinnen der Umwelt als auch als Fürsprecherinnen ihrer Gemeinschaften.

Wika Rumbiak betont, dass der Kampf der Mütter über den Umweltschutz hinausgeht. „Sie setzen sich dafür ein, dass ihre Kinder Zugang zu Bildung erhalten und zugleich die Natur als Teil ihrer kulturellen Identität bewahren“, sagt sie.

Denn indigene Frauen in Papua pflegen seit jeher eine tiefe spirituelle und praktische Beziehung zur Natur und betrachten Wälder nicht nur als Ressourcen, sondern als Quelle des Lebens und der Identität.

Diese Beziehung prägt die Weise, wie sie ihr Land bewirtschaften, die Biodiversität schützen und ökologisches Wissen über Generationen hinweg weitergeben. Dadurch werden sie zu Schlüsselakteurinnen bei der Erhaltung von Kultur und Umwelt.

Anerkennung des indigenen Wissens

„Die Mütter sind keine Neulinge im Naturschutz. Sie bewirtschaften Wälder, Flüsse und Ernährungssysteme seit jeher nach überlieferten Bräuchen, die über Generationen hinweg weitergegeben wurden“, sagt WWF-Koordinatorin Jeni Karay. Deshalb schaffe die Kooperation Räume, in denen dieses Wissen gestärkt und zwischen den Gemeinschaften in Jayapura, Tambrauw und Asmat ausgetauscht werden kann.

„Dank Plattformen für gegenseitiges Lernen und gemeinschaftsbasierter Schulungen sind Frauen, die früher zögerten, in der Öffentlichkeit zu sprechen, nun in der Lage, Erfahrungen über Dorf- und Ökosystemgrenzen hinweg auszutauschen – von Küstengebieten über Wälder im Landesinneren bis hin zu Gemeinschaften im Hochland“, so Wika Rumbiak. „Dieser Austausch hilft ihnen zu erkennen, dass ihre lokalen Maßnahmen Teil eines größeren Naturschutzsystems sind.“

Je stärker ihr Netzwerk wird, desto mehr positionieren sich die Mütter nicht nur als Mitwirkende, sondern auch als Entscheidungsträgerinnen und Fürsprecherinnen für ihr Umfeld. „Ihre Stimmen beeinflussen zunehmend die Art und Weise, wie Naturschutz und Entwicklung auf Gemeinschaftsebene diskutiert werden. Damit untermauern sie die Vorstellung, dass der Schutz der Wälder Papuas untrennbar mit dem Schutz der Identität, der Kultur und künftiger Generationen verbunden ist“, so Rumbiak.

Aus den Dörfern in die Welt

In vielen Gebieten Papuas sind Frauen traditionell für die Verwaltung der Ernährungssysteme, das Sammeln von Waldprodukten sowie die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts zwischen Nutzung und Erhaltung verantwortlich.

„Ihr Wissen über Jahreszeitenzyklen, Biodiversität und nachhaltige Erntepraktiken wurde über Generationen hinweg aufgebaut. In formellen Entscheidungsprozessen wird dieses Wissen jedoch oft unterschätzt“, sagte Rumbiak. „Deshalb sind Initiativen, die Frauen eine stärkere Stimme verschaffen, wie gemeinschaftliche Lernplattformen und Austausch von entscheidender Bedeutung, um lokales Wissen mit umfassenderen Klimaschutzbemühungen zu verknüpfen.“

Die Geschichte der Bewegung der Mütter aus Papua zeigt, dass tiefgreifende Veränderungen nicht immer ‚von oben‘ herbeigeführt werden müssen. Sie können aus den Gemeinschaften selbst entstehen – aus gelebter Erfahrung, Mut und einer tiefen Verbundenheit mit der Natur.

Übersetzung aus dem Englischen: Mustafa Kursun

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  • Ayu Purwaningsih ist die erste Preisträgerin des „Journalism for Tolerance Prize“ der International Federation of Journalists (IFJ) in Südostasien 2003 und 2004. Sie ist Absolventin der DW Akademie International Media Studies. Ayu ist außerdem eine international zertifizierte Journalismus-Ausbilderin. Sie bildet viele Frauen in Indonesien zu Journalistinnen und Kameraleuten aus. Frauen sind in den indonesischen Medien extrem unterrepräsentiert. Ayu konzentriert sich in ihrer Berichterstattung auf Extremismus, Minderheiten und die Umwelt.

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